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Science Fiction
Buch Leseprobe ALIENS  im Aufwind, Gerhard Cruz
Gerhard Cruz

ALIENS im Aufwind


...erlebt in Costa Rica und Deutschland

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Es war ein fast zu schöner Morgen, um ins Auto zu steigen, aber was soll es; es ist Sonntag, die Sonne lacht…es ist halb acht…… . Das fällt mir immer so ein, wenn‘s am Morgen losgeht. Am liebsten fahre ich im Dunkeln los. Wenn die Sonne aufgeht, ist es die schönste Zeit,  viel von der Tierwelt auf den bergigen Landstraßen zu sehen. Diesmal wollte ich der Sonne nicht entgegenfahren, denn ich musste am nächsten Morgen in Liberia sein, gleich ganz früh, um die Langschläfer beim Arbeitsbeginn zu überraschen!


Liberia in Guanacaste[1], das war mein eigener Außenposten eines Servicenetzwerkes in Costa Rica, das ich selbst „kreiert“ hatte, denn die Zentrale Servicestelle in San Jose und Außenstellen an verschiedenen Landesteilen waren meine Arbeit. Heute ist  Sonntag, der 16. Juni 1991 und ich bin nun schon seit 1987 im Lande, ein schönes Land, abwechslungsreich und satt mit Natur! Die Zeit vergeht schnell, aber ich habe noch ein paar Jährchen in Costa Rica zu arbeiten.


Nach Liberia zu erfahren, war schon immer ein Erlebnis. Das hängt natürlich damit zusammen dass es eine wunderschöne Fahrtroute ist und dass man halb Costa Rica von der schönsten Seite her sieht. Allerdings nur, wenn man nicht unbedingt die Fernstraße nimmt, die mit den etwas über 200km ein bisschen kürzer ist als meine Lieblingsroute, damit aber auch langweiliger. Aber sonntags früh ist auch die Zeit, wenn in den kleinen Bergdörfern die Straßen gekehrt werden  und es richtig Spaß macht, den „Morgencafé“  irgendwo zu genießen, wo nur noch Gott und die Welt existiert.


Ich wollte am frühen Nachmittag im Hotel in der Arenal Lodge sein, vielleicht noch nach Tabacón ins Thermalbad gehen, mal sehen, was das Wetter so macht, denn es ist immerhin die Jahreszeit mit dem größten Regenanteil, manchmal regnet es am ganzen Tag, warmer Regen, aber eben nass!


Wenn mich die „Flöhe beißen“, fahre ich gleich weiter bis zur Arenal Lodge und gehe nicht noch ins Thermalbad; mit meinem Allradfahrzeug kein Problem, denn die Steigung hoch in die Berge zum Hotel ist nicht ohne und bei Nässe mit einem Normalwagen absolut nicht zu bewältigen. Das ist schon Mist, wenn man gebucht hat und dann nicht den Berg zum Hotel raufkommt!!!  Naja, man kann ja anrufen, dann kommt der Chef persönlich und schleppt einen hoch mit seinem Allrad 4-Tonner! Einmal hatte er einem PKW die Stoßstange abgerissen!  Das sah lustig aus…und noch mehr die Gesichter der Insassen!!!


Ich war aber erst mal auf dem Weg, San Jose den Rücken zu kehren, kein „Schwein“ auf den Straßen,  am Flughafen vorbei und  ab nach Alajuela, die Abzweigungen sind doch ab und zu schlecht zu sehen, aber Quesada und Florencia steht meistens an den Kreuzungen.


So nach zwei gemütlichen Stunden war ich in  LA FORTUNA, einer Kleinstadt, wie viele in Costa Rica, aber hier begann der Abzweig auf die wunderschöne Fahrtroute nach Tabacón.


Ganz einfach, links ab auf die 142 und dann erst mal einen Kaffee, ach, ein bisschen essen könnte ich ja auch. Mit dem Wetter hatte ich Glück; es hatte in der Nacht leicht geregnet, aber jetzt war alles verflogen und mit 22 Grad konnte man gut leben.


 


Im Café an der Straßenecke standen  3 kleine runde Tische mit einer hellbraunen Platte, die nicht sonderlich aussah; ich muss ja nicht auf der blanken Tischplatte essen! Jetzt kommt noch jemand, ein bisschen Plastik darüber zu decken; na also, geht doch! Drei der üblichen  Stühle ringsum, Stahlrohrrahmen, Plastikbänder als Sitzfläche. Ist auch besser so, da sitzen wenigstens keine kleinen Plagegeister, die durch die Hose stechen und mein Blut wollen! Die das kennen, legen gleich eine Zeitung auf die Sitzfläche, eine mitgebrachte Zeitung!  Die kauft man extra wegen der Stiche, trägt sie galant mit sich rum, legt die Politseite nach unten, denn die Beißtiere mögen keine Politiker!! Die kleinen Ärgernisse, Pulgas[2] genannt, die sich bei subtropischen und tropischen Verhältnissen besonders wohl fühlen und nur auf den lieben Menschen warten (insbesondere mit kurzen Hosen),  sind verantwortlich für die Stiche in den Po- und besonders in die Oberschenkel und  können  für Tage ärgern! Man kann sie nicht sehen, aber zwicken tut es schon, dann aber wird es ernst, denn die Stellen jucken wie verrückt.


