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Buch Leseprobe SHIRO-Das grosse Wagnis, Andreas Dudas
Andreas Dudas

SHIRO-Das grosse Wagnis



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Tiefer Sinn der Trauer
Das Universum muss das authentische Ich oft mit unerwarteten Schicksalsschlägen aufrütteln, bis wir lernen, loszulassen, nur um zu begreifen, dass der Weg das eigentliche Ziel ist und wir endlich im Hier und Jetzt leben sollten. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Arbeiten für den Eisskulpturenpark hatte Robin endlich Zeit, sich mehr um seinen Vater zu kümmern. Nächtelang führten beide tiefe philosophische Gespräche. Er bewunderte seinen Vater für dessen Lebensweisheit und liebte es, jetzt ausgewogene Gespräche über seine früheren Erfahrungen zu führen. Robin erkannte, wie er auch diesen Aspekt zu lange in den Hintergrund gedrängt hatte, nur um der Karriere willen. Dank des erfolgreichen Projektes explodierte auch der Auftrageseingang bei der Isucraft AG. Robin stieg weiter in die Geschäftsleitung auf. Sein Vater war stolz auf seinen Sohn. Als einfacher Fabrikarbeiter hatte er es geschafft, seinem Sohn eine glänzende Ausgangslage für sein Leben zu bereiten. Nach all den Mühen und Leiden, die er ertragen musste, war der Erfolg seines einzigen Sohnes eine große Genugtuung. Auch die zahlreichen Lektionen, mit Feedback umzugehen, ließen Robin langsam zu einem richtig schönen Eisbären mit dickem Fell gedeihen, was den Vater besonders erfreute. Aufgrund all dieser Erfolge konnte er die Unzufriedenheit seines Sohnes ganz und gar nicht verstehen. Öfters versuchte er ihm deshalb gut zuzureden, doch endlich seinen Erfolg zu genießen. „Alles braucht eben seine Zeit“, hatte er ihn immer wieder gelehrt. „Du wirst schon noch deine wahre Berufung finden!“ Doch all das half ihm nichts. Robin jammerte, bis zu jenem kalten Novembertag, als ein Schlüsselereignis vieles ändern sollte. An jenem Abend saß Robin wieder mit seinem Vater vor dem Kaminfeuer, um ein weiteres interessantes Gespräch zu führen.„Worüber unterhalten wir uns denn heute Abend?“ „Lass uns über den Tod sprechen“, forderte ihn seinen Vater auf. Robin schreckte zusammen. Er hatte immer solche Angst vor dem Tod gehabt. Er erinnerte sich an seinen Meister, der vor Jahren blutüberströmt am Strand lag. Der Schock dieses Ereignisses saß ihm immer noch tief in den Knochen. Warum sollte er sich gerade über so etwas Schreckliches unterhalten. „Robin, ich habe heute die Nachricht erhalten, dass ich unheilbar an Krebs erkrankt bin. Die Ärzte geben mir nur noch einige wenige Monate zu leben.“ Robin war geschockt. Die Nachricht traf ihn wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Sein Herz begann zu rasen und er begann am ganzen Körper zu zittern. Sein Kreislauf drohte zu kollabieren. Sein Vater würde sterben! Jetzt schon! Das durfte nicht wahr sein!„Aber können die Ärzte denn gar nichts unternehmen?“„Man könnte vielleicht operieren oder diese sonderbare Chemotherapie anwenden. Letztere ist aber keine Lösung für mich. Sie würde meinen Körper regelrecht vergiften und mein Leben sowieso nur um wenige Monate verlängern. Tja, ich hätte wohl in meiner Jugend mehr Äpfel, insbesondere deren Kerne, essen sollen. Jetzt ist es viel zu spät. Zudem ist der Krebs die logische Konsequenz des Gesetzes von Ursache und Wirkung. In der Vergangenheit musste ich solch großen psychischen Schmerz erleiden und habe mich immer gescheut, meine inneren Konflikte offen darzulegen. All das meistens zum Schutz anderer. Dich wollte ich nicht belasten, da ich dir eine unbeschwerte Kindheit ermöglichen wollte. Das war vielleicht ein kleiner Teil, wo ich mein wahres Selbst nie gelebt habe.