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Buch Leseprobe Ich will den Job!, Monika Celik
Monika Celik

Ich will den Job!



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Die Angst vor der Arbeitslosigkeit


 


Arbeitslosigkeit ist für die meisten Menschen sehr problematisch. Das war schon immer so. Es wird gerne mit dem Finger auf Langzeitarbeitslose gezeigt. Adjektive wie „faul“ und „lebensuntüchtig“ sind hier noch die harmlosesten Worte, die für arbeitslose Menschen gefunden werden.
Im Grunde hat jeder Angst vor Arbeitslosigkeit und in unseren Zeiten hat auch jeder Grund dazu. Niemand ist mehr sicher. Firmen machen pleite. Andere wandern einfach ins Ausland ab oder lassen dort produzieren. In vielen Firmen herrscht auch leider Willkür und sehr viel Druck durch Vorgesetzte. Die Arbeitsbedingungen haben sich geändert. Sie sind nach meiner Beobachtung viel härter geworden, obwohl die Technik sich rasant fortentwickelt hat und eigentlich Erleichterungen bringen sollte. Mitarbeiter sind belasteter denn je. Deswegen ist es in meinen Augen durchaus nachvollziehbar, wenn Menschen Angst um ihren Arbeitsplatz haben – und diese Angst zieht sich durch fast alle Ebenen. Wer möchte schon gerne auf Hartz IV zusteuern?


Es kann jeden treffen!


In meinen Bewerbungstrainings habe ich meinen Teilnehmern immer genau das zuerst gesagt. Die zweite Botschaft war: „Auch ich habe schon in einem solchen Training gesessen.“ Es kann nämlich auch mich treffen, vorausgesetzt ich bin für ein Unternehmen tätig oder meine Selbstständigkeit funktioniert aus irgendeinem Grund nicht mehr. Man konnte direkt sehen, wie sich nach dieser Ansage die Gesichtszüge der Teilnehmer entspannt haben. Und damit komme ich zum Kernproblem von Menschen, die ihre Arbeit verloren haben: Die meisten Menschen definieren sich und ihren Wert über ihre Arbeit und ihr Einkommen. Das Selbstbewusstsein kann noch so groß gewesen sein, kaum tritt die Arbeitslosigkeit ein, schrumpft es und ist praktisch nicht mehr vorhanden.
Viele fühlen sich hilflos der Behördenwillkür ausgeliefert. Mir gegenüber ist dies häufig geäußert worden.
Natürlich, die Mitarbeiter auf der Agentur für Arbeit haben die Pflicht, Sie als Person anzutreiben. Sie schnell wieder in Arbeit zu bringen. Und sie haben es damit eilig, denn es gibt entsprechende Statistiken zur Arbeitslosigkeit. Erfahrungsgemäß ist in den ersten drei Monaten der Arbeitslosigkeit die Chance am größten, schnell wieder in einen Job zu kommen. Ebenfalls Fakt ist, dass es zunehmend schwieriger wird, eine neue Stelle zu finden, je länger man arbeitslos ist.


Leider sind manche Arbeitsvermittler recht unsensibel. Andere sind hoffnungslos überlastet, weil sie einen zu großen Bereich betreuen müssen. Viele aber sind sehr engagiert. Wenn Sie in ein Bewerbungscoaching geschickt werden, obwohl Sie gerade erst arbeitslos wurden oder es demnächst werden, sollten Sie von daher Ihrem Vermittler keine Bosheit unterstellen. Man möchte einfach nur, dass Sie so schnell wie möglich wieder in Arbeit kommen, am besten innerhalb der magischen Dreimonatsgrenze. Dafür brauchen Sie ordentliche Unterlagen. Sie müssen die neuesten Bewerbungstipps und den Arbeitsmarkt kennen. Und vieles mehr, was in solchen Trainings Programm ist.


Was generell übersehen wird, ist die psychische Situation des arbeitslosen Menschen. Vielleicht kann man sie auch an offiziellen Stellen nicht berücksichtigen. Die psychologische Seite der Arbeitslosigkeit entspricht auch nicht dem Kompetenzbereich der Arbeitsvermittler. Die meisten von ihnen wissen zwar, dass diese Seite vorhanden ist, und berücksichtig werden sollte. Jedoch ist diese eigentlich so wichtige, moralische Unterstützung von den Vermittlern nicht zu leisten. Es fehlt ihnen an Zeit und ist nicht deren Aufgabe. Dafür sind sie auch nicht ausgebildet. Es ist aber sicher eine unumstößliche Tatsache, dass Menschen, die gerade arbeitslos geworden sind, eine Reihe von psychosozialen Problemen mit sich herumtragen.


Arbeitslosigkeit macht angesichts Hartz IV Angst. Je älter ein Mensch ist, umso größer ist die Angst. Arbeitslosigkeit bedeutet unter Umständen ein hohes Maß an Einschränkungen, denn das Arbeitslosengeld ist nie so hoch wie das vorherige Einkommen. Den Job zu verlieren kann unter Umständen den Anfang von massiven, finanziellen Schwierigkeiten bedeuten und den gesellschaftlichen Abstieg. Aber auch, wenn das alles nicht der Fall ist, so trifft eines auf die meisten Menschen zu, die gerade ihren Job eingebüßt haben: Ein großer Teil des Selbstwertgefühls geht verloren. Je älter ein Mensch ist, umso stärker ist das Gefühl des Versagens, des Gescheitert-Seins. Umso mehr Selbstwertgefühl geht verloren. Genau dieses Selbstwertgefühl brauchen Menschen aber, die sich um einen neuen Job bewerben müssen.


