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> Satire > Petrus' starke Truppe
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Bücher Satire
Buch Leseprobe Petrus' starke Truppe , Claus Beese
Claus Beese

Petrus' starke Truppe


Katastrophales vom Angelwasser

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»Oooch, Papa!« Claudia schmiegte sich an mich und mein Vaterherz begann zu schmelzen. »Ach nee, Maus! Du hast doch bloß wieder lange Weile!« »Nee, Papa! Ich nehme auch kein Spielzeug mit. Ich will wirklich angeln. Und du zeigst mir, wie man Fische fängt. Au ja, ja?« »Nein, Mäuschen! Nein! Du kannst Mama ja im Garten helfen!« »Unkraut zupfen ist doof«, maulte das kleine Monster und zog eine Schnute. Ich wandte mich Hilfe suchend an meine bessere Hälfte, die seltsam glucksend dieser Unterhaltung folgte. Sie schüttelte grinsend den Kopf, was wohl soviel heißen sollte, wie: »Sieh zu, wie du selber damit klar kommst! Von mir gibt es keine Unterstützung!« »Ich verspreche dir auch, dass ich nicht mehr in die Hosen mache!« Na, bei dem Versprechen ging sie wahrlich kein Risiko ein, denn aus dem Alter war sie schon eine ganze Weile raus. »Und du fasst die Fische auch selber an, und machst sie vom Haken ab?« »Olles Indianerehrenwort!« »Na gut«, seufzte ich. »Steig ein. Aber eines sage ich dir, vor heute Abend fahre ich nicht wieder nach Hause. Und wenn die Welt untergeht! Klar?« »Okay!« Sie krabbelte auf den Rücksitz und ich verabschiedete mich betont herzlich von meinem treu sorgenden Eheweib. »Verräter!«, zischte ich, und erntete ein schadenfrohes Lachen. Oh, warte nur, Weib! Das werde ich mir merken. Mir derart in den Rücken zu fallen. Mir, dem sie Treue bis in den Tod geschworen hatte. Das nächste Weihnachtsgeschenk würde etwas sparsamer ausfallen, schwor ich mir. Doch dann fiel mir ein, dass wir uns zu diesem Anlass schon lange keine Geschenke mehr machten. Mist! Sie konnte einem aber auch alles vermiesen, sogar die Rache. »Blitz!«, machte die Kamera an der Ampel, als ich bei Rot durchfuhr. So, nun wussten sie auch, wie ich mit grimmigem Gesicht aussah! »Papa? Hättest du nicht anhalten müssen? Es war doch rot!« »Das gilt nur für normale Menschen, ich bin farbenblind!« »Du meinst, du bist nicht normal?!« Nein, ich war nicht wütend! Ich würde jetzt auch nicht brüllen! Ich musste nur aufpassen, dass ich den Mund nicht öffnete, und so vernahm das kleine Monster da hinten auf dem Rücksitz nur ein leises Knirschen, als ich die Zähne zusammen biss. »Schau mal, Papa, da sind wieder die hungrigen Wolken!« »Ja, mein kleines Schaf, du hast Recht«, Plötzlich hatte ich wieder gute Laune und pfiff vergnügt vor mich hin. Die ganze Zeit hatte ich überlegt, wo ich mit ihr hinfahren sollte. Ich entschied mich für den Sielzug am Aschwardener Schöpfwerk, dort konnte sie nach Herzenslust rumstromern, Köderfische fangen, Pferde füttern oder Schafe anblöken. Ich würde eine Rute auf Hecht, und zwei auf Aal setzen. Um Köderfische brauchte ich mich nicht zu kümmern, denn wozu hat man schließlich eine Tochter? Man musste Aufgaben nur delegieren. Claudia war begeistert von dem Plätzchen. Sie ging als erstes Schafe anblöken und Pferde füttern. Sollte ich mir meine Köderfische etwa selber fangen? Niemals! Man musste den Nachwuchs beizeiten daran gewöhnen, gewisse Pflichten zu übernehmen, wie zum Beispiel den Müll raus zu tragen, das Zimmer aufzuräumen, und dem Vater Köderfische zu