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Buch Leseprobe Phantasie und Management, Fritz Maywald
Fritz Maywald

Phantasie und Management



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Zur Einstimmung


Es war einmal .. hoppla, so fangen doch Märchen an? Ich wollte eigentlich kein Märchenbuch schreiben, aber in gewisser Hinsicht ist es eines geworden:


Märchen fangen an mit „Es war einmal ..." und machen daher von vornherein klar, daß das, was in ihnen passiert, was in ihnen geschrieben steht, Realität war und daher jederzeit wieder - hier und jetzt - Wirklichkeit sein kann. Märchen hören auf mit „Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute" und geben damit einen vorsichtigen, versteckten Hinweis darauf, daß die Phantasien, die Wunder, die Unwahrscheinlichkeiten, die Wirklichkeiten, welche in diesen Märchen beschrieben sind, nicht notwendigerweise durch den Tod aufhören, sondern im ewigen Kreislauf des Seins immer wiederkehren, in verschiedener Gestalt, mit verschiedener Energie. Eine schöne Leitlinie für ein Buch.


Also noch einmal von vorne:


Es war einmal ein Mensch mit einem ernsthaften, seriösen Beruf, dem kam plötzlich in den Sinn, ein Buch zu schreiben. Natürlich sollte es ein Buch über ein ernsthaftes Thema werden, ein Stück Management-Literatur. Doch dieser Mensch war - so ernsthaft sein Beruf auch war - keinesfalls selbst so ernsthaft und nüchtern, und so wurde daraus ein Buch mit dem Titel „Der Narr und das Management". Erraten: Dieser Mensch war ich.


Als das Buch fertig geschrieben war und ein Verlag es gefunden hatte (Sie lesen schon richtig, ich habe den Verlag nicht gesucht, sondern der Verlag ist mir gleichsam zu-gefallen noch bevor ich mit der Suche begonnen hatte) machte ich eine ebenso überraschende wie verwirrende Entdeckung: Eigentlich war mir jener Teil des Buches, der vom Narren handelte, weit wichtiger als jener, der das Management zum Thema hatte.


Zu diesem Zeitpunkt war es logischerweise zu spät, aus diesem ersten Buch ein Buch „nur" über den Narren zu machen.


Es ist daher an der Zeit, heute den nächsten logischen Schritt zu gehen - dieser nächste Schritt (das wurde mir sehr schnell klar) ist aber keineswegs ein Buch über den Narren und seine Symbolik, denn das wäre dann wohl ein recht logisches, „linkshirniges" Buch mit sehr viel Recherche und Quellenstudium. Dieser nächste Schritt ist es, den Narren als Wegbegleiter für den Weg ins kreative Bewußt-Sein, für die Anwendung von Phantasie, Kreativität und Intuition im Management und darüber hinaus im täglichen Leben zu wählen.


So entstand dieses Buch, daß sich an alle Menschen wendet, die ihre kreativen Fähigkeiten und Kräfte entdecken, fördern, freisetzen und umsetzen wollen - im Management von Unternehmen, bei der Mitarbeit in einem Unternehmen oder ganz einfach im täglichen Leben. Dieses Buch wendet aber darüber hinaus auch an Trainer und alle, die mit Gruppen arbeiten und soll Denkanstöße liefern, einmal andere, neue, närrische Methoden in der Gruppenarbeit einzusetzen.


Eigentlich geht es weit über das Thema Kreativität hinaus:


Es geht in diesem Buch darum, sich seiner Fähigkeiten bewußt zu werden, sie zu erkennen, akzeptieren, wirksam zu machen, weiterzugeben. Es geht in diesem Buch um Selbst-Bewußt-Sein.


 


So fängt das Märchen an ...


Wahre Märchen werden von Kindern erlebt

und von Greisen erzählt. 


Gerhart Hauptmann


Es war einmal... 


Es war einmal ein König, der herrschte über ein großes Königreich. Dieses Reich war so groß. daß weder er noch sonst irgendwer es überschauen konnte, dieses Reich war so groß, daß nur die Weisesten unter seinen Beratern die Tiere und Pflanzen, die es darin gab, kannten.


Früher einmal, vor so langer Zeit, daß er sich kaum mehr erinnern konnte, hatte dieser König eine Königin, die ihm nicht nur eine Tochter und zwei Söhne gebar, sondern auch als einzige in seinem Königreich alle Wunder und Wirklichkeiten überschauen konnte, die es darin gab. Und es gab damals viele Wunder in diesem Königreich, und sie kannte sie alle, viel besser als es die Weisesten ihrer Berater sie kannten.




