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> Satire > Fünf Jahre und Vierzehn Zentimeter
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Bücher Satire
Buch Leseprobe Fünf Jahre und Vierzehn Zentimeter, Claudia Stoffers
Claudia Stoffers

Fünf Jahre und Vierzehn Zentimeter



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Mein Name ist, so sagen wir mal, Gerlinde Möchtegern. Er erklärt sich nach ein paar Seiten dieses Buches von allein. Die Jahre die meine zierlichen Schultern tragen, zählen unglaubliche 35ig und doch würden die meisten Menschen, bei einer flüchtigen Begegnung mit mir, behaupten ich wäre eben um die 20 Jahre alt. Was, so kann ich ihnen sagen, nicht immer von Vorteil ist.
Meine größten Vorbilder sind Kylie Minogue, Madonna und Anastacia, um nur einige zu nennen. Wir haben nämlich eines gemeinsam und das ist die geringe Körpergröße. Nach meinem Wissen  kommen wir alle nicht über 1,58m hinaus. (Gott sei Dank, nur im Einzelzustand, es ist nicht unsere Stapel Höhe gemeint.) Ich muß zu meiner Schande gestehen auch kein Bisschen leiser zu sein. Eigentlich wollte ich es gar nicht erwähnt haben, aber meine Familie wollte eigentlich schon eine Überflug- Genehmigung beantragen, da ich, was die Lautstärke angeht, mit jedem Düsenflugzeug konkurrieren konnte. Man glaubt es kaum, doch sie wurde nicht genehmigt. Leider ist um unser Grundstück herum auch kein Platz, für einen Lärmschutzwall. Den hätten meine Lieben sonst schon längst errichten lassen, damit sie unsere Nachbarn von den durch mich entstandenen Ruhestörungen, schützen konnten.


 


 



Wenn ich mit unseren 3 Kindern, mittlerweile sind sie 11, 9 und 6 Jahre alt, spazieren gehe, werde ich nicht selten bewundernd angesprochen: „ Du spielst ja so schön mit deinen Geschwistern!", oder; „ Da hat deine Mutter aber eine große Hilfe! Ich habe mich auch immer um meine Geschwister bemüht!"
Meistens erntete ich nur noch ein Kopfschütteln, nachdem ich den netten, meistens älteren Herrschaften klargelegt hatte, wessen Kinder es waren.
Ich möchte natürlich auf keinen Fall undankbar erscheinen und natürlich gibt es auch Vorteile, (mir fällt gerade keiner ein), für so jung gehalten zu werden. Dennoch kann es sehr diskriminierend sein, sich stets rechtfertigen zu müssen. Ich habe mich daher entschlossen, solche Vorwürfe wie dieser: „ Mein Gott, die werden immer jünger, wenn die Kinder in die Welt setzen!"  , oder: „ Musste das denn sein? Schoon so früh?"  , zu überhören. Manchmal werde ich jedoch auf eine harte Probe gestellt. Können sie sich vorstellen, ihre mit ihrem Vor- und Zunamen versehene Tür zu öffnen und es wird nach ihren Eltern gefragt? Nicht, weil ein alter Bekannter vor ihnen steht der ihre Eltern aus den Augen verloren hat und glücklich darüber ist, wenigstens sie ausfindig gemacht zu haben?. Nein! Dieser Mensch steht vor ihnen und fragt sie nach ihren Eltern, da er vorhat, ein banales Haustürgeschäft abzuschließen und sie noch nicht für geschäftsfähig hält. Nein? Das können sie sich nicht Vorstellen? Mir passieren solche Sachen.
Es ist erst ein Paar Wochen her. Wie man das so im Allgemeinen macht, habe auch ich gleich nach, dem an meiner Tür geklingelt wurde, die selbige geöffnet. Vor ihr stand ein junger Mann.
(Ich würde das Alter eigentlich schätzen, aber sie verstehen, warum ich an dieser Stelle zögere, mein Votum abzugeben.)


Nach einem kurzen „ Hallo!", von meiner Seite, hörte ich mein Gegenüber in dem Sprachrhythmus  von Dieter-Thomas Heck sagen: „ Hallo! Ich bin von der Telekom. Ist vielleicht Mama, Papa oder Oma und Opa zu Hause?" Angesteckt von der Geschwindigkeit seiner Worte entgegnete ich ihm ein knappes und zu dem noch wahrheitsgetreues: „Keiner da!", und schloss die Tür.
Und als wenn das nicht schon schlimm genug gewesen wäre, für eine fast 40ig jährige Frau, war mir das doch tatsächlich innerhalb einer Woche gleich zwei Mal passiert. Zugegeben, dass zweite Mal trug sich ein wenig anders zu. Dieses Mal war die Person vor meiner Tür eine Frau und darum hat sie wahrscheinlich etwas früher gemerkt, wen sie dort vor sich hat.
Sie sind der Meinung, dass ich ihnen ein Märchen aufgetischt habe?
Sie sagen, das ist vollkommen unglaubwürdig?
Mir würde das genau so gehen! Dennoch können sie mir glauben, schließlich war ich dabei!


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