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Science Fiction
Buch Leseprobe Chroniken der Milchstraße , Martin V. Horvath
Martin V. Horvath

Chroniken der Milchstraße


USN Space Rangers - Auf verlorenem Posten

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Si vis pacem, para bellum


Wenn du Frieden willst, rüste zum Kriege


 


AUF DER ERDE schreibt man den 15. August des Jahres 2295. Vor einhundertsiebzig Jahren verließen irdische Raumfahrer das erste Mal das heimatliche Sonnensystem. Seitdem hat die Menschheit eine Vielzahl an Welten besiedelt, Kontakte zu zahlreichen Alienrassen geknüpft. Mit den Pykejon sowie den Tigiri schloss man sich 2210 zu einer einflussreichen Allianz zusammen, die Interstellare Union. Die menschliche Zivilisation erblühte wie nie zuvor in ihrer Geschichte.


Doch das All ist kein friedlicher Ort. Immerfort kam es zu Konflikten mit anderen Völkern. 


Nach einer Ära des Friedens dräut ein weiterer Krieg. Der neue Herrscher des Kehhl’daaranischen Empire, Anaka’ruuhn III., will die Schmach des Waffenganges von 2254 rächen, sucht darum die Konfrontation mit der Interstellaren Union. 


Die Diplomaten der Union versuchen in zahlreichen Gesprächen, den Herrscher zu besänftigen, doch mit jeder weiteren Provokation Anaka’ruuhns schwindet die Hoffnung. 


Die SUSN ALLIANCE, ein Kriegsschiff der United Space Navy, ist im Grenzgebiet zum Empire der Kehhl’daaraner stationiert. Bei Ausbruch von Kampfhandlungen würde das Schiff in vorderster Front stehen.


Dort beginnt unsere Geschichte …


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


RUHE VOR DEM STURM


 


ER DRÜCKTE SICH nahe einer Ecke gegen die Wand, das Sturmgewehr fest in der Hand – bereit, den Gegner mit gebündelter Mikrowellenstrahlung zu bombardieren. Der Atem ging schwer. Adrenalin wurde durch die Venen gepumpt.


Er wagte es, um die Ecke zu lugen.


Eine saftige Wiese, hüfthohes Gras, welches im lauen Wind einen gleichmütigen Tanz vollführte, einen verwaisten Baum sowie eine schäbige, windschiefe, aus morschen Brettern zusammengezimmerte Hütte, keine zwanzig Meter von seiner Position entfernt. All das konnten achtsame Augen erspähen.


Doch, was er zu erblicken wünschte, war nicht auszumachen: sein Gegner!


Wo bist du?, gebar der Geist eine gewichtige Frage. Irgendwo in Umkreis dieser Hütte musste sich sein Kontrahent verschanzt haben, davon war er überzeugt.


Überfallartig stieg die Lufttemperatur.


Ein dröhnender Hall, welcher an Donner gemahnte, drückte an die Ohren. Ozongeruch fuhr ihm in die Nase.


Er benötigte wenige Sekunden, um zu begreifen, was all jene Sinneseindrücke zu bedeuten hatten: ein Strahl gebündelter Mikrowellen! Dieser hatte ihn knapp verfehlt. Zentimeter ihm das Leben gerettet.


Er kombinierte: Er konnte seinen Rivalen nicht sehen, der ihn umso mehr. Er befand sich direkt in dessen Schussfeld.


Verfluchter Mist!, zog sein Hirnkasten missgestimmt vom Leder. Der Blick ging zur Wand hinter ihm. Zentimeter über dem Kopf war das weißliche Mauerwerk mit einem schwarzen Fleck verunstaltet.


In der Tat! Die Sense von Gevatter Tod hatte ihn um Haaresbreite verfehlt. Doch das war kein Glück. Sein Antagonist hätte ihn ohne Weiteres getroffen, wäre es seine Absicht gewesen. Der zog es aber vor mit ihm zu spielen.


Der Blick wanderte erneut über die Landschaft. Er wollte jenes Phantom, das ihm das Leben schwer machte, sehen. Doch diesen Gefallen erwies es ihm nicht. Der Gegner blieb weiterhin im Verborgenen.


Wie macht sie das bloß?, sinnierte er.


