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Ratgeberbücher
Buch Leseprobe Nikotinteufelchens Logbuch, Jens Olbrich
Jens Olbrich

Nikotinteufelchens Logbuch


Logbuch über die Flucht aus der Sucht

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1. VORWORT – GESCHRIEBEN NACH DEM PROBEABO


 


Wenn du das hier liest, habe ich mein Nichtraucher-Probeabo überlebt … und du hast zumindest darüber nachgedacht, auch eins abzuschließen! Lass‘ es bitte sein. Wo kommen wir denn hin, wenn plötzlich „alle Welt“ mit dem Rauchen aufhört? Vielleicht auch noch nur deshalb, weil es gerade Mode ist? Also echt jetzt, ich habe als frisch gebackener Nichtraucher nicht die geringste Lust, den dann auch noch von dir mitverursachten milliardenschweren Steuerausfall des Bundes mit zu kompensieren! Wenn dir Steuern und Bund egal sind und du es trotzdem versuchen willst, betrachte dieses Büchlein bitte keineswegs als Ratgeber, wie es garantiert und zu 100 % klappt, mit dem Rauchen aufzuhören. Wenn dir mein anfänglich streng geheim geführtes Abenteuer-Tagebuch dabei hilft, fein. Wenn nicht, tja, dann … kleiner Tipp: Dann hast du es nicht wirklich gewollt! Wie auch immer, auf den folgenden Seiten kannst du mitverfolgen, was mir bei meinem substanziell das Lebensgefühl verändernden Experiment so durch den Kopf ging. Du erfährst, wie ich mich dabei fühlte, meine Komfortzone zu verlassen, und du hörst von Episoden und Gesprächen, die diese gravierende Änderung meines Lebenswandels so mit sich brachten. Versteh’ das Buch als mit persönlichen Gedanken gespickten Erfahrungsbericht über einen außerordentlich riskanten Selbstversuch, dessen Erfolgsaussichten ich selbst eingangs gerade mal als „maximal mittelprächtig“ einstufte. Wobei selbst diese Bewertung schon mehr als optimistisch berechnet war und nur daher so geschah, weil ich nun mal ein unverbesserlich positiv denkender Mensch bin! Das Probeabo war jedenfalls eine geniale Idee. Es bot mir die Option, innerhalb von zehn Wochen zu prüfen, ob diese Nichtraucherei wirklich gut für mich war. Es hätte ja passieren können, dass die Nikotin-Abstinenz mich langweilte und mir nichts von dem brachte, was ich mir von ihr versprach. Auch eine Katastrophe, Ärger, kurz ein Schlüsselereignis, welches einen fatalen Kurzschluss in mir und damit das Ende des Experiments bringen konnte, schloss ich nie aus. Die Möglichkeit jederzeit zu sagen, ich fange wieder an, hielt ich mir jedenfalls offen. Und genau das solltest du auch tun. Natürlich hatte ich im Hinterkopf, dass ich ein Idiot sein würde, wenn ich nach 70 zum Teil wirklich qualvollen Tagen sagen würde, ich fange wieder an. Aber abgesehen davon, dass ich in der Hinsicht des Wiederanfangs schon einmal ein Idiot war, erleichterte mir diese Zeitbegrenzung – auch wenn diese Selbstsuggestion nie zu 100 % klappt! – meinen inneren Schweinehund anfänglich getreu dem Motto einzulullen, dass es ja nicht für immer sein würde. Die zehn Wochen wählte ich übrigens als Frist, weil ich von erfolgreichen „Aufhörlingen“ sowie im Freundeskreis gehört hatte, dass es danach mit den fast schon brutalen Suchtschüben besser wird. Oder, mit anderen Worten gesagt, ist das Nikotinteufelchen dann bereits so sehr geschrumpft, dass es zwar gelegentlich noch wagt aufzumucken, aber einem festen Willen, so er denn dann noch da oder inzwischen gewachsen ist, nicht mehr gefährlich werden kann. Aber Stopp, jetzt bin ich doch tatsächlich schon etwas zu weit vorgeprescht. Zeitbegrenzung, Abo und Nikotinteufelchen, das kennst du ja alles noch gar nicht. Das wollte ich eigentlich auch erst etwas später vorstellen …