fangen. Aber man durfte sie auch nicht zu streng drannehmen. Sollte sie also ruhig erst mal die Pferde füttern. Mit großen Grasbüscheln stand sie am Weidezaun und die Gäule machten ihr das Vergnügen, ihr die Halme aus der Hand zu zupfen. Ich kümmerte mich um die Aalangeln. In diesem flachen Gewässer fischte man am besten mit Pose. Ich montierte die beiden Ruten um, köderte zwei Tauwürmer an, und warf sie aus. Dann machte ich die Köderfischrute klar. Ein bisschen Brotkrume eingeweicht und geknetet, ein Kügelchen davon an den Haken, ... wo steckte meine Tochter? Ich schaute mich suchend um. Himmel! Das Kind saß auf einem der Gäule und trabte vergnügt über die Weide. Waaah! Wenn das nur gut ging! Langsam näherte ich mich den Tieren, um mein missratenes Früchtchen vorsichtig vom Pferderücken zu pflücken. »Oooch, Papa!« »Nix da! Ohne Zaumzeug und Sattel wird nicht auf fremden Pferden geritten! Wer weiß, wo du gelandet wärst, wenn der Zossen mit dir durchgegangen wäre. Erzähl das bloß nicht deiner Mutter!« Ich führte sie zu einer ungefährlichen Stelle am Ufer und zeigte ihr, wie man mit einer Angel umgeht. Mit sanftem Schwung warf ich aus, und der Haken verfing sich zielsicher an einem Seerosenblatt. Ich zog und zerrte. Verdammtes Unkraut! Musste es denn ausgerechnet hier wuchern? ‚Ping‘ machte das dünne Vorfach, und ich ging einen neuen Haken einschlaufen. Fertig! Teigkügelchen dran und..., wo war meine Tochter? Mir sträubten sich die Nackenhaare. Sie hatte neben dem Sielhäuschen ein neues Spielzeug gesehen und hockte jetzt vor dem putzigen Tierchen und fütterte es mit meinem Leberwurstbrot! Halt, Tochter! So geht es nicht! Es gibt gewisse Regeln im Leben, und eine hieß: Du sollst nicht verfüttern deines Vaters Leberwurstbrote an dicke, fette Ratten! Merk dir das! »Oooch, Papa! Die war sooo niedlich!« »Komm her, ich zeig dir jetzt, wie man Köderfische fängt. Man muss nur den Köder so auswerfen, und schon kommen die kleinen Fischlein angeschwommen und beißen an.« Wenn sie doch nur kämen! Eine geschlagene Viertelstunde bemühte ich mich darum, meiner Tochter zu zeigen, wie man handlange Rotfedern, Brachsen oder Rotaugen aus dem Bach zieht. Aber die Chancen zu glänzen stehen schlecht, wenn die andere Seite nicht mitspielt! Kein Schwanz ließ sich blicken, keine Schuppe wollte meinen Fischteig probieren. »Ach, Mensch, Papa! Du machst das doch auch ganz falsch!« Hä? Wie bitte? Moment mal! Erklärung, Tochter! »Du magst doch auch kein trockenes Brot, oder? Du isst es doch auch viel lieber mit ein bisschen Wurst drauf!« Während ich mich mit der Köderfischrute abgeochst hatte, hatte der Rest meines Leberwurstbrotes daran glauben müssen. Claudia hatte es zu einem fettigen, glitschigen Ball verarbeitet, und jetzt formte sie ein kleines Kügelchen und hielt es mir auffordernd hin. So was sollte ich anfassen? Bäääh! Igitt! Was verlangte der Balg von mir! »Gib her!«, forderte sie und nahm mir einfach die Rute aus der Hand. Brotkügelchen runter, Leberwurstkügelchen drauf und rein mit Haken in den Bach! Zappel, zappel! Siehste, Alter! So macht man das! Fisch in den Eimer, Leberwurstkügelchen dran. Zappel, zappel! Oh, Freude! Ein echtes Naturtalent. Wie schön! Na, vielleicht konnte ich ihr das eine oder andere zeigen, wenn sie erst mal zur Schule ging. Hier jedenfalls brauchte sie meine Unterstützung nicht, und ich konnte jetzt meine Hechtrute klarmachen. Oha, Alarm! Meine Aalrute hatte sich