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Bücher Satire
Buch Leseprobe Das Goldene Kondom, Reinhard Stuttmann
Reinhard Stuttmann

Das Goldene Kondom


Eine Realsatire

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Ich glaub, jetzt hab ich’s! Als sich bei mir der Gedanke gefestigt hatte, meine geistigen Ergüsse zu Papier zu bringen, stellte sich für mich immer wieder die Frage: Wie fängt man so was eigentlich an? Das ist gar nicht so einfach, aber dann plötzlich hatte ich’s.  Ich habe mir gedacht, ich übernehme erstmal die volle Verantwortung! Alles, was ab jetzt passiert und geschrieben wird, dafür stehe ich gerade. Ich finde das eine super Idee. Der geneigte Leser könnte sich natürlich fragen, was soll das denn? Hat der jetzt `n Schuss? Nein, natürlich nicht. Es ist doch fast täglich in den Medien, dass irgendeiner für irgendwas die volle Verantwortung übernimmt. Das klingt doch zunächst mal für den Laien sehr nobel. Meistens handelt es sich um unsere großen Vorbilder aus Politik und Wirtschaft. Das Prinzip ist so einfach und so genial. Man macht irgendeine edle Sauerei, wie z.B. Bestechungen, Veruntreuung, ein bisschen Kohle wird abgezweigt oder verzockt, lässt sich ’ne Hütte bauen auf Kosten anderer oder trifft eine Entscheidung die auf fehlende Hirnmasse schließen lässt – egal - und wird dabei erwischt. Du  könntest denken: peinlich, unangenehm.
Nein nicht wirklich, jetzt kommt der Trick: der Betroffene übernimmt die volle Verantwortung für alles und die Konsequenz? Keine, nix, rein gar nichts. Im Gegenteil. Das Ganze wirkt sich ausgesprochen positiv für den Betroffenen aus. Meistens gibt es eine „Mörder Abfindung“, Top Renten oder die, die aus der Politik kommen, werden von der Industrie zu Traum-Konditionen übernommen, denn die wollen sich ja schließlich auch weiterbilden, wie man sein Gegenüber vielleicht noch geschmeidiger über’n Tisch zieht. Oder Schlupflöcher kennen lernt wie sie dem Staat das Pulver eleganter aus der Tasche holen können. Soviel vorab zum Thema Parasiten. Wir werden es später noch vertiefen.
Kleine Notiz dazu vom 29.10.07:Stan O’Neal, Boss von Merrill Lynch, hat 8,4 Milliarden in den Sand gesetzt, hat seinen Hut und die Verantwortung übernommen. Kleines Trostpflaster: 175 Millionen Dollar, geil, oder?
So etwas könnte bei uns natürlich nicht passieren. Wer hier eine Bude vor die Wand setzt, kriegt vielleicht 20, 30 oder 50 Millionen, dann ist aber auch gut.

... Wenn einer sich mit meiner Kohle verlustiert, dann erwarte ich Lösungen und kein Gelaber. Jeder hat das Recht Fehler zu machen, nicht die Pflicht, aber ich erwarte, das man dafür gerade steht. Das muss ich nämlich auch.


Was das Ganze allerdings noch schlimmer macht und fast eine Bestätigung dessen ist, ist die Tatsache, das die Arbeitnehmer heute weniger Kaufkraft in der Tasche haben als vor 20 Jahren. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Ein Hammer, oder?



... Wenn ich mir dann noch von Managern oder Firmenchefs Äußerungen anhören muss wie schlecht es ihnen geht, obwohl ihr eigenes Einkommen in der Kaufkraft sich vervielfacht hat, komm ich doch als Arbeitnehmer nur noch zu dem  Ergebnis: da macht sich einer auf meine Knochen ein fröhliches Leben. Diese Typen vergleiche ich gerne mit dem Vogel Strauß. Wieso? Biologen haben festgestellt, dass beim Strauß die Augen größer sind als das Gehirn. Das passt. Das muss die Ursache für das hirnlose und unverschämte Gequatsche sein.