Ab-normal und ver-rückt


Um ein tadelloses Mitglied

einer Schafherde sein zu können,

muss man vor allem ein Schaf sein.


Albert Einstein


Ich vermute, daß auch Ihnen von Ihren Eltern, von Ihren Lehrern in der Schule eingebläut wurde: Es gibt Normen, Regeln, Vorgaben, an die man sich zu halten hat.


Das stimmt natürlich - eine Gemeinschaft ohne Regeln kann nicht funktionieren. Was diese Lehrer aber sehr oft übersehen: Alle notwendigen Regeln, die das Zusammenleben in einer Gemeinschaft möglich machen, können auf ganz wenige Grundprinzipien reduziert werden. Wenn wir diese Grundprinzipien in allem, was wir tun und verursachen berücksichtigen, wird dieses Zusammenleben funktionieren.


Einige mögliche Formulierungen und Ausformungen dieser Grundprinzipien finden Sie als Leitgedanken der einzelnen Kapitel dieses Buches. Sie sind in dieser Zusammenstellung und Formulierung ganz bewußt einem uns fremden Kulturkreis entnommen. Ganz bewußt deswegen, weil Beispiele und Leitgedanken aus unserer christlich dominierten Kultur sehr leicht mißverstanden werden, weil sie entweder mißbraucht wurden oder negative Assoziationen wecken. Was nicht heißt, daß diese uns wohlbekannten Leitsätze schlecht sind - wir müssen manchmal nur ihre wahre Bedeutung wieder-erkennen.


 


Vom Anders-Sein


Lebensleitlinie meines Vaters war und ist vor allem: „Ich muß so sein, wie alle anderen, den was würden sich denn die sonst denken!" Ich wurde in meiner Erziehung von dieser Leitlinie geprägt und habe Jahrzehnte gebraucht, die Folgen dieser Prägung zu überwinden und ein Narr zu werden.


Was heißt denn das „So sein wie die Anderen" ?


Liegt denn die moralische Autorität ganz automatisch in der Masse, in der momentanen Mehrheit, in dem, was im Moment „Norm" ist? Ein heikles Thema, denn viele Menschen in Europa haben sehr drastisch erlebt, was alles passieren kann, wenn immer mehr Menschen einem Wahnsinnigen hinterherlaufen und für ihn morden, nur weil er „die Norm" ist. Und viele Menschen auf der ganzen Welt erleben diesen Effekt auch heute noch - denken Sie an „begeisterte" Anhänger autoritärer Regime, denken Sie an die wachsende Macht der Sekten.


Wenn ich dieses Grundprinzip des „nicht anders sein wollens" oder „nicht auffallen wollens" konsequent perfektioniere, dann werde ich wohl notwendigerweise ein Getriebener - ich müßte ja wohl in letzter Konsequenz mir meine eigene Meinung aus der Zeitung mit der höchsten Auflage holen, die Aussagen der regierenden Partei als Dogma nehmen und mich uniformieren im wahrsten Sinn des Wortes - nicht nur in der Kleidung, indem ich mich dem Diktat der Mode unterwerfe oder peinlich darauf achte, möglichst so gekleidet zu sein, daß ich „nicht auffalle".


Ab-normal


Die schöpferische Kraft der Kreativität entsteht immer dann, wenn jemand von der Norm abweicht, also ganz bewußt ab-normal ist. Es ist in unserer Kultur klar, daß dieses Wort negativ belastet ist - man denkt an in Irrenhäuser weggesperrte Geisteskranke. Aber warum muß ab-normal gleich krank sein?


Glauben Sie wirklich - um willkürlich ausgewählte Beispiele zu nennen - es hätte je abstrakte Malerei gegeben, wenn sich alle Maler seit Wassily Kandinskij an die geltenden Normen in der Malerei gehalten hätten? Glauben Sie wirklich, daß irgendwer auf die Idee gekommen wäre, die Erde sei keine Scheibe und nicht Mittelpunkt des Universums? Glauben Sie wirklich, daß Einstein es unter diesen Voraussetzungen auch nur gewagt hätte, über die Relativitätstheorie nachzudenken?


Erzählen Sie mir jetzt bitte nicht, daß Sie ohne abstrakte Malerei, ohne der Erde als Kugel und ohne der Relativitätstheorie ganz gut - oder vielleicht sogar besser - leben könnten. Wenn Sie alles ab-normale, von der jeweils geltenden Norm abweichende als schlecht verwerfen, werden Sie sich nackt in einer Höhle vorfinden - und keine Chance habe, je Ihr Steak gebraten zu essen.


