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Torrox Costa


Ein deutscher Zauberstrand

von Rosa Maria Jiménez Laux

reiseberichte
ISBN13-Nummer:
9783833470998
Ausstattung:
180 Seiten, kartoniert, 24 Portraitfotos
Preis:
12.80 €
Mehr Infos zum Buch:
Website
Verlag:
BoD
Kontakt zum Autor oder Verlag:
romajila@uni-bremen.de
Leseprobe

Frau K: Also ich heiße Gerda und das ist mein Mann, er heißt Reinhard. Wir wohnen zwischen Darmstadt und Heidelberg und überwintern hier. Heute haben wir eine Bergtour gemacht und zum Abschluss sitzen wir hier und trinken etwas Leckeres.

Herr K: Also wir sind hier nach Torrox gekommen, weil meine Frau so einen kaputten Rücken hat. Sie hat immer so Schmerzen im Rücken. 1995 hatte meine Frau wieder solche Schmerzen, und dann waren wir hier in der Wohnung von einer Freundin. ... Da sind wir dann rum gegangen und dann hat meine Frau gesagt: „Also Reiner, hier gefällt's mir. Guck mal, Reiner, die Leute stehen hier immer auf dem Balkon und lachen."

Frau K: Ich will auch lachen. ...

Herr K: 95 sind wir hierher gekommen. Wir überwintern seitdem hier und Weihnachten waren wir immer zu Hause wegen unseres Enkels. Wenn wir jetzt hier sind und hören, wie zu Hause das Wetter ist und wer alles krank ist, da fällt uns nichts mehr ein.

            Meine Frau war letztes Jahr im Dezember zu Haus in Deutschland.

Frau K: Es war kalt.

Herr K: Sie kam den ganzen Dezember nicht vor die Tür. Und dann hat sie gesagt: „Was hätte ich in Spanien so schön spazieren gehen können." Hier kann man nämlich jeden Tag rausgehen. In Deutschland so bei null Grad oder plus fünf und Sauwetter geht sie wegen ihrer Rückenprobleme, Ischias und alles so was nicht vor die Tür.

            Als wir den ersten Winter hier waren und bei den merenderos hier an der Promenade saßen, da haben wir Leute kennen gelernt. Einen Haufen Bremer, Hamburger, alles Leute von der Küste. Und dann hab ich die gefragt: „Was wollt ihr eigentlich hier?" Der eine war Fliesenleger und sein Knie war kaputt, und er hatte Rheuma. Er hat gesagt, er geht kaputt im Winter in Bremen. Die Schmerzen sind hier einfach viel weniger. Und Leute, für die Wasser ihr ganzes Leben lang wichtig ist, die ziehen natürlich nur da hin, wo sie Wasser und Wärme haben wie hier in Torrox.

            ...

Herr K: Wir sind jetzt Residenten. Im Winter verlegen wir unseren Wohnsitz hierher. Wir sind nicht im Urlaub hier. Wir müssen morgens aufstehen, uns waschen, Zähne putzen, Frühstück machen, Bett machen, sauber machen, Einkaufen, Mittagessen machen. Wir gehen hier aber viel spazieren und haben hier viel Gemütlichkeit, nicht wahr. Etwas, was man in Deutschland zwar auch regelmäßig machen kann, aber im Winter doch nicht so regelmäßig. Wir sitzen für unser Leben gerne am Strand und beobachten den Sonnenuntergang. Im Januar und Februar geht die Sonne über dem Meer unter.

            Weil es hier so schön ist, haben wir uns einen Jeep gekauft, mit dem wir in die Berge fahren.  ...

            Wenn Sie an der Seepromenade spazieren gehen, lernen Sie in vierzehn Tagen so viele Leute kennen, wie Sie in Deutschland in drei Jahren nicht kennen lernen. Weil alle Ehepaare oder alle Singles, die da herum laufen, da guckt jeder den anderen an. Manche findet man grausam, manche findet man sympathisch. Man sitzt im Restaurant nebeneinander, und das ist eine Gelegenheit sich miteinander zu unterhalten. Da haben wir schon so nette Bekanntschaften gemacht. Bekanntschaften, die man in dieser Form in Deutschland nicht macht, weil das Leben in Deutschland anders ist.

Frau K: Anders funktioniert.

Herr K: Wenn wir hier sind für ein halbes Jahr, dann haben alle keine Arbeit. Wir suchen uns, wenn wir Lust haben eine Beschäftigung, aber wenn wir auch zu einer Beschäftigung keine Lust haben, dann machen wir einfach nur „happy go lucky".

Frau K: Wir müssen daheim in Deutschland auch nicht mehr arbeiten, aber das ist trotzdem was anderes.

Herr K: Gerade in der Kälte ist das was anderes.

Frau K: Ja, in Deutschland, da triffst du dich doch eher nur privat, ne.

Herr K: Hier ist das so, dass man jeden Tag vor oder nach dem Abendessen an der Promenade läuft. Man hat sich ein paar Mal gesehen, man kennt sich dann, und es gibt Gelegenheiten zum Reden. ...

