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Science Fiction
Buch Leseprobe Der Kommissar und sein Alien, Gerd Hoffmann
Gerd Hoffmann

Der Kommissar und sein Alien


Komplettausgabe

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Oberkommissar Förster


 


»...und wir verdanken Herrn Förster nicht nur eine ausgezeichnete Erfolgsquote bei der Aufklärung von Mord- und Totschlagsdelikten. Wir verdanken ihm außerdem den glücklichen Umstand, dank seines hohen Kaffeekonsums nie in die Verlegenheit zu kommen, altes Kaffeepulver verwenden zu müssen.«
Höfliches Gelächter brandete durch das Kommissariat, als Hauptkommissar Konitzki eine der durchaus zahlreichen Schwächen des frischgebackenen Oberkommissars erwähnte und damit auch seine Gratulationsansprache beendete. Richard Förster, dessen holpriger Karriereweg für diesen Moment ausnahmsweise einmal den Weg nach oben eingeschlagen hatte, nahm verlegen die Glückwünsche seiner Kollegen entgegen, während er dem kalten Buffet zustrebte.
»Gratuliere Herr Oberkommissar«, grinste ihn sein Kollege Lukas Bungert von der Seite her an. »Jetzt versuch aber auch mal, nicht erneut eine Disziplinarmaßnahme herauf-zubeschwören, indem du einen Dezernatsleiter wieder als alten vertrottelten Esel bezeichnest.«
Förster zuckte nur mit den Schultern, während er seinen Teller mit allerlei Fleischbällchen, einem Haufen Nudelsalat und einigen kleinen Cocktailwürstchen belud.
»Du hast ja recht, Lukas. Da habe ich übertrieben. Mit seinen vierzig Jahren ist er noch nicht wirklich alt.«
Bungert warf einen Blick auf Försters Teller und schüttelte den Kopf.
»Warum setzt du dich nicht gleich an das Buffet? Da sparst du dir den Weg zu einem Tisch und kannst immer wieder nachladen. Man könnte meinen, du würdest ein großes Frustfressen starten.«
Förster winkte etwas unwirsch ab und hätte dabei fast seinen gut gefüllten Teller auf den Boden geworfen.
»Ach Lukas, so ein bisschen ist Frust im Spiel. Da redet unser Vorgesetzter von Aufklärungsquoten und guter Polizeiarbeit und dabei kennen wir doch beide ganz genau den Grund für die Rückgängigmachung meiner Degradierung. Sie ist allein der Tatsache geschuldet, dass Mirelle den Weltuntergang verhindert hat. Konitzki kann sie ja schlecht dafür belobigen, also hat er aus Mitleid oder Schuldgefühl dafür gesorgt, dass man mir meinen alten Rang zurückgibt. Wenn es nach meinen Leistungen ginge, würde ich noch bei meiner Pensionierung auf diese Beförderung warten.«
Lukas verdrehte die Augen und ließ einen tiefen Seufzer los.
»Kennst du den Film ′Quo vadis?′, Richard? Dort ließ sich Nero in einer Szene sein Tränenkrüglein bringen. Soll ich mal nachsehen, ob die vielleicht auch irgendwo eins für dich haben? Du badest hier in Selbstmitleid, das ist schon nicht mehr mit anzusehen!«
Der frischgebackene Oberkommissar rundete die Komposition auf seinem vollgepackten Teller noch mit ein paar Gewürzgurken ab.
»Es stimmt ja, Lukas. Mir kann man es halt nie recht machen. Ich kann nun einmal nicht aus meiner Haut und mir ist diese ganze Feier etwas peinlich.«
Bungert stieß seinen Freund leicht in die Seite und grinste.
»Ich müsste eigentlich Trübsal blasen. Ich wurde nicht befördert, dabei hat mich dieser Mörder mit seinen komischen Strahlen angeschossen, nicht dich. Und meinen armen Wagen hat dein E.T. für seine Fahrversuche missbraucht, nicht deinen. Ich glaube, ich gehe mal zu Konitzki und beschwere mich.«


 