Ver-rückt


Dazu ist es ja wohl nur ein kleiner Schritt: Alle jene, die von der Norm abweichen, für verrückt zu erklären und zu ignorieren oder zur Sicherheit von der Menschheit fernzuhalten. Sicher - alle die dem Beispiel ihres inneren Narren folgen sind ver-rückte im wahrsten Sinn des Wortes: Der Fokus ihres Bewußt-Seins liegt meist anderswo als beim „Durchschnitt", ist von der Norm ab-gerückt - ver-rückt eben.


Sie werden es merken: Wenn Sie wenigstens einige der Empfehlungen dieses Buches befolgt haben, werden ihnen viele Dinge und viele Menschen, die sie bisher für verrückt gehalten haben, plötzlich ganz normal vorkommen.


Ganz so einfach ist es nicht


Ganz so einfach ist es aber nicht, denn: Es gibt professionelle Ver-rückte, die ihre Verrücktheit gekonnt spielen, als „Masche" pflegen, weil sie „gut ankommt" und sie bekannt gemacht hat. Das sind keineswegs echte Narren im Sinn dieses Buches, das sind verkleidete ganz normale Menschen, die meist Probleme genug haben, mit ihrem aufgesetzten Image zurechtzukommen. Mehr über verkleidete Narren im nächsten Kapitel.  


Es gibt keine Grenzen


Man kann niemanden überholen,

wenn man in seine Fußstapfen tritt.


Francois Truffaut


Das erste, was es zu erkennen gibt ist abermals eine Tatsache, die man uns in unserem Erziehungsprozeß meist beharrlich verschwiegen hat: Es gibt keine Begrenzungen.


Oder - präziser formuliert - wir machen uns unsere Begrenzungen selbst, stellen Mauern auf, wo keine sein müssen, nehmen Negativaussagen - „Das kannst Du nicht" - als Dogma. Völlig klar: Wenn wir diese Begrenzung als unleugbare, unwiderlegbare Tatsache nehmen, dann bleiben wir auch in diesen willkürlichen Grenzen. Wie ein Schaf in seiner Herde, um die der Hüterhund herumläuft, um sie zusammenzuhalten.


Haben Sie schon einmal so eine Schafherde beobachtet? Die Schafe akzeptieren, daß der Hund bestimmt, wohin sie zu gehen haben, und tun es auch. Obwohl die meist recht kleinen Hüterhunde große Probleme hätten, wenn auch nur ein Schaf beschließen würde, diese Grenzen, diese Regeln nicht mehr zu akzeptieren. Erstens ist es weit größer wie der Hund - und zweitens würde sich der Schäfer hüten, eines seiner Schafe vom Hund beißen zu lassen. Aber Schafe bleiben offensichtlich gern in der Herde, und so haben es die Hunde leicht.


Dasselbe von einem anderen Blickwinkel: Die Hunde wissen, daß Sie Macht über die Schafe haben - und sie wissen es bereits bei ihrer Geburt, ohne daß sie irgendeine Ausbildung hatten. Es gibt einen Film über australische Schäferhunde, da läuft ein winziges Fellbündel, daß gerade erst seine Füße gebrauchen kann, kläffend - nein, eigentlich eher fiepsend - auf ein riesengroßen Schaf zu - und das Schaf folgt ihm, läuft in die Richtung, in die er es treiben will.


Kennen Sie dieses Machtspiel zwischen Schafen und Hunden vielleicht aus Ihrem Unternehmen? Haben Sie vielleicht schon einmal erlebt was passiert, wenn eines der Schafe seine de-mütige Rolle aufgibt und mutig wird?  


Die Farbe Orange   

Beispiel für einen mentalen Spaziergang


Besorgen Sie sich einen Karneol oder einen anderen orangeroten Stein, möglichst einen nicht geschliffenen, verstümmelten, an eine Kette gefesselten, und stellen Sie ihn vor sich hin oder halten Sie ihn in der Hand, wenn Sie sich jetzt auf diese Reise begeben.


 


Setze oder lege Dich bequem hin und finde eine Position, die für Dich angenehm ist und paßt. Geh mit Deiner Aufmerksamkeit in Deinen Atem, beobachte, wie er fließt, beobachte, wie sich Deine Lungen mit Atem füllen und wieder leeren. Ist Dir bewußt, daß erst diese Leere es möglichst macht, daß neue Luft hineinströmen kann?


