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Buch Leseprobe Niemandsland, Tamara Pirschalawa
Tamara Pirschalawa

Niemandsland


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Auszug aus Teil I:


 


Während meiner leidvollen Erfahrungen mit meinem letzten alkoholkranken Partner habe ich mich intensiv mit dem Thema Co-Abhängigkeit auseinandergesetzt und konnte so einige Verstrickungen und Verwicklungen meines Gefühlslebens für mich aufklären und entsprechend be- und verarbeiten. Dabei wurde mir erst so richtig bewusst, wie stark der Einfluss der Vergangenheit auf das spätere Leben eines Menschen und sein Verhalten ist und wie leicht sie sich mit der Gegenwart und der Zukunft verknüpfen kann, wo sie sich im ungünstigsten Fall festbeißt wie ein tollwütiger Hund. Leider ziehen viele Menschen einen Schlussstrich unter ihre Vergangenheit, ohne sie zu verarbeiten. Sie sind der Meinung, dass Vergangenes sowieso nicht mehr zu ändern ist und dass nur noch die Zukunft zählt. Vergangenheit ist jedoch auch Gegenwart und Zukunft, denn das, was man einmal erlebt hat, ist der Schatten, der Wegbegleiter, der nie wieder von unserer Seite weicht. Die Vergangenheit hat uns geprägt, also das, was wir durchgestanden haben, was uns geschmerzt hat, was wir verloren oder gewonnen haben, die Kämpfe, die wir austragen mussten, die Enttäuschungen, aber auch die Freude, das Glück und die Hoffnungen, die tief in uns verwurzelt waren und vielleicht noch sind. Diese Erlebnisse und Erfahrungen sind das Fundament, auf dem wir stehen und das uns heute und auch in Zukunft tragen muss. Besteht dieses Fundament überwiegend aus ungelösten Konflikten, die ihre Ursache in der Kindheit haben, dann befinden sich viele erwachsene Menschen in der Situation, diese Konflikte zwanghaft wiederholen zu müssen. So lange, bis sie gelöst sind – oder man daran zerbricht. Für einen Außenstehenden ist eine entsprechende Handlungsweise wie zum Beispiel das Festhalten an widrigen Lebensumständen oder an einem unmenschlichen Partner weder nachvollziehbar noch verständlich. Schnell unterstellt man ein freiwilliges Handeln, erst recht, wenn jeglicher Rat, diese Situation zu ändern oder diese Beziehung zu beenden, nicht befolgt wird. Erlebt man jemanden wie die eingangs beschriebene Frau des Alkoholikers, dann sieht man nur das, was offensichtlich scheint – die Not, die dahintersteckt, wird übersehen. Ist eine Frau „freiwillig” mit einem brutalen Mann oder Alkoholiker zusammen, so ist sie aus der Sicht von Außenstehenden „selbst schuld”. Objektiv betrachtet kann eine Frau einen solchen Mann doch gar nicht lieben und freiwillig bei ihm bleiben. Sie ist vielleicht hübsch, intelligent und lieb – und sollte es somit leicht haben, einen anderen Partner zu finden, einen, den sie nicht ändern muss und der ihr Leben bereichert. Doch man kann hier keine normalen Maßstäbe ansetzen. Tatsache ist, dass die Frau nicht in der Lage ist, sich einfach von ihrem Partner zu lösen, da sie unter einer Suchterkrankung leidet: Sie ist co-abhängig. Wenn der Verstand durch Zwänge oder Süchte verschleiert ist, neigt man unweigerlich zu Fehlentscheidungen oder selbstschädigenden Verhaltensweisen, denn man folgt nicht dem Verstand, sondern verfällt dem Zwang oder der Sucht.