Bis zu dem Zeitpunkt, in dem der Mikrowellenstrahl über seinen Kopf hinweg zischte, war er felsenfest davon überzeugt, dass sie sich nahe jener verlotterten Hütte aufhielt. Dieser Schuss belehrte ihn eines Besseren. Er kam aus einer anderen Richtung. Wo auch immer die Rivalin weilte, sie war nicht beim Schuppen.


»Na, alter Mann! Überrascht?«, ertönte es aus dem Headset.


Wut packte ihn. So was von frech! Er und alt! Dir werd ich’s zeigen!


Eine dumpfe Ahnung überkam ihn.


Er wirbelte herum, sah in die Gegenrichtung  zu einem sanft ansteigenden Hügel keine hundert Meter von ihm entfernt. An der Kimmung war eine Gestalt auszumachen. Sie!


Seine Gegnerin stand am höchsten Punkt des Buckels, flankiert von zwei knorrigen Eichen, den einzigen Bäumen in jener Gegend – keinerlei Deckung!


Er vermochte es aus dieser Entfernung zwar nicht zu erkennen, doch hegte er keine Zweifel, dass der Lauf ihres Microwave Assault Rifle, Modell 17, auf ihn gerichtet war.


Sein massiger Körper geriet in hektische Bewegung. Er musste schleunigst eine neue Deckung aufsuchen, hier saß er verflucht doch mal inmitten des Präsentiertellers.


Er huschte an der Mauer des Bunkers entlang. Sein Ziel war die andere Seite. Dort konnte er sich einen Augenblick lang verstecken und einen Plan für den Gegenschlag austüfteln. Zu blöd, dass es keinen Zugang zum Bunker gab. Er wäre der ideale Unterschlupf.


Ein glühender Strahl drillte sich Zentimeter vor seinen Füßen in den Boden. Das Erdreich kochte. Dampf stieg auf.


Verdammt knapp!


»Das nächste Mal werde ich nicht daneben schießen!«, gab seine Kontrahentin ein tödliches Versprechen.


Er keuchte, Schweiß trat ihm auf die Stirn.


Verflucht!


Es waren keine zehn Meter bis zur rückwärtigen Seite des Bunkers, doch ihm ging schon auf halber Strecke die Puste aus. Hank! Du wirst wirklich schön langsam alt, tadelte er sich.


Er schaffte es nicht zum Ziel! Der Gegner vereitelte dieses Vorhaben. Besser gesagt, die Falle, die er gestellt hatte.


In der Nähe gab es eine primitive Wellblechhütte. Sie war winzig, nicht mehr als ein Geräteschuppen. Aus irgendeinem Grund machte diese Hütte ihm Sorgen.


Er bemerkte im Augenwinkel eine verdächtige Lichtreflexion. Instinktiv ließ er sich zu Boden fallen. Keine Sekunde zu früh, denn Augenblicke später sandte eine Mikrowellenwaffe destruktive Energiewellen aus. Absolut tödlich! Beton schmolz, warf Blasen, als hochenergetische Mikrowellenstrahlung innerhalb von  Millisekunden die Wand hinter ihm auf mehrere Hundert Grad erhitzte.


Er war verwirrt. Dass er sein Gesicht in die Erde drückte, hatte er eindeutig ihr zu verdanken. Aber wieso? Wie konnte ihr Beschuss aus zwei unterschiedlichen Richtungen gleichzeitig kommen? Als die Antwort in sein Bewusstsein flutete, da lächelte er. Schlau ausgedacht!


Seine Gegnerin hatte einige Waffen miteinander gekoppelt. Eine geschickt in der Blechhütte platziert, damit weiter auf ihn gefeuert, während sie sich auf eine neue Position begab. Eine Dritte befand sich offenbar in der Holzhütte, wo er sie zuerst vermutet hatte. Er war sich sogar ziemlich sicher, dass dem so war. Sie hatte die Gegend mit Fallen gespickt, die ihm das Leben schwer machen sollen. 


Doch ich habe auch einige Tricks auf Lager.


Er legte das Sturmgewehr neben sich auf den Boden. Mit der nun freien Hand tippte er Befehle in das Bedienfeld, welches in den linken Ärmel seiner Uniform eingearbeitet war. Wenn ein paar Waffen ferngesteuert wurden, dann musste es eine Netzwerkverbindung zwischen ihnen geben. Gelang es ihm, in dieses Netzwerk einzudringen, könnte er dem Spuk ein Ende bereiten oder den Spieß sogar umdrehen. Konzentriert starrte er auf das Display, doch es zeigte nur Schnee, nicht das gewünschte Wellenmuster einer Funkübertragung.


