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Science Fiction
Buch Leseprobe Chroniken der Milchstraße, Martin V. Horvath
Martin V. Horvath

Chroniken der Milchstraße


Todeskommando Tschangan

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New  Newyork  Spaceport,  der  größte  Raumhafen der Erde, befand sich im Süden des ehemaligen New Yorker Stadtteil Bronx, erstrecktesich über fünftausend Hektar, von denen dreitausend die Landeplattformen   einnahmen.   Täglich  starteten  und   landeten   Zigtausende 


Raumschiffe,  wurden  Tausende  Tonnen  Fracht  umgeschlagen,  der N.N.Y-Spaceport  war  eine  Superlative.


   Curwen und Thenga schwebten mit einem Antigrav-Taxi über die endlos erscheinende Betonfläche. Unter  ihnen stand eine Vielzahl von Fracht- und Passagiershuttles auf ihren Startrampen, ständig startete oder landete eins. Auf den Transportbändern drängten sich Leute von den verschiedensten Welten und ließen sich von ihnen zu ihren Schiffen oder von dort aus zu den Passagierterminals tragen.


   Es wimmelte hier nur so von Schiffen aus den verschiedensten Welten: Terranische Passagiershuttles des Typs Northstar, Pykejon-Schiffe, Raumfrachter der Tigiri Handelsallianz und so weiter, Curwen hatte den Anblick eines Raumschiffes vermisst.


   Langsam schwebte das Antigrav-Taxi einer Landeplattform am äußersten Rande des


Spaceports entgegen. Auf ihr stand ein Shuttleschiff des Typs RAZOR bereit, das sie zur EQUINOX bringen soll.


   Das Wetter in New Newyork war momentan nicht berauschend, es herrschte dichtes Schneetreiben, Räumfahrzeuge waren ohne Unterlass damit beschäftigt, die Plattformen schneefrei zu halten.


   Curwen war im Gedanken versunken, ein Umstand, der Thenga nicht entging. »Was beschäftigt dich?«, fragte er.


   »Es klingt lächerlich, aber ich habe das Gefühl, als hätte ich diesen Cillian Withman schon mal gesehen. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass dies nicht der Fall ist. Seltsam!«


   Curwen schüttelte ungläubig den Kopf, verstand sich selbst nicht mehr. Von diesem komischen Gefühl der Furcht und dem Schrei erzählte er Thenga nichts. Er wollte nicht, dass sein Freund den Verdacht bekam, das Zeb. J. Curwen den Verstand verliert.


   »Du hast recht, es ist seltsam. Jedoch ist es nichts, über das man sich das Hirn zermartern muss«, hielt Thenga dagegen.


   Curwen seufzte, bedachte seinen Freund mit einem sardonischen Lächeln, seine Laune war im Moment nicht die Beste. »Du hast vermutlich recht.«


   Der Taxi-Gleiter  hatte  seinen  Bestimmungsort  erreicht,  Landestützen wurden ausgefahren, sanft setzte er auf. Die  hinteren Flügeltüren  öffneten  sich   automatisch,  die  beiden  Space  Navy Offiziere entstiegen dem Gleiter. Curwen rieb sich die Hände, formte sie  zu  einer  Schale  und  blies  hinein  um  sich  zu  wärmen. Es  war mörderisch kalt.


   Ein junger Kahan-Geij - er trug eine Space Navy Uniform, die Rangabzeichen  wiesen ihn als Ensign aus - kam ihnen entgegen. »Ich bin   Ensign   Ganoll.   Ich   habe   den   Auftrag   erhalten,   Sie    zur EQUINOX zu bringen.«


   Für den Bruchteil weniger Sekunden fuhr der Kahan-Geij seine Stielaugen ein, das eisige Wetter in New Newyork war nichts für die empfindlichen Stielaugen des Gastropoiden.


   Die Heimat dieses Wesens war ein Planet, der von dessen Volk Kahan genannt wurde. Diese Welt lag im Sternensystem Merak, das vom Sol-System neunundsiebzig Lichtjahre entfernt war.


   Das Merak-System war das Zentrum des Kahan-Geij  Sternenimperiums, welches den größten Teil der Ursa-Major-Gruppe umfasste. Kahan besaß ein warmes, feuchtes Klima, der globale Mittel lag bei zwanzig Grad Celsius. Der größte Teil der Landflächen bestand aus Sümpfen und Mooren, Landwirtschaft wurde hauptsächlich in Hydrokulturen betrieben. Die Pole waren Eisfrei, Eis und Schnee waren auf Kahan vollkommen unbekannt. Dieser junge Kahan-Geij musste sich im Moment nicht sehr wohl fühlen, ein Bewohner jener fernen Welt war für dieses raue Wetter nicht geschaffen.


   »Sehr erfreut«, entgegnete Curwen.


   »Wenn Sie soweit sind, können wir ja aufbrechen.«


   Curwen bemerkte, dass Ganoll nervös wurde. Wahrscheinlich war er derjenige, der am schnellsten von hier weg wollte.


   »Kann mir recht sein, hier ist es mir zu kalt.«


   »Mir erst recht«, meinte der junge Kahan-Geij mit zittriger Stimme.


   »Kann ich gut verstehen«, urteilte Curwen. »Als Kahan-Geij liebt man die Wärme. Also verschwinden wir von hier, bevor Sie erfrieren.«


   Ein Lächeln huschte über die schmalen Lippen des Kahan-Geij.


 


Minuten später flog das Shuttleschiff durchs unermesslich große, dunkle kalte All, schwebte über den Nordamerikanischen Kontinent hinweg.