 


Auszug aus Teil II:


 


Mehrere Jahre lang teilten mein Bruder und ich uns ein Zimmer. Oft war meine unaufgeräumte Zimmerhälfte der Anstoß für ihn, mich zu schlagen. Doch er fand noch weitere Anlässe: Aus mir unerfindlichen Gründen drehte mein Bruder immer regelrecht durch, wenn ich eine Freundin oder einen Freund mit in unsere Wohnung nahm. Eine Freundin von mir musste sich einmal unter einem Tisch verstecken, damit er sie nicht bemerkte, als er nach Hause kam. Leider hatte er aber im Flur ihre Schuhe gesehen, daher wusste er, dass jemand da sein musste. Wutentbrannt kam er in unser Zimmer, warf ihre Schuhe auf den Boden und fragte zornig, wem sie gehörten. Kurz darauf entdeckte er meine Freundin, blaffte sie an, dass sie die Wohnung verlassen solle, und gab mir eine schallende Ohrfeige. Ein anderes Mal hatte ich einen Freund zu mir eingeladen. Da klingelte jemand an der Tür. Durch den Spion sah ich, dass es mein Bruder war, der offensichtlich seinen Schlüssel vergessen hatte. Ich wollte so tun, als ob ich nicht zu Hause war, damit mein Bruder nicht erfuhr, dass ich jemanden mit in die Wohnung genommen hatte. Leider bekam mein Freund Angst, weil er wusste, dass mein Bruder brutal war. Er wollte die Tür öffnen, um zu fliehen. Ich versuchte, ihn davon abzubringen. Mein Bruder hörte uns und schrie: „Mach sofort auf oder ich bringe dich um.“ Ich bat ihn daraufhin durch die geschlossene Tür, mir nichts zu tun, und verlangte das Versprechen, mich nicht zu schlagen, wenn ich gleich öffnen würde. Er versprach es mir, worauf ich ihn in die Wohnung ließ. Während mein Freund voller Panik wegrannte, nahm mein Bruder einen dicken Bambusstock, der im Flur einen Gummibaum stützte, und verprügelte mich damit. Normalerweise schlug er mich mit Händen und Fäusten oder er presste meinen Kopf zwischen seine Beine und drückte so lange zu, bis ich ein Rauschen in den Ohren hatte und nach Luft ringen musste. Bei diesen Vorfällen lag ich immer recht schnell auf dem Boden und schlug meinem Bruder gegen die Beine, womit ich natürlich nichts ausrichtete. In den ersten Jahren habe ich während der Misshandlungen noch geschrien. Damit unsere Nachbarn meine Schreie nicht hören konnten, holte er jedes Mal schnell meine Bettdecke und presste sie auf meinen Kopf, und zwar so lange, bis ich vor Atemnot keinen Ton mehr von mir geben konnte. Eines Abends gegen 22.00 Uhr, es war Wochenende, lag ich in meinem Bett und las ein Buch. Ich war vierzehn oder fünfzehn Jahre alt und hatte inzwischen ein eigenes Zimmer. Da kam mein Bruder und befahl mir, das Licht auszumachen. Ich erwiderte, es sei doch noch gar nicht spät, ich könne am nächsten Morgen ausschlafen und wolle nur noch ein wenig lesen. Daraufhin verprügelte mein Bruder mich und ging anschließend aus meinem Zimmer. Ich hielt es nicht mehr dort aus und wollte einfach nur weg. Damit meine Eltern Bescheid wussten, schrieb ich auf einen Zettel, dass ich bei meiner Freundin übernachten würde, die im selben Haus wohnte wie wir. Dann verließ ich ungesehen die Wohnung. Als ich bei meiner Freundin war, erzählte ich ihrer Mutter, was gerade geschehen war. Da sie in dieser Hinsicht schon einiges mitbekommen hatte, sagte sie zu mir: „Wenn das mein Sohn wäre, den hätte ich schon längst rausgeschmissen!“ Wirkliche Unterstützung konnte ich von dieser Seite nicht erwarten, denn sie sprach meine Eltern nie auf das an, was mein Bruder mir antat – sie wollte sich heraushalten. Immerhin durfte ich bei meiner Freundin schlafen. Dass ich in dieser Nacht nicht zu Hause war, blieb von meinen Eltern unbemerkt.


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