Er gab weitere Befehle ein, ging sämtliche Frequenzen durch. Nach einer Weile hatte er Erfolg, das Display zeigte deutlich das Wellenmuster einer Übertragung auf 3,4 Gigahertz. Der Sender befand sich auf dem Hügel, ein Empfänger in der Wellblechhütte vor ihm. Einen weiteren Empfänger gab es in der Holzhütte, wie erwartet. Es gab noch einen Dritten, doch dessen Standort ließ sich nicht exakt bestimmen. Er befand sich irgendwo bei den Felsen südlich seiner gegenwärtigen Position. Seine Gegnerin hatte also alle Himmelsrichtungen abgedeckt. Im Osten lag sie selbst auf der Lauer, in der Wellblechhütte und der Holzhütte, die im Westen beziehungsweise im Südwesten lagen, waren ferngesteuerte Waffen postiert, sowie im Süden. Nur im Norden gab es keine versteckten Waffen. Dort waren sie nicht vonnöten, denn nördlich befand sich eine gewaltige Kluft. Darunter toste die See. Sie lag nur wenige Meter vom Bunker entfernt. Keinerlei Deckung. Es sei keineswegs ratsam, sich nicht weitab des Abgrundes auf eine Konfrontation einzulassen. Niemand hätte dort einen taktischen Vorteil. Demzufolge war nicht anzunehmen, dass er sich just dorthin begab. 


Doch vielleicht sollte er genau das machen. Sich unberechenbar geben war nicht selten eine effektive Strategie.


Er verwarf diese Idee. Er würde es nie dorthin schaffen. Jene ferngesteuerten Waffen ausschalten, war die einzige Option.


Er probierte, sich ins Netzwerk einzuhacken, das Signal zu unterbrechen. Er scheiterte! Seine Gegnerin hatte das System geschickt gegen Manipulationen abgesichert. Plan A sowie B ließen sich nicht ausgeführt, blieb nur noch Plan C. C war simpel. Versuche in die Wellblechhütte zu gelangen, das Gewehr mit brachialer Gewalt unschädlich zu machen. Die einfachsten Pläne sind oft die Besten.


Direkt vor seiner Nase bohrte sich eine Feuerlanze in den Boden.


Scheiße!


Es war höchste Zeit, die Bedrohung – die von diesen ferngesteuerten Waffen ausging – zu beseitigen, denn über kurz oder lang wird das Glück ihn verlassen. Der nächste Schuss könnte ein Treffer sein.


Er griff zu dem Gewehr, begab sich in die Hocke, atmete tief durch – alsdann schnellte der Körper empor. Man stürmte los. Im Tempo, als wäre der Teufel hinterher.


»Tollkühn!«, vernahm er ihre Stimme. »Jedoch nutzlos! Sie werden es nie bis zur Hütte schaffen.«


»Wetten doch!«, entgegnete er trotzig.


»Die Wette halte ich.«


Ein Energiestrahl streifte ihn am linken Arm, Fleisch verbrannte. Höllischer Schmerz fuhr ihm in die Glieder. Er ließ sich jedoch nichts anmerken, biss beharrlich die Zähne zusammen. Rannte unbeirrt weiter, so als wäre nichts geschehen.


Keuchend rang er nach Atem. Ihm überkam das Gefühl, die würde Lunge demnächst den Geist aufgeben.


Sein massiger Körper warf sich gegen die Wand aus Wellblech. Es schepperte.


Das ferngesteuerte Gewehr spuckte erneut Feuer, ließ Metall schmelzen, verfehlte ihn knapp. Geschmolzenes Metall tropfte auf die Kleidung, verursachte grässliche Brandwunden. Auch das überspielte er.


Er wagte es, durch eine winzige Fensterscheibe in die Hütte zu spähen.


Da war der Übeltäter! Am gegenüberliegenden Fenster stand, auf einem dreibeinigen Gestell ruhend, ein MAR-17-A Sturmgewehr.