... Wenn aber Unternehmer der Meinung sind, ihre Unternehmen auf Kosten der Allgemeinheit nach oben puschen zu können, sich als Parasiten 1. Klasse verhalten, immer noch nicht begriffen haben, dass Sklavenhaltung der Vergangenheit angehört, gehören sie für mich biologisch ebenfalls in die Gruppe der Seesterne. Diese müssen dann eben über Mindestlöhne gezwungen werden ihre Spielchen einzustellen. Wenn dann so eine Bude geschlossen wird, ist das zwar traurig, aber auf der anderen Seite kann die Allgemeinheit auf solche Kriminellen auch locker verzichten. Solchen Typen könnte man schon mal


DAS GOLDENE KONDOM

schenken mit dem Hinweis: um die Gefahr einer Vermehrung auszuschließen und sie gehören unbedingt auf die Nominierungsliste für DAS GOLDENE  KONDOM.


... Wen wundert es dann, dass es noch weitere interessante Beispiele aus der Industrie und dem Großkapital gibt, die dieses Verhalten ausnutzen. Manchmal habe ich den Eindruck, dass gegen Teile dieser Spezies die Mafia wie ein Verein junger christlicher Männer oder Chorknaben erscheint.


Nehmen wir mal Siemens. Herr von Pierer, der Boss und Inbegriff des Seriösen. Dachte ich immer, bin ja auch ein bisschen naiv. Aber wenn er so im Fernsehen war, korrekte Kleidung, zurückhaltende Erscheinung, bescheiden aber bestimmt in seinen Ausführungen, Berater der Bundesregierung und du sitzt da als kleiner unwissender Furz vorm Bildschirm, da bleibt doch nur der Gedanke: toller Typ, wenn du dem nicht vertrauen kannst, wem dann? Du ahnst doch nicht ansatzweise, dass du den „Paten“ vor dir hast. Und dann kommt plötzlich eine Sauerei nach der anderen ans Tageslicht.



... Wenn ein Großunternehmen irgendwen besticht, um einen Auftrag an Land zu ziehen, um dadurch Umsatz und Arbeitplätze zu sichern, könnte ich das durchaus moralisch absegnen. Warum? Der Staat macht doch genau das Gleiche - es heißt nur anders. Wenn der Staat Unternehmen besticht, heißt es Subvention und ist erlaubt. NRW hat doch Nokia auch 80 Millionen gegeben, unter der Voraussetzung sich in Bochum nieder zu lassen und Arbeitsplätze zu schaffen. Ohne Kohle hätten die das doch nicht gemacht. Das wird sogar gelobt. Ein Unternehmer der mit dem gleichen Geld Aufträge an Land zieht, um seinen Leuten den Job zu sichern, macht sich strafbar. Muss man das jetzt verstehen? Oder bin ich einfach nur zu blöd? Vielleicht hat mir aber auch noch nie einer den Unterschied richtig erklärt.



Ich glaube, dass ist wie Doping. Eigentlich darf man das nicht machen, aber wenn der Sportler nicht gewinnt, ist er der Trottel und wird in den Medien verrissen, gewinnt er und hat aber gedopt, dann auch. Gewinnt er nicht, weil er ohne Doping nicht gewinnen kann, ist er auch der Looser. Deswegen muss man Doping natürlich nicht gut finden, aber irgendwie ist das alles ganz schön kompliziert und die ganz „oben“ vermitteln einem zusätzlich den Eindruck an einer Lösung nicht ernsthaft interessiert zu sein. Dann passt es doch wieder.



... Interessant finde ich eine Überlegung, die in eine ganz andere Richtung geht. Ich stell mir gerade vor, das solche Typen die beim Thema Geld über Leichen gehen, Kinder haben. Was für Werte werden dem Nachwuchs wohl vermittelt? Kann man überhaupt etwas vermitteln, was man selber gar nicht kennt? Ich denke da an so unwichtige Dinge wie Moral und Anstand.


