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Buch Leseprobe Günner Mambrallek: So isset!, Volker Kosznitzki
Volker Kosznitzki

Günner Mambrallek: So isset!


Ruhrpott-Geschichten

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Leseprobe Günner Mambrallek: So isset!
Ruhrpott-Geschichten ISBN: 9783981392876 11,95 €, 152 Seiten, Paperback, Edition Paashaas Verlag

Arme Millionäre
Hömma, weisse, wat auch son Dingen is? Wenn einer aus seine Geldquelle Millionen von Euros am rausziehen is, und wenn die Quelle dann ma en bissken weniger am sprudeln is, gleich am jammern fängt und nachem Staat und Hilfe vom Steuerzahler ruft. Wat, glaubse nich? Kumma, wir hatten doch gez diese Wirtschaftskrise. So, und dann gehtet ja meistens die, die immer die dicke Knete am raffen sind, nache eigene Meinung so richtich dreckich, weil se sich vielleicht dieset Jahr ma nichen neuen Luxus-Schlitten leisten können oder die vergoldete Lokusschüssel vielleicht ma nochen Moment warten muss.
Glaubse immer noch nich? Dat mit Opel hasse jawohl inne Nachrichten mitgekricht?! Gut, da waa ja der Ami mit seine Finanzkrise, der die Opelaner mit inne Pleite reingezogen hätte, aber dat waa ja irgnswie ganz wat anderet.
Aber weisse, wenn hier inne Gegend en sogenannten Mittelständler ma en paa
Tausender weniger verdienen tut und trotzdem immer noch fümfma soviel hat wie son
kleinen Malocher, und fängt dann am janken, dat er verhungern tut, hömma, so ein
könnt ich direkt ein inne Fresse haun. Verstehsse immer noch nich, wat ich dich
verklickern will?
Also, pass ma auf, da gibtet hier einen, ich glaub, Edwin Klober oder so heißt der, der hat
hier inne Gegend paa Supermärkte aufgemacht und jahrelang richtich dicke Kohle
verdient. Hing wohl irgnswie mit so ne „Spar“-Kette zusammen, obwohl, „Spar“ jawohl
der falsche Name für dem seine Apotheken waa. Weisse, wenne mit deine Penunsen
sparsam leben muss, kannze besser bei Feinkost Albrecht, Lidls Gourmettempel oder im
Reformhaus Schlecker einkaufen gehn, aber nich innen „Spar“, hömma, da kannze zwaa
allet kriegen, nur nich sparn.
Na jedenfalls, der Edwin Klober hat also jahrelang seine Läden gut am laufen gehabt,
hattet auch immer wieder hingekricht, dat die Leute ihm die Bude eingerannt sind.
Weisse, ma hier en Sonderangebot, hier ma dat Suppenhuhn für zwanzich Cent billiger,
den halben Zentner Kartoffel für fuffzich Cent weniger, dat Obst angeblich frischer wie
bein Türke umme Ecke, und so weiter… Jedenfalls ham die Leute, die wegen die
Sonderangebote in seine Läden kamen, dann auch immer noch gleich dat mitgenomm,
wat se sons noch brauchten oder auch nich, da brauchtense weenichstens nich nomma
bei Aldi anne Kasse anstehn. Hömma, dadran hatter richtich dicket Moos verdient, zich
Millionen in paa Jaare.
Und dann kamet, dat inne letzte Jahre die breite Masse vonne Malochers immer weniger
Knete inne Tasche hatte, dat fing ja beien dicken Kohl an, ging dann beien
Dummschwätzer Schröder im Anfang ersma bissken langsamer, und als der Schröder
sich mit seine Kumpels dann Hartz IV ausgedacht und eingeführt hat, gabet auf eima
immer weniger Leute, die mitte Kohle auskamen, auch die, die ihrn Lebensunterhalt
noch mit Arbeit verdient ham.
Klaa, dat die Leute von den Klober seine Läden mitte Apothekenpreise immer mehr nach
Aldi und Konsorten gegangen sind, weil se da eben mehr für ihre Knete gekricht ham.
Auch klaa, dat der Klober dat wohl spitzgekricht hat, aber wat sollet, dicke Villa am Rand
vonnet Naturschutzgebiet, dicken Benz und zich Millionen Euros aufe Bank in
Liechtenstein oder Luxemburch hatter ja seit paa Jahre im Sack. Eigentlich könnter sich
ja mit seine gez vielleicht fuffzich Jahre im wohlverdienten Ruhestand verdünnisiern.
Aber nix, kricht den Hals nich voll und meint, dat könnt immer so weitergehn.
Und ich glaub, irgnswie hat ihn sein Steuerverräter wohl die Bilanz vonnet letzte Jahr
vorgerechnet und der Klober muss wohl reichlich Schiss inne Buxe gekricht ham, dat er
vielleicht bald am Hungertuch nagen tut. Jedenfalls soll da am Jahresanfang wohl son
Unternehmsberater aufgetaucht sein und der Klober hat ersma ein von seine Läden
