Suchbuch.de

Leseproben online - Schmökern in Büchern



Kategorien
> Ratgeber > Trinken sie noch oder
Belletristik
Bücher Erotik
Esoterik Bücher
Fantasy Bücher
Kinderbücher
Krimis & Thriller
Kultur Bücher
Lyrikbücher
Magazine
Politik, Gesellschaftskritik
Ratgeberbücher
regionale Bücher
Reiseberichte
Bücher Satire
Science Fiction
Technikbücher
Tierbücher
Wirtschaftbücher
Bücher Zeitzeugen

Login
Login

Newsletter
Name
eMail

Ratgeberbücher
Buch Leseprobe Trinken sie noch oder , Heike Burmester
Heike Burmester

Trinken sie noch oder


saufen sie schon?

Bewertung:
(452)Gefällt mir
Kommentare ansehen und verfassen

Aufrufe:
4682
Dieses Buch jetzt kaufen bei:

oder bei:
erhältlich im Buchhandel und gängigen Onlie-Shops
Drucken Empfehlen

 


Bedarf oder Bedürfnis?


  


Es dürfte unstrittig sein, dass ein Bedarf eher erfüllt werden kann als ein Bedürfnis.


Auch wäre alles ein wenig einfacher, wenn es reichen würde, seinen Bedarf gedeckt zu wissen und damit zufrieden zu sein, als ständig seinen Bedürfnissen hinterher zu denken und sie um jeden Preis erfüllt zu wissen, weil uns die Deckung unseres Bedarfes nicht ausreicht.


Wir essen mehr als wir bräuchten, wir trinken mehr Alkohol als wir vertragen, wir rauchen mehr als es uns sowieso nicht gut tut, die meisten von uns haben mehr als einen Fernseher in der Wohnung, unsere Kleiderschränke wölben sich bereits nach außen, wir fragen uns „haben wir zuviel Klamotten oder zu wenig Schrank?", aber wir brauchen in beiden Fällen dringend einmal wieder etwas Neues, denn wir haben ja nichts anzuziehen.


„Das richtige Maß halten", ist die Empfehlung, die wir fast täglich zu hören bekommen, wenn es um unsere Ernährung mit all den dazugehörigen Sünden geht. Was aber ist das „richtige" Maß, wenn sich der Body-Maß-Index [Berechnung des Idealgewichtes] lediglich auf das Körpergewicht im Verhältnis zur Körpergröße bezieht?


Wie muss für das „richtige" Maß die Ernährung gestaltet werden, um weder Mangelerscheinungen zu erleiden oder „überdosiert" zu sein? Wer oder was entscheidet über das „richtige" Maß? Was wird denn bemessen? Maße wie „dick", „dünn", „groß" oder „klein" sind Maße, die wir zuordnen können, die in unserer Vorstellung und in der Realität bestehen. Jedoch nur deshalb, weil wir irgendwann gelernt haben, die Begrifflichkeiten zu deuten. Ein Kind ist klein, ein Erwachsener ist groß, usw.


Maße sind aber ebenso Relationen und Empfindungen des Einzelnen. Das, was der eine für gesund hält, macht einen anderen krank. Das, was der eine für furchtbar wichtig hält, interessiert einen anderen gar nicht. „Richtige Maße" werfen Fragen auf. Fragen wie „werde ich regelmäßig Herzinfarkte und Schlaganfälle erleiden, weil ich keinen Rotwein für eine bessere Durchblutung trinke?" Wenn das tatsächlich so ist, hätte manch „Beschädigter" nur die  „Marke" wechseln müssen und hätte nie aufhören dürfen Alkohol zu trinken. „Mäßig aber regelmäßig" hätte dann die Devise sein können.


Zustände werden uns von frühester Kindheit an beschrieben und somit werden wir auf unseren Bedarf vorbereitet. Nicht aber auf Bedürfnisse. Diese erfahren wir erst, wenn wir mit der Deckung unseres Bedarfes nicht zufrieden sind, dieses aber nicht bewusst wahrnehmen.


Wir wussten als Babys nicht, dass wir „satt" waren, wenn wir vor lauter Mutter- oder Flaschenmilch so voll gepumpt waren, dass nichts mehr in uns hineinging und wir unseren Eltern über die Schulter kotzten. Das fanden die dann niedlich und freuten sich, dass es uns gut ging. Sie wussten ja nicht, wie viel Milch oder Brei im Durchschnitt in ein Baby passt. Die Mengenangaben (Maße) standen bestenfalls auf den Milchfläschchen. Unser Bedarf an Babynahrung war also für den Moment im Übermaß gedeckt, ebenso wie das Bedürfnis unserer Eltern uns glücklich zu sehen, obwohl sie es waren, die glücklich waren. Uns muss noch Stunden nach der letzten Fütterung schlecht gewesen sein und wieder stopften sie irgendein Milchprodukt in uns hinein, weil wir schrieen und sie es als Hunger deuteten, anstatt daran zu denken, dass auch Babys das ein oder andere Bedürfnis außer dem Trinken haben könnten, dieses nur eben nicht anders als durch schreien äußern können.


