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> Satire > Der spendable Amerikaner
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Bücher Satire
Buch Leseprobe Der spendable Amerikaner, Werner Pfelling
Werner Pfelling

Der spendable Amerikaner



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Der spendable Amerikaner

In einer Berliner Tageszeitung erschien eine unauffällige Annonce unter der Rubrik "Antiquitäten", absichtlich oder versehentlich, die, wie sich bald herausstellte, einen großen Leserkreis fand. Sie lautete: Amerikaner möchte sein Vermögen an bedürftige Deutsche verschenken. Es gab eine Unmenge Zuschriften, mit der die Redaktion nicht gerechnet hatte, und sie war ratlos, was sie mit der Briefflut anfangen sollte.

Endlich erläuterte ein Sportjournalist seine Idee, man müsste eine Art Lottosystem erfinden, und die Gewinner könnten das gespendete Geld des Amerikaners unkompliziert erhalten. Jemand aus der Wirtschaftsredaktion äußerte, das läuft nicht ohne Prüfung durch die Finanzämter, damit Menschen, denen es gut geht, nicht bevorzugt werden. Der Vorschlag wurde jedoch vom Redaktionskollegium wegen des zu großen Aufwandes abgelehnt. Eine Mitarbeiterin, in der Zeitung für Lifestyle verantwortlich, meinte sarkastisch: "Soll der Ami sein Geld selbst verjubeln, dann haben wir unsere Ruhe." Schließlich bestimmte der Chefredakteur, ich wende mich an die Lottogesellschaft, damit sie die Sache betreibt. Der Kulturredakteur Richard Hohenstein, der über Erfahrungen mit Preisausschreiben verfügte, wurde beauftragt, den Verbindungsmann zwischen dem Amerikaner und der Lottogesellschaft zu übernehmen, nachdem diese nach langem Zögern, aber letztlich im Geist der deutsch-amerikanischen Freundschaft, ihre Unterstützung zugesagt hatte.

Es fehlte ein Lebenszeichen des Amerikaners, das auch bald eintraf. Er wird in drei Wochen in Berlin erscheinen. Eines Dezember-Tages hielt Richard Hohenstein in der Empfangshalle des Flughafens Tegel die Tageszeitung in die Höhe, bei der er beschäftigt war, um sich dem angereisten Amerikaner auf diese Weise vorzustellen und einen ersten Kontakt für dessen Mission aufzunehmen. Tatsächlich ging ein kleiner, rundlicher Mann auf ihn zu: "Mein Name ist George Miller. Bin ich hier richtig mit meinem Job?" Dabei sprach er ein ziemlich gutes, wenn auch nicht akzentfreies Deutsch, und beide Männer fuhren in ein Hotel.

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