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Bücher Satire
Buch Leseprobe Gezz kucksse!, Volker Kosznitzki
Volker Kosznitzki

Gezz kucksse!


Ruhrpott-Geschichten

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Moderne Kunst
Nee geh mich wech, glaubsse?! Also, wat dich heute so allet angedreht werden soll, wat die Welt nich brauch, hömma, da kannze schomma sonne Krawatte kriegen. Dat fängt von Sachen füre Küche an und geht bis irgnswelche Klamotten für im Wohnzimmer für zum Hinstellen. Also gezz nich Möbel oder Sofa oder Fernseh, weil dat brauchsse ja nu ma, sondern mehr so Dekozeuchs wo sich der Staub sammeln tut, damit deine bessere Hälfte auch wat zu tun hat, dat allet sauber zu halten. Weisse, da gibet schomma Sachen, da weisse gaa nich mehr, wat dat sein soll oder für wat dat gut is. Und wenne ma im Laden danach frachss, dann krisse höchstens noch ne pampi-ge Antwort von wegen dat wär Kunst. Und wirss dann noch zum Schluss als Kulturbanause hingestellt. Nee du, bleib mich wech!
Da lob ich mich doch den Ölschinken, den mein Vatta damals im Wohnzimmer übbern Sofa hängen hatte: Ne Berchwiese und der Bauer mit seine Mitarbeiters beie Heuernte, wiese dat Heu auf son riesiget Pferdefuhrwerch am Packen waan. Und jedet Ma, wenne dich dat Bild bekuckt hass, hasse immer wid-der ne neue Kleinichkeit entdeckt. Oder den selbss gefälsch-ten van Gogh, den ich übber mein eigenet Sofa hängen hab: Ne große Zuchbrücke mitten paa Muttis bein Wäschewaschen annen Kanal. Nee ehrlich, da kannze wenichstens noch erken-nen, wat dat darstellen soll.
Jau, und wenne dich ma so übberleechss, wat andere sich so fürn Zeuch anne Wand hängen. Weilse fürn echtet, also vonnen Maler gemaltet Bild, die Kohle nich übrich ham (ent-weder weilse zu schrappich sind oder nur wenich Penunsen ham), hängense sich en Kunstdruck im Rahmen anne Wand. Na ja gut, kriss ja die ollen Meister fast alle in jede Größe, in jede Preislage und für jeden Geschmack. Hömma, wie ich letz-tens ma widder beie Schwägerin und bein Schwager auf Be-such waa, fiel mich da im Wohnzimmer en riesigen Holzrah-
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men mit Glasscheibe auf und unter die Scheibe waan son paa Kringel, Striche und Kleckse auf weisset Papier zu sehn. Und ich sach so fürn Schwager: „Hömma, wat habt ihr denn da fürn Gekritzel anne Wand hängen?“
Bevor der wat sagen konnte, waa die Schwägerin auf einma hinter mich und meckert mich an: „Samma Günner, hasse eig-ntlich kein Kunstverstand? Dat issen hochwertigen Druck innen schweineteuern Rahmen. Dat echte Bild hat ma vorn paa Jahre ein Herr Miro gemalt. Dat Orginal kostet en paa Mil-lionen und hängt irgnswo in Paris innen Museum. Und weil ich dat umbedingt ham wollte, hamwer 300 Euros für dat be-zahlt, wie et da hängt.“
300 Euros? Für son Geschmiere? Also irgnswat hab ich in mein Leben verkehrt gemacht! Weisse wat, son paa Striche, Kringels und Kleckse aufe weiße Fläche draufmachen, dat kann ich auch. Und dat für billiger! Und dann hab ich dat ma selber ausprobiert, weisse, ich tu ja auch ma ab und an son bissken malen und zeichnen, ne?! En paa Ergebnisse davon kannze dich ja in dat Büchsken hier bekucken. Nee, aber son abstraktet Geschmiersse hat ja übberhaupt kein Spaß ge-macht. Aber et gibt ja noch Schlimmeret …
Also letztet Jahr hat mich mein Vetter, der Otto Korsinetzky, bei uns inne Kreisstadt inne Kunsthalle geschleppt. Der hatte da bei son Preisrätsel von unsere Tageszeitung zwei Freikar-ten gewonnen und suchte gezz einen, mit dener da möglichst für lau hinkommt. Und am besten aufen Samstach oder Sonn-tach. Auf mich isser dann gekommen, weil ich hab en Ticket 2000 von unsern Verkehrsverbund, weisse, damit kann ich am Wochenende immer ein Erwachsenen und noch drei Bla-gen und en Hund für umme mitnehmen. Und die Kunsthalle is ja direkt am Bahnhof, da brauchsse also nich weit laufen.
Jau, also wir denn raus aussen Bus und nache Kunsthalle rüb-ber. Hömma, und dat erste wat mich da so übberkommt is die Frage: Wat soll dat denn, ham die kein Platz mehr in dat Mu-
