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Bücher Satire
Buch Leseprobe  Oma Hertas Rache, Siegrid Löwer
Siegrid Löwer

Oma Hertas Rache


Kriminalsatire

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Phalaenopsis und Südfrankreich. Oma Herta war jetzt 73 Jahre alt geworden, fit im Kopf und noch gut zu Fuß. Okay, einige Krampfadern und 2 Gichtzehen machen ihr zeitweise zu schaffen, aber sie wollte sich nicht eher zur Ruhe setzen, bis sie noch einige Dinge erledigt hatte, die ihr einfach immer noch den Schlaf raubten. In jungen Jahren hatte sie einmal kurz Unterricht genommen; das kam ihr jetzt zugute, meinte sie zumindest. Damals sagte man ihr an der berühmten Bochumer Schauspielschule eine gigantische Karriere voraus. Was Täuschungsmanöver betraf, war Oma Herta nicht zu übertreffen. Sie hatte es sich angewöhnt, draußen immer einen Stock zu benutzen, den sie eigentlich gar nicht brauchte. Auch stellte sie sich gerne ab und zu mal taub, weil sie immer mal wieder gerne andere Leute anbrüllte. Sie konnte so leidend gucken, dass man sie an jeder Supermarkt- Kasse vorließ und ihr auch immer im Bus einen Sitzplatz anbot. Sie fuhr gerne mit dem Bus, obwohl in ihrer Garage ein 160 PS-Zweisitzer stand. Den benutzte sie aber nur, wenn sie auf Männerfang war. Ja, tatsächlich ging sie noch immer auf die Pirsch, wenn sie meinte, einer der Silberrücken hätte es mal wieder verdient. Stock und Stützstrümpfe fliegen dann in die Ecke, der Edel- Visagist wird aufgesucht und los geht es. Spätestens jetzt merkt man, dass Oma Herta nicht gut auf Männer zu sprechen ist. Wenn man sie darauf anspricht, breitet sich ein teuflisches Grinsen auf ihrem Gesicht aus. Oma Herta will nur eins: RACHE!!! Der Erste auf ihrer Liste hatte ja schon das Zeitliche gesegnet. Den hatte sie nach langem Suchen ausfindig gemacht. Tatsächlich wohnte der doch noch immer in Oma Hertas Stadt Bochum, im neuerdings so noblen Ortsteil Ehrenfeld. Es war dann so leicht. Sie postierte sich lange vor seiner Haustür, beobachtete seine wöchentlichen Gänge in den Supermarkt, verfolgte ihn und täuschte im Laden direkt vor seinem Einkaufswagen einen Schwächeanfall vor. Ganz Gentleman fing Silberlocke sie auf, fächelte ihr Luft zu und geleitete sie mit einem charmanten Lächeln zu seinem Auto, um sie heimzufahren. Tja, das war Oma Hertas Chance und sein Pech. Sie betrachtete ihn von der Seite. Das einstmals griechische Profil war einem hängenden Jute-Sack gewichen. Sie lud ihn zu einem Cognac ein, den er ja - wie sie sich noch erinnerte - früher so gern getrunken hatte. FRÜHER!!! Vor exakt 47 Jahren hatte er sie umgarnt, mit Versprechungen verführt und sich dann jeglicher Verantwortung entzogen. Oma Herta spürte bittere Galle in sich hochsteigen. Jetzt sah sie ihm direkt ins Gesicht. Erkannte er sie wirklich nicht wieder??? „Auf dich, mein Lieber, und auf alte Zeiten“, sagte Oma Herta freundlich, während die Cognac-Schwenker sanft zusammenstießen. Nach dem zweiten Schluck des erlesenen Getränkes zeigte sich ein ungläubiges Staunen in seinem Gesicht, er murmelte noch „Herta, bist du das?“, dann fiel er kopfüber in die Blumenschale auf dem Marmortischchen. Ihre liebevoll gezüchteten Phalaenopsis musste Oma Herta ärgerlicherweise entsorgen. Naja, wie immer im Leben: ein bisschen Verlust ist immer... Ja gut, sie gab es zu, sie zog ihm dann doch noch 12 EURO für ein neues Pflanzengesteck aus seiner Geldbörse. Erwähnt werden muss hier, dass Oma Herta viele Freundinnen hatte, vor allem eine, die schon über 30 Jahre in einer Apotheke arbeitete und äußerst hilfsbereit war. Auf Freundinnen ist eben immer Verlass. Da konnte sie doch jetzt den ersten Haken an einen Namen machen. Oma Herta ging es gut. Jetzt muss aber auch mal gesagt werden, dass Oma Herta eigentlich ein Herz aus Gold hatte. Sie half, wo sie konnte, war immer freundlich zu Nachbarn, die sie für eine ziemlich verhuschte Alte hielten und ihr schon mal vor lauter Mitleid ein heißes Süppchen vor die Wohnungstür stellten. Und