 


.... Aber unsere Angestellten in der Politik hauen ja ständig, befreit von jeder Intelligenz, irgendwelche Statements raus ohne sich jemals selbst in Frage zu stellen. Das machen aber alle Dummen so, sie können nicht anders. Sie stellen fest, dass bei ihren „Geldgebern“ (Wählern) eine Politik-Müdigkeit festzustellen ist, aber sie fragen nicht warum oder was haben „wir“ falsch gemacht. Sie registrieren einen Vertrauensverlust gegenüber der politischen Garde, aber auch hier fragen sie nicht wieso oder was haben „wir“ falsch gemacht. Sie unterstellen eine schlechte Steuermoral und fragen auch hier nicht warum oder könnte es an „uns“ liegen. Nein, sie verwechseln Arroganz mit Selbstvertrauen, halten sich für den Papst und dadurch für unfehlbar. Sie sind von sich so überzeugt, dass sie alle Anderen, die ihren Gedanken kritisch gegenüber stehen, für dumm halten ohne sich selbst zu hinterfragen, warum man es auch anders sehen könnte.
.... Diese Woche (21.02.08) war wieder so eine lustige Talkrunde bei Maybrit Illner. Wichtigster Gast: mein leitender Angestellter, Abteilung Finanzen, Herr Steinbrück. Immer wenn es enge wurde, wies er darauf hin, wie schön er doch die Steuern gesenkt hätte und wie gut unsere Position im Vergleich mit unseren Nachbarn wäre. Ja, mein Lieber, aber wen interessiert das denn? Was nützt es mir, selbst wenn die Steuern auf Null wären, mir aber über andere, indirekte Kanäle von einem verdienten Euro 65 Cent abgegriffen werden.  Für den Verbraucher ist doch nur wichtig, was ihm zum Ausgeben in der Tasche verbleibt. Allein beim Sprit schlagt ihr doch zu, dass es nur so quietscht. Wie viel Prozent sind das noch? Ich glaube 80% bei jedem Tanken. Steuern gesenkt, ich lach mich schief. Bei Strom und Gas hängen sie auch locker mit 40 % drin.  Eine ähnlich verblüffende Situation haben wir beim Einkommen. Bei einem Brutto-Verdienst von  € 3.000 verbleiben in Deutschland dem Arbeitnehmer grob € 1.600, dem Engländer etwas über   € 2.000. Das hängt bestimmt damit zusammen, das unsere politische Garde eben besser ist: -  im Abzocken der Steuerzahler.

....Allerdings war mein gedanklicher Ansatz, um die Chance für einen Gesprächstermin zu erhöhen, schon ein anderer. Vor einem wichtigen Gespräch habe ich immer versucht, mich in die Erwartungshaltung meines Gesprächspartners zu versetzen. Nehmen wir mal als Beilspiel so einen Personalchef.


Ich unterstelle jetzt mal, dass er keine Trockenpflaume ist, sondern aufgeschlossen und pfiffig. So eine Person hat einen Berg von Bewerbungen vor sich liegen. Alle ordentlich, alle nach dem gleichen Schema, vielleicht, wenn er Pech hat, alles diese gekauften Mustermappen. Nach welchen Kriterien soll er also entscheiden? Sehr schwierig. Wir unterstellen mal alle sind gut, alle könnten das geforderte Profil erfüllen usw.

... Ich versuche es mal in meine bilderreiche Sprache zu übersetzen. Er sortiert den ganzen Tag rote Blätter. Mal sind sie etwas heller, mal etwas dunkler Rot, aber eben alle Rot. Plötzlich und unerwartet ist ein Gelbes dazwischen. Das geht ja gar nicht. Jetzt wird es natürlich wichtig, ist er ein Erbsenzähler oder locker drauf? Der Erbsenzähler schmeißt das Gelbe weg, es passt nicht, er guckt es sich erst gar nicht an. Der pfiffige stutzt, aber er wird es sich anschaun, weil es ja schon ziemlich mutig ist ein Gelbes abzuschicken. Im Idealfall müsste er eigentlich zu der Erkenntnis kommen: Da ist einer der sich traut ganz andere Wege zu gehen, der ist motiviert, der ist kreativ, den kannst du gebrauchen. Könnte doch sein.
 
.... Jetzt kommt noch ein wichtiger Hinweis: Das Schreiben ist  an den Personalchef gerichtet, aber der Briefumschlag wird an die Firmenleitung adressiert. Wenn du jetzt Glück hast, kriegt der Chef den Brief in die Finger. Ist er genauso Panne wie sein Personalfuzzi, passiert natürlich wieder nix. Ist er aber intelligent und aufgeschlossen, lässt er sich erzählen was da los war und die Chance, dass er „den“ kennen lernen will, der so locker drauf ist, ist noch einmal gegeben.