Natürlich nahm ich den Stuhl mit Blick auf den Vulkan, denn der grollt ja in unregelmäßigen Abstand und man will sich ja nicht immer umdrehen, um die Rauchwolke der Explosion zu sehen. Der Blick ist der aus dem Bilderbuch: Im Vordergrund der kleine Kirchturm-im Hintergrund die weite Landschaft mit dem fauchenden Vulkan! Jeder zweite Tourist machte genau an dieser Stelle sein Foto („das ist für Oma.. ach, wie schön!“), auch alle Reiseveranstalter zeigen dieses Foto; brauch ich nicht, ich kann hier sitzen und das sehen.


 


 


Kirche in   LA FORUNA  Costa Rica                                                                               im Hintergrund der Vulkan ARENAL  1.633 m hoch


 


Das Mädel, die den Service machte, stand lautlos hinter mir, man, man, war die schnell! „Sie erschrecken mich ja fast mit ihrer Schnelligkeit, bitte eine Tasse Kaffee und…haben Sie was zum Essen?“ „Ja, Gallo Pinto[3], wenn sie es mögen!“ „Aber klar doch“  Für Ausländer ein ungewohntes Frühstück, aber ich liebe es!


Sie drehte sich mit einem Lächeln auf den Lippen um und ging zur Theke.


Irgendwie hatte ich das Gefühl, das hübsche Mädchen schon mal gesehen zu haben; sie war mir aufgefallen, irgendwo….


 


Ich riskierte einen schnellen Blick, lange genug, um den Taxwert festzustellen: Schlank, mittelgroß, braune Augen, lange dunkle Haare, das Gesicht sehr ebenmäßig mit einem Tan einer typischen Tica[4]; leicht ins braune gehend, eine unvergleichliche hohe Stimme, die einem im ersten Moment erschreckt, bestimmt so um die 18-19 Jahre, einer schönen Praline.. , schön gestaltet und viel „Holz vor der Hütte“....  Man, man, da wird einem ganz warm im Herz und in der Hose!  Nur die Stimme, galant in die höheren Regionen verlegt, war etwas gewöhnungsbedürftig!


Die Tasse Kaffee  kam wie erwartet; ein großer Kaffeepott, nicht etwa weiß, nein, bunt angemalt; der Kaffee schwarz wie die Nacht, den Zucker brachte sie zum Tisch, Milch gab es sowieso nicht. Warum auch, wer trinkt denn so was!  Das Gallo Pinto war ganz frisch  gemacht. Die Bohnen im frischen Reis dufteten richtig; prima, prima. Eine Gabel hatte sie nicht gebracht, aber wofür habe ich den angerosteten Kaffeelöffel!


Aus dem Blickwinkel heraus konnte ich Sie sehen, Sie stand am Eingang zum Restaurant ähnlichen Gebilde und beobachtete mich. Ich gab mir redlich Mühe, unbeeindruckt zu wirken…und hätte mir dabei beina den Kaffee auf die Hose gekippt! Mensch, war das ein Stück Zuckerchen, das hätte ich zu gern „einkassiert!“ Hoffentlich konnte man mir nicht ansehen, dass ich Sie am liebsten gleich auf den Beifahrersitz geladen hätte.


Schade, dass ich gleich bezahlt hatte, dann hätte ich sie ja nochmals rufen können. Aber sie schien meine Gedanken lesen zu können: Sie kam langsam zum kleinen, wackligen Tisch, der mir wurscht war, solange er nicht umkippte: „Na, alles in Ordnung? Ich bin Jessica und du?“ Woowwwww, ich brauchte nicht mal zu fragen! „Ich bin der Gerhard, aber haben wir uns nicht schon mal gesehen?“ Sie sagte nur kurz: “Kann schon sein, aber vielleicht sehen wir uns bald wieder!! Ich wusste Deinen Namen, aber ich wollte erst mal sehen, ob Du es wirklich bist“


„Mensch, woher kennst Du denn meinen Namen????“  Sie lachte nur und drehte sich um; ihr Weg zur Küche verfolgten meine Augen fast außerhalb des Kopfes!


 



 



[1] Liberia – Hauptstadt der Provinz Guanacaste, 35.000 Einwohner mit Internationalen Flughafen seit 1995, vorher National, Direktflüge in die USA, Frankreich, GB und Deutschland


[2] PULGAS ärgern normalerweise nur Hunde und Katzen, haben aber inzwischen das Menschenblut als besonders anziehend entdeckt


[3] „Gallo Pinto“ übersetzt „Roter Hahn“ Reis mit Bohnen und Zwiebeln, leicht gebraten, häufig mit Spiegelei serviert; dazu Tortillas aus Maismehl. Es ist das Nationalgericht Costa Ricas.


[4] Tica-gebräuchliche Kurzbezeichnung für ein weibliches Wesen in Costa Rica; ist ein normales Wort, kein Schimpfwort!


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