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Reiseberichte
Buch Leseprobe Grenzstraße - Deutschland am Rand, Detlev H. G. König
Detlev H. G. König

Grenzstraße - Deutschland am Rand


Sieben Flüsse Tour in sieben Nachbarländer

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Die Ems und Ostfriesland


 


Die Anreise ist bekannt einfach: über Bremen und vorbei an Oldenburg geht es Richtung Papenburg. Bei Kilometer 250 überquere ich zum ersten Mal die Ems, vorbei an der weltbe­kannten Meyer-Werft, die immer den Fluss auf­stauen muss, wenn ein neues Kreuzfahrt­schiff vom Stapel gelassen wird. Um die Zeit ist ge­rade Schichtwechsel oder Feierabend.


Seit Friesoythe bin ich schon durch das Land so „platt wie ein Pfannkuchen" gefahren, im­mer entlang des Küstenkanals. Hier ist die Landschaft so wie jenseits der holländischen Grenze: Klappbrücken, Grachten, und schmu­cke Häuschen mit Blumenkästen an den Fens­tern.


Bei Emsdetten komme ich ins Börgermoor mit seiner unvergessenen und unrühmlichen Ge­schichte des Konzentrationslagers Börgermoor und seiner „Moorsoldaten". Doch die Gemein­de und die Anwohner scheinen wenig Interes­se zu zeigen, die Geschichte weiter zu erzählen: die Gedenkstätte (im Aufbau!) ist überwuchert und nur in den Sommermonaten alle 14 Tage geöffnet. Anmeldung unbedingt zu empfehlen, sonst steht man wie ich vor verschlossenen Türen!


(www.gfedenkstaette-esterwegen.de)


„Hier in dieser öden Heide, ist das Lager auf-gebaut-wo wir ferne jeder Freude, hinter Sta­cheldraht verstaut. Wir sind die Moorsoldaten und ziehen mit dem Spaten-ins Moor" (Auszug aus dem „Moorsoldatenlied" von Wolfgang Langhoff)


Das Lager Esterwegen war ab 1933 das erste Konzentrationslager im damaligen Nazi-Deutschland, hier wurden u.a. Carl von Ossietzky und Julius Leber eingepfercht, ge­foltert und hingerichtet.


Insgesamt starben in den 15 Emsland-Lagern 30.000 Gefangene, überwiegend aus Polen und Russland, an der barbarischen Zwangsar­beit im Moor. Seit Mai 2006 hat sich der Land­kreis endlich besonnen, eine wirkliche und würdige Gedenkstätte zu errichten.


Schon wesentlich früher hat das Bistum Osnabrück sich der Geschichte dieses Ortes angenommen, um die Qualen der Moorsolda­ten wach zu halten und ihrer zu gedenken. Der Bremer Architekt Ulrich Tilgner schuf das eindrucksvolle Areal des Klosters Esterwegen, das noch heute von Franziskanerinnen betrie­ben und bewohnt wird.


Am beeindruckendsten ist der „Raum der Sprachlosigkeit", um nach Worten zu suchen für das unsagbare Verbrechen an so Vielen. In der Mitte des Raumes ein hölzernes Dreh­kreuz, dahinter eine Torf-Lore als Altar auf den Rädern einer alten Torfbahn.


Torf wird hier noch immer abgebaut, wenn auch mit maschinellen und weniger brutalen Mitteln.


Eine ganze Weile begleitet mich links der Küs­tenkanal und rechts eine Torf-Eisenbahn.


Vielleicht machen es die Weite des Himmels und die Unergründlichkeit der Moore, dass dieses Land so einzigartig und so eigenartig ist. Wie das Land, so die Menschen, dieser Jever-Slogan hätte auch hier erfunden sein können.


So richtig erschlossen wurde das Emsland erst in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhun­derts, dabei wurde viel von der Wildheit der Landschaft durch Begradigung und Verfla­chung zerstört. Der Journalist und ehemalige „Pardon" und „Stern"-Fotograf Gerd Kromschröder hat der Ems 2005 ein filmisches Denkmal gesetzt mit seinem Buch „Emsland schwarz-weiß" (Temmen, Bremen 2005)


Kern der Erschließung war der Emslandplan von 1950, der das bisherige Agrarland massiv veränderte. Heute gibt es hier die Teststrecke des Tansrapid, die Papenburger Werft und ein Mercedes-Testgelände im Landkreis. Der wur­de im August 1977 gebildet, erstreckt sich von Rheine bis zum ostfriesischen Papenburg, und ist somit der zweitgrößte Landkreis der Bun­desrepublik.


Damit sogar größer als das Saarland!


Leer gehört zu Ostfriesland, wie mich der freundliche Herr vom Ordnungsamt auf dem Stellplatz fast in der Innenstadt aufklärt. Es hat seine Vorzüge und seine Nachteile nur 5 Minuten von der Fußgängerzone zu übernach­ten, wie ich am nächsten Morgen feststellen sollte. In Leer liegt die katholische Kirche zwi­schen den beiden evangelischen, die hätten ein rotes Dach, die katholische ein schwarzes. Das hätte aber nichts mit Politik zu tun, sie wollten nur alle nicht nass werden...


Damit greift der Ordnungsmann ein Thema auf, das hier seit Jahrhunderten die Leute be­schäftigt und entzweit: schwarz und rot. Wenn die Leute hier im September so wählen, wie sie immer wählen, hat die CDU „ein feste Burg" und die SPD die„Arschkarte". Wenn sie so wählen wie immer ...


Auch hier hat jeder sein Kreuz mit dem Kreuz!


Auf dem Weg vom Emsland hier her bin ich erst der Spargelstraße gefolgt, die mich zu­nächst an die Thülsfelder Talsperre brachte. Die hatte ich gar nicht auf meiner Liste, aber das Schild DJH (Deutsche Jugendherberge) gab mir ein Deja Vu zurück: hier war ich vor Jahren (eher Jahrzehnt!) schon mal mit mei­nem Sohn. Die Herberge ist damals mit preis­gekrönten Holzbauten erweitert worden, ich finde sie aber nicht, und einen Zugang zum See gibt es scheinbar auch nicht - höchstens von einem der Campingplätze, aber meine Übernachtung für heute habe ich schon ge­bucht.


Nicht nur der Stellplatz in Leer ist schon bezo­gen, sondern ich habe auch eine Vorbestel­lung für ein Konzert im Zollhaus in Leer. Keine 5Min. von meinem Parkplatz mit dem Rad durch die Fußgängerzone, das sollte heute Abend zu schaffen sein!


Die schwedische Band „Baskerry" gibt ihr ein­ziges Deutschland-Konzert in diesem doppelt-christlichen, aber dennoch verschlafenen Nest, ob sie wussten, worauf sie sich da eingelassen haben...?


 


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