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> Satire > Retha wird flügge
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Bücher Satire
Buch Leseprobe Retha wird flügge, Margaretha Main
Margaretha Main

Retha wird flügge


Retha-Reihe

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Wir waren damals fünf Mädchen gewesen, die etwas außerhalb der Klassengemeinschaft gestanden hatten, da wir erstens unserem KL nicht hinterher jammerten und zweitens uns trotz unserer schlechten sportlichen Leistungen niemals unterkriegen ließen. Und da wir dadurch oft zur Zielscheibe für Hohn und Spott geworden waren, hatten wir uns zum Looser-Club zusammengetan. So hatten auch wir viel Schönes erlebt. Ich denke, dass wir sogar viel mehr erlebt haben, da wir uns nicht immer, eigentlich, bei genauerer Betrachtung, eher selten, an die strengen Regeln unseres Kls hielten. Und so hatten wir uns natürlich viel zu erzählen. Weißt du noch damals, als...? Ja, ich wusste es noch und möchte es euch auch nicht vorenthalten: Wir hatten damals das große Glück (?), dass es bei uns im Winter oft sehr viel Schnee gab. Und so war die Schulleitung auf die wahnwitzige Idee gekommen, drei Mal während des Winterhalbjahres einen Skitag einzulegen. Ich denke, dass da unser KL seine Finger mit im Spiel hatte, um mich ganz persönlich zu ärgern. Als ich zu Haus von diesem Skitag erzählte, ging Omma an die Decke. „Typisch Lehrer”, wetterte sie. „Däi hebbet dat chanze Joar Firien un wenn sei denn mol oabeiten mött, denn moket sei noch söcke Dinger. Däi sint doch nua tu fuell un denn schicket sei däi Göan uppen Barch tum Schielopen. Dat kümmet tja goar nich inne Tueten, dat use Margaretha doa mimokt. Dat wüsst eck ober.” (Die – gemeint sind die Lehrer – haben das ganze Jahr über Ferien und wenn sie dann mal arbeiten müssen, dann kommen sie auf solche Gedanken. Die sind doch nur zu faul und dann schicken sie die Mädchen auf den Berg zum Skilaufen. Das kommt ja gar nicht in die Tüte, dass unsere Margaretha dabei mitmacht. Das wüsste ich aber.) Wenn ich ganz ehrlich war, war mir Ommas Reaktion eigentlich ganz Recht, da ich überhaupt keine Lust auf so einen Skiausflug hatte. Ich besaß zwar ein paar Ski, ging aber viel lieber Rodeln. Leider kamen wir mit unserer Haltung nicht durch und so rückte der Tag der Skiwanderung stetig näher. Eines Morgens wartete ich wie immer am Bus. Die Ski hatte ich neben mir abgestellt. Ein älteres Mädchen, eine echte Ziege, stellte sich neben mich und fragte mich scheinheilig, was ich denn mit den Ski so vorhätte. Ich erzählte ihr von unserem Skitag. Daraufhin trat sie ein paar Schritte zurück und musterte mich von oben bis unten. Erstaunt verfolgte ich ihr Gehabe. Plötzlich brach sie in schallendes Gelächter aus, zeigte mit dem Finger auf mich und schrie, dass alle umstehenden es hören mussten: „Retha will Ski laufen gehen. Kuckt euch die bloß mal an. So will die Ski laufen gehen!” Alle starrten mich an. Verunsichert schaute ich an mir herunter, konnte aber partout nichts Außergewöhnliches feststellen. Fragend sah ich die Ziege an. Sie hopste um mich herum und erklärte mir altklug, dass ich für einen richtigen Skitag ja wohl nicht so richtig gekleidet wäre. „Wieso?” fragte ich sie. Sie kreischte gekünstelt vor lachen und schrie dann: „Du willst doch wohl nicht in deinem ollen Wollrock Ski laufen gehen?” „Wieso nicht? Ich laufe doch immer so Ski oder rodele so.” „Hast du denn gar keine richtige Skihose?” „Nöö, wozu denn? Ich bin doch ein Mädchen und trage keine Hosen und bis jetzt hat das auch noch keinen gestört.” „Du bist ja eine richtige Hinterwäldlerin. So wie du aussiehst, wirst du uns alle blamieren und die ganzen Stadtkinder werden über uns lachen.” Tief beleidigt stieg ich in den Bus. So ein Quatsch! Die will sich doch nur wichtig tun. Skihose! So was zieh ich doch nicht an. Wer bin ich denn? Allerdings traf mich dann auf unserem Schulhof doch fast der Schlag. Ich war wirklich die einzige ohne Skihose. Na, so was Dummes aber auch. Was sollte ich denn jetzt bloß machen? Alle starrten mich an. Dann kam unser KL