Bleib mit Deiner Aufmerksamkeit bei Deinem Atem und immer dann, wenn Du ausgeatmet hast, mach eine kleine Pause, ohne Anstrengung, ohne Zwang, gerade so lang, daß Dir diese Leere bewußt wird, daß Du nachher umso befreiter einatmen kannst. Halte diesen Atemrhythmus - einatmen, ausatmen, Pause, einatmen, ausatmen, Pause, einatmen - eine Weile durch und atme dann wieder frei und ohne Pause.


Wie fühlst Du Dich jetzt? Hat sich irgendetwas in Deinem Körper verändert, fühlt sich irgendetwas anders an?


Versetzte Dich in Deiner Phantasie unter einen großen Baum mit mächtiger Krone, vielleicht eine Eiche oder eine Ulme. Wie Du so unter diesem Baum sitzt oder liegst, kannst Du seine Energie spüren, spürst gleichsam seinen Puls durch Deinen ganzen Körper.


Gleich neben diesem Baum entspringt eine Quelle und es steht Dir frei, einen Schluck von diesem klaren Wasser zu nehmen, Dir das Gesicht zu waschen oder Dich der Länge nach in das kleine Bächlein zu legen, das von der Quelle wegfließt.


Wenn Du wieder zu Deinem Baum zurückgekehrt bist überlege, wer der letzte Mensch war, dem Du vor diesem Spaziergang begegnet bist, dem Du nahe gekommen bist, mit dem Du Kontakt aufgenommen hast. Und denke darüber nach, was dieser Mensch für Dich bedeutet, was Du für dieses Menschen bedeutest, ob es nur eine flüchtige Begegnung war oder ob sie sich wiederholen wird.


Und wenn es für Dich angenehm ist, komme wieder zurück von dieser Reise, öffne die Augen, atme einige Male tief durch und strecke den Körper.


 


Stellen Sie Ihren Stein auf einen gut sichtbaren Platz, möglichst weit entfernt von Elektrogeräten, vielleicht ans Fenster, damit er neue Energie aufnehmen kann.   


Beispiel für eine Übung:

Weniger ist mehr

Vom weg-lassen und zu-lassen


Anmerkung zu Beginn


Diese Übung eignet sich besonders für die Arbeit mit Kleingruppen von bis zu 12 Teilnehmern, kann aber auch - entsprechende Selbstdisziplin vorausgesetzt - alleine durchgeführt werden.


Vorbereitung


Kleben Sie einen großen Bogen weißes Packpapier (oder ein ähnlich rauhes Papier) mit Kreppband so auf den Tisch, daß Sie auf Ihrem Sessel sitzend in bequemer Haltung die gesamte Fläche des Papiers erreichen können.


Wählen Sie aus Wachskreiden - weiche, breite Stifte eignen sich weit besser als hochwertige Wachsstifte aus dem Künstlerbedarf - drei Farben aus und legen Sie diese Stifte auf das Blatt.


Legen Sie eine CD auf, möglichst eine, die Sie noch nie gehört haben, auch für diese Übung eignet sich Instrumentalmusik, die keine vordefinierten Assozationen weckt, besonders gut.


Durchführung


Setzten Sie sich nieder, verbinden Sie Ihre Augen (damit Sie nicht in Versuchung kommen, zu schauen) und machen Sie es sich bequem. Ertasten Sie die Grenzen des Papiers mit Ihren Händen, atmen Sie einige Male tief durch und nehmen Sie dann, wenn es für Sie paßt, einen der Stifte in die Hand (vermutlich haben Sie zu diesem Zeitpunkt schon vergessen, welche Farbe er hat, und das ist gut so!). Zeichen Sie, einfach so, ohne Zwang, lassen Sie es einfach zu, daß sich der Stift über die Fläche bewegt. Es ist belanglos, ob Sie das Blatt in seiner ganzen Größe ausnutzen, es ist ebenso belanglos, ob Sie nur einen kleinen Ausschnitt verwenden. Wechseln Sie den Stift, wenn es für Sie paßt, und malen Sie solange weiter, bis es für Sie richtig ist, aufzuhören. Bleiben Sie noch eine Weile mit verbundenen Augen sitzen, nehmen Sie dann die Augenbinde ab und betrachten Sie das Ergebnis.


Anmerkung für Gruppenleiter


Wenn Sie diese Übung mit einer Gruppe machen, weisen Sie die Teilnehmer an, ihre Augen auch dann noch verbunden zu lassen, wenn Sie fertig sind. Wenn Sie sehen, daß der Großteil der Teilnehmer aufgehört hat, zu Zeichnen - spätestens aber nach etwa zwanzig Minuten - weisen Sie die restlichen Teilnehmer sanft darauf hin, langsam zum Schluß zu kommen. Sind alle Teilnehmer fertig, lassen Sie sie die Augenbinden abnehmen. Ich halte es für falsch, wenn jetzt jeder mehr oder weniger mühsam sein Werk interpretiert - die Teilnehmer sich einfach zuerst das eigene Bild und dann alle anderen Bilder ansehen - und dann vielleicht erzählen, was sie bei dieser Übung gefühlt haben.