 


PS: Was mir dabei half, die zehn Wochen durchzustehen, habe ich am Ende des Büchleins in Form einer Liste zusammengefasst. Es ist gewissermaßen ein Resümee, eine Hitliste der wichtigsten Tipps dafür, diesen die eigene Genusssucht auf drastische Weise bedrohenden Selbstversuch an einem anderen Ort mit anderen Probanden zu wiederholen. Und wenn das tatsächlich geschehen sollte, denke immer daran: „Man muss nicht, aber man kann – wenn man wirklich will!“


 


PPS: Bevor ich auf die erzdumme Idee komme, mir wieder eine Zigarette in den Mund und dann anzustecken, lese ich mir meine Notizen selbst noch einmal durch. Nur um mich daran zu erinnern, was ich aufgebe, wenn ich wieder anfange zu rauchen.


 


PPPS: So, jetzt geht es ans Eingemachte. Natürlich habe ich meine Notizen mehrfach durchgelesen, sie korrigiert und lektoriert. Ich hatte mit mir gerungen, einige Gedanken anders zu ordnen und umzuschreiben – merkte dann jedoch, dass gerade diese scheinbar regellose Aneinanderreihung von Gedanken und Informationen genau den Gefühlen entsprach, die mich beherrschten, mit denen ich mich auseinandersetzte. So chaotisch sah es tatsächlich in mir aus. Widersprüchlich, mal zuversichtlich, im Moment darauf schon wieder pessimistisch, mal trotzig … und so weiter. Vor allem ganz am Anfang und dann noch einmal, nachdem ich meinem Körper die Nikotin-Ersatzmittel gestrichen hatte. Ich beließ es daher, wie es war und glättete nur etwas, behielt jedoch den Kern der Aussagen bei.


 


DER ABEND VOR DEM „WELTUNTERGANG“


 


Morgen würde es soweit sein. Morgen würde der Tag beginnen, der alles änderte … ich meine natürlich, an dem ich mich zu ändern beginnen würde. Tage können bekanntlich nichts ändern, das können nur wir selbst. Beeinflusst durch Ereignisse, die an ihnen geschehen oder die wir in Gang setzen. Ich war vorbereitet. Die biochemischen Suchtattacken meiner Entwöhnungstortour wollte ich anfangs mit einem nikotinhaltigen Ersatzmittel der Pharmaindustrie bekämpfen und dann in den „freien Flug“ übergehen. In einem Schrank im Bad hatte ich noch einen kleinen Vorrat davon. Nikotin-Pflaster, explizit hergestellt für die Aufrechterhaltung des Nikotinspiegels und der Werbung nach hilfreich bei Anläufen dieser Art. Es handelte sich um Restbestände meiner letzten Aktion und sie waren sicherlich bereits hoffnungslos überlagert. Zum Glück waren es nicht mehr sehr viele. Sie sollten auch nur für die ersten Tage ausreichen. Wenn ich die durchhielt und es tatsächlich nötig werden sollte, konnte ich den Bestand immer noch auffüllen. Teuren Nachschub gab es in jeder Apotheke. Ich hoffte nur, dass die betagten Pflaster trotz des zeitlichen Verfalls noch wirken würden und die Aktion damit überhaupt eine Chance hatte. Nun, morgen früh würde ich es sehen. Welche Pflaster ich verwende? Das ist egal. Echt, das ist nicht wichtig. Hauptsache die Pflaster oder sonstigen Mittel sind in der Lage, den Nikotinspiegel auf einem brauchbaren Level zu halten, sodass man sich erst einmal um die Änderung seiner restlichen Gewohnheiten kümmern konnte. Die Pillendreher in den staatlich geprüften Medizinausgabestellen beraten da gern. Um unnötige Versuchungen zu minimieren, rauchte ich meine sämtlichen Zigarettenvorräte auf. Zum Schluss hatte ich mir die Kippen sogar schon zuteilen müssen. Sonst hätte es nicht ausgereicht und ich hätte am Abend vor dem großen Ereignis, keinen einzigen dieser Glimmstängel mehr zur Hand gehabt. Die heilige, letzte Zigarette. Ich rauchte sie vorhin. Zugegeben mit Genuss. Und ehrlich, als ich die Fluppe danach mit vor Ehrfurcht fast zittrigen Fingern ausgedrückt und in der Mülltonne versenkt hatte, war das schon ein echt komisches Gefühl. Sentimental, mir war fast weinerlich zumute. Um diese peinliche Gefühlsduselei zu überwinden, kontrollierte ich vorsichtshalber noch einmal jede Tasche, jeden Schrank und jedes Schubfach, wo noch Reserven schlummern konnten. Mehrfach sogar, natürlich ohne Erfolg. Ich fand nichts, was den Start gefährden konnte. Zumindest von dieser Seite her sollte diesmal nichts schiefgehen. Theoretisch war ich gerüstet … und freute mich sogar auf den morgigen Tag, denn das war das, was ich wollte.


