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Wer Schiffe klaut,kriegt nasse Füße


Die Schiffsdiebinnen 1

von Rega Kerner

regionale_buecher
ISBN13-Nummer:
9783954941551
Ausstattung:
232 Seiten, Taschenbuch (12,90) & Ebook (3,99)
Preis:
12.90 €
Mehr Infos zum Buch:
Website
Verlag:
Edition Falkenberg
Kontakt zum Autor oder Verlag:
rega@medienschiff.de
Leseprobe

Karla kletterte auf das Spielplatzschiff und kurbelte ein paarmal am Steuerrad, das erhabene Kinn zur Weser gerichtet. Das war unendlich vertraut, mit diesem Kahn hatte sie jahrelang alle Weltmeere umsegelt, Stürme durchstanden, Piraten abgewehrt und ihre beste Freundin vor dem Ertrinken gerettet. Aber heute wollte die große Freiheit sich nicht einstellen.

 

Sie hockte sich mit hochgezogenen Beinen auf die Holzreling, knabberte am Marmeladenbrot und ließ ihre Aufmerksamkeit über die echten Boote gleiten.

Das da.

Das kleine Blaue mit dem dreckig-gelben Deck und den vielen Bullaugen hatte es ihr schon lange angetan. Es sah so anders aus. Lang, schmal und ohne Schnickschnack fügte es sich nicht zwischen die behäbig breiten Fischkuttertypen mit all ihren Tauen und Leinen. Spaziergänger rätselten oft  lautstark,  was  das  früher  wohl  mal  gewesen  sein  mochte.  Manche  lachten es aus, weil es nicht war wie die anderen: »Das hat ja noch nicht mal einen richtigen Mast, was ist denn das für ein Streichholz!«
Karla  wurde  jedes  mal  wütend,  wenn  sie  die  Beleidigungen  hörte,  lenkte das Spielschiff ins Zentrum eines Orkans und brüllte gegen den  Wind:  »Der  Mast  ist  schön.  Und  überhaupt.  Wozu  braucht  ein  Motorboot einen Mast.«

 

Das schönste an diesem Schiff aber war seine Einsamkeit. Die  schwarzen  Bullaugengläser  weinten  bei  Regen  dicke  Tränentropfen, nie erschien ein Licht dahinter. Keiner putzte das Deck, niemand schleppte Proviant an Bord, es lag da einfach total verlassen herum. Wie lange schon?

Schon immer, glaubte Karla. Jedem  anderen  Schiff  konnte  sie  Gesichter  zuordnen: Der eine alte Mann gehörte zu dem mit den längsten Masten. Der andere alte Mann stapfte häufig bei jenem Weißen aus Holz an Bord. Noch ein anderer alter Mann polierte jede Woche die Glocke von der Barkasse. Das Feuerlöschboot wurde von einer kleinen Gruppe versorgt und auf dem großen Dreimaster tummelten sich ganze Rudel alter Männer. Nur zu dem kleinen Blauen  fiel  ihr  keine  alte  Männervisage  ein.  Dafür  hatte  es  selbst  ein  Gesicht: Der Bug war so lustig. Er reckte sich nach oben wie eine eigen-sinnige Nase und lockte: »Komm! Komm her! Komm zu mir. Erlöse mich. Ich bin so stark und behüte dich.«

 

Sie stopfte sich den Rest vom Brot in den Mund, glitt von der Reling und  wählte  die  schnellere  der  zwei  Rutschen  vom  Spielschiff  hinunter.  Die mit den Wellen, auf denen der Po bis zur Schmerzgrenze hochflog. Wenn man nicht mit den Füßen bremste. Karla bremste nie. Sie flog fast einen  Meter  über  die  Fläche der Rutsche hinaus und landete auf einem Bein im Sand, das zweite rannte gleich weiter.

Klappentext

Karla will nur eins: Nichts wie weg, weg von zuhause. Ein scheinbar verlassenes Stahlboot im Museumshaven Vegesack zwinkert ihr mit rostigem Bullauge zu, sie klettert spontan an Bord. Die gut erzogene Lara folgt, wenn auch widerwillig.

Völlig planlos, aber mit Mut zur Albernheit erforschen sie die Gewässer bei Bremen und umzu, stromabwärts lockt heimtückisch das ferne Meer. Unterstützung kommt vom Kapitän eines Binnenschiffs, doch sein Matrose sorgt für Liebesverwirrungen und stellt die Freundschaft der Mädchen auf eine harte Probe...