Förster war froh, als ihre Schicht endlich vorbei war und er sich in Lukas′ Wagen etwas ausstrecken konnte. Gut, dass sein Kollege diese Woche mit dem Fahren an der Reihe war. Er hätte heute dafür nicht die Nerven gehabt.
»Ich soll dich übrigens von Marc fragen, ob Onkel Richard und Tante Mirelle auch ganz bestimmt zu der Silvesterfeier kommen werden.«
Förster blickte seinen Freund und Kollegen verwundert von der Seite an.
»Tante Mirelle? Seit wann nennt er sie denn Tante?«
»Seit Weihnachten«, grinste Lukas, »sie hat ihn nur gebeten, dass er sie nicht gerade in deiner Gegenwart so nennt. Sie hat gemeint, du würdest es nicht so gut finden. Aber mein Sohn hat regelrecht einen Narren an ihr gefressen und sie kann scheinbar gut mit kleinen Kindern umgehen. Auch Mike hängt die ganze Zeit bei ihr, wenn ihr zu Besuch bei uns seid. Ist dir das noch nie aufgefallen? Was ich eigentlich schon immer fragen wollte: Wie sah das eigentlich auf ihrem Planeten mit Kindern aus?«
»Woher soll ich das denn wissen?«, brummte Förster unleidig. »Ich werde dieses Thema ganz bestimmt nicht anschneiden. Nachher versteht sie das noch irgendwie falsch.«
Schwungvoll parkte Lukas den Wagen vor Försters Wohnung und ließ seinen Kollegen aussteigen.
»Und wie sieht es jetzt aus mit der Silvesterfeier bei uns? Kommt Ihr?«, fragte er noch, während Förster ausstieg.
»Wenn sich dein Sohn so auf seine ′Tante′ freut, können wir ihn ja nicht enttäuschen, oder?«
»Nur nicht eifersüchtig werden!«, rief Lukas seinem Freund noch hinterher, nachdem dieser bereits die Wagentür geschlossen hatte.
Förster blickte dem abfahrenden Wagen noch ein paar Sekunden nach, bevor er die Haustüre aufschloss und die Treppen zu seiner Wohnung nach oben stieg.


 


Kaum hatte er seine Wohnung betreten, als sein Kater Stinker ihm zu seiner Überraschung mit hoch aufgerichtetem Schwanz um die Beine strich, seinen Kopf an ihm rieb und dabei schnurrte.
»Was ist denn mit dir passiert, kleiner Satansbraten? Wer bist du und wo ist mein Kater abgeblieben?«
Mirelle stand mit verschränkten Armen grinsend an der Wohnzimmertür und besah sich das Spektakel.
»Dein Kater ist intelligenter, als du denkst. Er weiß wahrscheinlich, dass du befördert wurdest, und somit auch mehr Geld verdienst. Er vermutet jetzt wohl, dass er besseres und reichhaltigeres Futter bekommen könnte, wenn er sich gut mit dir stellt.«
Förster verzog das Gesicht zu einer Grimasse und befreite sich von seinem Mantel.
»Diese Hoffnung kann er sich abschminken. Er bekommt jetzt schon das Super-deluxe-Futter, mehr gibt es nicht!«


Nun kam ihm auch Mirelle entgegen und umarmte ihn.


»Auch von mir alles Gute zur Beförderung. Du hast es dir verdient!«
Förster schnaubte kurz, aber vernehmbar.
»Ich würde eher sagen, dass du die Beförderung verdient hättest. Aber dich konnte Konitzki ja nicht befördern, also hat er sich dann notgedrungen für mich entschieden. Und was das Geld angeht: Die Beförderung bedeutet hauptsächlich, dass ich jetzt wieder einen Stern mehr auf der Schulter spazieren trage. Das Gehalt hatten sie mir nach meiner letzten Degradierung ja nicht gekürzt.«
Vorsichtig legte Förster eine mitgebrachte Plastiktüte auf den Wohnzimmertisch.
»Aber ich habe etwas von dem kalten Buffet mitgebracht. Da du ja kein Fleisch isst, habe ich für dich etwas Kartoffel- und Nudelsalat eingepackt.«
Mit spitzen Fingern hob Mirelle eine Ecke der Plastiktüte an und warf einen prüfenden Blick hinein.
»Wie lange standen die Salate denn in der Wärme? Dem Geruch nach zu urteilen habt ihr die Schalen mit den Salaten unter einer Höhensonne aufbewahrt.«
»Ach, ich wusste gar nicht, dass du einen Magen hast, den du dir verderben könntest! Du hast mir doch gesagt, du könntest deine Energie aus allen möglichen Dingen regenerieren«, zog sie Förster ein wenig auf.
»Das ist ja auch richtig, aber deswegen muss ich mich ja nicht an halb verdorbene Sachen halten.«
»Schon gut, es tut mir leid«, entschuldigte sich der Polizist, »ich habe vergessen, sie in den Kühlschrank zu stellen. Ich entsorge sie gleich. Ich wollte dich sowieso bei nächster Gelegenheit dazu einladen, mit mir meine Beförderung zu feiern.«
»Wir sollten uns damit aber beeilen, damit wir die Feier hinter uns gebracht haben, bevor sie dich wieder degradieren, weil du irgendeine Dummheit gemacht hast«, spottete Mirelle.
Förster hatte sich mittlerweile im Schlafzimmer von seiner Dienstkleidung befreit und war in etwas Bequemeres geschlüpft.


