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Bücher Satire
Buch Leseprobe Löwen sind auch nur Menschen, Harald Hofer
Harald Hofer

Löwen sind auch nur Menschen



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.... einpacken oder fressen sie es gleich?
Unausweichlich wird sich im Laufe der trächtigen Zeit einer Löwin, eine Folge der modernen Zeit, die Frage stellen, ob die Löwenmama ihre Niederkunft alleine oder im Beisein ihres Männchen durchführen will.


Nach dem schon im Vorfeld ausführlich beschriebenen Beginn abendlicher ehelicher Kommunikation während der Nachrichten stellte ihm sein Käferchen ( seltsam, wie sich die lieb gemeinten Kosenamen im Laufe einer Schwangerschaft ändern ) die alles entscheidende, scheinbar für den positiven Ausgang einer Schwangerschaft so wichtige Frage:


"Willst du eigentlich bei der Geburt dabei sein?"


Warum werden solche weltumfassenden, existenziell wichtigen und weittragenden Fragen eigentlich immer bei den Nachrichten gestellt?
Natürlich konnte der alte Löwe mit diesen neuzeitlichen Erscheinungen nichts anfangen und identifizierte sich auch nicht mit den Händchen haltenden Stöhnhelfern im Kreissaal. Es war im zutiefst zuwider, diese bis zur Neuzeit rein weibliche Domäne mit seiner Anwesenheit zu stören.


Warum konnte den nicht einfach an den alten Werten festgehalten werde? Warum brauchte es eine Rechtschreibreform, wo doch seine Generation und auch die Generation zuvor des Schreibens mächtig wurde?


Warum musste man sich heute Lachgas, Klebstoff oder Marihuana reinziehen, um einen blöden Schädel zu bekommen. Eine Flasche Schnaps oder eine Kiste Weißbier hatte seit jeher den gleichen Zweck erfüllt!


Genauso empfand er das Beisein des Männchens bei der Geburt als unsinnige Modeerscheinung, den mit ihren Frauen zur Schwangerschaftsgymnastik gehenden Möchtegernmännern vorenthalten und eines echten Alpha Männchens nicht würdig!


Die Fernbedienung legte er schon seit Wochen vorsorglich während der Nachrichten nicht mehr aus der Hand. Ein wenig leiser gedreht, versuchte er wieder einmal, das abhören der Nachrichten mit der Beantwortung der Frage seines Marienkäfers zu verbinden.


"Schaut mal, ihr zwei!" Er hatte sich in Anbetracht der gewachsenen Körperfülle seiner Löwin angewöhnt, sie in der Mehrzahl anzusprechen. Er musste ihr ja nicht verraten, dass er mit den "Zweien" nicht sie und den Nachwuchs ansprach, sondern lediglich die neue Masse geistig aufteilte.


"Ich kann doch jetzt noch gar nicht wissen, in welcher Gegend ich zu dieser Zeit tätig bin, ob man mich überhaupt telefonisch erreichen kann."


Für den Augenblick schien die Situation gerettet. In Anbetracht der schon angesprochenen schwangerschafts-bedingten weiblichen Unlogik musste jedoch ernsthaft angenommen werden, dass diese unumstritten eindeutige Verneinung mit ziemlicher Sicherheit als klares "Ja" interpretiert werden würde.


 


 


 


.... Löwengymnastik


 


 


 


Aufgrund der sehr exklusiven Gemütsverfassung seiner Gefährtin in den letzten Wochen bildete sich der alte Löwe in seinem überlegenen Großmut einen Vorsatz. Er nahm sich vor, aus Rücksicht auf die tragende Partnerin, ihren für einen rational denkenden Menschen nicht immer nachvollziehbaren Wünschen weniger zu widersprechen und zukünftig auch mehr auf ihre Gefühle, wenn auch schwer nachvollziehbar  und widersprüchlich, einzugehen. Er gab vor erkannt zu haben, dass es sehr wohl in seiner Macht lag, mehr auf die Bedürfnisse einer schwangeren Frau zuzukommen. Er nahm sich vor, sich öfter mit ihr zusammenzusetzen und sie nach ihrem Befinden zu fragen. Er wollte das Gespräch mit ihr suchen, gemeinsam den Alltag planen, ihre Wünsche und Vorlieben berücksichtigend.


    Er wollte einfach nur: „Wieder einmal so etwas ähnliches wie Sex!"


    „Wenn du einen Wunsch frei hättest, mein Schatz!", versuchte er nicht gleich mit der Türe ins Haus zu fallen.