»Gut! Sie haben es bis zur Hütte geschafft. Doch wie wollen Sie in die Hütte gelangen, ohne eins über die Rübe zu bekommen?«


»Lass das nur meine Sorge sein. Mir wird schon was einfallen.«


»Haben Sie nicht etwas vergessen, Gunny?«


»Was?«


»Mich! Ist Ihnen nicht in den Sinn gekommen, dass ich mich von hinten an Sie heranschleichen könnte, während ihre Aufmerksamkeit total auf dieses ferngesteuerte Gewehr gerichtet ist?«


Erschrocken fuhr er herum. Hinter ihm war niemand. Erleichtertes aufatmen. Die Gefahr, dass sie ihn hinterrücks angreift, war nicht gegeben. Obwohl! Sie könnte nicht weit entfernt in einem Hinterhalt lauern.


»Noch etwas, alter Mann! Schuppen!«


Hank Snowden fuhr der Schreck in die Glieder.


Verfluchter Mist!, eilte eine Verwünschung durch sein Hirn. Im Rücken war jene verfluchte Bretterhütte, wo sich noch so eine ferngesteuerte Höllenmaschine befand. Wenn nicht sie ihm ins Kreuz schoss, dann könnte es diese Waffe. Dass sie es noch nicht gemacht hatte, dafür gab es nur einen Grund: Sein Gegner hatte ihn verschont. Sie spielte nach wie vor mit ihm. Und das tat sie nur, weil sie sich ihrer Sache sicher war. Zu Recht. Wenn sie es gewollt hätte, wäre er längst über dem Jordan.


Hank Snowden knurrte missgestimmt. Er hatte sich etliche Male wie ein Kadett überrumpeln lassen. Das passiert ihm kein zweites Mal. Er wird dem Gegner zeigen, dass er noch lange nicht zum alten Eisen gehört, dass man mit ihm keine Spielchen treiben konnte. Dir werd ich’s beibringen, Süße. Die Zeit für Spielchen ist vorbei. Jetzt wirst du den wahren Hank Snowden kennenlernen.


Er warf erneut einen Blick durchs Fenster. Der Karabiner bewegte sich. In seine Richtung! Jetzt galt es flink zu sein. Er musste die Waffe unschädlich machen, bevor sie abermals feuert. Zu dumm, dass er keine Granaten zur Hand hatte. Die hätte er durchs Fenster geworfen, das lästige Gewehr in tausend Stücke gesprengt.


Es blieben nur noch Sekunden, bis das Gewehr Feuer spie. Er sah bloß eine Möglichkeit.


Er trat einige Schritte zurück, alsdann sprintete er los, warf sich durchs Fenster, rollte sich ab. In dem Moment schoss das Gewehr. Eine Feuerlanze bohrte sich Zentimeter über seinem Kopf in die Luft. Es war eine gewaltige Energieentladung, die Teile der Wand aus Wellblech buchstäblich verdampfen ließ. Hätte der Strahl ihn getroffen, wäre es das gewesen, er augenblicklich vaporisiert.


Es knirschte im Gebälk. Das Verschwinden eines Teils der Wände machte den Verschlag höchst instabil. Er konnte jederzeit zusammenbrechen.


Er lachte, als der Gedanke in seinem Kopf auftauchte, dass nicht die Gegnerin ihn erledigt, sondern jene schäbige Hütte. Er musste hier raus, bevor dieser klapprige Schuppen über ihm zusammenfällt.


Mit brachialer Gewalt riss er die Energiezelle aus dem Gewehr. Eins erledigt, blieben nur noch zwei.


Was war das für ein Geräusch?


Ein seltsames Piepen!


Das klang nicht gut.


In trüber Ahnung senkte sich der Blick hinab zu dem Gestell. An den Enden der drei Füße waren Sprengsätze mit Zeitzünder angebracht. Die Digitalanzeige verkündete, dass nur noch zwei Sekunden bis zur Detonation blieben.


Verfluchter Mist!, jagte eine Verwünschung durch seine Synapsen.


Kurz darauf wob ihn blendende Helle ein.


Das Licht erlosch, Düsternis vertilgte es. Nach einigen Sekunden tauchten im Schwarz in rot gehaltene Buchstaben auf: Ende der Simulation!


Gunnery Sergeant Hank Snowden schob seine VR-Brille nach oben, schielte indigniert zu dem Weibsbild neben ihm, das soeben die VR-Brille abgesetzt hatte. »Sie haben mich überlistet. Wieder einmal!«


Die Frau wandte ihm den Blick zu, grinste frech.




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