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Buch Leseprobe Wer Schiffe klaut,kriegt nasse Füße, Rega Kerner
Rega Kerner

Wer Schiffe klaut,kriegt nasse Füße


Die Schiffsdiebinnen 1

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Karla kletterte auf das Spielplatzschiff und kurbelte ein paarmal am Steuerrad, das erhabene Kinn zur Weser gerichtet. Das war unendlich vertraut, mit diesem Kahn hatte sie jahrelang alle Weltmeere umsegelt, Stürme durchstanden, Piraten abgewehrt und ihre beste Freundin vor dem Ertrinken gerettet. Aber heute wollte die große Freiheit sich nicht einstellen.


 


Sie hockte sich mit hochgezogenen Beinen auf die Holzreling, knabberte am Marmeladenbrot und ließ ihre Aufmerksamkeit über die echten Boote gleiten.


Das da.


Das kleine Blaue mit dem dreckig-gelben Deck und den vielen Bullaugen hatte es ihr schon lange angetan. Es sah so anders aus. Lang, schmal und ohne Schnickschnack fügte es sich nicht zwischen die behäbig breiten Fischkuttertypen mit all ihren Tauen und Leinen. Spaziergänger rätselten oft  lautstark,  was  das  früher  wohl  mal  gewesen  sein  mochte.  Manche  lachten es aus, weil es nicht war wie die anderen: »Das hat ja noch nicht mal einen richtigen Mast, was ist denn das für ein Streichholz!«
Karla  wurde  jedes  mal  wütend,  wenn  sie  die  Beleidigungen  hörte,  lenkte das Spielschiff ins Zentrum eines Orkans und brüllte gegen den  Wind:  »Der  Mast  ist  schön.  Und  überhaupt.  Wozu  braucht  ein  Motorboot einen Mast.«


 


Das schönste an diesem Schiff aber war seine Einsamkeit. Die  schwarzen  Bullaugengläser  weinten  bei  Regen  dicke  Tränentropfen, nie erschien ein Licht dahinter. Keiner putzte das Deck, niemand schleppte Proviant an Bord, es lag da einfach total verlassen herum. Wie lange schon?


Schon immer, glaubte Karla. Jedem  anderen  Schiff  konnte  sie  Gesichter  zuordnen: Der eine alte Mann gehörte zu dem mit den längsten Masten. Der andere alte Mann stapfte häufig bei jenem Weißen aus Holz an Bord. Noch ein anderer alter Mann polierte jede Woche die Glocke von der Barkasse. Das Feuerlöschboot wurde von einer kleinen Gruppe versorgt und auf dem großen Dreimaster tummelten sich ganze Rudel alter Männer. Nur zu dem kleinen Blauen  fiel  ihr  keine  alte  Männervisage  ein.  Dafür  hatte  es  selbst  ein  Gesicht: Der Bug war so lustig. Er reckte sich nach oben wie eine eigen-sinnige Nase und lockte: »Komm! Komm her! Komm zu mir. Erlöse mich. Ich bin so stark und behüte dich.«


 


Sie stopfte sich den Rest vom Brot in den Mund, glitt von der Reling und  wählte  die  schnellere  der  zwei  Rutschen  vom  Spielschiff  hinunter.  Die mit den Wellen, auf denen der Po bis zur Schmerzgrenze hochflog. Wenn man nicht mit den Füßen bremste. Karla bremste nie. Sie flog fast einen  Meter  über  die  Fläche der Rutsche hinaus und landete auf einem Bein im Sand, das zweite rannte gleich weiter.


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