Das beantwortet auch die Frage, warum die Teilnehmer in behördlich angeordneten Bewerbungstrainings in der Regel erst einmal mürrisch dreinblicken. Sie fühlen sich wie Menschen zweiter oder gar dritter Klasse, die jetzt an irgendeinem Firlefanz teilnehmen sollen, von dem sie noch nicht genau wissen, ob das nun was taugt oder nicht. Meist dauern solche Maßnahmen mindestens eine Woche. Viel Zeit für einen Menschen, der sich sowieso gerade nicht so gut fühlt.
Es beantwortet auch die Frage, warum der Gesichtsausdruck meiner Teilnehmer immer sehr schnell von Anspannung zu Entspannung wechselte, sobald ich erzählte, dass auch ich einmal Teilnehmerin in einem solchen Training gewesen bin.


Oft kam dann der Einwurf: „Ach was, jemand wie Sie doch nicht!“


Warum denn nicht? Was ist an mir Besonderes? Doch, ja, auch mich hat man mal in ein solches Training gesteckt. Es dauerte übrigens vier Wochen und ich weiß, wie mies ich mich dort fühlte. Der Trainer war weder besonders einfühlsam, noch hat er mir irgendetwas vermittelt, was ich nicht ohnehin schon gewusst hätte. Im Gegenteil, ich habe ihn damals noch intensiv unterstützt, indem ich mich um die Teilnehmer gekümmert habe, die keine PC-Kenntnisse hatten. Ich habe die Zeit genutzt, um mir Notizen zu machen. Ich habe alles aufgeschrieben, was ich anders machen würde, wenn ich solche Trainings halten müsste. Genau das ist mir Jahre später dann auch gelungen. Ich bin keine Ausnahme, auch ich kann arbeitslos werden, bin es schon gewesen und bis zu meinem Eintritt ins Rentenalter werde ich davor auch niemals sicher sein.


Sie als arbeitsloser Mensch müssen sich nicht klein fühlen, nur weil Sie in einem solchen Training sitzen. Wer weiß, wohin Sie es noch schaffen. Und vielleicht werden Sie auch nochmals arbeitslos, irgendwann. Na und? Es kann jeden treffen. Es hat Sie mit großer Wahrscheinlichkeit nicht getroffen, weil Sie in Ihrem Beruf nicht gut sind oder weil Sie ein schlechter Mensch sind. Es hat Sie einzig und allein getroffen, weil Sie Pech hatten.
Das kann aber auch eine Chance sein. Denken Sie um! Endlich sind Sie den Mist los. Monatelang, jahrelang, vielleicht jahrzehntelang haben Sie sich für ein Unternehmen abgemüht und nun sind Sie draußen. Das ist Ihre Chance, um die Würfel noch einmal zu werfen. Denken Sie bitte an das alte Sprichwort, das besagt, wenn eine Tür sich schließt, geht eine andere auf.


Das ist die Wahrheit. Genau das wird Ihnen passieren. Und vielleicht sind Sie eines Tages im Rückblick froh darum, dass Sie zu dieser Zeit – jetzt – arbeitslos gewesen sind. Weil Sie vielleicht sonst niemals dahin gekommen wären, wo Sie zu diesem Zeitpunkt stehen werden. Das muss übrigens nicht bedeuten, dass Sie woanders noch eine riesige Karriere anstreben. Es kann auch einfach nur bedeuten, dass Sie in Ihrer nächsten Station des Arbeitslebens glücklicher sind.


Glücklich sein im Arbeitsleben, sich wohlfühlen, seine Arbeit gerne tun, das IST Karriere! Und zwar völlig unabhängig davon, ob Sie in einem Lager kommissionieren, ob Sie Frisör sind, Krankenpfleger oder Geschäftsführer eines Unternehmens. Können Sie sich vorstellen, wie viele unglückliche Menschen es in den Führungsetagen gibt? In den „einfacheren Berufen“ denkt man ganz gerne, dass es sich dabei um die Menschen handelt, die doch keine Probleme haben sollten. Die ihren Job sicher gerne machen, denn der ist ja so viel besser als der eigene. Und wird auch noch besser bezahlt.
Aber ist das wirklich der Fall? Jeder Beruf bringt Belastungen mit sich, und in jedem Beruf ist es wichtig, dass man sich wohlfühlt. Gerade in der Führungsliga ist das weiß Gott nicht wirklich oft der Fall. Auch bei den Führungspositionen wird gefeilscht und die Gehälter sind auch hier gesunken. Dafür ist das Maß an Verantwortung und Belastung gestiegen und der Druck ist enorm.
Es mag unterschiedliche Berufsgruppen, Karrierestufen und Gehaltsklassen geben, ja. Aber was die Zufriedenheit betrifft, das Wohlfühlen im Betrieb, gibt es keine Unterschiede. Und gerade in den höheren Positionen ist Angst ein ganz großes Thema. Angst zu versagen. Angst, die Ziele nicht zu erreichen. Angst, falsche Entscheidungen zu treffen.


Und vor allem die Angst, damit „draußen“ zu sein.


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