Im Erwachsenenalter ist das natürlich auch möglich, jedoch nicht immer gern gehört und gesehen, weil gesellschaftliche Vorgaben über Umgangsformen mit Stimmungen andere sind.


Wie ein Lachen in der Öffentlichkeit positiv wirken kann aber in der Regel nicht weiter erfragt wird, wirkt ein Weinen ´zu emotional´ oder ´zu persönlich´, so dass auch hier die Ansprache an den traurigen oder verzweifelten Menschen oftmals nicht stattfindet. Es ist nicht zu erwarten, dass uns ein verzweifelter Mensch ausschließlich dankbar wäre, wenn wir ihn in seiner Trauer ständig füttern wollten.


 


Der Bedarf unserer körperlichen Lebensfähigkeit wird uns unter anderem von der Natur vorgegeben, wie uns unsere Bedürfnisse von unserer Umwelt vorgegeben werden. Die natürlichen Vorgaben äußern sich in Stoffwechselfunktionen und körperlichen Verträglichkeiten. Die gesellschaftlichen Vorgaben hingegen äußern sich in Regeln, die der Natur oftmals widersprechen, somit den vermeintlichen Bedarf erhöhen, der dann in der Begrifflichkeit Bedürfnis mündet und dem individuell empfundenen Bedarf, dem Bedürfnis, aufgrund einer ständigen Unzufriedenheit kaum zu befriedigen ist. So flüchten wir uns sogar in Stimmungen, lassen uns manipulieren, nur, um uns für einen Moment lang wohl zu fühlen oder etwas zu empfinden, was in der Realität einfach nicht existiert.


Ohne es uns immer bewusst vorzunehmen, erfahren wir Stimmungen in denen wir kurzweilig versinken. Sei es durch Musik, die uns an etwas erinnert oder wir zeichnen Bilder in unserer Vorstellung, die wir dann mit dieser Musik in Verbindung bringen. Liebeslieder lassen uns entweder ein Verliebtsein verspüren, ohne verliebt zu sein oder sie verstärken das Gefühl des Verliebtseins, wenn wir es dann sind. Sind wir unglücklich verliebt, verstärkt dieses Liebeslied unter Umständen dieses Unglück oder lässt uns sogar hoffen, dass diese Liebe in Erfüllung geht, weil wir uns im Geiste die erwünschten Bilder dazu vorstellen.


Bilder lassen uns versinken in Erinnerungen oder Sehnsüchten, wie das Bild eines weißen Strandes mit den dazugehörigen Meereswogen.


Die Romantik der Liebe und des Strandes empfinden wir in der Realität allerdings ganz anders. Insbesondere dann, wenn wir in unglücklichen oder gar keinen Partnerschaften leben oder der Wunsch, an einem anderen Ort zu sein, sich bestenfalls mit dem Spaziergang im Stadtpark erfüllen lässt.


Stimmungen sind in der Regel Symptome von Zuständen, die allerdings oftmals nicht genau benannt werden können, wenn sie psychischer Natur sind und vom Betroffenen selbst kaum eingeordnet werden können, da im Äußeren nichts zu erkennen ist, wie körperliche Störungen, Todesfälle, Verlust des Arbeitsplatzes, Beendigung von Partnerschaften, o.ä. Diese Stimmungen können manipuliert werden, indem ein gewisser `Stoff`, irgendein Mittel oder eine Unternehmung zur Bekämpfung dieser meist subjektiv negativ empfundenen Stimmung eingesetzt wird. Die Manipulation von Stimmungen findet statt, um Positives zu erreichen, Bedürfnisse zu erfüllen. Denn kein Mensch, der sich reich und wertvoll fühlt, wird sich ganz bewusst vorstellen wie schön es wäre, einmal arm zu sein und sich wertlos zu fühlen. Ebenso manipuliert wohl kaum ein Mensch seine Zustände, um sich schlecht oder noch schlechter zu fühlen.