    „Was würdest du dir von ganzem Herzen wünschen?" Insgeheim sehnte er sich danach, selbst diese Frage beantworten zu dürfen. Dass sein kleines Bummelchen nicht den gleichen Herzenswunsch vorlegen würde wie er selbst, war ihm im Vorhinein klar. Doch am wenigsten hatte er mit dieser Antwort gerechnet. Schnell kam sie, als hätte sie nur darauf gewartet, gefragt zu werden. Konnte sie den Liebesentzug gar schon an der Farbe seiner Augen erkennen?


    „Geh mit mir zur Partnergymnastik!"


    Es war ihm klar, dass die Frage gestellt, die Antwort gegeben, dass es in diesem Gespräch keine Hintertüre mehr gab. Er konnte sich nicht mit einem „April, April" aus dieser Situation mehr retten. Am Tonfall seiner Löwin erkannte er die Endgültigkeit, die Unantastbarkeit an diesem ihrem Wunsch. Er hatte alles auf eine Karte gesetzt. Doch gewonnen hatte sie. Es war ihm klar, dass er jetzt keinen Rückzieher mehr machen konnte und versuchte noch schnell das Beste aus dieser Situation zu machen.


    „Kein Problem!", er schluckte tief. „Ich mache natürlich ALLES gerne, mit dem ich dich glücklich machen kann!"


    Genau beobachtete er sie, ob sie den Wink mit der „Latte" verstanden hatte?!


    Und so geschah es, dass Günther sich an einem lauen Abend in der Gesellschaft von weiteren zehn schwangeren Paaren wieder fand. In einer Art kleinem Turnsaal, scheinbar organisiert von irgendeiner Selbsthilfegruppe (Hilfe, wir sind schwanger?), hockten hier mehr oder weniger füllige Damen mit ihren aufgeregten, schwitzenden Männern auf blauen Turnmatten am Boden. Es ekelte ihn zutiefst, diesen Männern bei ihrem scheinbar wettbewerbsmäßig betriebenen neuen Sportarten wie: „5 Minuten Bauchstreicheln" oder „10 Minuten doof in die Runde grinsen" oder gar „15 Stück Presswehen nachahmen" zuzusehen. Er war zutiefst enttäuscht, mit ansehen zu müssen, wie sich diese Männer zum Affen machten. Es entsetzte ihn, wie die anwesenden Frauen diese „Lächerlichmachung" ihrer Männer genossen. Was war geschehen, dass diese Männer all ihre Würde, all ihre Überlegenheit weggeworfen hatten und hier den Kasperl spielten? Wurden diese Männer einer Gehirnwäsche unterzogen. Waren es vielleicht nur Schauspieler, die seine Frau angemietet hatte, um ihn zu ähnlichen Aktionen zu bringen?  Günther glaubte die Antwort zu wissen.


    „Sex! Die Armen waren noch mehr auf Entzug als er selbst." In dieser Überzeugung nahm er sich vor, die Anwesenden nicht mehr zu belächeln, sondern mit dem notwendigen Respekt zu behandeln. In dieser Situation war es plötzlich ein leichtes, das Wetteifern dieser Männer um den  Platz des besten „Presswehennachahmers" zu verstehen. Ein ehrliches Gefühl von mitleidsbestimmter Solidarität machte sich in ihm breit. Er konnte sie nur zu gut verstehen, war er doch auch in die gleiche Situation geraten und versuchte das Beste daraus zu machen.


    Die Stunde begann, und eine Hebamme mit Unterarmen wie Vladimir Klitschko begann, die Anwesenden auf die bevorstehende Geburt vorzubereiten. Sie stellte sich als Fräulein Gomez vor, Günther rätselte mehr über den Familienstand als über den spanisch klingenden Namen. Wieder fiel sein Blick auf die starken Arme der Frau, hier waren offensichtlich ein paar Oberschenkel verloren gegangen. Er glaubte auch gleichzeitig die Erklärung für das „Fräulein" gefunden zu haben, Sparringpartner holt man in den Ring, nicht in die Ehe!


    Die Paare hatten es sich bereits auf den Turnmatten bequem gemacht, natürlich blieb Günther  in seinem Stolz neben seiner Frau stehen. Solidarität und Verständnis für den durch sexuellen Entzug entstandenen Notstand war das „Eine", sich selbst zum Affen zu machen, das „Andere".  Außerdem hatte ihn sein Kugelfischchen lediglich aufgetragen, mit ihr zur Partnergymnastik „mitzukommen". Von einer expiciden „Mitarbeit" war nie die Rede gewesen.


    Als sich Frau Gomez wie eine Walze mit einem über beide Wangen hinausreichenden Grinsen auf ihn zu bewegte, wusste er zuerst nicht ob er weglaufen oder vorsichtshalber seine teure Uhr ablegen sollte. Sein Körper ging automatisch in Abwehrstellung.


    „Hier haben wir ja schon den ersten Freiwilligen!", wetterte sie, und das Gelächter der Anwesenden hallte wie durch Watte an sein Ohr.