dichtgemacht und die Verkäuferinnen rausgeschmissen. Hat wahrscheinlich gemeint,
wärn ja allet nur „taschengeldverdienende Teilzeithausfrauen“, die hätten ja die
Almosen, die er se bezahlt hat, eigentlich gaa nich nötich. Hauptsache, er hat die Kosten
nich mehr und brauch auch nich auf sein Gewinn verzichten. Wat interessiert ihm, wat
mitte Mitarbeiter wird, die mit ihre Arbeit sein Luxusleben möchlich gemacht ham.
Notfalls, meinter, können die ja en Hartz IV-Antrach stellen. Wichtiger für ihm waa
jawohl, dat er noch genuch Knete zusammenkrichte, damit er die drei goldenen
Lokusschüsseln für sein Wellnessbad bezahln konnte, die er letztet Jahr bei
„Bädertraum-Koller“ bestellt hat. Und en paa tausent brauchter wohl auch noch, damit
er sein Sohnemann in Ungarn nochen Doktortitel kaufen kann, weisse, son
„Gulaschdoktor“. Weil wenne Dokter biss, is dat ja schon fast die Garantie für zum Geld
scheffeln.
Letztens hat mich en ollen Kumpel, der auchen Posten im Stadtrat hat, gesteckt, dat der Klober bein Bürgermeister angekloppt hat, ob er wohl Hilfe fürn Erhalt von seine Supermärkte ham könnte, von wegen Arbeitsplätze und so.
Is aber abgeblitzt. Der Bürgermeister hat ihn wohl gesacht, dat er domma en bissken von seine privaten Millionen lockermachen sollte, und dat et jawohl nich sein könnte, dat er zich Millionen am bunkern is, und wenn et ma en bissken kniffelich wird, sofort nache Hilfe vonne Steuerzahler am brüllen is. Dat selbe hat ne wohl auch der Landrat gesacht, wie der den gefracht hat. Und gez hatter son Bettelbrief anne Kraft und anne Merkel geschrieben, wie dreckich ihm dat gehen tut, dat er fast am Hungertuch am nagen is und dat dreissich Arbeitsplätze übere Wupper gehn, wenner keine Hilfe kricht. Opel hättense ja auch geholfen, und die Scheffs von Karstadt hätten ja auch schon beie Merkel nach Hilfen gefracht und da wird inne Politik gez tagelang debattiert und rumpalavert. Und da hätter jawohl auchen Recht auf staatliche Unterstützung, wegen gleichet Recht für alle! Heute morgen hab ich inne Zeitung gelesen, dat die Merkel die Karstadt-Scheffs ma en paa passende Takte gesacht hat, von wegen sollense ersma kucken, dat se ma en bissken wat von ihre privaten Milliarden, die se inne letzte Jahrzehnte gescheffelt ham, in den verkorksten Laden reinstecken. Könnt ja nich sein, den Laden runterzuwirtschaften, sich die dicke Kohle inne eigene Tasche zu stecken und dann, wenn die Rendite übern Jordan geht, solln die Steuerzahler die Suppe auslöffeln.
Hömma, wenn dat tatsächlich wahr is, dann is dat dat erste Ma, dat die Merkel in ihrn Leben wat Vernünftiget gesacht hat. Eigentlich müsstese den Klober, wennse konsequent is, genauso abblitzen lassen. Bloß, wenner beie Kraft tatsächlich auch noch angedackelt is, wer weiß ob er von die nich doch noch wat im Hintern geschobn kricht.
Kumma, wenne diesen selbsternannten Arbeiterführer dat Argument mitte Arbeitsplätze brings, reißt der sich doch sein Allerwertesten auf, um da noch wat zu retten. Eins weiß ich, wenn der Klober nächstet Jahr tatsächlich mitten neuen Benz durche Stadt gurkt und seine goldenen Kloschüsseln in seine Villa kricht (der Junge von mein Nachbar malocht beien Klober, da krich ich dat mit), dann wird die Kraft wohl wirklich en paa Million abgedrückt ham. Und ich werd ma abwarten, ob sich der Sohnemann demnächst tatsächlich mit „Herr Doktor“ anquatschen lassen tut.
Weisse wat, mich fällt da gerade wat ein: Mein Nachbar Manni hat sich letztet Jahr so ne Terrassenüberdachung machen lassen. So richtich aus Massivholz und auf Maß. Hatten Schweinemoos gekostet und gez kanner auch, wennet reechnet, aufe Terrasse anne frische Luft sitzen. Könnt ich ja auch ganz gut brauchen. Ich hab neulich schomma gekuckt, wat ich aufen Sparbuch hab, würd ja reichen, wennet nächste Auto en bissken kleiner ausfällt. Die Merkel brauch ich ja nich zu fragen. Aber die Kraft vielleicht, wenn ich ihr sach, dat ich mit ihre Penunsen en paa Arbeitsplätze sichern tu, wennse mich dafür die Kohle fürre Terrassenüberdachung geben tut? Dann brauch ich mich nämlich mit dat neue Auto nächstet Jahr nich kleiner setzen!
Glückauf!