»Lukas hat mich übrigens gefragt, ob wir zu seiner Silvesterfeier kommen. Marc ist ganz wild darauf, seine Tante zu sehen«, erwähnte Förster das Gespräch mit seinem Kollegen.
»Dann müssen wir ja noch Geschenke besorgen«, erwiderte Mirelle, die nicht weiter auf die Bezeichnung ’Tante′ für sie einging.
»Wieso Geschenke?«, kam die irritierte Rückfrage. »Wir bringen etwas zu Knabbern mit, ein paar Luftschlangen, Lukas besorgt das Feuerwerk, die Getränke, das Blei und Anne macht etwas für das Abendessen. Und das war es dann auch schon.«
Nun war es an Mirelle, irritiert zu sein.
»Aber letzte Woche haben wir doch für jeden ein Geschenk mitgenommen. Und wir haben von ihnen auch Geschenke bekommen.«
Amüsiert schüttelte Förster den Kopf. Mit den Feiertagen hatte Mirelle immer noch so ihre Probleme.
»Letzte Woche war ja auch Weihnachten! Diese Woche ist Silvester!«
»Und was feiert man dann an Silvester?«, fragte die Frau wissbegierig.
»Das Neue Jahr!«, antwortete der Mann. »Um Mitternacht jagen wir Feuerwerkskörper in den Nachthimmel und gießen Blei. So haben wir es bisher immer gehalten.«
Mirelle konnte sich ein Lachen kaum verbeißen.
»Mit anderen Worten: Man feiert auf der Erde die Tatsache, dass sich der Planet auf seiner vorbestimmten Umlaufbahn um den Stern in der Mitte des Sonnensystems nicht verflogen hat. Herzlichen Glückwunsch, schon wieder eine Runde beendet. Wie schon etliche Millionen Male vorher auch. Na, das ist wirklich und wahrhaftig ein Grund zum Feiern. Und wofür dient das Blei? Ich hoffe doch nicht, dass Ihr das danach essen wollt, oder?«
»Natürlich nicht!«, wehrte Förster entsetzt ab. »Das Blei wird verflüssigt, in einen Topf mit kaltem Wasser geschüttet und anschließend wird mit Hilfe einer Kerze der Schatten des dabei entstandenen Gebildes an die Wand geworfen. Daraus kann man dann erkennen, was das zukünftige Jahr für einen bereithält.«
»Und das funktioniert?«, fragte Mirelle erstaunt.
»Ach was!«, grinste Förster. »Es ist doch nur ein Spiel. Ein Scherz zu Silvester!«
Mirelle kratzte sich am Kopf, wandte sich wortlos ab und ließ sich auf die Couch fallen, wo bereits Stinker auf seine abendlichen Streicheleinheiten wartete.
»Und so was nennt sich dann selber Krone der Schöpfung«, murmelte sie vor sich hin, während sie den Kater im Nacken kraulte.


 


Silvester


 