 


Einen meiner leitenden Angestellten mit dem Fachbereich Umwelt- und Klimaschutz habe ich ja echt ins Herz geschlossen. Ich könnte ihn auch „Gott Vater“ des Klimaschutzes nennen. Sie wissen wen ich meine? Unsern Sigmar Gabriel. Ein süßer Fratz. Was der so alles weiß, Wahnsinn! Und dann strahlt er immer so, also jetzt nicht wegen Tschernobyl, ich mein so im Gesicht, wenn er so redet. Einfach toll. Was der für ein Fachwissen hat, saaagenhaft. Ich komme mir immer richtig klein und dumm vor. Auch in den Talkshows, da sitzen 20 Fachleute - völlig egal - mein kleiner Strahlemann labert sie alle in Grund und Boden. Ich bin immer richtig ergriffen. Und was er alles so vorschlägt, und was er da alles sparen kann, unglaublich. Millionen von Tonnen Co². Weißt du wieviel das ist? Millionen Tonnen. Starker Typ. Manchmal brauch ich mehrere Tage um wieder runterzukommen, wenn ich ihn gehört habe.
Übrigens, fällt mir gerade ein, da haben wir früher immer die Mädels vor gewarnt: Wenn ein Mann mit strahlenden Augen auf dich zukommt, sei vorsichtig, es könnte auch die Sonne sein, die durch seine hohle Birne leuchtet. Kleiner Scherz.
.... Noch ein kleiner Hinweis. Ich helfe ja gerne wo ich kann, und gerade „Minderheiten“ die vom Verstand her nicht mithalten können, sind mir echt ans Herz gewachsen. Also: Für die Herstellung von 1 Liter Bioethanol benötigt man 4.000 Liter Wasser!  ...„Weißt du was, mein lieber Gevatter Gabriel, Gott Vater des Umweltschutzes, ich mach das jetzt so: Ich werde mein Fahrrad verschrotten, kauf mir ’ne ganz heiße Karre, tank sie voll mit Palmöl und sollte mich einer dämlich anquatschen wegen Umweltschutz so werde ich ihm sagen: Halt einfach dein Maul.“

.... Verkürzt könnte man ihn so zusammenfassen. Die Sache an sich ist schon von größter Wichtig- und Dringlichkeit. Menschen, die z.B. jetzt geboren werden, haben eine ungefähre Lebenserwartung aus heutiger Sicht von etwa 90 bis 95 Jahren.


Wird das Problem mit dem Feinstaub nicht mit größter Konsequenz in Angriff genommen, besteht die Gefahr, dass eine Person (von 10-tausend, 100-tausend, 500-tausend? Keine Ahnung) möglicherweise statt 94 nur 93 ½  Jahre alt wird. Eine Katastrophe ungeheuren Ausmaßes, die wir wahrscheinlich noch gar nicht richtig ermessen und bewerten können. Das hat mich spontan in Panik versetzt.


Ich weiß, dass ich mich möglicherweise dem Vorwurf aussetze, den Ernst der Lage noch nicht erkannt zu haben. Das kann sein. Zumal meine Angestellten, wenn ihnen überzeugende Argumente ausgehen, mit großer Theatralik darauf hinweisen, dass es eben Aufgabe der Politik sei, nicht kurzfristige, auf Wiederwahl ausgelegte Entscheidungen zu verkünden. Es sei ihre Pflicht darauf zu achten, dass es auch besonders wichtig sei, dafür zu sorgen, unseren Kindern und Enkeln eine gesicherte Zukunft zu ermöglichen. Genau, weiter so! Bei dem Satz haut es mich immer weg. So was dürft ihr doch nicht so sagen. Weißt du wie gefährlich es ist, wenn man vom Lachen einen Zwerchfellriss bekommt?



.... Der eigentliche Unterschied ist ausschließlich die grüne Plakette an der Frontscheibe und die kostet 5 €. Wenn ich das mit 20 Millionen PKW multipliziere sind das schlappe 100 Millionen Einnahmen für absolut nichts. Solche Geschichten faszinieren mich ja ungemein. Ich denke dann immer so für mich, was bist du nur für ein Trottel, dass „dir“ so was nicht einfällt.
Ich werde jetzt mal in mich gehen und darüber intensiv nachdenken. Vielleicht kommt mir ja auch eine Idee, wie ich meine Landsleute mit irgendwelchem Stuss über den Tisch ziehen und sie zur Kasse bitten kann.