   Durch die Bullaugen aus transparentem Siliziumkarbid hindurch wurde einem ein fantastischer Blick auf die Oberfläche geboten, viele Details waren deutlich erkennbar. Die gewaltigen Gletscher in der Nordpolarregion glitzerten wie Diamanten, die Großen Seen und der Nordatlantik funkelten in einem dunklen Blau, und vor Neufundland war ein dünner grauer Streifen zu erkennen, der sich über den Nordatlantik zog. Es handelte sich dabei um eins der größten Bauwerke, die die Menschheit je errichtet  hatte,  die  Transatlantikbrücke  von  Irland  nach Neufundland.


   Eine andere  kolossale  Struktur konnte  man ebenfalls deutlich ausmachen. Ein  gigantisches   System  aus   Deichen,   das   sich   von Massachusetts bis nach Georgia erstreckte und dazu diente, die Ostküste des Nordamerikanischen Kontinents vor Überflutung zu schützen. Dieses System hatte auch zur Folge, das neues Land gewonnen wurde und somit die Küstenlinie heute anders aussah als noch vor Jahrhunderten.


   Von New Newyork bis nach Toronto erstreckte sich ein Tiefdruckgebiet, das N.N.Y jenes kalte Wetter bescherte.


   So ein Sauwetter war in jener Gegend seit dem Zusammenbruch des Golfstromes die Regel. Anfang des 22. Jahrhunderts trat dieses bis dahin als eher unwahrscheinlich angesehene Ereignis ein. In einem Gebiet, das sich über die Ostküste von Nordamerika und dem größten Teil Europas erstreckte, war seitdem die Durchschnittstemperatur um eins Komma zwei Grad gefallen, während sie im Rest der Welt seit dem 21. Jahrhundert um zwei Komma acht Grad gestiegen war. 


   Die starken klimatischen Veränderungen waren die Folge der Dummheiten der Menschheit des ausgehenden 20., frühen 21. Jahrhunderts. Die Schäden, die frühere Generationen an der Natur anrichteten, mussten die Menschen von heute bezahlen. Der Preis, der aufgrund der Kurzsichtigkeit der Ahnen zu entrichten war, erwies sich als hoch, zuweilen als zu hoch.


   Obwohl der Anblick der Erde vom Weltraum aus für Curwen etwas Alltägliches darstellte, so war er doch jedes Mal fasziniert. Er hatte die Erde stets mit einer Perle verglichen, eine funkelnde Perle, gebettet auf einem schwarzen Tuch, das man Weltall nannte. Trotz allem, was die Menschen der Natur angetan hatten, war die Erde noch immer schön anzusehen.


   Seine Laune besserte sich, als er durch das kleine Fenster auf die Erde hinunterblickte. Er war glücklich darüber, wieder im Weltraum zu sein, denn hier gehörte er hin, das war seine Welt. Er konnte sich nicht vorstellen, auf ewig auf einem Planeten zu verweilen, denn dort würde er nur versauern. Er war ein Sternenkind, kein Planetenhocker.


   Das Shuttle lies die Erde hinter sich, schoss auf den Mond zu.


   In der Nähe des Erdtrabanten, in einem Parkorbit exakt zwischen der  Erde  und  ihrem  kosmischen  Lakai,  befand sich das Starship of United Space Navy EQUINOX.


   Sie war eine recht seltsame Konstruktion, diese SUSN EQUINOX. Das Schiff bestand aus zwei rechteckige Rumpfsegmenten. Der von Curwens Warte aus gesehene Teil an Backbord wies einen gewaltigen, blau glühenden, am Bug befindlichen Bussard-Ramjet auf. Er saugte Wasserstoff für den Fusionsreaktor der Sublichttriebwerke direkt aus dem All ab.


   Beide Segmente wurden am Heck durch den ringförmigen EMAT-Reaktor verbunden.


  Der EMAT-Reaktor extrahiert Kosmonquanten, verdichtet sie, stößt sie anschließend wieder aus. Mittels komplizierten Verfahren wird aus dem Quantenschaum, der die Raumzeit bildet, ein Mikrowurmloch extrahiert. Mithilfe der Kosmonquanten - die negative Energiedichte und negative Masse besitzen und so gravitativ abstoßend wirken - auf eine für Raumschiffe geeignete Größe gedehnt, stabilisiert und mit einer Austrittsöffnung in einem anderen Sternensystem verbunden. Auf diese Weise schafft man eine überlichtschnelle Passage.


   Jener außergewöhnlichen Konstruktion verdankte die Sheradus-Klasse, zu der die EQUINOX zählte, den Spitznamen \"Katamaran\".


  Im Cockpit des Shuttles bedienten die dreifingrigen Hände des Kahan-Geij die Steuerung. Der mittlere Finger der Rechten berührte einen Knopf am rechten Griff des Steuerhorns, anschließend sprach er: »EQUINOX! Hier Shuttle RI-OZ-KO. Bitten um Andockerlaubnis.«


   »RI-OZ-KO! Sie haben Andockerlaubnis«, drang eine künstliche Stimme aus dem Lautsprecher. Am anderen Ende der Leitung war offenbar ein Vicardaner, ein Planzenwesen vom Planeten Vicarda-Reyi, das nur mittels Sprachcomputer mit anderen Wesen reden konnte.


   Im Rumpf der EQUINOX erschien eine Öffnung, von der das Shuttle verschluckt wurde. Der Schlund schloss sich.


   Der Ring am Heck  des  Sternenschiffes  begann  aufzuleuchten.  Blitze  zuckten im Inneren des Ringes herum, Triebwerke flammten auf. Dann verschwand die EQUINOX in einem Tunnel, der von einem Wirbel aus strahlenden Farben umgeben war.


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