»Darf ich beim Feuerwerk mithelfen? Bitte Papi, ich passe auch auf!«
Der kleine Marc hatte es sich auf Mirelles Arm bequem gemacht und die ganze Zeit die Vorbereitungen für das Feuerwerk beobachtet. Er war zwar hundemüde, aber gleich-zeitig auch aufgeregt.
»Nein, Marc!«, entschied seine Mutter, »das ist viel zu gefährlich. Du kannst dir dabei böse wehtun. Du weißt doch noch, wie die Brennnesseln gebrannt haben? Feuer brennt noch viel schlimmer!«
»Ach Anne«, ergriff Mirelle Marcs Partei, »lass ihn doch eine Rakete anzünden. Ich passe auch auf, dass ihm nichts passiert!«
»Bitte Mama, Tante Mirelle und ich passen auch auf. Ganz großes Ehrenwort!«, blickte sie Marc flehend an.
Schmallippig blickte Anne auf ihren Sohn und auf die Frau. Abrupt wandte sie sich ab.
»Lukas, ich bin in der Küche und kümmer mich um das Abendessen!«
Ohne sich noch einmal umzusehen ging sie ins Haus zurück. Mirelle sah ihr etwas schuldbewusst hinterher.
»Hätte ich besser nichts sagen sollen, Lukas?«
Bungert stellte gerade mit seinem Kollegen eine ganze Batterie Feuerwerkskörper auf, deren Aussehen fatal an eine Stalinorgel erinnerte, und blickte die Frau von unten her an.
»Ach was, Anne ist nur manchmal etwas sehr besorgt, wenn es um ihre Kinder geht. Aber wenn du aufpasst, dürfte ja nichts schiefgehen. Wie kommt es eigentlich, dass du so gut mit Kindern umgehen kannst?«, erkundigte sich Lukas, ohne den Seitenblick seines Freundes zu beachten. »Hattest du zu Hause viel mit Kindern zu tun? Oder hattest du vielleicht selber welche?«
»Das... das ist nicht ganz einfach zu erklären.«
Etwas verlegen räusperte sich Mirelle.
»Bei uns funktioniert das... also das geht irgendwie anders.«
»Das müssen wir ja jetzt auch nicht ausdiskutieren«, half ihr Förster aus der Verlegenheit.
»Ich weiß, wo die kleinen Kinder herkommen!«, krähte Marc arglos. »Meine Mama sagt, die bringt der Storch.«
»Ja und deine Mama ist eine kluge Frau«, sagte Lukas während er seinem Sohn liebevoll über den Kopf strich, »die kennt sich mit solchen Sachen aus!«
In dem Moment öffnete sich das Küchenfenster und Anne lehnte sich etwas hinaus.
»Lukas, würdest du bitte mal mit Marc in die Küche kommen?«
»Wir kommen sofort«, antwortete Lukas, nahm Marc vorsichtig aus Mirelles Armen und verschwand im Haus.
»Tja junge Dame«, grinste Förster, »damit hast du jetzt das große Los gezogen, mir bei den Vorbereitungen zu helfen.«
»Na schön«, seufzte sie spielerisch, »ich hoffe aber, dieses Feuerwerk lohnt auch alle Mühen!«


 


Lukas kam mit Marc auf dem Arm in die Küche und sah seine Frau am Herd hantieren. Aus den Gesten, mit denen sie die Töpfe und die Pfanne bewegte, konnte er entnehmen, dass sie sich über irgendetwas geärgert haben musste. Vorsichtig setzte er seinen Sohn ab.
»Geh doch mal kurz in dein Zimmer, Sohnemann. Ich komme dich gleich wieder abholen.«
Mit einem Lächeln blickte er seinem Sohn hinterher, der wie ein kleiner Derwisch aus der Küche die Treppe hoch in sein Zimmer stürmte. Langsam näherte er sich seiner Frau und umarmte sie liebevoll.
»Hast du dich über irgendetwas geärgert, Schatz?«, fragte er vorsichtig.
»Tante Mirelle?«
Blass vor Wut drehte sich die Frau zu ihrem Mann um.
»Unser Sohn nennt dieses... dieses Ding Tante? Und du hältst das für normal?«
Lukas runzelte leicht die Stirn. Dass seine Frau Mirelle als ′Ding′ bezeichnete, gefiel ihm nicht besonders.
»Bitte, Anne, nenn sie nicht so. Sie hat uns allen erst vor fast einem Jahr das Leben gerettet und wäre dabei beinahe umgekommen!«


»Oh ja, ich weiß noch, was damals geschehen ist. Ich weiß noch, wie auf einmal ein mörderisches Monster hier bei uns im Wohnzimmer stand und unseren Sohn mitgenommen hat. Ich weiß noch, wie sehr es ihn traumatisiert hat, so dass er noch manchmal schreiend nachts aufwacht! Ich bin es dann, die an seinem Bett sitzt und ihn zu beruhigen versucht. Wer sagt uns denn, dass nicht auch dieses Ding irgendwann unser Kind einfach mitnimmt?«


 


Zufrieden blickte Förster auf seine Arbeit. Es war fast vollbracht, es fehlte nur noch der Knalleffekt für das große Finale. Suchend blickte er sich um, konnte aber die Rakete der Marke ′Fireblaster′ nirgends entdecken.
»Mirelle, könntest du gerade mal Lukas fragen, wo er unsere Hauptattraktion hingetan hat? Er weiß schon, was gemeint ist.«
»Bin schon unterwegs!«
Mirelle macht sich auf den Weg ins Haus, während ihr Förster hinterherblickte. Es hatte lange gedauert ihr beizubringen, dass sie möglichst selten auf ihre Teleportierfähigkeit zurückgreifen sollte. Es war ziemlich auffällig, wenn sie so aus dem Nichts auftauchte. Und es war auch ein wenig gruselig.