Mein Risiko ist mir allerdings klar. Wenn „ich“ den Leuten das Moos aus der Tasche hole, ohne eine zugesagte Gegenleistung zu erbringen, werde ich wegen gewerbsmäßigen Betrugs vor den Kadi geschleppt und verdonnert. Aber so ist das nun mal in einem Land wo vor dem Gesetz alle gleich sind. Ob ich das allerdings alles jemals begreifen werde? Ich glaub wohl eher nicht. Schade, dabei sieht es doch alles so einfach aus.


 


Mein leitender Angestellter für diesen Bereich, Herr Schäuble, und ich, sind ja eigentlich Kollegen. Sie werden sich berechtigt fragen, wieso das denn? Ganz einfach, wir sind beide behindert und gehören somit zum Club der Behinderten. Manchmal ist es allerdings so, dass der eine oder andere bei uns nicht so angesehen ist.   So wäre es auch in diesem Fall. Mir wäre es lieb, wenn ich Herrn Schäuble den Gesunden unterschieben könnte. Wenn dann die Gesunden merken, dass er behindert ist, fällt es nicht auf die Behinderten zurück. Das wäre mir ganz angenehm. Ich weiß, das war jetzt eine schwierige Formulierung, aber sie haben ja die Möglichkeit es in Ruhe noch einmal zu lesen.
 ... Außerdem habe ich nicht in Erinnerung, dass irgend jemand mal die Frage nach dem „warum“ im Zusammenhang mit dem Terrorismus gestellt hätte. Immer, wenn es wieder mal irgendwo auf der Welt gekracht hat, hört man nur so ergreifende Sätze wie:
 „Wir finden diese Taten abscheulich“.
„Wir verabscheuen Gewalt“.
„Die Hinterbliebenen haben unser ganzes Mitgefühl“.
„Terror ist keine Lösung der Probleme“.
Ja, super, aber mich würde viel mehr interessieren, warum so etwas entstanden ist und warum Menschen bereit sind, sich in die Luft zu sprengen. Das muss doch Gründe haben, das ist doch nicht normal.
Um mein Unverständnis zu verdeutlichen vielleicht ein Beispiel. Nehmen wir mal an, mein leitender Angestellter in Sachen Terrorismus würde mich mit der Bitte überraschen, doch diesen oder jenen für ihn in die Luft zu sprengen, weil er ihn nicht leiden kann und der ihn wohl geärgert hat. Ja, wie würde ich reagieren? Höflich wie ich bin, würde ich wahrscheinlich sagen: „Gute Idee. Kann ich auch verstehen, aber ich habe meiner Dicken heute versprochen mit ihr noch ins Städtchen zu gehen, dann wollten wir noch ein bisschen einkaufen.  Zum Essen habe ich sie auch eingeladen. Also heute, heute ist echt ein schlechter Zeitpunkt. Vielleicht nächste Woche oder übernächste. Du kannst ja schon mal vorgehen und mir erzählen wie es war“. So oder ähnlich stelle ich mir meine Antwort vor. Dann müsste er sich aber auch schnell vom Hof machen, damit ich ihm keine klatsche...
.... Nun ist diese Erkenntnis schon etwas älter, viele werden es gar nicht gehört haben, andere, die dabei waren, haben es bestimmt wieder vergessen oder nicht richtig verstanden, oder noch nirgendwo gelesen. Das ist ja alles menschlich. Ein ganz wichtiger Punkt könnte auch sein, dass zwischendurch immer wieder Wahlen waren. Natürlich steht das Wohl des Volkes an erster Stelle, auf der anderen Seite möchte man ja auch wiedergewählt werden. Da befindet sich der ernstzunehmende Politiker schon in einer gewissen Zwickmühle. Wir sollten das vielleicht so sehen, unsere Angestellten arbeiten rund um die Uhr, 7 Tage in der Woche und 52 Wochen im Jahr ausschließlich für unser Wohl. Da muss man schon mal dafür Verständnis haben, dass sie „einmal“ in 4 Jahren auch an sich denken möchten. Selbstverständlich.