und auch er starrte mich an. Was ist denn hier eigentlich los? fragte ich mich. Sind die alle ein bisschen gagga oder so? So schlecht sieht doch mein Wollrock nun wirklich nicht aus. Und das hämische Getuschel konnte ich auch nicht ganz nachvollziehen. Außer heute trugen doch alle Mädchen Röcke oder Kleider. Was sollte also der ganze Zirkus? Dann ging es los. Der KL stapfte vorweg und wir alle im Gänsemarsch hinterher. Schnell hatten wir die Stadt hinter uns gelassen und klapperten einen schmalen Hohlweg rauf. Jetzt schlug zum ersten Mal meine Stunde. Da ich keine Ahnung vom Ski laufen hatte, hatte ich natürlich auch keine Ahnung vom Wachsen. Nur wenn ich zu Haus mal einen kleinen Hügel runterfahren wollte, rieb ich die Unterseiten meiner Ski mit einer alten Kerze ein. Das hielt nicht sehr lange, reichte für meine Zwecke aber vollkommen aus. Noch auf dem Schulhof hatten ein paar ganz Schlaue ihre Ski mit richtigem Profiwachs eingerieben. Das wurde richtig zelebriert, damit auch alle sehen konnten, wie professionell diese Kinder waren. Jetzt im Hohlweg hängte ich sie alle ab, da meine Ski schön stumpf waren und nicht, wie bei den anderen, immer wieder nach hinten wegrutschten. Außerdem zeigte sich nun, dass tolle Ski und noch tolleres Wachs nichts mit den Fahrkünsten der Besitzerin zu tun haben. „Das sind eben Abfahrtsski und keine Langläufer”, kam oft als Rechtfertigung für ihr Unvermögen. Langsam arbeitete ich mich nach vorn. Schon hatte ich sogar unseren KL eingeholt. Als er sich umdrehte, guckte er mich erstaunt an und erhöhte sofort sein Tempo. Da seine Ski aber ebenfalls ziemlich glatt zu sein schienen, hatte ich wenig Mühe ihm zu folgen. Ich bemerkte sehr schnell, dass es ihn wurmte, mich nicht abhängen zu können. Außerdem war er ziemlich sauer darüber, dass gerade ich ihm so dicht folgen konnte und nicht einer seiner Lieblinge. Mein Wollrock behinderte mich in keiner Weise und die tollen Skihosen nützten den anderen auch nichts. Der KL konnte mich einfach nicht abhängen. Dann hatten wir die Anhöhe erreicht und nun sollte es in Windeseile bergab gehen. Ich zog meine Stiefel aus den Lederschnallen und steckte die Ski aufrecht in den Schnee. Schnell griff ich in meine Anoraktasche, um die Kerze hervorzuholen, konnte diese aber nicht finden. Ich hatte das dumme Ding wohl im Eifer des Gefechtes verloren. Na dann eben nicht, dachte ich so bei mir, schnallte die Ski wieder unter und stieß mich mit den Stöcken ab. Nur sehr langsam kam ich in Fahrt. Ich konnte mich noch so sehr mit den Stöcken abstoßen, ich kam nicht so richtig in Schwung. Unser KL stand schon unten und wartete auf uns. Hämisch schaute er zu mir rauf. Auch ein paar andere überholten mich so nach und nach, konnten mich aber nicht wirklich abhängen, da sie selbst immer wieder hinfielen. Ich musste aufpassen, dass ich mich nicht halb kaputtlachte, wenn ich diese Superprofis beobachtete. Da waren die Ski schneller als die Besitzerinnen. Einige waren so frustriert, dass sie auf halber Höhe ihre Ski abschnallten und zu Fuß den Rest der Berges runter stiegen. So kam ich heile unten an und war noch lange nicht die Letzte. Unser KL hatte sich längst gedreht und stapfte den nächsten Berg rauf. Ruckzuck hatte ich ihn erneut eingeholt. Dieses Spielchen wiederholten wir nun Stunde um Stunde. Endlich war es Mittag. Alle hielten an und packten ihre Brote aus. Einige der Mädchen trippelten ganz aufgeregt hin und her. Aha, dachte ich, die haben eine volle Blase und trauen sich nicht zu pinkeln, weil unser KL dabei ist. Da ich ebenfalls dieses drängende Bedürfnis verspürte, stieß ich mich zwei Mal ab und schon war ich hinter einem Busch verschwunden. Ich zog meinen Rock hoch, hockte mich hin und erleichterte mich. Plötzlich kam eine Zweite angefahren und stand neben mir. Sie stapfte ein paar Mal ihre Ski fest in den Schnee, um Halt zu finden und zog dann ihre Skihose runter. Kaum hatte sie sich hingehockt, da plätscherte es auch schon aus ihr raus. Mit der runtergezogenen Hose war sie in ihrer Bewegungsfreiheit natürlich sehr eingeschränkt und kam auch tatsächlich