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> Science Fiction > Die Traumvektor Tetralogie
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Science Fiction
Buch Leseprobe Die Traumvektor Tetralogie , Jeamy Lee
Jeamy Lee

Die Traumvektor Tetralogie



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Prolog


»Im richtigen Licht werfen auch kleine Ereignisse große Schatten.«¹


Es gibt Zeiten, in denen man sagen wird, hier und heute hat alles angefangen: Der Weg zurück zum Ursprung, wenn man es pathetischer wollte, in die Heimat. Oder zumindest an einen Ort, der sich so anfühlte, auch wenn er es nicht wirklich sein konnte, da sich eine zu große Kluft von Raum und Zeit zwischen uns und der Geschichte aufgetan hatte, als wäre man nach all den unzählbaren Jahrtausenden endlich zu Hause angekommen.


Doch wir wussten es besser. Dies hier war weder ein Anfang noch ein Wendepunkt, nicht einmal besonders erwähnenswert und hätte auch nie den Weg in die Geschichtsbücher der Menschheit gefunden, finden dürfen, wäre uns nicht ein kleiner aber entscheidender Fehler unterlaufen. Eine Unachtsamkeit, die uns Äonen später beinahe zum Verhängnis werden sollte und das Überleben nicht nur der Menschheit über Jahrtausende hinweg nur von zwei Dingen abhängig machen sollte: unserer Meisterschaft im Improvisieren und der Anhäufung besonders glücklicher Umstände. Menschen würden von Wundern sprechen, obwohl es so etwas wie Wunder nicht gibt – doch der Mensch liebte das Unerklärliche, daher wurde jedes Ereignis außerhalb seines geistigen Fassungsvermögens sogleich als untrügliches Zeichen eines allmächtigen Gottes gewertet.


So klein dieses auslösende Ereignis damals auch gewesen sein mochte, im Laufe der Zeit wurde es zu einem immer größeren Störfaktor. Das Chaos und seine seltsamen Auswüchse machten uns klar, dass auch hier letztendlich die alte Weisheit »Wahrscheinlichkeiten existieren nicht zu ihrem Vergnügen« mit unerbittlicher Beharrlichkeit und Unnachgiebigkeit auf ihre Erfüllung pochte.


Es war von Anfang an ein außerordentlich waghalsiges Abenteuer gewesen, auf das wir uns damals, auch wenn alles gegen einen Erfolg sprach, einlassen mussten. Ja, mussten! Ein Scheitern hätte alles infrage gestellt. Alles. Wir mussten es versuchen und wären beinahe gescheitert. Wir waren von falschen Annahmen ausgegangen, hatten die erwähnte kleine Unregelmäßigkeit im Gefüge übersehen, welche im Prinzip nur unserem Hochmut zuzuschreiben war, unseren Allmachtsfantasien. Wir hatten den menschlichen Forschergeist und Erfindungsreichtum als vernachlässigbar aus unseren Berechnungen eliminiert. Trotzdem oder gerade deshalb, gerade weil diese Anomalie mit vielen Unannehmlichkeiten verbunden war, hatte sie eine neue Tür aufgestoßen. Eine, die uns mit der wohl wichtigsten Eigenschaft des Universums vertraut machte: Nichts konnte den Lauf der Geschichte verändern oder gar stoppen. Der einzige Ausweg, der uns blieb, war der, sie von Anfang an neu zu schreiben. Alles, was geschehen war und geschehen wird, musste neu erdacht werden. Nicht einmal wir, die sie Götter nannten, waren in der Lage, dieses Naturgesetz zu brechen.


Götter!


Natürlich waren wir keine Götter; sind nie Götter gewesen. Höchstens uralt und technisch fortgeschrittener als es sich ein Mensch in seinen kühnsten Träumen hätte vorstellen können. Mehr als auch ich es mir in meinen wildesten Fantasien hätte ausdenken können. Und trotz unserer Überlegenheit, unseres beinahe unendlichen Wissens hatten wir das letzte Zeitalter, das Zeitalter der Dunkelheit und Kälte nicht abwenden oder es auch nur soweit verkürzen können, dass ein Überleben der Zivilisationen in diesem oder den anliegenden Universen möglich gewesen wäre.


Uns Göttern konnte dieses Zeitalter zwar nichts anhaben, dennoch mussten auch wir uns vorsehen und sichere Zufluchtsorte aufsuchen. Für alle anderen Lebewesen allerdings bedeutete der Todeskampf des Universums den sicheren Untergang. Deshalb mussten wir jetzt handeln. Jetzt, in den nächsten fünfzig Milliarden Erdjahren oder alle unsere Anstrengungen waren umsonst gewesen.


Fünfzigtausend Millionen Jahre! Wie konnte man einem Menschen einen solch immens langen Zeitraum verdeutlichen, ohne dass er dabei an die Grenzen seiner Vorstellungskraft stoßen und an den eigenen geistigen Fähigkeiten verzweifeln würde? Vom Kollaps des Gasnebels, welcher zur Sonne wurde und der Entstehung des Sonnensystems mit allen Planeten und sonstigen Gesteins- und Metallbrocken, bis zum Auftreten des ersten aufrecht gehenden »Australopithecus afarensis« in Zentralafrika namens »Dinknesh«² hatten 4,5 Milliarden Jahre Normalzeit im Einsteinraum ausgereicht. Für unser Vorhaben hatten wir mehr als elfmal so viel Zeit zur Verfügung, und dennoch war sie äußerst knapp bemessen, würde kaum reichen, unsere Pläne umzusetzen. Konnte ein Mensch das je begreifen?


Trotz allem, ich werde es immer wieder versuchen, werde es ihnen so lange erklären, bis sie es verstanden haben. Bis sie verstanden haben, welchen Einfluss sie auf die Entwicklung der Universen hatten und haben. Und würde man diesen Plan in einen kurzen Satz pressen wollen, dann könnte auch ein Mensch vielleicht eines Tages die Tragweite des Unternehmens verstehen: Wir hatten nichts Geringeres vor, als das gesamte Universum in seiner Unendlichkeit und darüber hinaus alle Universen vor der endgültigen Vernichtung zu bewahren. Zeit war daher kostbar. Zu kostbar, als auch nur ein einziges Jahrtausend mit dem Betrachten zeitlos schöner Sonnenuntergänge zu verbringen.


Ich drehte mich um, wandte meinen Blick von den Ufern des Aragar und der scharfen schwarzen Horizontlinie ab, die die einbrechende Nacht verkündete und der wartenden Gruppe »Götter« zu, die neben dem riesigen Spiegelturm standen, der uns lange als Basis gedient hatte und bald als letztes Monument hoch technisierter Zivilisationen auf einem verlassenen und in überschaubarer Zeit leeren Planeten zurückbleiben würde. Jenem unscheinbaren Gesteinsbrocken am Rande einer Spiralgalaxie, auf dem alles begann: dem Planeten ἔρα.³


Wir ließen unsere Körper, die wir nur aus sentimentalen Gründen geformt hatten, um Sonnenuntergänge, das Rauschen der Flüsse und die vielen anderen Sinneseindrücke, die nur diese Körper uns geben konnte, genießen zu können, zurück und lenkten unsere Aufmerksamkeit wieder auf die Unendlichkeit, die vor uns lag.


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