.... Das muss man sich noch mal auf der Zunge zergehen lassen. Als Mogli (unser Norbert) den Spruch abgelassen hat, dass die Renten sicher seien, hatten sie schon in den letzten 25 Jahren 80%  an Leistung verloren. Das hat er aber nicht gesagt, wahrscheinlich vergessen. Vielleicht wollte er das ja noch sagen, aber Balou (unser Helmut) war der Meinung, dass das Volk nicht alles wissen müsste. Sicher ist eben sicher und mehr als sicher geht nicht. Egal wie wenig, fertig. Außerdem standen ja wieder Wahlen vor der Tür.
.... Da fällt mir gerade ein, ich könnte alle alten Blondinenwitze wieder ausgraben und einfach das Wort „Blondine“ durch das Wort „Politiker“ ersetzen. Das passt immer. Vielleicht ein Beispiel mit einem Klassiker: ein Politiker geht im Park spazieren. Plötzlich landet ein Taubenschiss mitten auf dem Kopf. Wie würde man das technisch beschreiben?
HOHLRAUMVERSIEGELLUNG !
Wir sprechen natürlich auch viel über Politik, Politiker und deren Leistungen. Ich für mich kann ja mit dem Begriff Politiker eigentlich gar nichts anfangen. Mit Bäcker ja, weil der Brötchen und Brot macht. Metzger, Frisör oder Schreiner, das verstehe ich auch, weil man das direkt mit einer bestimmten Tätigkeit verbindet.   Aber Politiker? Das gibt mir jetzt so spontan gar nichts. Mach mal einen Test auf der Straße und frag die Leute, was Politiker so machen. Die gucken dich alle mit großen Augen an, zucken mit den Schultern und die Antwort ist tendenziell immer die gleiche: Weiß ich auch nicht, nix machen die, jedenfalls nichts Gescheites außer, dass sie reichlich Kohle abgreifen. Ist doch komisch, oder?
Wie sie bestimmt schon gemerkt haben, spreche ich ja auch nicht von Politikern, sondern eher von meinen Angestellten. Die Begründung ist ganz einfach; wer einen Job macht und dabei von meiner Kohle lebt, ist zwangsläufig mein Angestellter. Dies ist nichts Besonderes, das ist überall so. Es gibt allerdings einen gravierenden Nachteil, sollte sich nämlich rausstellen, dass ich mir da eine Dumpfbacke eingefangen habe, man wird sie nicht mehr los. Du könntest sie entsorgen, aber das geht nur mit reichlich Kohle und macht auch keinen Sinn. Man könnte warten, bis der ganze Verein ausgetauscht wird, bringt aber auch nichts. Es handelt sich ja nur um eine neue Truppe, das Niveau und die Einstellung bleiben leider gleich.  Es gab mal für die Wissenschaft folgenden Satz: 90 % aller Wissenschaftler die jemals gelebt haben, leben heute. Das kann man ganz locker auf meine Angestellten übertragen:
90 % aller Dumpfbacken, kleiner arroganter und aufgeblasener Wichtigtuer, aalglatter Dummschwätzer, Seesterne und Spätblüher,  die jemals für mein Land gearbeitet haben, tun es heute.
Wie hat Helmut Schmidt mal gesagt? Es gibt keine Staatsmänner mehr. Leider hat er bis heute recht behalten. Diese Feststellung wird noch durch eine Umfrage untermauert: 80 % aller Deutschen würden Helmut Schmidt zum Kanzler wählen, wenn es möglich wäre. Und meine Angestellten merken nichts.
... Aber der Einkauf war ja noch nicht zu Ende. Es gibt in vielen Super-Märkten besondere Kennzeichnungen von Waren um darauf aufmerksam zu machen, dieses Produkt ist so günstig wie beim Discounter. Ich also zu meiner Lieblingsschokolade: Ritter-Sport. Kostete immer 89 Pfennig, ganz selten 99 und noch seltener 1,09 DM und das über Jahre.   