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Bücher Satire
Buch Leseprobe Worstseller, André Wagner
André Wagner

Worstseller



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Es ist nach zehn, ich sitze vor dem Fernseher. Eigentlich versuche ich, mir einen Film anzuschauen, aber irgendwie schaffe ich es nicht so recht. Nach fünf Minuten Film kommt auch schon die erste Reklame. Kaum geht es weiter muss ich zu einer äußerst dringenden Sitzung (bei mir geht das Geschäft eben vor). Ich schaffe es gerade noch rechtzeitig zurück zum nächsten Werbeunterbruch. Geschlagene zwanzig Minuten und unzählige Tampons-Spots später klingelt das Telefon, der gute Hacki ist dran und will sich nur kurz nach meinem Wohlbefinden erkundigen. Kaum eingehängt, wieder auf dem Sofa, beginnt auch schon der nächste Werbeblock. Und da sitze ich nun und frage mich: Wird da Film mit Werbung oder Werbung mit Film unterbrochen? Zum Unterbrechen finde ich das! Wie viel Werbung erträgt ein Mensch? Konsumiert er nicht schon von sich aus alles Nötige bzw. Unnötige? Braucht es diesen Ansporn, ständig etwas Neueres, Besseres, Schöneres, geiler Machendes besitzen zu wollen wirklich? Und wie! Werbung wäscht die grauen Zellen weißer, als es jedes Waschmittel kann. Porentief! Reklame sei Dank kann selbst altbekannter Schrott, jeder nur denkbare Scheiß, wieder und immer wieder unters Volk gejubelt werden. Die Werbung macht's! Einfach das Ganze hübsch einwickeln, einen tollen Spot abdrehen, und schon reißen sich die Leute darum. Falls einmal der Absatz nachlassen sollte, das Zeug einfach neu besohlen. Flugs frisch verpacken, einen poppigen Zusatz wie „mega", „ultra" oder „super" drauf, die Scheiße wird zur Turboscheiße, noch rasch einen neuen Spot, und schon mausert sich der einstige Ladenhüter zum Kassenschlager. Und wenn gar nichts mehr geht, mach es wie die Franzosen: Ein paar Titten drauf, und der Zaster fließt wieder. Hach, die gute alte publicité der grande nation aus den 80er-Jahren, wie ich sie vermisse! Da hat Werbung noch Spaß gemacht! Das waren noch die Zeiten, als Twix noch Raider hieß. Von den Franzosen kann man sich werbetechnisch noch heute eine dicke Scheibe abschneiden. Was zeigt der Franzose, wenn er ein Auto verkaufen will? Natürlich den flotten Schlitten, klar doch, aber was darf auch nicht fehlen: ein nacktes Mädchen (französische Fahrzeuge haben übrigens neben der Knautschzone noch eine Knutschzone, hinten, auf dem Rücksitz). Bei, sagen wir mal, Yoghurtwerbung, was bekommt man da zu sehen? Den Yoghurt und ... Richtig! Ein nacktes Mädchen! Putzmittel: same story. Bei Duschgels und Deos müssen mindestens zwei nackte Mädels her.


 


Haben die Werbefachmänner von heute denn wirklich vergessen, wie sehr Sex sells? Früher oder später werden wir von diesem heute ach so gängigen prüden Gehabe abkommen, nur um ins andere Extrem abzudriften. Ich prophezeie blanke Brüste statt Kuheuter auf allen Milchpackungen und Frühstücksflocken mit Genitalien drauf! Und bis es soweit ist, muss sich die Menschheit eben mit den gegen- und widerwärtigen Werbebotschaften begnügen. Wenn es nach mir ginge, könnte man jegliche Art von Werbung ab sofort unterbinden. Auf jeden Fall, bis wir in der Phase mit den Geschlechtsteilen auf Marmelade & Co. sind (ich sehe jetzt schon die Etikette der Pflaumenkonfitüre vor mir).


 


Es gibt heutzutage einfach zu viele Produkte und für zu viele Produkte zu viel Werbung. In diesem Supermarktdschungel muss man teuflisch aufpassen. Bei diesem Überangebot kann es gut und gerne zu Verwechslungen kommen. Da willst du dir ein Gurgelwasser kaufen, und ehe du dich versiehst, hast du einen Allzweckreiniger mit Superzitrus im Hals.