Die Erfüllung von Bedürfnissen ist im gewissen Maße eine Form der „Gewöhnung", die wir nicht missen wollen ohne zu erkennen, dass die Deckung unseres Bedarfes längst stattgefunden hat. Selbst wenn wir zu mancher Zeit nicht das eine oder andere bestimmte Bedürfnis hatten, haben wir es manchmal urplötzlich, wenn es uns vorgelebt wird. Wenn wir nicht wüssten, dass es möglich ist, `körperliche Makel` durch Schönheitsoperationen zu beheben, würden wir nicht auf die Idee kommen, an uns selbst im Gesicht herumzuschnippeln und unsere Hüften mit irgendeinem Handwerkszeug zu schmälern. Und plötzlich ist es da, das Bedürfnis nach makelloser Schönheit um fast jeden Preis, seien es tatsächlich Operationen oder die eine oder andere Antifaltencreme. Ohne Angebot keine Nachfrage.


So bestimmt dann Werbung und Gesellschaft über das Angebot, dass wir dann zur Erfüllung unserer Bedürfnisse nutzen können, von denen wir vorher nicht wussten, dass wir sie haben, da wir ohne sie auch nichts vermisst haben.


Es sollte völlig egal sein, von welcher Firma wir Milch beziehen, von welcher Bäckerei das Brot und von welcher Firma die Butter oder die Nudeln. Diese ´Artikel´ gehören zu den Grundnahrungsmitteln, also zur Deckung des täglichen Bedarfes. Jedoch beschleicht uns das Bedürfnis nach einer gewissen Wertigkeit und wir kaufen ´die gute Butter´ und ´die Milch, die müde Männer munter macht´ und die Bananen, die durch einen schönes Etikett verziert sind und nicht die, über denen im Regal einfach nur „Bananen" steht, wenn wir sie uns dann leisten können.


Ebenso verhält es sich oftmals mit Kleidung, Technik und natürlich mit den `guten` Spirituosen. Auch die guten Spirituosen, wie der Cognac, der in der Werbung in einer reich gefüllten Bibliothek zu sich genommen wird, vermittelt einen höheren Wert, als dieser Cognac, der im Supermarkt im Regal ganz unten steht, und der immer fortwährend prickelnde Sekt, der uns jung fühlen lässt, glänzt mit sonnigen Farben auf dem Etikett seiner Flasche und lässt uns das Gefühl des ewigen Sommers am Strand erleben, wenn wir auch in der Großstadt auf dem Hinterhof leben.


Allein das Auspacken unserer Einkäufe lässt uns ein positiveres Gefühl haben, wenn gewisse Wertigkeiten zum Vorschein kommen, wie das teure Parfum, die teuren Schuhe und der ´gute Tropfen´ zum Essen. Wir fühlen uns mehr Wert, wenn wir ein „Ahhhh" oder ein „Ohhhh" empfinden oder zu hören bekommen, als ein „Hm" oder „Achso". Wir erfahren Anerkennung durch unseren ´guten Geschmack´, den wir uns auch gern einmal etwas kosten lassen, sei es auch nur, dass wir damit manchmal den Grad unseres Selbstwertes erhöhen.


Anerkennung jedoch erreichen wir natürlich nicht nur mit unseren Einkäufen. Denn wenn das so wäre, wären wir binnen kürzester Zeit in den Verbraucherinsolvenzen, welcher Umstand uns dann erheblich am gesellschaftlichen Wert verlieren lassen würde. Also leisten wir anderes um Anerkennung zu erfahren. Wir arbeiten viel und lange und so erfolgreich wie möglich, wir leben schließlich in einer Leistungsgesellschaft die uns abverlangt, nach dem Alles-oder-nichts-Prinzip zu funktionieren.


„Alles oder Nichts" ist mit unter eine unausgesprochene Aussage in unserer Gesellschaft, die sich unter anderem auf Anforderungen bezieht, die schon lange nicht mehr von allen Menschen erfüllt werden können, wenn sie es auch wollen. Arbeitslosigkeit steht für ´Nichts`, ohne Achtung dessen, dass vor ihr `Alles` im Rahmen der individuellen Möglichkeiten des Einzelnen geleistet wurde. Selbst, wenn während der Arbeitslosigkeit mehrere hundert Bewerbungen geschrieben werden ist das `Nichts`, wenn nicht der Erfolg einer Anstellung eintritt. Menschen werden auf ihre Außenwirkung reduziert, was dann `Alles` ist, wichtig für das Selbstwertgefühl und nicht zuletzt für die Anerkennung durch die Gesellschaft.


Der Bedarf der gesellschaftlichen Anforderung ist somit gedeckt und das Bedürfnis nach Anerkennung ist allein durch die Tatsache, dass der Arbeitslosigkeit entkommen wurde, vorerst gewährleistet.