Ich weiß es deswegen so genau, weil ich sie kiloweise gekauft habe. Ich stehe vor dem Preisschild und stutze. Dauer-Niedrig-Preis: 79 Cent. In der ersten Sekunde denkste: Na guck, geht doch. Leider machte es in der nächsten Sekunde: Klick. Fast 1,40 DM, „Hallo“! Seit es den Euro gibt habe ich nicht eine Tafel mehr gekauft und wenn sie mir angeboten wurde, habe ich dankend abgelehnt. Herr Ritter wird es bis heute nicht gemerkt und deswegen auch keine schlaflosen Nächte gehabt haben. Das ist mir aber auch wurscht, denn verarschen kann ich mich alleine, da brauche ich wirklich keinen Hersteller von Irgendwas dazu. Das ganze ist noch unverständlicher, wenn man weiß, dass er eigentlich einen guten Job machen soll was seine Mitarbeiter betrifft. Die Billig-Lohngruppen hat er wohl abgeschafft und er soll einen sehr guten Draht zu seinen Leuten haben. Echt super.  Dies ist ja alles auch sehr positiv, aber wieso muss ich das jetzt alles löhnen? Dass es auch anders geht zeigt „Edle Tropfen in Nuss“, die immer noch das gleiche Niveau wie zu DM-Zeiten haben  und die sind ja mindestens genau so lecker. Dann stabilisiere ich mein Übergewicht eben mit diesen Leckerchen. Siehste, Meister Ritter, es geht offensichtlich in dem Bereich auch anders. Warum bei euch jetzt nicht, keine Ahnung. Hat sich auch erledigt.
.... Hömma, ich hab gerade für’n popeliges Suppenhuhn   12,-- € bezahlt, ist das ok? Schlappe 24,-- DM. Gab’s da früher nicht  ’ne ganze Farm für? Vergiss es. War nur ’n Scherz.
Doch noch einen, ich kann’s einfach nicht lassen. Entschuldigung!! Im ersten Sommer nach dem Euro fand ich auch echt geil, Johannisbeeren waren fast doppelt so teuer wie im Sommer davor. Wahrscheinlich hat der liebe Gott die Rechnung für das Sonnenlicht verdoppelt. Oder, die Pflücker haben den dreifachen Stundenlohn erhalten? Neee, ne. Ja, an den Sträuchern kann es aber nicht gelegen haben, die standen ja schon immer da. Egal.
Ich bin so froh, Hubschrauber sollen ja  im Preis enorm zurückgegangen sein.
Na, bravo!! Da haben wir ja echt Glück gehabt.
... Egal, einen Punkt habe ich noch, der in der Lage ist das Verständnis und die Akzeptanz in der Bevölkerung für solche Gesetze zu steigern und zu festigen. In einem Bericht von Stern-TV konnte man vor drei oder vier Jahren  erleben wie unsere großen kriminellen Vorbilder aus der Politik „mit nur einer betrügerischen Unterschrift“  Tagesspesen ergaunert haben, in einer Größenordung, wie die gleichen Leute es einem Hartz IV Empfänger für einen ganzen Monat nicht zugestehen. 
 Der Hammer aber ist, in einem neuen Bericht jetzt im Mai 08, konnte man  sehen, es hat sich nichts, aber auch gar nichts geändert, sie betrügen und bescheißen den Staat und die Steuerzahler genau so weiter.  Ich kann nur immer wieder sagen: Schade, dass die Prügelstrafe abgeschafft wurde, aber verachten ist das Mindeste. Die vielen anderen krummen Dinger, die sie ständig praktizieren und die wir da noch sehen konnten, lasse ich mal weg. Es sind ja nur Peanuts.
.... Ja guck, es geht doch. Man muss sich eben nur Mühe geben. Ich habe da nämlich letzte Woche was gehört. Der Armutsbericht der Bundesregierung wurde vorgelegt. Sie müssen jetzt nicht grinsen, sie wissen ja noch gar nicht was kommt. In diesem Bericht konnte man ziemlich deutlich ablesen wie wichtig den Regierenden meines Landes die Menschen und ganz besonders das Wohl der Kinder am Herzen liegt. Im Ergebnis war das schon schlimm genug. Nur angesprochen hätte ich es wahrscheinlich nicht, wäre da nicht von einem völlig durchgeknallten, von jeder Intelligenz befreitem Spinner der Hinweis oder besser der Vorschlag gekommen, man sollte doch einfach die Armutsgrenze runtersetzen, dann hätten wir automatisch weniger Arme.  