 


START INS ABENTEUER


 


1. Tag / mit Nikotinpflaster Status: Ich bin zu neugierig, aufgeregt und unsicher für wirkliche Entzugserscheinungen, fühle mich jedoch hin- und hergerissen.


 


Heute, nebenbei gesagt an einem Mittwoch, startete ich in den 1. Tag meines Nichtraucherabenteuers. Der Tag hatte sich ergeben. Ich wählte ihn nicht etwa, weil er als Mittwoch ein besonderer Wochentag an sich war und somit einen guten Start versprach. Auch nicht, weil die Sterne besonders günstig standen oder eine wahrsagende Hexe diesen Tag beim Lesen in meinem Kaffeesatz auserkor. Ich wählte ihn, weil ich mir schon vor langer Zeit geschworen hatte, genau dann aufzuhören, wenn ich die frisch gedruckten Exemplare der ersten beiden Teile meiner „Luzifer von Beelzebub“ Romantrilogie von meinem neuen Verlag zugesandt bekommen würde. Wenn ich diese, also praktisch meine Bücher, in meinen Händen halten würde, sollte Schluss sein mit Nikotin und Teer geschwängertem Tabakqualm … es war also mehr oder weniger Zufall, dass der Start auf den heutigen Tag gefallen war. Nach dem Aufstehen heute Morgen dachte ich noch, dass bereits kurze Zeit nach dem unwiderruflichen Start des Abenteuers zwangsläufig so etwas wie eine große Leere über mich kommen würde. Ähnlich der geheimnisvollen, düsteren Stille im grenzenlosen Nichts des schwarzen Weltalls würde sie mich umfangen, so dass ich fortan weder etwas hören, noch fühlen oder sehen würde. Ganz so dramatisch war es zum Glück dann doch nicht, denn sonst wäre ich schon etwas später, auf dem Weg in die Firma, mit hoher Wahrscheinlichkeit mit meinem Wagen vor einen Baum gefahren und das Abenteuer hätte schlagartig sein abruptes Ende gefunden. Trotzdem war diese Phase überaus bemerkenswert. Auch wenn sie nur kurze Zeit anhielt, denn schon im Moment darauf überschlugen sich meine Gedanken. Ich und jetzt aufhören mit dem Rauchen. Heiliger Bimbam, das war doch … na ja, zumindest echt krass! Gleich früh am Morgen, noch vor dem Zähneputzen, war das Pharmahilfsmittel zum Einsatz gekommen. Die überlagerten Pflaster mit weit zurückliegendem Verfallsdatum klebten noch ganz gut, rochen jedoch streng nach etwas, was ich mit gutem Willen als Nikotin einstufte. Ob sie noch wirkten, würde der Tag zeigen. Um auf die erste Zigarette des Tages zu verzichten, auf die, die ich immer auf dem Weg zur Garage geraucht hatte – immerhin gigantische 70 Meter! – hätte ich das Pflaster nicht gebraucht. Das war nicht sehr schwer, freudig aufgeregt wie ich war. Der Reiz des Neuen eben. Außerdem dauerte diese Gelegenheit nicht lang, ein paar Minuten nur. Nachdem Garage und Gartentor geschlossen waren, der Motor meines Autos lief und losfuhr, war sie bereits vorbei – die erste gewohnte Situation, in der ich immer geraucht hatte. Im Auto rauchte ich, auch aus Gewohnheit, schon seit Jahren nicht mehr. Nichts konnte schiefgehen, nichts konnte mich stoppen … oder? Verdammt auch, natürlich doch. Immerhin könnte ich unterwegs auch anhalten und aussteigen. Zum Beispiel an diesem Supermarkt, der da gleich rechterhand auftauchen würde. Die Vorstellung manifestierte sich bereits. Etwas in meinem Hirn gaukelte mir vor, wie toll es doch wäre, jetzt da anzuhalten. In wenigen Minuten könnte ich die bereits aufkommende Qual lindern, eventuelle