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> Reise > Nicht träumen, machen!
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Reiseberichte
Buch Leseprobe Nicht träumen, machen!, Inge Cieslak
Inge Cieslak

Nicht träumen, machen!



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Der Alaska Highway ist schnee- und eisfrei. Als wir das Hundecamp erreichen, erwartet uns schon freudiges Ankunftsgebell der ganzen Meute. Wir machen als erstes eine Runde durchs Camp. Faszinierend, diese Tiere. Sie gebärden sich wie verrückt an den langen Ketten vor ihren Hundehütten, weil sie genau wissen, dass es bald auf Tour geht. Jeder hofft, dann dabei zu sein und tut sein Bestes, unsere Aufmerksamkeit zu erregen. Normalerweise verhalte ich mich größeren Hunden gegenüber etwas vorsichtig, weil ich nicht weiß, wie sie reagieren. Aber bei diesen hier habe ich überhaupt keine Befürchtungen. Sie sind alle trotz ihrer Wildheit und des großen Gebells sanfte Naturen und auf Streicheleinheiten aus.



Dann wird es Zeit, dass wir unsere Unterkunft beziehen. Gisela und Didier und Laszlo und ich bekommen jeweils ein eigenes Blockhaus. Unseres liegt hinter dem Hundekennel umgeben von einem kleinen Wäldchen. Im Haus selbst gibt es eine Empore mit zwei Betten, die Laszlo bezieht, während ich unten in der Nähe des Yukonofens auf dem doppelstöckigem Bett mein Quartier aufschlage. Die Einrichtung ist gemütlich. Unter den beiden großen Fenstern steht jeweils eine Couch. Es gibt sogar einen kleinen Küchenblock mit Waschbecken, aber kein fließendes Wasser. Trinkwasser steht in einem kleinen Kanister auf der Abstellfläche, und Licht in der Dunkelheit werden die bereitgestellten Petroleumlampen verbreiten. Schon bald bullert der Yukonofen, fröhlich vor sich hin. Ich mache mich auf den Weg, um das in respektvoller Ferne aufgestellte Plumpsklo zu begutachten. Statt eines Herzchens prangt hier in der Tür ein ausgesägter Husky! Aber bei dieser Aussicht auf die in der Sonne liegenden schneebedeckten Berge wäre es schon fast ein Frevel, die Tür zu schließen. Und Bären können einen in dieser Jahreszeit auch noch nicht überraschen. In den nächsten Tagen denke ich trotz der frostigen Temperaturen noch so manches Mal: Auf welchem „stillen Örtchen“ hat man schon so eine faszinierende Aussicht auf den funkelnden Sternenhimmel und das am Himmel tanzende Nordlicht? Seltsam, wie bescheiden man auf einen Schlag werden kann. Man braucht noch nicht mal eine Tür.... 