Sind sie schon Piratinnen oder üben sie noch?

Und du?
Möchtest du manchmal ausbrechen, abhauen, ausreißen, weglaufen, irgendwie alles anders machen? Träumst du davon, mal grob auf den Tisch zu hauen oder zu fluchen, statt immer brav und höflich zu bleiben? Oder tust du es? Hast du noch nie so richtig Bockmist gebaut, oder andersherum, passiert dir das gar öfter? Darf man manchmal albern und kindisch sein, obwohl man kein Kind mehr ist? Könnte deine Freundin mit dir Pferde stehlen, äh, sagen wir Stahl-Seepferdchen? Kennst du das Gefühl, ständig einen Hafen zu suchen, aber nie anzukommen?

Hast du zu einer dieser Fragen ″ja″ gedacht? Dann ist dies dein Reise-Roman: Ein Roadmovie auf dem Wasser, für jugendliche sowie junggebliebene Piratinnen (und Piraten), die ihre Träume noch haben oder an sie erinnert werden möchten. Und immer ein Handbreit Humor zwischen den Zeilen...

Dieser Flussroman ist in sich geschlossen.
Mögliche Fortsetzungen unter dem Serientitel ″Die Schiffsdiebinnen″ sind allerdings angedacht: Gerne höre ich auch eure Ideen, wie die Fahrt weitergehen könnte! Näheres dazu im Anhang.

Und nun: Ahoi, Leinen los und ... Klick!

Rezension

Rezension von Mirco von Maydell - Auszüge
Vollständige Version siehe Blog: ″ReziBook″

 

Titel – Der Titel sagt schon fast alles, könnte man meinen, aber weit gefehlt. Diese Story bietet noch so viel mehr, als der Titel hier verspricht. Für Jungs und Mädels, die am Wasser leben, ein wahres Paradies zu erleben, wie die beiden jungen Heldinnen ihre Reise bestreiten, für alle anderen eine Reise voller Abenteuer, Liebe und Hoffnung – Echt toller Titel.

 

Schreibstil – Rega Kerner schreibt mit einer unverblümten Art die Abenteuer von Karla und Lara, so dass man sich im Stil der Jugend gleich ein Bild davon machen kann, wie die Teenager unserer Zeit so miteinander reden und ihre Probleme lösen. Während der Geschichte lernt man viel über die Abläufe an Bord eines Schiffs. Mich hat es fasziniert, wie sie mit ihrer ganz eigenen Art die Geschehnisse in guter alter Schiffermarnier an den Leser heranträgt. Es hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Diese lockere flockige Art zu schreiben gefällt mir sehr gut. Man fühlt sich von der erste Seite an wahrlich aufgenommen. Wir Norddeutschen würden sagen, dass ist ein Buch für Wasserratten, aber hey, Rega hat es so geschrieben, dass auch die Landratten an diesem Abenteuer voll auf ihre Kosten kommen und dazu auch noch was lernen.

 

Story – Die Geschichte fängt damit an, dass ich als Leser die beiden Mädels Lara und Klara kennenlerne und entdecken muss, Probleme haben wir alle. Jungs, in die wir heimlich verliebt sind, die Schule, die uns nur auf die Nüsse geht, weil wir sie zwangsweise besuchen müssen, um zu lernen! Jaja und die Träumereien von einem Leben, in dem all das keine Rolle spielt. Durch einen Zufall geschieht es, dass Lara ihre Schultasche an das Hafenbecken verliert und Klara schon längst ein Plan ausgeheckt hat, wie sie all ihre Probleme auf einen Schlag loswerden können. Nur Momente später haben die beiden es geschafft, die Noortje, den alten Kahn im Hafenbecken, von seiner Vertäuung zu lösen, sowie den Motor in Gang zu bekommen.

(...)

 

Facit - (...) Alles in allem kann ich sagen, ein wahres Feuerwerk an Gefühlen, Abenteuerlust und jede Menge frecher Sprüche. Karla kann einen aber auch echt aus der Reserve locken mit ihrem frechen Mundwerk, so dass ich manches Mal am Boden gelegen hab, vor Lachen. Empfehle ich sehr gerne weiter!