Panikattacken vermeiden und den würzigen Rauch einer Zigarette schmecken. Und dabei würde ich nicht einmal mein Gesicht verlieren, denn niemand wusste von meinem Vorhaben. Still und heimlich hatte ich es begonnen. Oh verflucht, irgend so ein sentimentaler Phrasendrescher in meinem Kopf kannte mich offenbar genau! Er wusste, wo er die Hebel ansetzen musste, welche Bilder er mir zeigen musste. Und das tat der Mistkerl gnadenlos! Mit Müh‘ und Not, wohl auch immer noch gestärkt vom nachwirkenden Reiz des Neuen, widerstand ich, hielt nicht und fuhr weiter. Und plötzlich, siehe da, kaum dass ich nur ein paar Meter an der Einmündung vorbeigefahren war, schwieg diese dubiose Stimme. Ein erstes Gefühl des Stolzes machte sich in mir breit. Das Beste war natürlich, dass dieses Gefühl nicht nur für die restliche Fahrzeit bis zur Firma anhielt, sondern auch gleich noch auf dem Weg vom Parkplatz bis ins Büro – einer weiteren Gelegenheit, die ich zuweilen für eine Zigarette genutzt hatte. Dann jedoch, einige Zeit später, rückte die Zeit der ersten Pause näher. Und mit ihr das rituelle Rudelrauchen draußen auf der sommerlich warmen Laderampe. Verdammt auch, spätestens dann musste ich Farbe bekennen. Doch wollte ich das wirklich? In wenigen Minuten gab es kein Zurück mehr, denn wenn meine Kollegen erst einmal gesehen hatten, dass ich nicht rauchte, wurde mein verwegener Aufbruch in nikotinfreie Gewässer öffentlich bekannt und wurde damit zum aktenkundig registrierten Versuch deklariert, der eingeschworenen Suchtgemeinde zu entkommen. Mit bangen Gefühlen folgte ich den Kollegen die Treppe hinunter. Beinahe auf jeder Stufe fragte ich mich erneut, war verunsichert, kämpfte mit mir. Immerhin konnte ich die unglückselige Sache noch abbiegen, die Pinne des Ruders herumreißen und die Segel unauffällig aus dem schon eingeleiteten Wendemanöver heraus wieder auf den alten, bequemen Kurs stellen, mit anderen Worten einfach nach einer Zigarette fragen. Meine konnte ich ja heute ausnahmsweise einmal vergessen haben. So etwas passierte. Und mal ehrlich, so gut wie kein gestandener Raucher zeigt sich knickrig, wenn es darum ging, einem Bruder im Geist der rauchenden Genusssucht wohlwollend aus der Patsche zu helfen. Außer vielleicht, wenn gewisse Muster die Ausnutzung dieser Hilfsbereitschaft und damit den parasitären Schnorrer erkennen lassen. Natürlich gab es, wenn auch selten, auch unter den Rauchern Geizhälse, welche solche Notlagen intolerant zugunsten von ein paar eingesparten Cent ignorierten, damit aber gegebenenfalls bei einem eigenen Engpass riskierten, dass man mit ihm ebenso verfuhr … Allerdings gab es die hier in der Firma nicht! Ich entschied daher, meinen Kurs weiterzusteuern, die Karten aufzudecken und mich der neuen Situation zu stellen. Erstaunlicherweise kam es zunächst nicht zu den erwarteten Reaktionen. Wahrscheinlich maß ich selbst der Sache auch viel zu viel Bedeutung bei. Dabei war es tatsächlich, real und aus nächster Nähe betrachtet, sowohl aus Sicht des Universums als auch in den Augen des Rauchrudels komplett bedeutungslos, ob ich nun rauchte oder eben nicht. Mehr als der lapidare Kommentar: „Du fängst ja eh wieder an!