 


 


Telefonterror I (Call-Research)
Beteiligte: Günter Mambrallek, Bergbau-Rentner (M) und Claus Call, Call-Center Agent (C)
Dat Telefon rappelt.
M: „Jaaa...“
C: „Guten Tag, spreche ich mit Herrn Günter Mambrallek?“ (Süddeutscher
Akzent)
M: „Wer will dat wissen?“
C: „Claus Call ist mein Name vom XY-Institut für…“
M: „Warum willze dat wissen?“
C: „Äh ja … (überrascht)“
M: „Hömma, wie kommt dat, dat ich deine Telefonnummer nich auf mein Telefon seh, isset in deine Birne nonnich angekommen, dat du dat nich darfs, dat du dich damit schon strafbar gemacht hass?“
C: „Entschuldigung, aber ich habe Weisung von meinem Disponenten…“.
M: „Hömma, dein Vortänzer interessiert michen Rotz, aber hass Schwein, hab mein Computer an, drei Sekunden und ich hab deine Nummer!“
C: „Das können Sie nicht, das geht nicht.“
M: „Wie, sicher geht dat! Hasse schomma wat von Call-Research gehört?“
C: „Äh, was? (überrascht ratlos)
M: „Nee? Dat is son Computerprogramm, dat mit mein Telefon verbunden is, so digital, weisse? Kumma, da hab ich deine Nummer schon, glaubsse nich, wat?“
C: „Das kann nicht sein…“
M: „Doch, sach mir ma deine Nummer zum Vergleichen…“.
C: „0 9 9 1 1 0 …“ (total aussem Konzept)
M: „Ja siehsse, passt doch, genau die Nummer hab ich hier und dein Name is Claus Call,
hab ich ja grade nich verstanden, und den Name mitte Adresse von dein Call-Center hab ich auch hier. Glaubsse mich nu? So und gez pass ma auf, du hass dich strafbar gemacht wegen die verheimlichte Telefonnummer, und ich lass dann morgen schomma ne saftige Strafanzeige los…“.
C: „Wie? Sie werden doch nicht wirklich…“ (nahezu hilflos)
M: „Ja wat glaubs du denn? Aber weisse wat, ich mach dichen Angebot, seh zu, dat der Obermacker von deine Telefonterrorzelle michen Barscheck über tausend Euros mit Enschreiben per Post schickt, meine Daten hasse ja, könnz mich ja sons nich anrufen. Wenn ich den bis nächsten Freitach hab, vergess ich dat mitti Strafanzeige…“
C: „Sagen Sie mal, wollen Sie mich verarschen? (verärgert!)
M: „Bor, hasset endlich gerafft, du Blitzmerker. Merk dich eins, du hass mich angerufen, weile mich bescheißen wills, also bescheiß ich dich zuerst. Hömma, Scheiße und Arsch passt doch zusammen, oder is dat bei euch zuhause anders?“
C: „Sagen Sie mal, sind Sie nicht der Meinung, dass Ihre Art und Weise recht unhöflich ist?“
M: „Weisse wat, du Klappstuhl, damit musse rechnen, wenne Leute im Ruhrpott nervs. So, und gez sach ich dich ma wat in Vertraun: Ich mach son bissken Kabarett, weisse, mit mein Kumpel Hebbert zusamm, und ich tu immer son bissken Stoff sammeln. Dat du dat weiß, ich hab dein Anruf als Mp3 auf mein Computer aufgenomm. Ich tu dat dann nomma anhörn und aufschreiben. Ich tu auch die Namen ändern, damit dat kein Ärger gibt, weisse, und dann tu ich dat allet wieder löschen. Und dann tunwer die Nummer so aufe Bühne nachspielen. So wie „Bodo Bach ruft an“ oder Paul Panzer, kennze bestimmt, nur der umgekehrte Wech, weisse? Bis ja einverstanden, hass ja bis gez nich „nee“ gesacht, ne…?“
C: „Sagen Sie mal, so was wie Sie hatte ich noch nie in der Leitung…“ (gebauchpinselt)
M: „Ja siehsse, konnz mir zwar dein Kokolores nich andrehn, hass aber wenichstens bissken Spässken beie Maloche gehabt, und gez samma, is dat nich besser als wie wenn einer schon gleich an Anfang krummen Hund zu dich sacht oder sofort den Hörer aufe Gabel haut? Und kumma, Du hass Spässken und ich mach nochen bissken Kohle mit euern Telefon-Terror. Und gez sach wat!“
C: „Hören Sie mal, das ist nicht fair…“
M: „Wenne dat so siehs, is dat dein Problem, du Flachpfeife, und gez seh zu, dat du ausse Leitung komms, und ansonsten kannze ma Samstach beie Bundesliga inne Halbzeitpause ne Viertelstunde über die Existenzberichtigung von dich und deinesgleichen nachdenken! Viertelstunde, dat schaffse schon! Glückauf!“ Klick, tut, tut, tut


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