Anmerkung zum Schluß



  • Wie haben Sie sich bei dieser Übung gefühlt?

  • Was war angenehm, was hat Sie vielleicht beunruhigt?

  • Was ist anders an diesem Bild gegenüber Bildern, die Sie früher gemalt haben?

  • Wann haben Sie das letzte Mal ein Bild gemalt?


Hängen Sie sich Ihr Bild - oder einen beliebigen Ausschnitt davon an die Wand, stecken Sie es aber achtsam in einen schönen Rahmen, denn es ist IHR Kunstwerk!


Worum geht es?


Dadurch, daß Sie nicht sehen, was Sie zeichnen, sind Sie gezwungen, einen Teil der Kontrolle über das Ergebnis aufzugeben, mehr aus Ihrem Gefühl heraus zu zeichnen, das Ergebnis nicht ständig mit irgendwelchen „vorgefertigten"  Bildern zu vergleichen, nicht ständig zu bewerten, ob das Bild Ihren Vorstellungen von „schön" entspricht.


Gerade bei kreativen Prozessen - egal ob auf künstlerischer Ebene oder im Unternehmen - habe ich immer wieder die Erfahrung gemacht, daß es einfacher wird, kreative Kräfte freizusetzen, wenn ein Teil unserer Sinne nicht eingesetzt werden kann. Dadurch, daß die Augen verbunden sind, werden auch diejenigen, die sonst immer exakte gerade Linien zeichnen dazu gebracht, frei zu malen, wagen es auch diejenigen, die bis jetzt behauptet haben „nicht zeichnen zu können", frei zu malen.


Zum Schluß


Wenn ein Lehrer bereit ist, wird ein Schüler erscheinen.

Serge Kahili King


Ich gehe am Ende dieses Buches wieder zu meiner Bemerkung im Vorwort zurück:


Wenn Ihnen einige Methoden, Denkmuster, Weltbilder in diesem Buch bekannt vorgekommen sind, so ist das gut. Der Ursprung, der Ur-Sinn unseres Seins muß ja wohl ein gemeinsamer sein, daher werden sich auch die Grundprinzipien unterschiedlicher Kulturkreise ähnlich sehen, sofern sie nicht irgendwann zensuriert, manipuliert, verfälscht wurden.


Wenn Ihnen einiges in diesem Buch fremd vorgekommen ist oder Ihren Widerspruch hervorgerufen hat, so ist das auch gut - denken Sie darüber nach, wieso gerade diese Stellen bei Ihnen Emotionen auslösen, denken Sie darüber nach, ob nicht auch diese Stellen in Ihr Weltbild passen oder ob es sich vielleicht sogar lohnt, eines Ihrer Denkmuster zu ändern, um solche vorerst scheinbar sperrigen Gedanken, Ideen, Prinzipien anzunehmen und zu lösen.


Wenn Sie an einen Lehrer geraten, der einen schmalen Ausschnitt der Wirklichkeit predigt und zum Dogma erhebt - und Ihnen vermutlich klar zu machen versucht, daß nur dieser Ausschnitt und sein Weltbild das allein selig machende ist - dann sollten Sie von ihm weggehen. Wesentlich ist, daß Sie das für Sie selbst in derzeitigen Stadium Ihrer Entwicklung passende Weltbild finden, ohne Zwang, ohne Druck, ohne Quälerei und Manipulation. Und auf ebensolche Weise werden Sie auch den richtigen Lehrer für den richtigen Zeitpunkt finden - und er Sie.


So schlage ich Ihnen vor, sich nach Lektüre dieses Buches sich auch diese Teile, Denkanstöße, Übungen herauszuholen, die heute für Sie passen - vielleicht ist der richtige Zeitpunkt für die anderen Teile schon vorbei, vielleicht kommt er erst.


Wirksamkeit ist das Maß der Wahrheit, nichts sonst.


Und noch einmal zum Schluß:


Wenn Sie aufgrund der Lektüre dieses Buches etwas für Ihren inneren Narren tun wollen, dann beginnen Sie jetzt damit, egal wie klein dieser erste Schritt auch ist. Es muß nichts sein, was in diesem Buch vorkommt - gehen Sie einfach Ihren ganz persönlichen Weg.


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