“, kam somit nicht. Dass es dabei nicht bleiben würde, war mir jedoch auch klar. Der Morgen würde vorübergehen, die Neuigkeit würde sich verbreiten und verarbeitet werden. Und dann würden Fragen kommen. Die gewonnene Galgenfrist musste ich nutzen … also, verdammt nochmal, warum wollte ich eigentlich aufhören? Ich brauchte irgendetwas Cooles, was meinen Schritt plausibel begründete und vorerst nicht allzu viel Spielraum für tiefergehende Erörterungen zuließ – denn zu weit wollte ich mich bei meinem derzeitigen „Erfolgsstadium“ noch nicht aus dem Fenster beugen. Das klingt jetzt sicherlich irgendwie so, als ob ich die Rauchstopp-Entscheidung doch urplötzlich getroffen, mich nicht schon Wochen zuvor darauf vorbereitet hätte. Was natürlich gar nicht funktionieren würde. Um nicht zu sagen, dass es ohne mentale Vorsorge unmöglich wäre … ich wusste natürlich warum … grundsätzlich zumindest … Ein Motiv musste her, und zwar ein gutes! Eine gute Ausrede, die auch gestandene Raucher – und nebenbei auch immer wieder mich selbst! – davon überzeugten, dass mein Vorhaben Hand und Fuß hatte. Die schockierenden Bilder auf den Verpackungen gingen auf keinen Fall! Die mit Ekelfotos suggerierte Bedrohung der Gesundheit war, wie inzwischen mehrfach journalistisch aufgedeckt, eine mit Bildbearbeitungssoftware manipulierte Fake-News. Also echt, liebe Politiker, diese Bilder, die ihr dem auf einem Camel® West®-wärts reitenden Marlboro® Cowboy per Gesetz verpflichtet habt, auf Schachteln und Päckchen zu kleben und zu drucken, sind nicht abschreckend. Sie sind, zugegeben, zuweilen unappetitlich, eben gut verfälscht, aber nicht abschreckend und geben daher kein gutes Motiv ab. Nicht einmal der schlechteste Krimiautor würde sie als Anstoß für auch nur irgendeine Aktion verwenden. Gut, zugegeben, immerhin führten sie dazu, dass eine neue Marktlücke für Sticker entstand, die einige Raucher für ein paar Cent kaufen und dann über diese Ekelbilder kleben. Aber zum großen Geschäft wird das wohl eher nicht, denn die meisten Tabakkonsumenten ignorieren diese unästhetischen Minikunstwerke ganz einfach. Also was dann? Bockigkeit funktioniert häufig bei mir, hält aber als Motiv meistens nicht lange vor. Geld? Ja, okay, das ginge. Immerhin werden Zigaretten und Tabak dank der heuchlerischen Steuerpolitik immer teurer. Wann, liebe Politiker, war eigentlich der Tag, an dem sich das Blatt wendete und an dem die Lobbyisten der Pharmaindustrie mehr boten, als die von der Tabakindustrie? Das ließe sich sicherlich leicht feststellen. Das müsste ja in die Zeit zurückfallen, als urplötzlich die Steuern auf Rauchwaren mehr als deutlich anwuchsen und damit als Anteil des Preises größer wurden, als ihr Material- und Herstellungswert plus Gewinnspanne für Hersteller und Händler. Zeitlich fiel das sicherlich mit dem Datum zusammen, als urplötzlich die zuweilen militant anmutende Antiraucherbewegung im Staat „bemerkt“ und damit wirksamen politischen Rückenhalt bekam … Aber das sind nur Vermutungen. Sollte ich vielleicht offen und ehrlich einfach mein ursprüngliches Motiv nennen? Freiheit? Ich meine abgesehen davon, dass Ehrlichkeit zwangsläufig den geringsten Energieverbrauch beim Ersinnen von Ausreden verursacht, war der Begriff Freiheit natürlich ein unschlagbar starkes Motiv. Mein Ur-Motiv sozusagen.


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