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Bücher Satire
Buch Leseprobe Geschichten von Trulla, Frauke Baldrich-Brümmer
Frauke Baldrich-Brümmer

Geschichten von Trulla


Eine City-Single-Frau sucht den Akademiker …

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TRULLAS WELT


 


Kennen Sie Trulla? Nein? Möchten Sie Trulla kennen lernen? Schauen Sie – ja, das da hinten, die Blonde mit dem orangefarbenen Zweiteiler … Die ist nicht zu übersehen, sagen Sie? Richtig. Das Ding hat sie übrigens von Big Angel, dem Laden für Frauen mit großen Flügeln, äh – Größen.
Trulla steht gerade genau vor dem Haus, in dem sie ihre City-Single-Wohnung hat. Sie schaut hoch … Sehen Sie? Da oben, im fünften Stock, den kleinen Balkon, auf dem die üppigen Grünpflanzen ein unbefestigtes Dasein fristen?
Was Sie da so flackern sehen, das ist eines von Trullas Engelslichtern. Die Gute ist nämlich auf der Suche. Nicht nur so wie jetzt nach dem Haustürschlüssel, sondern nach einem Akademiker, der ihre Sehnsucht nach Liebe, Wärme und Geborgenheit zu stillen vermag.
Nun aber folgen wir Trulla in den Hausflur und schauen zu, wie sie den Briefkasten öffnet … Sie wogt und schnaubt,  nicht wahr? Sie sinkt auf die Stufen und presst einen Brief an ihren üppigen Vorderbau …
Da hat wieder einer geschrieben, denke ich mal, einer, den Trulla über die akademische Partnervermittlung „Grieche sucht Griechin“ kennengelernt hat.
Zusammen mit dem Brief und der Mappe (Trulla ist, wenn sie nicht gerade pendelt oder auf Männerfang geht, auch noch Lehrerin) steigt Trulla nun die Stufen zu ihrer Wohnung empor und verschwindet in selbiger.
Was da drinnen so maunzt, ist Trullas Kater.
Und nun – hören Sie, hören Sie genau hin!
Trulla sagt ein Mantra. Davon hat sie viele …
„Die Schiffe gehen auf hohe See.
Mein Herz geht aus
und sucht den Mann fürs Seelenschiff.“

Genug für heute?
Ich glaub es Ihnen.
Trulla genießt man am besten kapitelweise.


 


 


 


TRULLA SCHENKT SICH EINEN STUHL


 