das war gut so. Oma Herta hatte dann immer Spaß in der Backe. Jetzt machte Oma Herta erstmal Urlaub. Diesmal war Südfrankreich ihr erklärtes Ziel. Hatte sie doch in Erfahrung gebracht, dass der Zweite auf ihrer Liste dort ein stattliches Anwesen besaß. Wenn der wüsste, dass er das nicht mehr ganz so lange würde genießen können. Oma Herta sagte sich: „Junge, es wird Zeit für dich“. Auf ihrem altmodischen Plattenspieler in ihrer Wohnung lief „Time to say good bye“. - Sie liebte Andrea Bocelli... Also: Zweisitzer vollgetankt, CD von AC/DC auf volle Lautstärke gedreht, auf die Autobahn, den Bleifuß wecken, die linke Fahrspur gehörte ihr. Lichthupe, Mittelfinger - alles wurde mobilisiert. Oma Herta war einfach gut drauf. In Südfrankreich angekommen, mietete sie sich in einem hübschen Hotel ein und machte sich am nächsten Morgen auf den Weg. Hatte der doch tatsächlich einen Privatstrand, dieser alte Sack!! Mein Gott, hatte der sich verändert, stellte sie durchs Fernglas fest. Glatze, dicke Plauze und Beine wie Trommelstöcke. Wo war der hübsche Blondschopf abgeblieben, der sie damals um so viel Geld betrogen hatte? Oma Herta kriegte fast Gewissensbisse bei dem Anblick. Eigentlich war der ja schon gestraft genug mit seinem Aussehen. „Komm komm Herta, nur nicht weich werden“, murmelte sie vor sich hin. Sie holte ihren Stock aus dem Kofferraum, setzte eine Brille auf mit Gläsern wie Glasbausteine und humpelte wie eine verwirrte Alte auf den Privatstrand zu. Sie sah die Karikatur des Kerls schon von weitem, ließ sich immer mal wieder theatralisch stolpernd in den Sand fallen und behielt ihn im Auge. Jetzt hatte sie die Wellen erreicht, die Stützstrümpfe waren schon völlig durchnässt. „Meine Güte, lässt der sich lange Zeit, bevor er eine Alte vor dem Ertrinken rettet“, dachte Oma Herta, „hoffentlich wird der Elektro-Schocker nicht nass“. Endlich setzte sich der Fettwanst (oh Gott, der trug tatsächlich einen Tanga) in Bewegung, kam mit rudernden Armen in ihre Richtung gelaufen und stürzte sich mannhaft in die Wellen. „Ich helfe Ihnen“, schrie er. „Ja, ich helfe dir auch“, dachte Oma Herta. Mit kräftigen Schwimmzügen war er bei ihr angelangt, riss sie ruckartig an sich, spürte ein kribbeliges „Bsssssss“ an seinem Hals und hörte noch die Worte: „Karl, schön dich wiederzusehen, wenns auch nur so kurz war“. Der dicke Bauch war noch eine Weile an der Wasseroberfläche zu sehen wie ein überdimensionaler weißer Wasserball. Oma Herta dachte schon, sie müsse mit ihrem Stock nachhelfen, aber endlich verschwand dieses bizarre Gebilde mit einem seltsam seufzenden Geräusch, machte dann noch ein paarmal „gluck gluck“ - dann war endlich Ruhe und das Meer konnte wieder allein seine schönen Lieder singen. Ja, sie hatte auch eine sehr poetische Ader. Oma Herta drehte noch einige kräftige Runden im Wasser, reckte dann ihren Stock aus dem Wasser wie Lanzelot sein Schwert und kehrte bester Laune in ihr Hotel zurück. Die Wellness-Abteilung war ausgezeichnet, der Masseur eine Augenweide und das Abendessen ein Gedicht. Oma Herta ging in ihre Suite, genehmigte sich noch einen herrlichen Rotwein und hörte vor dem Einschlafen das Rauschen der Wellen und zwischendurch immer mal wieder ein leises „Bsssss“. Dabei verirrte sich ein leichtes Lächeln in ihre entspannten Gesichtszüge. Längst Vergangenes Ja, ihre zwei Ehemänner waren ja auch leider schon von ihr gegangen. Sie hatte sie wirklich geliebt, vor allem den Ersten. Der war ja damals wirklich ein Ausnahmetyp, Marke: junger Cary Grant, als sie ihn sich krallte. Jung war sie, die Oma Herta, sehr jung. Den ersten Kuss von ihm bekam sie im Bismarckturm im Bochumer Stadtpark. Das war so romantisch, Oma Herta war außer sich vor Verliebtheit. Wenn sie damals gewusst hätte, wie DER sich mal entwickeln würde nach 16 Jahren Ehe. Oma Herta war sauer, richtig sauer!! Der ließ sich bedienen von vorne bis hinten, nörgelte nur noch herum und guckte nach jungen Blondinen. Den ganzen Tag saß er vor dem Fernseher, süppelte ein Bierchen nach