 


Mirelle betrat die Diele und hörte vorne aus der Küche die Stimmen von Lukas und seiner Frau. Sie wollte sich gerade bemerkbar machen, als sie hörte, wie ihr Name genannt wurde.
»Anne, ich möchte nicht, dass du so über Mirelle und Richard sprichst«, klang Lukas′ Stimme aus der Küche. »Sie sind meine Freunde!«
»Ich weiß nicht, warum Richard es überhaupt zulässt, dass dieses Aliending bei ihm wohnt«, hörte Mirelle Annes Stimme, deren Tonlage auf angestauten Ärger schließen ließ. »Wahrscheinlich hat sie ihn irgendwie unter ihrer Kontrolle. Ich werde ihr nie über den Weg trauen und ich erlaube es nicht mehr, dass eines meiner Kinder sich in ihrer Nähe aufhält! Hast du verstanden, Lukas? Ich erlaube es nicht mehr! Ich will dieses Monster nicht mehr in unserem Haus sehen!«


»Anne, hör auf, so über sie zu reden! Sie hat ihre eigene Welt aufgegeben, um unsere zu retten, obwohl sie dazu nun wahrlich keinen Grund hatte. Sie lebt jetzt an einem Ort, der ihr völlig fremd vorkommen muss, und sie kennt niemanden hier außer uns. Es ist unsere gottverdammte Pflicht, dass wir uns ein wenig um sie kümmern und ihr das Einleben erleichtern.«
»Bedeutet sie dir so viel mehr als deine Frau? Mehr als die Sicherheit deiner Kinder? Dann würde ich nämlich vor-schlagen, du verschwindest gemeinsam mit diesem Monster!«
Wütend stürmte Anne aus der Küche in den Flur und verschwand um die Ecke in Richtung Schlafzimmer, gefolgt von Lukas, der sich erfolglos bemühte, sie zu beruhigen.
Als die beiden Menschen aus der Diele verschwunden waren, erschien auch wieder Mirelle im Flur, die sich gerade noch rechtzeitig vor Lukas und seiner Frau verborgen hatte. Ziemlich niedergeschlagen betrat sie die Küche, blickte suchend umher und hatte nach wenigen Sekunden die Tüte mit den Feuerwerksutensilien gefunden. Auf dem Weg nach draußen wurde sie von Marc gerufen, der sein Zimmer verlassen hatte und oben an der Treppe stand.
»Streiten sich Mami und Papi?«, fragte er Mirelle mit einem ängstlichen Tonfall.
»Nein, nicht so richtig«, versuchte ihn die Frau zu beruhigen.
»Kannst du mal mit in mein Zimmer kommen, Tante Mirelle? Ich möchte dir etwas zeigen«, bat sie der kleine Junge.
Erwartungsvoll blickte Marc die Frau an, während diese unbehaglich in Richtung des Schlafzimmers blickte. Das konnte eigentlich nur zu enormen Schwierigkeiten führen. Aber als sie den bittenden Blick des Jungen sah, konnte sie einfach nicht ablehnen, und mit einem kleinen Seufzer folgte sie Marc in sein Zimmer. Dort kletterte der Junge auf sein Bett und holte von einem Bücherregal einen kleinen Gegenstand herunter, den er ihr überreichte. Etwas verständnislos blickte sie auf den Gegenstand in ihrer Hand.
»Papi hat gesagt, du hättest deine Welt verloren. Also habe ich dir von meinem Taschengeld eine Neue gekauft.«
Sie blickte den Gegenstand etwas genauer an und sah, dass es sich um einen Anspitzer in Form einer Erdkugel handelte. Gerührt setzte sie sich auf die Bettkante und umarmte den kleinen Jungen.
»Gefällt sie dir?«, flüsterte er ihr ins Ohr.
»Sie ist das Schönste, was man mir je geschenkt hat!«, flüsterte sie ebenso leise zurück.


 


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