Dazu kommt, dass sich Otto Normalverbraucher bei vielen Sachen einfach nicht mehr sicher ist, für was das Zeug im Grunde gut sein soll. Ja, wirklich wahr; man kauft ein, ohne genau zu wissen, auf was man sich da eingelassen hat. Sieht gut aus, hat einen fetzigen Namen - husch ins Körbchen! Ich hab mir mal ein vermeintliches Aftershave gekauft, das sich als Pfefferminzlikör entpuppt hat. Beim Kauf des neusten, ultramodernsten Nassrasierers wird man das komische Gefühl, gerade eben einen Minivibrator erstanden zu haben, auch nicht so einfach los.


 


Sehr verwirrend und wenig kunden-freundlich das Ganze! Da helfen all die abgefahrenen Produktnamen samt mitreißenden Slogans auch nicht weiter. Denkt ein normaler Mensch bei „Einmal gepoppt, nie mehr gestoppt" wirklich als Erstes an Kartoffelchips? Und was ist mit diesem Branntwein der, dem Namen nach, ein besserer Gartendünger scheint? Ob er auf das Hirn wohl auch den gleichen Effekt ausübt wie Kunstdünger? Was schmeckt besser? Warum gibt es unzählige Duschgels mit furchtbar lahmen Namen wie „Dusch-Mich" und „Bade-Was"? Wenn es schon etwas in dieser Art sein muss, warum dann nicht gleich ein provozierend frisches „Wasch-Dich!"?


Nicht zu vergessen all die Waschmittelmarken. Allen voran ein Produkt, dessen französischer Markennamen auf gut Deutsch „Petersilie" bedeutet (wo wir beinahe wieder beim Gartendünger angelangt wären). Man stelle sich mal vor, die lieben Nachbarn hätten einen Weichspüler, der Schnittlauch heißt. Wo kämen wir denn da hin?! Und dieses Zeug mit dem Schaf drauf? Das tönt jetzt ja wohl wirklich nach samtweicher Schafscheiße, und wer will seine Wäsche schon in Schafscheiße tunken? Und wenn schon ein Waschmittel mit jüdischem Vornamen, wieso dann nicht ein Samuel? Oder Shlomo? Überhaupt, wie viele Neonazis haben eigentlich keinen blassen Schimmer, dass sie ihre Wehrmacht-T-Shirts und kreuzhakigen Armbinden einem unartig unarischen Waschpulver anvertrauen? Sie baden gerade ihre braunen Hemden drin. Ich frage mich, wie lange es dauern wird, bis ein nach deutschem Reinheitsgebot gebrautes Gegenstück auf den Markt kommt. Adolf - für Braunes, das Beste. Wäscht ethnisch sauber und porentief rein. Sogar tief Schwarzes erstrahlt in hellstem Weiß. Adolf erklärt selbst hartnäckigstem Schmutz den totalen Krieg! Heizen Sie Ihrem Reichswaschtag auch schon bei niedrigen Temperaturen ordentlich ein: Adolf - das mit dem Hakenkreuz drauf. Die Endlösung für die Fleckenfrage. Wahrlich ein flottes Pulver und dann erst noch vom führenden Waschmaschinenherstellern empfohlen. Adolf - da weiß man, was man hat! Na dann, gute Nacht!


 


Am allerschlimmsten aber finde ich Tampons- und Monatsbindenwerbung. Die Mädels sind da immer so enorm gut drauf. Da wird man fast neidisch, dass man selbst keine Tage hat. Die Weiber strotzen da nur so vor Energie und Tatendrang. Und das auch an ihren Problemtagen, nein: besonders an Problemtagen. Dauernd sind die am Biken und Surfen; Hauptsache nur, der gepolsterte Sitz wird nicht voll geblutet, und es werden keine Haie angelockt. Die hätten am liebsten nicht ihre Tage, sondern ihre Wochen. Ach, was sage ich, Dauerblutung! Wieso nicht jeden Tag seine Tage haben!


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