“ Robin konnte nicht glauben, mit welcher Gelassenheit sein Vater sein Schicksal zu akzeptieren schien. „Aber Paps, denk doch an mich und Mam. Wir werden ganz allein sein. Was sollen wir nur ohne dich machen? Kannst du nicht trotzdem versuchen mit …“Sein Vater unterbrach ihn mit fester Stimme: „Lass es gut sein. Ich werde im nächsten Leben Gelegenheit erhalten, meine versäumten Lektionen nachzuholen. Komm, setz dich neben mich.“ Robin schritt mit gesenktem Haupt und in tiefer Trauer zu seinem Vater und ließ seinen Körper schwerfällig in den Eissessel fallen. Sein Vater legte eine Tatze auf Robins Schulter. „Es ist nicht meine Aufgabe, dich zu trösten“, begann sein Vater mit gefasster Stimme. „Die Trauer ist ein nobler Charakterzug, besonders wenn wir einen geliebten Menschen verlieren. Aber frage dich, mein Sohn, warum wir Lebewesen trauern. Ist der wahre Grund nicht vielmehr unsere Unfähigkeit loszulassen. Viele trauern nur aus purem Egoismus. Sie betrauern ihren Verlust von Sorglosigkeit. Denn ich frage dich: Was soll ich denn tun? Euch zuliebe hier bleiben, nur um euch vor traurigen Gefühlen zu bewahren. Meine Seele wird bald ihre Lebensaufgabe in diesem Leben erfüllt haben. Und du kannst dir nicht vorstellen, wie sehr sie sich freut, sich endlich ausruhen zu dürfen, um sich mit frischen Kräften für die nächste Lebensaufgabe vorzubereiten.“ „Aber ich habe doch so wenig Zeit mit dir verbracht. Bin nur immer meiner Kariere nachgelaufen und jetzt, wo ich endlich Zeit hätte, wirst du uns verlassen.“ „Wenn du mich wirklich liebst, mein Sohn, dann lässt du mich meinen Weg gehen, genau so wie ich dich immer deinen Weg gehen ließ. Das ist auch der Grund, warum ich selten interveniert habe, wenn du etwas Neues ausprobieren wolltest. Der Wunsch, mich zurückzuhalten, ist nur eine Befriedigung deines verletzten Egos. Es geht gar nicht um mich. Sieh, ich habe immer wieder Verluste in meinem Leben erlitten. Ich habe meine Heimat verloren, verbrachte zehn lange Jahre in einem Zwangslager, habe treue Freunde in der Gefangenschaft sterben sehen. Mein Bruder wurde vom Aufsichtspersonal im Lager ermordet, meine ganze Existenz schien verloren. All diese völlig unerwarteten Verluste haben mich tief getroffen. Aber ich habe gelernt, loszulassen. Hätte ich immer nur diesen Verlusten nachgetrauert, dann hätte ich nie gelebt. Denn Leben heißt, im Hier und Jetzt zu sein, da es das Einzige ist, was du wirklich besitzt. Die Vergangenheit ist vorüber, die Zukunft kennst du noch nicht. Du könntest morgen tot sein. Was nützt dir denn das Nachtrauern über Verluste oder das sehnsüchtige Suchen nach einer unbestimmten Zukunft. Also nimm das, was du wirklich besitzt. Die große Aufgabe hinter der Trauer heißt deshalb loslassen. Wenn du loslässt, kann dir nichts mehr genommen werden. Du wirst frei von Verlusten und übergibst dich voll und ganz der Leichtigkeit des Hier und Jetzt. Das Leben hat mir mit harten Lektionen aufgezeigt, dass ich rechtzeitig loslassen muss. Nicht erst der Tod sollte uns zwingen, endlich aufzuwachen und zu leben.“

Die Worte seines Vaters drangen tief in Robins Herz.

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