selbständig gemacht und rutschte ganz langsam den Uferhang hinunter auf das Wasser zu. Im letzten Moment und mit einer artistischen Showeinlage erwischte ich sie, verlor aber nun endgültig den Halt. Im gestreckten Spagat rutschte ich nun selber den Hang hinab und hielt erst an, als mein nach vorn gestrecktes Bein Grundberührung hatte. Mein Stiefel lief blubbernd voll, und meine Tochter stand vor Vergnügen quietschend auf der anderen Seite des Sieleinlaufs. Gut, dass sie da stand. Wäre der Sicherheitsabstand kleiner gewesen, ich hätte für nichts garantieren können. Der Grund erwies sich als schlammig, und ich hatte meine liebe Mühe, aus dieser üblen Lage wieder herauszukommen. Vielleicht ging es besser, wenn ich das andere Bein zu mir herunter holen würde, anstatt zu versuchen, das nasse zu dem trockenen zu bekommen. »Plumps!« Äääh! Jetzt lief auch noch der andere Stiefel voll. Wie unangenehm. Ach egal, jetzt konnte ich..., oha! Was war jetzt? Beide Beine steckten fest im Modder, und ich sank im Zeitlupentempo immer weiter ein. An der Angel zerrte der Aal, und an meinen Nerven die Tochter, die vor Lachen schon blau anlief! Ich beschloss, mich erst um den Aal zu kümmern, und die Züchtigung meiner Tochter aufzuschieben, bis ich wieder trockenen Boden unter den Füßen haben würde. Ich kurbelte den Aal heran, der verzweifelt versuchte, sich mit dem Schwanz um die Wurzeln der Seerosen zu ringeln. Ein gutes Pfund würde er schon haben, und ich beförderte ihn mit Schwung aufs hohe Ufer. Dann versuchte ich, meine Beine frei zu kriegen. Oh, Mühsal! Die Stiefel bewegten sich keinen Millimeter. Ganz langsam bekam ich aber meine Füße aus den fest betonierten Stiefelschäften und konnte mich aus dem Wasser hangeln. Schwer atmend kroch ich, pitschnass bis zum Allerwertesten, den Hang hoch, wo meine Tochter vor dem Aal hockte und ihn eingehend betrachtete. »Gibt’s hier noch mehr Schlangen?«, wollte sie wissen. »Das will ich hoffen«, ächzte ich. »Schließlich will ich meine Stiefel nicht für nur einen Aal geopfert haben.« Es gab noch mehr Schlangen. Und ich fing sie alle barfuß und in Unterhose. Meine Jeans hingen zusammen mit meinen Socken zum Trocknen am Geländer der Sielbrücke, und ich tänzelte wie Nurejew durch das hohe Ufergras. Ich hasste Disteln, Brennnesseln und ähnliches Unkraut, ganz besonders dann, wenn ich keine Hosen anhatte. Wenigstens ein paar alte durchlöcherte Turnschuhe hatte ich noch in den Tiefen des Kofferraumes gefunden, so dass der Schotter auf dem Weg meinen zarten Füßen nichts anhaben konnte. Beißpause bei den Aalen. Puh! Welcher Blödmann hatte behauptet, dass Aale hauptsächlich nachtaktiv sind? Die meisten und die dicksten Aale hatte ich bisher immer am helllichten Tage und bei strahlendem Sonnenschein gefangen, hatte mir aber andererseits schon genügend Nächte am Wasser um die Ohren geschlagen, ohne auch nur einen einzigen dieser schleimigen Gesellen zu Gesicht zu bekommen. Was, außer den Aalen hatte ich eigentlich hier gewollt? Da war doch noch was? Richtig, einen Hecht wollte ich mir noch holen. Ha! Tochter! Wo sind die Köderfische? Suchend schaute ich mich nach dem Eimer um. Da war er ja! Und er war... leer! Das konnte doch nicht angehen! Sie hatte doch wenigstens zehn ganz wunderbare Köderfische gefangen! Wo waren die geblieben? »Die hat der große graue Vogel gefressen, Papa!« »Welcher große, graue Vogel?«


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