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Bücher Satire
Buch Leseprobe Begräbnis auf dem Mond, Harry Michael Liedtke
Harry Michael Liedtke

Begräbnis auf dem Mond


… und andere abgründige Begebenheiten

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Hörprobe:



Biobrände


 


O ja, holla, der brannte in der Kehle nach! Köstlich! Da war ihnen ein tolles Feuerwässerchen gelungen. Exquisit. Bernd Brandner holte tief Luft und hielt seinem mit einer Schöpfkelle bewaffneten Nebenmann sein Schnapsglas hin. „Los, Holger! Noch einen! Der weckt ja Tote auf, macht Aussätzige rein und treibt Dämonen aus.“


Holger lächelte stolz, zapfte ein paar Milliliter aus dem Probefässchen und füllte das Glas. Er selbst nahm auch noch einen zur Brust. Bernd ließ den Tropfen diesmal auf der Zunge zergehen, statt ihn wie beim ersten Mal auf ex zu schlucken. Aah, langsam getrunken schmeckte das „Badische Beerenblut“ noch besser. Bernd sah sich im Geiste bereits mit Preisen überhäuft. Holger, sein Brennmeister, gehörte wahrlich zu den besten seiner Zunft. Etliche Spitzenplätze bei renommierten Süffelkonkurrenzen bewiesen dies. Mit seinem neuen Johannisbeeren-obstbrand hatte sich Holger indes selbst übertroffen.


„Komm, Holger. Wir bleiben unserem Trinkspruch treu: Lustig, durstig, arbeitsscheu!“


Erneut schenkte Holger nach. Sollte nicht schwer sein, die Werbekampagne aufzuziehen, dachte Bernd. Kernig, fruchtig, kräftig, am Gaumen eine dichte Süße, dazu ein herrlicher Glanz! Kreativität benötigt Impulse, also forderte Bernd die nächste Lage.


Wie alle Brandner-Erzeugnisse war auch dieses famose Gesöff ein reines Bioprodukt. Das entsprechende Siegel war für Bernd ein nicht zu unterschätzender Vermarktungsvorteil.


Er legte großen Wert darauf, dass sich seine Kunden rundum wohlfühlten, und mit dem Biozertifikat erhielten sie größtmögliche Transparenz. Wohlfühlen war das Stichwort. Fröhlich bestellte Bernd die nächste Runde. Lagerverwalter Herbert und Buchhalter Joachim hatten sich dazugesellt, und ihre Ansicht war gefragt. „Großartig!“, befanden auch sie. Bernd sinnierte über die Markteinführung des im Limousin-holzfass gereiften Götternektars. Seit nunmehr 5 Jahren verarbeitete sein Betrieb Kern-, Stein- und Beerenobst zu Edelbränden, Likören und Spirituosen in Bioqualität. Gut schmeckte das eigentlich alles, aber gleichwohl bedurfte es der richtigen Strategie, um beim Verkauf das Maximum rauszuholen. So gern er die gesamte Welt mit seinem Johannisbeerbrand beglückt hätte, er war Unternehmer, und dieser Rachenputzer verdiente es, als teure Edelmarke herausgebracht zu werden.


 


 



„Unser letzter Wille sind viereinhalb Promille!“, skandierten seine Angestellten. Ihr Chef erfüllte diesen Wunsch, zumal sich auch noch Auslieferungsfahrer Oliver einfand. Jede Meinung zählte. Oliver kippte den Beerenbrand runter wie Wasser, was zeigte, dass er ihm schmeckte, und Bernd fragte sich unwillkürlich, ob da nicht jemand den völlig falschen Job hatte. Egal, die Runde befand, dass es zu schade sei, den Restinhalt des etwa zur Hälfte geleerten Fasses der Verdunstung anheimfallen zu lassen. Prost. Während die anderen Verköstiger den Brennmeister ehrfürchtig als „Mozart der Maische“ feierten, schmeckte Bernd ein Geschmacksgeheimnis heraus: Honig! Geniale Idee!



Holger war in der Tat ein Starkomponist, wenn es um geistige Getränke ging. Seine Rezept-raffinesse und die untrüglichen Geschmacksnerven seines Bosses, das ergab ein unschlagbares Gespann. Darauf einen Doppelten. Bernd kannte sein Metier. Er war von Hause aus Gastronom. Seit 30 Jahren Koch, seit 15 Küchenmeister. Grundsätzlich verarbeitete er in seinem Betrieb nur selbst eingemaischtes Obst aus kontrolliert biologischem Anbau. Bewusst genießen, so die Devise. Dazu gehörte auch Alkoholika. Biosprit, sozusagen. Höhö, so viel Wortwitz muss belohnt werden. Zum Wohl! Bernd klebte sich ein Post-it ans Gehirn, auf dass er nachprüfte, ob Holger Normal- oder Biohonig verwendet hatte. Nicht, dass wegen der Verwendung von ökologisch unkorrekt erzeugtem Zuckersirup die Zertifizierung scheiterte. Wobei er sich schon fragte, wie sichergestellt wurde, dass die Bienen nur biologisch angebauten Blütenstaub erwischten. Er beschloss, diese knifflige Frage hintenanzustellen. Benebelt, wie er mittlerweile war, würde er sie jetzt eh nicht beantworten können. Lieber stimmte er ein in den Chor seiner Angestellten, der ein Medley der gängigsten Sauflieder intonierte. Keine Viertelstunde später wurde die Tür zum Schankraum polternd aufgestoßen. Maria, Bernds Gemahlin, stand auf der Schwelle und funkelte die Sängerknaben zornbebend an. „Was ist denn hier los?!“, bölkte sie. „Ihr seid ja alle besoffen!“


„Ich bin nicht betrunken, sondern von Natur aus laut, lustig und ungeschickt!“, witzelte Bernd. Alle fanden den Spruch wahnsinnig ulkig, nur Maria nicht.