Auch in diesem Jahr näherte sich, als es zu Ende ging, der Geburtstag meiner Freundin Trulla Mitte November mit Riesenschritten. Eine Woche davor ringelte Trulla bei mir an und bat mich zu einer „Hineinfeierparty“ in ihre City-Single-Wohnung so gegen 22.00 Uhr. Sie hatte auch noch einige andere Leute eingeladen: ihren promovierten Steuerberater, ihre akademische Heilpraktikerin, den studierten Nachbarn von unten links, ihre diplomierte Katerfutterlieferantin aus dem Laden „Happy Cats“ sowie ihren frisch geschiedenen Zahnarzt.
Ich überlegte, mit was für „mein“ ich wohl an meinem Geburtstag würde aufwarten können. Ich hatte weder eine Steuerberaterin oder so eine Bachblüten-Nelke und mein Zahnarzt war tot. Außerdem dachte ich noch darüber nach, was ich Trulla zum Geburtstag schenken sollte.
Trulla steht ja sehr auf Engel und ähnliche geflügelte Wesen. Darum hat der Andy, den sie letztes Jahr noch eingeladen hatte, und der weder ihr Apotheker noch ihr Innenarchitekt, sondern ein einfacher Kollege aus ihrer Schule ist, ihr ein Hendl vom Wienerwald mitgebracht. Trulla hat sehr sauer reagiert und der Andy hat die Welt nicht mehr verstanden. Wir sind dann beide in ihr Arbeitszimmer gegangen und haben den Broiler gemeinsam gefuttert. Der Andy wurde nie wieder eingeladen.
Ich dagegen schon. Ich hatte beim Ramsch- und Trödelladen in unserem Viertel einen zweimal heruntergesetzten Engel gekauft. Dieser war hauptsächlich rosa und hatte offene Hände, da konnte man eine Kerze hinein tun.Ich wickelte den Engel in Ostereier-Geschenkpapier, da ich nichts Neutrales oder Weihnachtliches bei mir hatte finden können.
Mit dem in blaue Häschen und lila Eier plus Nestchen eingelegten Engel stiefelte ich um Viertel von zehn los und machte mich auf den Weg zu Trullas City-Single-Wohnung. Dort angekommen, klingelte ich dreimal, bis endlich jemand auf den Summer drückte.
Trulla wohnt im fünften Stock. Mein alter Kumpel Karsten, der sie früher oft besucht hat, als er noch ihren PC reparierte, ist ohne Pause immer nur bis in den dritten gekommen. Dort hat er dann Gabi kennen gelernt, die da ihre Wohnung hat. Seit die beiden ein Paar sind, werden sie von Trulla nicht mehr so oft eingeladen. Außerdem waren sie damals ohnehin in Österreich, das wusste ich, weil sie mir eine Karte geschrieben hatten.
In der Wohnung wurde mir der bereits anwesende Steuerberater, die Heilpraktikerin und der Zahnarzt vorgestellt. Die Futterlieferantin war Trulla zufolge an einer Grippe –hoffentlich keiner Katzengrippe – erkrankt und der Nachbar wurde noch erwartet.
Ich durfte mich zwischen den Steuerberater und den Zahnarzt setzen, derweil Trulla mit Gläsern und Schälchen zwischen Küche und Wohnzimmer hin- und herflitzte.
Der Zahnarzt übrigens schien Trullas Wunschmann zu sein, sie gurrte sich nämlich immer wieder an seine Seite. Der Steuerberater hingegen konnte mit der Heilpraktikerin zunächst nicht viel anfangen. Beide fanden sich dann jedoch beim Absetzen von Arbeitszimmern.
Trulla hatte endlich alles aus der Küche geholt, der Nachbar erschien mit einer Flasche Wein und ich ging erst mal ins Bad. Dort inspizierte ich unauffällig Trullas Badezimmerschränkchen (bei ihr haben sogar die Slipeinlagen Flügel) und bediente mich ein bisschen ihres Rouges und des Haarlacks.
Dabei fiel mir ein, dass ich noch immer mein Geschenk in der Handtasche hatte. Ich überreichte es Trulla, als ich ins Wohnzimmer zurückkam. Trulla fand den Engel sehr niedlich. Ihr Nachbar, Rudi, raunte mir allerdings zu, den habe er irgendwo schon mal gesehen …
Ich fragte den Zahnarzt, ob Engel seiner Meinung nach auch Zähne hätten, er schaute mich sehr an und Trulla entschuldigte sich für mich. Sie sagte, ich hätte eine große Phantasie und sah dabei wie meine Deutschlehrerin aus, wenn ich mal wieder im Aufsatz das Thema verfehlt hatte. Ich sann auf Rache. Eigentlich brauchte ich nach dem Ableben meines alten durchaus mal einen neuen Zahnarzt, aber dieser gefiel mir irgendwie nicht so dolle.
Zwei Rotwein später fragte ich ihn, ob er Trullas „SSSSSS“ gemacht hätte. Trulla ist nämlich vor ein paar Jahren mal vom Rad gefallen und hat sich beide Schneidezähne ausgeschlagen. Sie hat zwei neue bekommen, und weil die Zähne daneben auch nicht mehr die feinsten waren, kriegte sie eine Oberkiefer-Runderneuerung, und seitdem zischt sie ein wenig, wenn sie sehr erregt ist und dann Sätze mit viel „S“ drin sprechen muss. Trulla wurde wutrot im Gesicht und der Zahnarzt erklärte, dass es mittlerweile grandiose neue Erfindungen in der kieferchirurgischen Zahnimplantation gäbe und er das Fräulein Trulla (er sagte tatsächlich Fräulein, als ob er der Doktor Faust sei) sehr gerne damit versorgen täte, leider zahle da die Kasse aber nichts zu.
Trulla sagte mit einem fiesen Blick auf mich, dass sie sich das leisten könnte. „Ich hab’s!“, schrie da der Nachbar. Wir alle wollten wissen, was, und er sagte: „Na, ich weiß, wo ich den rosanen Engel schon mal gesehen habe! Er hat neben den Mülltonnen gestanden! Und da hab ich ein Herz für hässliche Engel bekommen und ihn zum Ramschladen am Stadtpark, dem kleinen neben dem Spielplatz, gebracht. 2 Euro hab ich dafür gekriegt.“ „Und mir hatte dieser Trödelheini noch 5 Euro 95 dafür abgeköpft“, dachte ich in heller Empörung.
Trulla jedoch schien an dem Thema Engel nicht mehr interessiert, sondern schleppte stattdessen einen ziemlich dünnbeinigen Stuhl aus ihrem Arbeitszimmer heraus. „Den habe ich mir direkt aus Paris bestellt und zum Geburtstag geschenkt“, sagte sie glücklich. Der Zahnarzt trat an den Stuhl heran, beklopfte und befummelte ihn. Ich erwartete, er würde gleich „oben rechts eine Füllung auf vier sieben“ anordnen, aber er sagte nur: „Das ist entweder ein nachgemachter Louis Seize oder echtes Rokoko.“ Die Heilpraktikerin meinte, die Sitzfläche würde gut zu Trullas Aura passen. Der Steuerberater fragte, ob Trulla den Stuhl ins Arbeitszimmer stellen würde. Der Nachbar grinste und meinte, den Stuhl habe er nicht neben einer Abfalltonne gesehen, aber einen, der diesem sehr ähnlich sei. Wenn Trulla sich beeile, sei er vielleicht noch da. Ich sagte, ich würde den Stuhl Stühletto nennen, wegen der extrem dünnen Beinchen. „Niemals“, rief Trulla und legte die Arme beschützend um ihren Neuerwerb, auf dem sie dann um Mitternacht Platz nahm.
Wir standen alle auf, stießen mit Sekt auf das Geburtstagskind an und dabei Stühletto fast um.
Nachklapp
Ich verließ die Party wenig später mit dem Nachbarn, in dessen Wohnung ich am nächsten Morgen erwachte. Als ich aus dem Fenster schaute, sah ich den Zahnarzt mit Stühletto unter dem Arm die Straße überqueren.
Wie ich später erfuhr, hatte er ihn gerade als Anzahlung für Trullas neues „SSSS“ geholt, das wohl doch teurer wurde als ursprünglich erwartet.
Er hat ihn Trulla aber bald darauf zurückgebracht, weil er ihn nicht verhökern konnte. Trulla hat ihre Zähne dann in acht Raten bezahlt, um den Zahnarzt möglichst oft sehen zu können, und Stühletto ist noch immer bei ihr. Aber wenn sie erregt ist, zischt die gute Trulla nach wie vor …


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