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seum, dat se gezz schon die Einrichtung aufe Straße stellen müssen? Da hamse also tatsächlich ne total beschmierte ver-dreckte Badewanne am Straßenrand gestellt und daneben ne riesige Lokusschüssel. Hömma, da hab ich mich ers ma ge-fracht, wie du da übberhaupt raufkommen sollz. Und wenne dann oben aufen Thron sitzen tus, musse noch aufpassen, dat du nich hintenübber inne Scheiße reinfällz und absäufss. Ob-wohl, ich hab dann gesehn, dat irgnd son Intellenzbolzen ne Strickleiter anne Schüssel drangemacht hat. Gut, rauf kommsse also, und dann? Wat soll dat übberhaupt? Na jeden-falls, damit keiner aufen Trichter kommt, sich von den ganzen Sperrmüll wat wechzuholn, hamse son Wächter aus Blech daneben gestellt, aber so richtich Respekt konnze vor den auch nich kriegen. Weisse, der sah eher aus wie son römi-schen Legionell oder wie die damals hießen, und irgnswie sah der aus, als ob der Obelix den mit ein Schlach ausse Rüstung gekloppt hätte.
Irgnswie hat der Otto wohl gemerkt, dat ich da so meine Ge-danken hatte, die nich umbedingt in seine Richtung passten und er meinte nur für mich: „Komm Günner, lass uns rein-gehn.“ Zeichte anne Kasse seine Freikarten vor und schon waanwer drin in ein riesigen Saal (oder doch Bunker? Damals im Kriech soll dat Gemäuer wohl für so wat gebaut worden sein, den dicken Beton nach). Ich kuckte mich son bissken um und kam mich vor wie aufen Schrottplatz. In eine Ecke en ganzen Haufen verrostete runde Rohre, inne andere Ecke en Haufen verrostete Vierkantrohre mit Farbkleckse drauf und inne Mitte son ollen Brezelfenster-Käfer ohne Räder und ohne Türn, aber dafür knatschrosa und neongelb angestrichen und mit schwatte Punkte drauf. Hömma, und du glaubss dat nich: aufen Fahrersitz ne Gummipuppe vonne Beate U. Und da wo eigntlich der Beifahrersitz hingehört ne olle verbeulte Waschmaschine! Und der Otto so richtich in sein Element – am Schwelgen und am Schwärmen, von wegen so tolle Kunstwerke hätter ja in sein ganzet Leben noch nich gesehn. Weisse wat, ich hab mittlerweile schon damit gerechnet, dat
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aus irgnseine vonne ganzen Schrottecken die Typen mitti weißen Kittel kommen, um den Otto abzuholn. Waa aber nich. Dat Einzige, wat passierte waa, dat einer vonne schwatten Sheriffs die dat ganze Museum am Bewachen waan, auf mich zukam wie ich ma ausprobiern wollte ob die Puppe in den Käfer nu aus Gummi oder Plastik waa. Und der meckerte gleich los, ich dürfte hier nix anpacken, sondern nur anku-cken, weil dat wär allet große Kunst und et dürfte nix kaputt-gehn.
Hömma, wie waa dat noch mitti olle Badewanne von so ein Herr Beuys? Ich glaub der hat sich damals so dadrübber auf-gereecht, dat die Putzfrau die Wanne ma richtich sauber ge-schruppt hat, dat die Frau ihrn Job los waa und der Beuys kurz dadrauf en Herzklabaster krichte. Na ja, gezz bekuckt der sich ja seit en paa Jahre die Radieskes auch nur noch von un-ten. Nee, geh mich wech!
Wat meinze wohl wat ich froh waa, dat ich da widder raus waa aus diese internationale Sperrmüllausstellung. Nee, also gezz ohne Scheiß. Wie ich widder zu Hause waa, hab ich mich ers ma widder den ollen Ölschinken mitti Heuernte aufe Berchwiese angekuckt, den ich letztet Jahr von mein Vatta geerbt hab, da kannze wirklich noch erkennen, wat dat dar-stellen soll!
Neulich hab ich mit meine Jungens, sind ja mittlerweile auch schon erwachsen, ma widder olle Fotos ausse Kinderzeit be-kuckt. Da waan dann welche bei vonnen Spaziergang vor zwanzich Jahre mit uns alle annen Sonntachnammittach im Stadtgarten bei uns inne Kreisstadt. Und vor dat ehrwürdige Festspielhaus liegen da auch so riesige knochenähnliche Din-ger aus Edelstahl rum. Und ich hör meine Jungens fragen: „Papa, wat is dat?“
Und ich sach so: „Jungens, ich weiß dat nich so genau. Wahrscheinlich Kunst!“
Glückauf!


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