ins Rutschen. Ich konnte gerade noch ihren Anorak ergreifen, sonst wäre sie in dieser doch recht eigenartigen Position auf und davon gefahren. Durch den Schreck hatte sie sich auch noch auf ihre Hose gepinkelt und war den Tränen nahe. Ich hielt sie noch immer fest. Dann stand ich auf und schon war ich wieder angezogen. Die andere versuchte nun krampfhaft ihre nasse Hose hochzuziehen. Immer wieder rutschten ihre glatten Ski weg und immer wieder musste ich nach ihrem Anorak greifen. Und schon kam die nächste ins Gebüsch geschurrt. So hatte ich alle Hände voll zu tun, um den blöden Gänsen das Pinkeln zu ermöglichen. Eine wollte sich nicht helfen lassen. Bettina war schon immer die Größte, Schönste und sonst noch was gewesen. Und diese Hochwohlgeborene ließ sich doch von mir Dorftrotteline nicht helfen. Wo kämen wir denn da hin? Dazu war die doch viel zu stolz. Aber, wie sagte Omme immer so treffend? „Kind, denk dran, Hochmut kommt vor dem Fall.” Ja, und so kam es dann auch. Bettina kam schliddernd neben mir zum Stehen, steckte ihre Stöcke neben sich in den Schnee, zog ihre supertolle Skihose runter, hockte sich hin und...? Ich will das mal so beschreiben: langsam begann ihr linker Ski sich selbstständig zu machen. Das machte der ganz professionell, in dem er einige Zentimeter vorwärts rutschte. Um zumindest auf dem rechten Ski noch fest zu stehen, streckte sie also das linke Bein aus. Das ging aber nur bis zu einem gewissen Punkt, da jetzt die heruntergelassene supertolle Skihose eine weitere Beinstreckung verhinderte. So wurde also automatisch das rechte Bein mitgerissen, was wiederum zur Folge hatte, dass auch der rechte Ski ins Rutschen kam. Um nicht noch weiter wegzurutschen, ergriff sie schnell ihre neben sich stehenden Skistöcke. Die knickten allerdings im weichen Schnee um und so verlor sie gänzlich den Halt. In dieser für uns alle erheiternden Stellung nahm sie immer mehr Fahrt auf. Heike schrie ihr nach, sie solle sich doch einfach in den Schnee setzen, um eine gewisse Bremswirkung zu erzielen. Bettina war die Panik ins Gesicht geschrieben und sie setzte sich dann wirklich mit entblößtem Hinterteil in den Schnee. Allerdings hatte sie inzwischen so viel Fahrt drauf, dass das nicht mehr viel nützte. Die Geschwindigkeit erhöhte sich zwar nicht mehr, nahm aber auch nicht wirklich ab. So raste sie also den Abhang hinunter. Ihre Angst war dann nicht nur an ihrem Gesicht abzulesen. Wir konnten auch ab etwa der Hälfte der Strecke sehen, dass sie eine kleine, aber nicht zu übersehende, gelbe Spur hinter sich herzog. Sie hatte also die Gewalt über ihre Blase gänzlich eingebüßt. Endlich war sie unten angekommen und rollte langsam aus. Um ihre Nacktheit zu verbergen, sprang sie hastig auf und versuchte ihre Hose schnell hochzuziehen. Da ihr Po aber gänzlich voller Schnee war und somit ziemlich nass, gelang ihr diese Aktion nicht so ganz und sie fiel wutschnaubend lang in den Schnee. Nun war alles zu spät. Sie blieb liegen und schluchzte vor Wut. Ich fuhr zu ihr runter und reichte ihr meine Hand, um ihr aufzuhelfen. Außerdem stellte ich mich so vor sie, dass von oben keiner mehr ihren nackten Po sehen konnte. Unser KL hatte nämlich schon Stielaugen gekriegt und ich dachte, dass es besser ist, wenn er nicht zu viel zu sehen bekommt. Bettina schlug meine Hand weg. Sie wollte meine Hilfe nicht. Gut, dachte ich, dann ist das eben so. Ich drehte mich um und stapfte den nächsten Hügel rauf. Langsam rappelte sie sich auf, zog sich wieder an und folgte uns mit großem Abstand. Diese Aktion hatte ihre Überheblichkeit etwas gedämpft und das hatte zur Folge, dass sie sehr wortkarg geworden war. Ihre Aufspielerei in der Klasse hatte gänzlich nachgelassen. Leider hielt das nicht sehr lange an und als sie meinte, dass nun Gras über ihr Missgeschick gewachsen sein müsste, ging die Geiferei von vorne los. Na ja, jedenfalls kam ich mir mit meinem ach so chicen Wollrock doch nicht mehr so deplaziert vor. Da konnten die anderen ruhig reden oder lachen. Das machte mir gar nix mehr aus.


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