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Reiseberichte
Buch Leseprobe Wikingerreise, Franz Josef Mundt
Franz Josef Mundt

Wikingerreise



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„Wikingerreise"


Eine Schiffsreise auf der Route der Wikinger


Autor: Franz Josef Mundt


 


Einschiffung


Reisen heißt lesen im Buch des Lebens und nirgendwo öffnet sich dieses Buch leichter als auf  einem Schiff. Schiffe tragen Fernweh und Sehnsüchte, Ungewissheit und Abenteuer in sich. Wohl auch deshalb sind so viele Schiffe auf den Namen „Destiny" getauft.


Unsere „Destiny" lag an einem warmen Juli Tag am Steubenhöft Kai von Cuxhaven, genau an der Stelle, an der in der Vergangenheit ganze Generationen von Auswanderern mit einem „one way ticket" ihrer Heimat den Rücken gekehrt hatten, um im fernen Amerika das Glück zu suchen. Hierher hatte die HAPAG / Hamburg Amerika Linie 1902 ihre Passagierabfertigung für den wachsenden Tranzatlantikverkehr verlegt und so das Steubenhöft für Hunderttausende zum Ort der Sehnsucht und des Aufbruchs in ein neues Leben werden lassen. Heute liegt hier der Startpunkt für exklusive Seereisen auf komfortablen Hotelschiffen.


..........


Als der Zeitpunkt des Auslaufens näher rückte, versammelten sich mehr und mehr Passagiere an den Relings auf den oberen Decks. Seit einer Weile war im gesamten Schiffsrumpf eine verstärkte Vibration zu spüren. Aus dem mächtigen Schornstein stieg eine graublaue Abgassäule in den Abendhimmel. Auf dem Vorschiff und am Heck waren Gruppen kleingewachsener Asiaten in blauen Overalls und blauen Schutzhelmen damit beschäftigt, das Ablegen vorzubereiten. Nur einer trug einen weißen Helm. Er arbeitete nicht. Dafür trug er ein Walkie - Talkie. An der Pier standen ein paar Arbeiter mit gelben Helmen auf den Köpfen. In der Seefahrt muss eben alles seine Richtigkeit haben.


Plötzlich röhrte das Horn der „Destiny" einmal, zweimal, dreimal so laut, als solle der ganzen Nordseeküste bis hin nach Hamburg und Bremen kund getan werden, dass nun etwas Großes passieren würde. Der ältere Herr neben mir, der sich mit einer Hand auf seinen Handstock gestützt hatte, während er mit der anderen die Reling umfasst hielt, ließ seinen Stock fallen und hielt sich mit beiden Händen die Ohren zu. Seine Frau hob eilfertig den Stock auf, klopfte damit gegen seinen Bauch und schaute zu ihm hoch.                                                                                                                                                


„Gustav, das darfst du aber nicht; auf deinen Stock musst du aufpassen; du weißt, ich kann dich nicht halten, wenn du umfällst; und stelle dein Hörgerät nicht so hoch, das ist nicht gut, hat der Arzt gesagt."


Der Alte nahm den Stock und zeigte nach unten.


„Siehst du, Lieschen, wir haben abgelegt; man hat nichts gespürt; ging ruhiger, als wenn ein Bus anfährt; Lieschen, jetzt sind wir auf See!"


Dabei sah der alte Herr kurz zu mir herüber; ich sah kindliche Freude in seinen Augen.


„Komm Gustav, suchen wir uns einen Stuhl und setzen wir uns hin."


Damit zog Lieschen ihren Gustav weg auf Suche nach einer geeigneten Sitzgelegenheit. Sie setzte den alten Herrn in einen Deckchair, setzte sich neben ihn und sagte mit weicher Stimme:


„Siehst du, von hier aus können wir die Abreise in aller Ruhe beobachten."


..........


Polartaufe


In der Nacht, während alle Passagiere schliefen, hatte die „Destiny" sich still über den Polarkreis geschlichen. Aber sie war den Spähern Neptuns nicht entgangen. Unmittelbar nach dem Morgenwecker wurde es schon in sämtlichen Kabinen kundgetan: Neptun, der Herrscher aller Weltmeere, Seen, Teiche und Tümpel habe sich angemeldet, mit seinem Gefolge das Schiff zu inspizieren und dabei die Erdenbürger durch die Polartaufe von ihrem Schmutz zu befreien, damit sie in sein Nordreich eintreten dürften. Aus diesem Grunde sollten sich alle Passagiere um 10,00 Uhr im großen Kinosaal versammeln, bis auf die Zweifler, Ungläubigen und Unbelehrbaren. Zu Ehren Neptuns würde im Anschluss an die Polartaufe auf dem Sun Deck ein Maritimer Frühschoppen veranstaltet, bei dem der Chefkoch alle Gäste mit Köstlichkeiten aus der Küche des Nordens zu verwöhnen gedenke...


..........


Bis zu 40 Meter hohe Basaltfelsen umrahmen die Schlucht; an vielen Stellen ist das blauschwarze Gestein mit hellen Flechten überzogen; aus den Spalten wachsen kleine Steinbrecherpflänzchen mit ihren zarten bunten Blüten. Am Fuß der Felsen bilden Weidenröschen, Farne, Kissen aus Moos und Polsterpflanzen, sowie tausende winzige Ackerschachtelhalme ein grünes Band. Trotz der vielen Menschen empfand ich die Schlucht als eine Zauberlandschaft.