    Die Erkenntnis erreichte ihn wie eine Ohrfeige. Er verstand plötzlich, warum sich die „anderen" Männer schön klein hinter ihren Frauen am Boden versteckten. Keiner hatte ihn gewarnt. Keiner hatte ihm zugetuschelt: „Mach dich klein, versteck Dich" Klitchko kommt!"


    In seinem Inneren musste er diesen feigen Verrat erst verkraften. Seine Solidarität war einer harten Prüfung unterzogen.


    „Kommen sie mit!" Sie hatte ihn sanft am Arm genommen und zog ihn in die Mitte des Raumes.  Günther versuchte, sich den Schmerz nicht anmerken zu lassen. Sie hatte ihm wahrscheinlich jetzt schon seinen Arm gebrochen.


    „Wie bei jedem „Neuling"", die erwartungsvollen Blicke der Anwesenden verhießen nichts Gutes, „wollen wir aus einem „normalen" Mann für eine Übungsstunde lang einen „schwangeren" Mann zaubern."


    In einer Kiste vor ihnen zauberte sie Klamotten hervor, Polster und Rucksäcke. Unter dem Gelächter der Verräter, jedoch unter dem ernsten, ihn prüfend beobachtenden Blick seiner Liebsten ließ Günther es sich gefallen, dass Frau Gomez ihm Stück für Stück, Gewicht für Gewicht, an seinen Körper anlegte. Einige Male während dieser Prozedur überlegte Günther, ob er sich einfach hätte verweigern sollen, doch der Blick auf die gewaltigen Unterarme der Vortragenden bewies ihm, dass seine Überlebenschancen bei einer Auseinandersetzung gleich Null waren.


    Nach zehn Minuten hatte sie aus einem gestandenen, voll im Leben stehenden Mann und Alpha Tier, einen mit einem riesigen Bauch, Hintern, Brüsten und Oberschenkeln ausgestatteten Nachahmer einer schwangeren Frau gemacht.


    Die Gewichte drückten in seinen Knien, die Bewegungen fielen ihm schwer. Freiwillig nahm er neben seiner Frau am Boden Platz und machte sich jetzt schon Gedanken darüber, wer ihm später wieder aufhelfen würde.


    „Ich sollte weniger Süßes essen!", blödelte er in die Runde, während er sich seinen riesigen, neu gewonnenen Bauch massierte. Humorlose giftige Blicke zeigten ihm, dass diese Art von „Witz" hier nicht angebracht war.


    „Können sie mal zu uns in die Mitte kommen?" Die Bestrafung folgte auf dem Fuße.


    Günther versuchte sich vom Boden aufzuquälen, ohne dass es lächerlich wirkte. Ohne dass er außer Atem geriet. Ohne dass die „Anderen" etwas hatten, um über ihn Lachen zu können. Ohne dass er wie ein Käfer auf allen Vieren zu robben begann. Ohne dass ihm seine Frau dabei helfen musste!


    Umsonst!


    Scheinbar war die Runde doch nicht so humorlos. Zumindest jetzt kugelten sich die Anwesenden in ihrem schallenden Gelächter. Günther versuchte die aufsteigende Zornesröte zu unterdrücken und nahm sich vor, zukünftig freiwillig auf Sex zu verzichten!


    Leicht schwitzend und ein bisschen außer Atem hatte er es schließlich doch geschafft, stolz und mit erhobenem Kopf wollte er allen hier im Raum seine Überlegenheit demonstrieren.


    „Was sie jetzt in diesen wenigen Minuten erlebt haben ist ein Zustand, welchen ihre schwangere Frau nun schon jeden Tag erlebt und erleben muss!" Gomez hatte gesprochen.


    Für einen kurzen Moment streifte ihn ein Gefühl, welches er in dieser Art noch nicht kannte. Er fühlte so etwas wie tiefen Respekt vor dem, was seine Löwin da auf sich nahm. Respekt vor den Strapazen einer Schwangerschaft.


    „Was man nicht alles auf sich nimmt für eine kostenlose Brustvergrößerung!" Günther hatte die riesigen, stoffgefüllten Gewichte über seinem künstlichen Bauch in die Hand genommen und wusste schon im Vorhinein, dass niemand über seinen Witz lachen würde. Trotzdem war er froh, dieser seltsamen Situation entwichen zu sein.


    Später, als sie auf dem Weg waren in ihre gemeinsame Behausung, nahm er seine Löwin sanft an der Seite, stützte sie ein wenig und half ihr über die wenigen Treppen, welche über die leichte Steigung nach oben führten.


    Sie spürte seine Hand an ihrer Seite, genoss die fürsorgliche Berührung und nahm sich vor, das nächtliche Ruhelager heute ein wenig intensiver mit ihrem Oberlöwen zu teilen.


 


 


 


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