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Buch Leseprobe Milchzahn, die Zweite, Thomas Scholtyssek
Thomas Scholtyssek

Milchzahn, die Zweite


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Kapitel 2 | Und Action: Drama, Baby!



So, da bin ich wieder. Gut ausgeruht und aufgelegt zum Plaudern. Und jetzt erzähle ich euch, wie ich meine Geschichte erlebt habe!
So richtig wichtig wurde ich für meine Eltern schon, als ich noch gar nicht auf der Welt war. Gut im Bauch meiner Mama verstaut, hörte ich gedämpft meinen Papa irgendetwas von »Stichtag des neuen Elterngeldgesetzes am 1. Januar« und »Silvester« erzählen. Wer sich nun wundert, dass ich das gehört habe, weil er denkt, dass Babys im Mutterleib völlig taub seien, den kläre ich hier gleich mal auf: Ungefähr ab dem fünften oder sechsten Monat können wir alles mithören, was draußen geredet wird, weil unser Gehör zu diesem Zeitpunkt schon ziemlich gut entwickelt ist. Falls dies gerade eine zukünftige Mama liest: Besonders die Stimme unserer Mutter erklingt für uns glasklar. Also, liebe Mamas, überlegt euch bitte genau, ob ihr zum Beispiel unter der Dusche unbedingt singen müsst! Oder macht es nur, wenn ihr auch die Töne trefft. Auch eine auf dem Bauch liegende Spieluhr hört sich für uns so laut an, als wenn ihr euer Ohr direkt an einen Lautsprecher haltet. Wir hören alles!
Zurück zu diesem komischen »Elterngeldgesetz«: Es musste für meinen Papa eine ganz große, tolle Sache sein, denn er schwärmte oft davon. Aber ich denke, ich habe ihn damals schon durchschaut. Dem lieben Papa ging es vor allem um die neue Möglichkeit, als Mann Partnermonate – oder wie er es gelegentlich versehentlich nannte: Vaterurlaub – zu bekommen. Vereinfacht gesagt: Er wollte zwei Monate lang auf meine Kosten zu Hause die Füße hochlegen … Soweit kam das noch, so was gab es bei mir auf gar keinen Fall!

Eine erste Möglichkeit, ihm einen kleinen Schrecken einzujagen, sah ich am letzten Tag im alten Jahr, diesem »Silvester«. Meine Eltern wollten die kinderlose Zeit noch einmal nutzen und abends auf Achse gehen, wie meine Mama es so schön nannte. Also tat ich pünktlich am 31. Dezember so, als wenn ich unbedingt das Licht dieser Welt erblicken wollte, was ich natürlich noch nicht vorhatte. Ich trat gleich morgens ein wenig gegen die Bauchdecke meiner Mama, um sie aufzuwecken. Erst nur ein bisschen. Als sie sich nicht rührte, setzte ich beide Füße mit ordentlichem Schwung ein. Zack – und schon saß sie senkrecht im Bett. Na also, geht doch! Das Ganze wiederholte ich unauffällig über den langen Tag verteilt. Wie gesagt: Es sollte ja erstmal nur ein kleiner Hinweis für meine Eltern sein. Man soll ja nicht gleich zu Anfang unangenehm auffallen.
Meine Treterei zeigte jedenfalls Wirkung: »Sag mal, Thomas, wollen wir heute nicht besser zu Hause bleiben? Irgendwie spielt das Baby nicht so richtig mit«, hörte ich meine Mama sagen. Doch mein Papa war schon zu diesem Zeitpunkt ein ganz harter Gegner: »Komm, Nicole, das ist heute für lange Zeit die letzte Möglichkeit, feiern zu gehen. Du wirst doch jetzt jeden Tag runder! Und in knapp dreieinhalb Monaten sind wir dann schon zu dritt. Lass uns auf jeden Fall los!«
Hmm, ganz so einfach wollte ich es den beiden nun auch nicht machen und nahm auch noch meine Fäuste zu Hilfe. Außerdem verkürzte ich ein wenig meine Ruhepausen.
Irgendwann muss ich dann wohl vor lauter Anstrengung eingeschlafen sein, denn ich wachte bei lautem Geböller wieder auf und hörte meine Eltern gerade sagen: »Ein frohes neues Jahr!« und: »Willkommen Elterngeld!«