„Eine Schande ist das“, wütete sie. „Schämen solltet ihr euch.“ „Ach, Frau Brandner, haben Sie Verständnis“, säuselte Holger. „Wir mussten doch kosten.“


„Kosten nennt ihr das?“, keifte Maria und schlug Holger das ihr angebotene Glas aus der Hand. „Ihr ... ihr Säufer! Ihr versündigt euch mit eurem ausschweifenden Verhalten. Das steht in der Bibel.“


„Ja, stimmt“, pflichtete Hermann ihr bei. „Ich kenne die Stelle. Aquavit 3,16. In dem Kapitel mit Johannes dem Säufer.“ Die Zecher bogen sich vor Lachen. Maria wurde nun endgültig zur Furie. Sie pfiff ein paar Arbeiter herbei. „Ihr bringt die Schnapsnasen jetzt heim. Die kommen sonst noch auf die Idee, selbst Auto zu fahren. Und du, Bernd, gehst ins Haus. Da wirst du gefälligst bleiben, bis du wieder nüchtern bist. Keine Widerrede.“


„Hey, Jungs“, zischte Holger, „wir sehen uns übermorgen. Da ist der Mirabellenbrand reif.“


„Das könnt ihr vergessen“, zeterte Maria, die das Geflüster gehört hatte. „Passiert das noch mal, sage ich euren Frauen Bescheid. Dann könnt ihr was erleben. Und jetzt ab!“



Wie ein Zug Kettensträflinge wurde das beduselte Quartett abgeführt. Nur Maria blieb zurück. Ein Rest Johannisbrand war noch im Fass. Die Hausherrin sah sich verstohlen um und nahm ein sauberes Glas aus dem Regal. Kurz darauf war der Obstbrand in Gänze weggepichelt.


„Jesus, Maria und Josef“, seufzte Maria selig, „der Teufel mag vielleicht den Schnaps gemacht haben, aber das hier ist echt ein Gottesgeschenk.“









Im Handumdrehen


 


Der „Heilige Rasen“ ist lediglich ein profaner Kunststoffbelag, die ausdruckslosen Figuren sind allesamt von der Stange und andauernd drehen irgendwelche Hitzköpfe durch. Wobei gerade Letzteres außerordentlich befremdet. Ein Kreisen der Stange um 360 Grad ist nämlich als unfaires Ablenkungsmanöver verpönt und beim Schuss sogar streng verboten. Es gibt Leute, die behaupten, Tischfußball sei kein wahrer Fußball, kein echter Sport. Aber nach Meinung von Hektor Sauermann von den „Gladbecker Dreschflegeln“ hatten diese Stänkerer Schläge verdient. Für ihn gab es jedenfalls nichts Schöneres als Kickern, und heute sollte es sein Tag werden. Er stand kurz vor dem Turniersieg. Er hatte sich bis ins Finale durch- und seinen Endspielgegner beinahe niedergekämpft. Der arme Kerl ihm gegenüber war so gut wie erledigt. Sein Blick flackerte ängstlich, sein verschwitztes Haar hing ihm wirr in die Stirn und das ungeduldige Ruckeln an den Griffen verriet seine Panik. Doch Hektor kannte kein Mitleid. Angriffslustig bleckte er die Zähne. Einen noch! Einmal noch die kleine Hartplastikkugel ins gegnerische Gehäuse pfeffern, dann war er Deutscher Meister im Herreneinzel.


Der nächste Ball wurde eingerollt. Eine kurze Strecke eierte er die Mittellinie entlang, dann kullerte er auf Hektors Seite. Na bestens, frohlockte der Dreschflegel in Gedanken, die Götter waren mit ihm. Geduldig und ausnehmend vorsichtig ließ er die Spielkugel durch seine Reihen laufen.


Jetzt bloß keinen Ballverlust. Vor und zurück, hin und her passte er das Spielgerät von Puppe zu Puppe. Dann sah er die Lücke. Was nun? Mit Schmackes oder mit Gefühl? Ein Pull-shot, ein Abquetscher oder ein Jet? Er entschied sich für einen Schrägzwirbler in der Kuznetzov-Variante.


 


Klack! Tock! Drin! Gewonnen!


Die Welt hatte einen Champion mehr, und in der voll besetzten Hamburger Billardkneipe „Blutsturz“, wo der Wettkampf ausgetragen wurde, steppte der Bär. Ungehemmt ließ Hektor seinen Freudentränen freien Lauf, während ein bunter Konfettiregen auf ihn herniederging. Er war gerührt. Welch ein Rausch, was für ein Beifallsorkan. Also ehrlich, dachte er, viel frenetischer kann es im Bernabéu-Stadion zu Madrid auch nicht zugehen.


 


 


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