`Anerkennung`, ein anderer Begriff für Erfolg, dem wir nachjagen, um gesellschaftlichen Anforderungen gerecht zu werden und uns selbst Wert zu fühlen, ohne zu hinterfragen, welches denn unsere wahren Bedürfnisse sind. Aber können wir uns selbst Wert fühlen, ohne das geleistet zu haben, was andere von uns verlangen? Können wir uns allein deshalb wertvoll fühlen, weil wir lediglich existieren? Werden wir geachtet, wenn wir uns gesellschaftlichen Anforderungen bewusst verweigern, um uns wohl und nicht überlastet zu fühlen? Bekommen wir Unterkünfte, ohne eine Miete zu bezahlen, nur weil wir friedliche Menschen sind? Bekommen wir in Supermärkten kostenfrei Lebensmittel, nur weil wir freundlicher grüßen als so manch andere Menschen die glauben, mit ihren Lebensmitteln hätten sie auch die Kassiererin gekauft, die sie traktieren können, wenn es an der Kasse nicht schnell genug geht? Denn sie haben schließlich geleistet und es gebührt ihnen Anerkennung für den Einkauf ihrer Artikel. Insbesondere dann, wenn sie `höhere` Tätigkeiten bekleiden, als diese Kassiererin.


Wir brauchen die gesellschaftliche Anerkennung unserer Tätigkeiten, damit unser Bedarf des Selbstwertgefühles gedeckt wird und wir weiterhin funktionieren, wie es von uns erwartet wird. Unser Bedürfnis hingegen, für besondere Leistungen, wie Überstunden, besonders gelobt zu werden, wird in der Regel nicht in ausreichendem Maß befriedigt, sodass wir der Befriedigung dieses Bedürfnisses ständig hinterher laufen, indem wir noch mehr arbeiten, noch mehr leisten, versuchen, noch mehr Außenwirkung zu erlangen, um in unserer Gesamtheit be- und geachtet zu werden. Da die Deckung des gesellschaftlichen Bedarfes an Leistung einer `Gewöhnung` gleicht gilt es, die `Dosis` in Form von Leistung zu erhöhen, obwohl auch eine Dosiserhöhung leicht zur Gewohnheit werden kann und somit ebenfalls kaum beachtet wird.


Gewohnheiten werden zu Selbstverständlichkeiten, selbst dann, wenn sie in absoluter Überlastung münden. 


Für Gewohnheiten werden wir nicht gelobt, sondern eben nur für etwas ganz Besonderes, von dem wir in den meisten Fällen nicht wissen, was denn das Besondere ist, um endlich die Anerkennung zu bekommen, mit der wir uns tatsächlich wohl fühlen können. Leistung wird vorausgesetzt und wenn sie denn erbracht und noch dazu gesteigert wird, ist das selbstverständlich. Es sei denn, wir „versauen die Preise", indem wir uns mehr anstrengen als unsere Berufskollegen und letztendlich von ihnen kritisiert anstatt gelobt werden. Unseren Vorgesetzten ist es egal; der größte Leistungsträger ist der Maßstab für künftige Leistungsstandards und so bleibt im Grunde alles beim Alten und wir hecheln unserem Bedürfnis nach Anerkennung weiter hinterher. Etwas Besonderes bescheren wir uns dann selbst, indem wir uns selbst belohnen, wenn es schon die Menschen nicht tun, von denen wir es uns erhofft haben.


Wir beschenken uns selbst mit Anschaffungen oder Tätigkeiten, die wir im Grunde nicht brauchen, um uns belohnt zu fühlen, für einen Moment. Dabei merken wir manchmal nicht, dass diese Momente der Belohnung, währenddessen wir uns wohl fühlen, sich verselbständigten, immer wieder auftauchen und immer wieder Gleiches, die Belohnung, von uns fordern. So lange, bis wir dann tatsächlich merken, dass unsere selbst verordneten Ersatzbefriedigungen in Form von Selbstbelohnungen nicht wirklich das bewirken, was wir eigentlich brauchen und wollen.


Unsere Ersatzbefriedigungen geben uns jedoch die Anerkennung, ohne die wir kaum in der Lage wären, diese Leistungen auf Dauer zu erbringen. Sie ersetzen uns so lange die von uns vermisste Anerkennung, bis auch sie zur `Gewohnheit` werden, uns zum Teil durch Überdosierung schaden und wir uns wieder andere Formen der Befriedigung unserer Bedürfnisse suchen, die uns dann vermeintlich nützen sollen. „Der, der ist immer lustig.", „Die, die tanzt auf dem Tisch, wenn sie Prosecco trinkt."


Beide auf Partys immer gern gesehen.


 


 


 


 


 


 


 


 


Für den Inhalt dieser Seite ist der jeweilige Inserent verantwortlich! Missbrauch melden



© 2008 - 2021 suchbuch.de - Leseproben online kostenlos!


ExecutionTime: 3 secs