Hier zwischen den senkrecht aufragenden Felswänden trafen sich vor über 1000 Jahren während der ersten Siedlungsperiode der Wikinger in jedem Sommer alle freien Bauern zu ihrem Althing. Hier wurden Streitigkeiten durchdiskutiert, wurde Recht gesprochen, wurden neue Gesetze verabschiedet. Zu Beginn der Versammlung bestieg ein gewählter „Gode" den Gesetzesfelsen und deklamierte auswendig in die Schlucht hinein der versammelten Männergemeinschaft alle Gesetze, die bis zu diesem Zeitpunkt beschlossen worden waren. Dann wurde an Hand dieser Gesetze Recht gesprochen, wobei als schwerste Strafe die Verbannung ausgesprochen wurde, - zur damaligen Zeit einem Todesurteil gleichzusetzen. Danach wurde diskutiert, ob neue Gesetze den bestehenden hinzuzufügen seien. Basisdemokratie und Parlamentarismus vor 1000 Jahren - sie funktionierte nahezu 300 Jahre lang, in einer Zeit, als im übrigen Europa das Oben und Unten einer feudalistischen Klassengesellschaft herrschte.


..........


Spitzbergen


„Sie kommen sicher von diesem deutschen Kreuzfahrtschiff da drüben; wissen sie, dass sie hier nicht sein dürfen; sie befinden sich mitten in einem Vogelschutzgebiet"


Ich schaute zu ihr hoch; sie schaute herausfordernd zu mir herunter. Ihr typisch holländischer Akzent reizte mich.


„Und sie, was machen sie im Vogelschutzgebiet?" 


„Ich bin Ornithologin und gehöre zum Forschungsteam."


„Und ich denke über die Tragödie um Amundsen und Nobile nach."


„Sie sind Historiker?" Ihre Stimme war weicher geworden.


Und dann entwickelte sich ein fruchtbares Gespräch zwischen einer holländischen Doktorantin und einem neugierigen Deutschen.


Es ginge bei ihrer Arbeit um Vögel, aber in erster Linie ginge es um Schadstoffeintrag aus hochindustrialisierten Räumen in diesen Archipel am Nordrand der Zivilisation. Die Eier der Seeschwalben würden immer brüchiger; der Bruterfolg immer spärlicher. Man erforsche die Ursachen, sei den Chlorkohlenwasserstoffen auf der Spur, wolle belegen, dass diese von Menschen gemachten „Gifte" globale Schädigungen hervorrufen, die über kurz oder lang auch den Menschen selbst treffen würden. Zur Zeit sei sie mit Foto Dokumentation beschäftigt.


„Und dann, -  was ist, wenn ihr zweifelsfrei Zusammenhänge aufgedeckt habt; wer wird auf wen hören", warf ich ein.


Sie antwortete nicht darauf, -  fuhr stattdessen fort.


„Ihr Deutschen übrigens, ihr seit Spitze in der Erforschung der hohen Luftschichten in der Atmosphäre; wie ihr mit euren Ballons die Ozonkonzentration messt, das ist schon toll."


..........


Während der Einfahrt in den Sognefjord


„König der Fjorde" , so wird der Sognefjord genannt. Vor Jahrtausenden haben Gletscher lange und tiefe Kerben in das Gebirge gefräst; die Eismassen haben Millionen Tonnen von Gestein gesprengt, mit sich gerissen, der Schwerkraft folgend talwärts verfrachtet und auf diesem Weg die Steine zermalmt und zu Sediment zerrieben. So entstand der Sognefjord, 204 Kilometer lang, an der tiefsten Stelle 1 308 Meter tief und mit ihm eine Anzahl von Nebenfjorden, die fingerartig und gewunden in die Bergwelt Westnorwegens hineingreifen.


Behutsam, ja fast feierlich, bewegte sich unser Schiff immer weiter in den Fjord hinein. An den Ufern wechselten schroffe Felswände mit sattgrünen Wiesen und Waldabschnitten, - bisweilen einzelne Häuser und kleine Siedlungen. An der Nordseite tauchten immer häufiger auf Schwemmkegeln Obstplantagen und Gemüsepflanzungen auf. Der wärmende Golfstrom und die intensive Sonneneinstrahlung lassen in den kurzen Sommermonaten nahezu alle Obstsorten reifen bis hin zu Aprikosen und Pfirsichen; der Sognefjord gilt als das nördlichste Obstanbaugebiet Europas.


Immer mehr Passagiere versammelten sich auf den Außendecks, bis die Relings rund um das Schiff voll besetzt waren. Alle bestaunten die schäumenden Bäche, die in schmalen Kerbtälern nieder gingen und die Wasserfälle, deren Rauschen man bis zum Schiff hören konnte; über Klippen stürzte das Wasser in die Tiefe, bis es auf Felsen zerstäubte und schillernde Regenbögen bildete; weiße Vorhänge aus fallendem Wasser wohin man auch schaute. Da war er wieder, der Akkord aus Wasser und Felsen, den wir schon auf Spitzbergen so bewundert hatten, nur dass hier als zusätzliches Element das Grün einer üppigen Vegetation dazu kam.


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