Nachmittags folgt dann die erste Einweisung in die Kunst des Hundeanschirrens. Verwirrung total: welcher Hund muss noch mal an welche Leine und in welcher Reihenfolge? Und wie kriegt man die quirligen Tiere überhaupt in das Geschirr? Puh, das wird ein schönes Durcheinander werden, sozusagen schlittenmäßiges Chaos mitten in der Wildnis. Anschließend wird jedem die „Hundebesatzung“ für sein Gespann zugeteilt. Ich bekomme als Leithunde „Sassy“, eine schwarz-weiße Hündin und „Domingo“, einen schwarz-braunen Rüden, außerdem als Wheeldogs „Zipper“ und „Smoky“, beides braune Rüden mit schwarzen und weißen Flecken. Nach dieser kurzen Einführung sollen wir dann die so "harmlos" aussehenden Huskys von ihrer Hütte zum Anschirrplatz bringen. "Ist ja nicht so schwer", denk ich mir. Na ja, aber nur solange, bis ich den ersten Hund (die Leithunde werden zuerst geholt) am Halsband zum Anschirrplatz schleppen will. Ich hole zuerst Sassy, die ihre Hütte am weitesten entfernt hat, aber die dreht den Spieß sofort um, als sie merkt, dass sie nicht mehr an der Kette liegt und saust in einem halsbrecherischem Tempo mit mir im Schlepptau an den anderen angeketteten, laut bellenden Huskys vorbei, was zur Folge hat, dass ich nach wenigen Metern auf den Knien hinter ihr durch den Schnee rutsche... Irgendwie hab ich es dann doch geschafft und sie am Anschirrplatz festgekettet. Ich kann mich des Gefühls nicht erwehren, dass hinter meinem Rücken die gesamte Hundemeute in breites Grinsen ausgebrochen ist. Nach dieser ersten schweißtreibenden Übung hole ich mit schon merklich zitternden Knien Smoky, zumindestens versuche ich es.... Mit dem geht der Spaß erst richtig los! Um ihm ein wenig von seiner unbändigen Kraft zu nehmen, halte ich ihn am Halsband so hoch, dass er nur noch auf den Hinterbeinen steht. Ohne lange zu fackeln, nimmt er Anlauf und tanzt mit fast ungebremster Kraft mit mir den neuesten Yukon-Tanz auf dem Schneeparkett. Und während er fröhlich auf zwei Beinen durch die Gegend hüpft, versuche ich verzweifelt ihn, d.h. eigentlich eher mich selbst, am Halsband festzuhalten, verliere den Boden unter den Füßen und schlage wieder der Länge nach hin. Diesmal so heftig, dass ich nicht mehr aufstehen kann und mir vor Schmerz die Tränen in die Augen schießen. Von diesem Augenblick an hasse ich das tägliche Anschirren wie die Pest. Mit Unterstützung von Laszlo und Jocelyn humple ich mit schmerzverzerrtem Gesicht zum Haupthaus, wo die beiden mich mit Eisbeuteln bepackt auf die Couch verfrachten. Die erste Tour findet also schon mal ohne mich statt. Da ich das Bein bewegen kann, scheint zum Glück nichts gebrochen zu sein, es sieht ganz nach einer starken Prellung aus. Aber selbst die ist ja schlimm genug. Mann oh Mann, und das gleich am ersten Tag. Das kann ja nur noch besser werden. Ich habe ja auch noch andere Knochen....



20 Minuten später kommen die anderen von ihrem ersten Kurzausflug zurück, füttern die Hunde, und dann gibt es auch für uns Abendessen. Während des Essens hören wir dann zum ersten Mal den faszinierenden Gesang der Huskys. Wir sind alle von der langen Anreise und der Zeitumstellung müde und ziehen uns nach dem Abwasch in unsere Hütten zurück. Ich brauche eine Ewigkeit bis dort hin, denn ich kann vor Schmerzen kaum laufen. Hoffentlich sieht das morgen früh besser aus. Wir legen noch ein dickes Stück Holz in den Ofen und verschwinden dann in unseren mollig warmen Schlafsäcken. Ich lösche gerade das Petroleumlicht, da höre ich von oben schon lautstarkes Schnarchen. Das ist ein Holzhaus! Er wird doch nicht etwa... ? Als ich noch einen Blick aus dem Fenster werfe, traue ich meinen Augen kaum! Mein erstes Polarlicht! Es flackert über den Bergspitzen am Himmel entlang, mal mehr, mal weniger kräftig. Ich ziehe mir meine warme Jacke über und humple mühsam auf die überdachte Terrasse vor der Tür. Atemberaubende Stille, über mir ein funkelnder Sternenhimmel mit dem quer über den Himmel zuckendem Nordlicht, und dann fängt plötzlich irgendwo auf dem Kennel ein Husky mit seinem Gesang an, in den sofort die ganze Bande mit einstimmt. Ich bin völlig fasziniert, staune nur noch, und die Schmerzen im Bein sind eine Zeitlang vergessen.



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