Jetzt mal ehrlich, wie soll man so einen geistigen Dünnschiss freundlich bewerten. Es handelt sich bei diesem kleinen mickrigen Wurm um den gleichen Idioten der sich mit € 4,25 ausgewogen ernähren kann, der für € 5 die Stunde arbeiten gehen würde (warum tut er das dann nicht?) und für den Winter den fantastischen Vorschlag für Hartz IV Bezieher gemacht hat; sollten es in der Wohnung nur 15 Grad sein, das Problem mit einem dicken Pullover zu lösen. Der kann doch nicht ganz dicht sein. Aus welcher geschlossenen Anstalt ist der eigentlich ausgebrochen?
... Ich bin oft gefragt worden, ob ich nicht Lust hätte selber in die Politik zu gehen, was ja eigentlich nahe liegen würde. Aber ich glaube, was heißt ich glaube, ich bin mir absolut sicher, mir fehlt nicht nur die kriminelle Energie, sondern auch die menschenverachtende Grundeinstellung sowie das gegenseitige Arschkriechen und Rumschleimen um eine Position höher zu kommen,  einfach nicht so meine Welt ist...
... Einem unglaublichen Beispiel durfte ich am Bildschirm selbst beiwohnen. Es war unfassbar. Es gibt doch diese Vorschulkindergärten der Parteien. Wie heißen die noch? Ich komm jetzt nicht auf den Namen. Ach ja, bei der CDU ist es wohl die junge Union, bei der SPD Jungsozialisten, bei der FDP, weiß ich jetzt nicht genau. 
 Ich glaube junge Liberale, oder so. Ist auch unwichtig. Jeder dieser Kindergärten hat auch einen Sprecher. Der Sprecher des CDU-Kindergartens war Gast bei der Sendung „Was erlauben Strunz“?
Herr Strunz ist eigentlich immer ziemlich locker drauf. Dann hat er diesem Männchen, der eigentlich so ein reifes Auftreten hatte, dass er besser mit ’ner Schultüte in die Sendung gegangen wäre, eine ganz präzise Frage gestellt. Ergebnis: Null. Er blubberte einfach so vor sich hin. Wie wir es hier im Ruhrgebiet formulieren: geistiger Dünnschiss. Herr Strunz gab ihm eine zweite Chance. Sie wurde nicht genutzt. Ich kürze es mal ab, wenn ich es richtig in Erinnerung habe, lief die Nummer vier- oder fünfmal. Geht doch nicht, oder? Da kommt so ein Hampelmann der noch nichts in seinem kurzen Leben geleistet hat und sabbert rum. Er hat noch nichts Konkretes vorzuweisen, aber Schwachsinn absondern wie die Großen, das konnte er schon. Wir müssen das nicht vertiefen, aber dem hätte ich, mit entsprechendem Hinweis, ein Kondom überreicht und rausgeschmissen.
... Es kann aber auch daran liegen, dass wir so in den letzten 20 Jahren immer höflicher geworden sind. Wir sind ja alle so extrem höflich. Egal welche Sauerei in der Welt oder zu Hause passiert, wir sind immer höflich. In Tibet knallt die „chinesische Elite“ die Menschen ab wie die Hasen, egal wir sind höflich.  Wir „bedauern“ natürlich und finden es auch nicht „korrekt“. Ich bin ergriffen.  „Menschenverachtend“ habe ich auch schon gelesen. Super. Was bin ich froh, dass ich kein Diplomat geworden bin, es würde sich anders anhören. Tibet hat natürlich auch doppelt Pech. Sie verfügen über keine Rohstoffe und „nur“ Kultur, wen interessiert das schon? Es geht wie immer ausschließlich um Geschäft und nicht um Menschen. Diese Erkenntnis war jetzt eine Wiederholung.
 ... Ich habe da noch eine Frage: Wo liegt eigentlich der Unterschied in der „seriösen“ Informationspolitik zwischen China und der Berichterstattung über Tibet im Vergleich zu der Informationspolitik zum Thema Mindestlohn und dieser  „bild“-ungsfernen Zeitung? Wenn sie mich fragen; ich finde beides unendlich beschissen!

 


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