Herr K: Es gibt viele deutsche Ärzte hier.

Frau K: Eine Gynäkologin ist sogar da, also toll.

Herr K: In Torre del Mar gibt es auch einen deutschen Hausarzt, bei dem wir regelmäßig sind, leider mehr als uns lieb ist.

Frau K: Oder zumindest ist dann da ein Holländer, der Deutsch kann. Wie ich jetzt da mal war, da war eine spanische Ärztin, die perfekt Englisch konnte, und da kannst du dich total gut verständigen. Ich war bei dem einen Arzt und der hat gesagt: „Du gehst jetzt da hin und wenn die keinen Dolmetscher haben, dann rufst du mich an, dann komme ich sofort." Das war Sonntag. Das würde in Deutschland kein Arzt machen.

Klappentext

Torrox Costa bei Málaga ist ein besonderer Ort. Hier leben überwiegend ältere Deutsche, die an der Costa del Sol überwintern oder ganz dort leben. In diesem Buch erzählen Deutsche in Interviews offen über ihre Wünsche, Sehnsüchte und Erfahrungen in Andalusien.

In den 1970er Jahren von einem Bremer Bauherrn erbaut, gilt Torrox Costa heute als der Ort, an dem auf dem spanischen Festland die meisten Deutschen leben. Das warme Klima und die Meeresluft in Südspanien lassen viele kranke Deutsche wieder gesund werden. Die deutsche Gemeinschaft in Torrox Costa macht das Ausland für Deutsche zu einem vertrauten Ort.

Da sich die meisten bereits in einem reifen Alter befinden, sprechen sie auch über die Gesundheitsversorgung in Spanien, die Angst vor dem Alleinsein und das Sterben in der Fremde. Spanier kommen ebenfalls über ihre Erfahrungen mit Deutschen zu Wort, und die deutsch-spanische Autorin schildert ihre Eindrücke von diesem ungewöhnlichen Ort.

Sprechen Deutsche und Spanier über ihr Zusammenleben, so stellt sich heraus, wie leidenschaftlich Vorurteile gegenüber die jeweils anderen immer noch vertreten werden. Dieses Buch wirft ein Licht auf die Sonnen- und Schattenseiten des Lebens Deutscher in Spanien.

Rosa Maria Jiménez Laux, geb. 1970, ist als Soziologin in der Migrationsforschung und der interkulturellen Pädagogik tätig.

Rezension

Wie leben Deutsche in Torrox-Costa und was denken Spanier über ihre anderssprachigen Nachbarn an der Küste? Dies sind nur zwei der Fragen, denen die promovierte Soziologin Rosa Maria Jiménez Laux in ihrem neu erschienen Buch „Torrox Costa - Ein deutscher Zauberstrand" nachgegangen ist.

Die 1970 in Süddeutschland geborene Frau aus deutsch-spanischem Elternhaus war jahrelang am Institut für Migrationsforschung in Osnabrück tätig. Heute lebt und arbeitet sie in Bremen. ....

 „Die Menschen hier waren sehr offen", erinnert sich die Soziologin an die Gesprächsbereitschaft der Einwohner. Aufgefallen ist Rosa Maria Jiménez Laux bei ihren Gesprächen unter anderem, wie häufi9g bei deutschen Rentner gesundheitliche Aspekte bei der Entscheidung zum Umzug an die Küste die ausschlaggebende Rolle spielen. „Viele der Befragten haben mir gesagt, dass sie direkt ein paar Jahre dazu gewonnen haben, weil das Klima hier für sie vorteilhaft ist und dass sie hier keine Schmerzen haben, an ihrem jeweiligen Lebensort in Deutschland aber schon, „sagt sie.

Generell stieß die Autorin bei ihren Befragungen auch immer wieder auf Klischees in den Köpfen der Menschen - dies gilt sowohl für Deutsche, als auch für die befragten Spanier.

Zitiert wird unter anderem ein Taxifahrer mit: „Die Deutschen nehmen uns die Arbeit weg", sowie Saisonarbeiterinnen im Tourismus mit Aussagen wie: „Die Deutschen sind ganz anders als wir." Aber auch die Spanier bekommen in der Darstellung der Deutschen ihr Fett weg. „Wie Spanier Tiere halten, das ist die reinste Katastrophe", wird ein Frührentner zitiert, der in Torrox-Costa lebt.

Trotz des Lebens im Ausland, so die Meinung von Rosa Maria Jiménez Laux, sei die Situation der Deutschen in Torrox-Costa grundlegend anders als die von Arbeitsmigranten, wie sich beispielsweise die Situation der spanischen Gastarbeiter in den 60-er und 70-er Jahren in Deutschland darstellte.

„Die Deutschen aus Torrox können meist problemlos jederzeit nach Deutschland reisen und haben ganz andere Kapazitäten, um sich ihr Leben so einzurichten, wie sie wollen", meint sie.