In den nächsten Wochen ging es meiner Mama wohl ganz gut, denke ich. Sie hatte keine Fressattacken, keine Spuckanfälle oder Wasser in den Beinen. Ich trat sie nur ab und zu, um sie ein wenig an mich zu erinnern. Sie tat ja auch alles Mögliche, damit es mir bei ihr gut ging und ich mich wohl fühlen konnte. Zum Beispiel machte sie regelmäßig Schwangerschaftsgymnastik und Yoga, ernährte sich gesund, verzichtete mir zuliebe auf etwas namens Alkohol und meldete meinen lieben Papa sogar zu einem Partnerkurs inklusive Hechelübungen an. Von diesem Kurs schien er besonders begeistert zu sein. Ich hörte ihn immer nur irgendetwas von wichtigen Fußballterminen murmeln, wenn Mama ihn an den Kurs erinnerte. Da war sie aber ganz konsequent und hartnäckig. Ha! Richtig so! Papas Ausreden waren ja nun wirklich einfach zu durchschauen! Allmählich merkte ich, wer in unserer Familie die Hosen an hat. Und mein Ziel war es, in der familieninternen Hierarchie zukünftig ganz oben zu stehen.

Mein Start in das »Licht der Welt« sollte nach den Erzählun­gen meiner Eltern Anfang April stattfinden. Aber schon am Abend des 10. Februar (meine Mama war gerade erst in der 32. Schwangerschaftswoche) stimmte urplötzlich irgendetwas nicht. Meiner Mama ging es ganz ohne mein Dazutun – ich schwöre! – nicht gut, und es wurde von Stunde zu Stunde schlimmer, das spürte sogar ich, immer noch gut verpackt in meinem Iglu. Ich hörte im Hintergrund die fremde Stimme einer Frau, die irgendetwas von Wehenschreiber, Ultraschall und Magendarmvirus erzählte. Dann bekam ich noch zu hören, wie mein Papa nach Hause geschickt wurde. Meine Mama sollte ein bis zwei Tage zur Beobachtung im Krankenhaus bleiben – als reine Vorsichtsmaßnahme.
Doch schon kurze Zeit später ging es richtig zur Sache. Nun hörte ich mehrere Stimmen, die völlig durcheinander auf Mama einredeten und dann vielen die Sätze, die mich doch ein wenig beunruhigten: »Wir müssen sofort eine Notoperation einleiten und das Baby per Kaiserschnitt holen, bevor die Vergiftung übergreift. Sie haben eine Schwangerschaftsvergiftung, das sogenannte HELLP-Syndrom. Wir rufen Ihren Mann an, damit er sofort herkommen kann.«
HELLP-Syndrom? Notoperation? Baby holen? Was war denn jetzt los? Ich war doch das Baby und hatte noch so lange Zeit bis zu meiner Geburt! Falsch gedacht! Das nächste, woran ich mich erinnere, war ein sehr helles Licht und mehrere vermummte Personen, die an mir herumfummelten. Für mich ein äußerst traumatischer Einstieg in diese Welt. Vor lauter Schreck ließ ich meinem ersten offiziellen Schrei freien Lauf. Ich schrie mir im wahrsten Sinne des Wortes die Lunge aus dem Hals und erlitt meine erste Verletzung: einen richtigen Lungenriss. Kurze Zeit später fand ich mich in einem warmen Brutkasten auf der Intensivstation wieder, völlig verkabelt, in jeder Öffnung steckten irgendwelche Schläuche, total unangenehm. Meine Atmung wurde durch so piepende Geräte kontrolliert. -> Weiter geht’s im Buch! :-)


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