dem anderen und kratzte sich an allen möglichen und unmöglichen Stellen, die er mit seinen mittlerweile dicken Wurstfingern noch irgendwie erreichen konnte. Dabei gab er Töne von sich, für die sich Al Bundy sogar schämen würde. Manchmal nahm er sich die Spaghetti-Zange aus der Schublade, um sich den Rücken zu schubbern. Es war ekelhaft!!! Arbeiten war auch seit vielen Jahren ein Fremdwort für ihn. Nach 16 Jahren - es war im Frühling - hatte Oma Herta die Faxen aber so was von dicke. Sie kam schwer ins Grübeln und hatte zum ersten Mal die Idee, wie sie sich ohne Schnickschnack von ihm verabschieden konnte. Wie wäre es denn mit einem schönen Sonntagsausflug in den Stadtpark? Der sagenumwobene Bismarckturm war zwischenzeitlich auch saniert worden und musste doch unbedingt mal wieder besichtigt werden. „Herbert“, sagte sie, „du weißt doch noch, die Aussicht von oben ist ein Traum“. Herbert wollte seinen platt gesessenen Hintern nicht von der Couch erheben, weil gerade im Privat-Fernsehen eine Sendung lief mit dem Titel: „Meine Frau liebt ihren Hamster mehr als mich“. Erst nach Oma Hertas in Aussicht gestelltem Schweinsbraten ließ er sich dazu überreden und zwängte seinen Wanst ausgerechnet in ein Querstreifen-T-Shirt. Oma Herta ließ ihn gewähren. „Nur noch heute“, dachte sie. Tja, den Schweinsbraten konnte Oma Herta dann abends mit dem Nachbarn aus dem Erdgeschoss genießen, weil Herbert leider beim Hinabsteigen der Wendeltreppen im Turm abgestürzt war. Die Treppen waren aber auch glitschig. „Da muss sich die Stadtverwaltung aber unbedingt mal drum kümmern“, meinte der nette Polizeibeamte, der Oma Herta tröstend in die Arme nahm. Gut dass keiner auf die Idee kam, sich mal Herberts Schuhe anzusehen. Die würde niemand mit der Kneifzange anfassen wollen. Da hatte Oma Herta sich viel Mühe gegeben, den Absatz des rechten Schuhs ganz geschickt zu lösen. War nicht so einfach, hatte sich aber gelohnt, fand sie. Jetzt nahm sie sich erst einmal eine Auszeit als trauernde Witwe, kassierte eine ganz anständige Lebensversicherungs-Summe und ließ es krachen, aber ganz im Stillen. Einen Teil von Herberts Asche hatte sie übrigens heimlich in ihre Eieruhr gefüllt. „Hat Herbert endlich mal was zu tun“, dachte Oma Herta und kriegte das Grinsen nicht mehr aus ihrem Gesicht. Sie unternahm Reisen, kaufte sich Designer-Klamotten, speiste in erstklassigen Restaurants und lernte zwangsläufig wieder einen Kerl kennen. Ja, das war ein RICHTIGER Kerl. Oma Herta war begeistert. Trapezförmige Figur, feurige Augen und dazu auch nicht mal blöd. „Tolle Kombination“, fand Oma Herta, „und auch so selten“. Nicht einmal unvermögend war er. Sie dachte nur: „Ran Herta, ran an Gisbert“. Schöne Zeiten hatte Oma Herta mit diesem Kracher von einem Mann, aber leider trotzdem nur kurz. Irgendwann entwickelte dieser Kerl sich zu einem Geizkragen und Pedanten, der sich die Bons vom Supermarkt zeigen ließ und alles genau nachrechnete. Im Kühlschrank stapelte er die Lebensmittel wie Soldaten. Nichts durfte Oma Herta wegwerfen, nicht mal den Enten gönnte er ein Stück schimmeliges Brot, der alte Raffzahn. Seine Haare schnitt er sich selber mit der Nagelschere und sah danach aus wie Pumuckl, der aus Versehen in die Steckdose gefasst hatte. Die gefrorene Gänsekeule (kaufte Gisbert zum Sonderpreis im Billigmarkt) wurde ihm zum Verhängnis. Als die Polizei eintraf, fand man Gisbert in der Küche liegend vor. Auweia, seine Schädeldecke..... Oma Herta stand laut heulend vor dem Herd, als man ihn abtransportierte. Die schön braun brutzelnde Gänsekeule würde sie mit Rotkohl und Klößen essen, nahm sie sich vor. Vielleicht wollte ja einer der jungen Polizisten auch ein Häppchen mitnehmen ?? Nach dreiwöchiger Tatwaffen-Suche, an der sich auch Oma Herta eifrig beteiligt hatte, musste der Fall ad acta genommen werden. Oma Herta bekam für ihre Hilfe sogar noch einen riesigen Blumenstrauß von den netten Beamten. Ja, so hatte einst alles begonnen.


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