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Buch Leseprobe Endlich frei, glücklich & gesund, Hans Georg van Herste
Hans Georg van Herste

Endlich frei, glücklich & gesund


alternative Heilmethoden

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Schon als Kind erlebte ich die ersten Phänomene, die ich damals allerdings noch nicht deuten konnte. Ich wurde Opfer häuslicher Gewalt. Einmal wurde ich dermaßen traktiert, dass ich den Schmerz kaum noch aushalten konnte. Plötzlich hatte ich das Gefühl, meinen Körper zu verlassen und die ganze Szene von oben zu betrachten. Ich schwebte an der Decke in einer Zimmerecke und sah, wie meine Mutter, meine Großtante und eine Nachbarin mich quälten. Plötzlich wurde es schwarz um mich und ich wachte später in meinem Bett wieder auf. Im Alter von fünf oder sechs Jahren sah ich zum ersten Mal einen bunten Schein, der die Körperkonturen man-cher Menschen nachzuzeichnen schien. Mal war dieser Schein mehr gelblich, mal mehr rötlich und mal violett. Sah ich viele Tage hindurch keinen Schein, so trat dieses Phänomen plötzlich wieder auf, um nach drei oder vier Tagen erneut zu verschwinden. Ich erzählte meiner Mutter davon. Die schaute mich merkwürdig an und meinte, ich hätte eine blühende Phantasie und wolle mich nur wichtig machen. Auch ein Onkel wollte nichts davon wissen und lachte mich oben-drein noch aus. In dem Moment beschloss ich, nicht mehr darüber zu sprechen. Ich versuchte immer wieder, Einfluss auf diesen Farbenschein zu nehmen, um ihn loszuwerden. Ich wollte nicht anders sein, als die anderen Menschen um mich herum. Allerdings ließ sich der Schein nicht vertreiben. Er kam und ging, wann er wollte. Ich konnte mich darüber ärgern oder es lassen. Der Schein ließ sich nicht beeinflussen. Nach ein paar Monaten stellte ich fest, dass er zumindest verblasste, wenn ich mich intensiv mit etwas anderem beschäftigte. Es sollte allerdings Jahre dauern, bis ich ihn beherrschen und selbst ein- und ausschalten konnte. Zwei weitere Ereignisse sollten mein späteres Leben nachhaltig prägen. Im Alter von etwa zwölf Jahren sackte ich unter einem Kartoffelsack zusammen, den ich auf einen Wagen hieven sollte. Ich litt plötzlich unter furchtbaren Rückenschmerzen. Zwei Ärzte konnten nichts feststellen und erklärten meinem Vater, nachdem etliche Spritzen nicht angeschlagen hatten, ich würde mir den Schmerz wohl einbilden. Ein paar Muskelverspannungen wären schon vorhanden, aber diese Schmerzen könnten die ganz bestimmt nicht auslösen. Daraufhin verschrieb mir einer der Ärzte Massagen. Widerwillig fuhr mich mein Vater zu einem Masseur in der Nachbarstadt. Ich hatte natürlich schon von Massa-gen gehört, konnte mir aber nicht wirklich etwas darun-ter vorstellen. Ich kroch also in die Praxis und stand plötzlich einem ganz normal aussehenden Mann gegen-über. Das sollte der Masseur sein? Ich hatte zwar bis jetzt noch keinen kennen gelernt, aber so hatte ich mir den ganz bestimmt nicht vorgestellt. Ich hatte bis dahin an-genommen, dass Masseure große und mit Muskeln be-packte Männer seien, die den Leuten das Fleisch von den Rippen reißen. Dieser Masseur war sehr nett und bat mich, mich auf eine seiner Liegen zu legen. Mit viel Mühe erklomm ich die Massagebank. Er fackelte nicht lange und warf mich hin und her. Mehrmals knackte es gar fürchterlich in meinem Rücken und ich wähnte mich meinem letzten Stündlein recht nahe. Plötzlich ließ er von mir ab und bat mich – immer noch sehr freundlich – aufzustehen. Ich dachte, der kann gut reden. Wider Erwarten ging es aber doch – und zwar äußerst gut. Meine Schmerzen und die damit verbunde-nen Bewegungseinschränkungen waren fast komplett verschwunden. Er lächelte mich zufrieden an und bat mich erneut darum, auf der Liege Platz zu nehmen. Ich legte mich auf den Bauch und er knetete mir den letzten Rest Seele aus dem Leib. Völlig zerschunden traten wir den Heimweg an. Es ging mir um Klassen besser. Nach weiteren fünf Massagen war ich so gut wie neu und nach und nach wurde mir klar, dass ich ebenfalls Masseur werden wollte. Diese Absicht stieß nicht unbedingt auf Begeisterung. „Für sowas bist du doch viel zu dumm. Werde mal lie-ber Fahrkartenknipser bei der Bahn. Das ist körperlich und geistig nicht so anstrengend und obendrein bist du dann Beamter mit guter Pension.“ Die konnten mir viel erzählen. Ich ließ mich nicht von meinem Berufswunsch abhalten. Der Masseur hatte mir – im Gegensatz zu den Ärzten – schnell geholfen. Und genau das wollte ich auch können. Meine Großmutter hatte von ihrer Tante das Besprechen von Warzen und Hautflechten gelernt und wandte die-ses Wissen zum Wohle der Hilfesuchenden gern an. Sie strich mit zwei oder drei Fingern über die entstellte Hautpartie und murmelte dazu mir unverständliche Worte. Die meisten Hilfesuchenden schienen zufrieden zu sein, da sie sich noch nach Wochen überschwänglich bedankten oder ihr kleine Geschenke brachten. Manche empfahlen meine Großmutter weiter. Natürlich fragte ich sie mehr als einmal, was sie da tut und was passiert, wenn sie es tut. Sie antwortete mir stets, dass sie selbst die Vorgänge nicht versteht, es aber ja offensichtlich funktioniert. Als ich etwa dreizehn oder vierzehn Jahre alt war, konnte ich die ersten Zusammenhänge herstellen. Nahm der Schein um eine Person herum eine bestimmte Farbe an, war die Person krank. Nahm ich Farben wahr, die sich mischten, hatte die Person ein psychisches Problem, war also wütend, eifersüchtig, neidisch etc. Zwischendurch hatte ich immer wieder Phasen, in denen ich diese „Gabe“ nicht mehr haben wollte. Und wenn ich mir zusammenreimte, dass mit der Person, die ich anschaute, etwas nicht stimmte, und ich mit niemandem darüber reden konnte, belastete mich das oft sehr. Obwohl ich mit meinem Schulabschluss hätte studieren können, setzte ich eine Ausbildung zum Masseur durch. Ich erntete zwar oft ein Kopfschütteln, war aber glücklich über meine Entscheidung. Ich wollte wissen, wie der Masseur, der mir so schnell hatte helfen können, das angestellt hatte. Arzt zu werden, kam mir überhaupt nicht in den Sinn. So schlug ich mich also mit lateinischen Ausdrücken herum – ich hatte während der Schulzeit auf Bitten mei-ner Mutter Französisch belegt, weil die Sprache so schön klingt – und quälte mich durch Massagelehre, Anatomie, Physiologie, Pathologie, Elektrotherapie und Gesetzes-kunde, lernte Kneipp´sche Güsse, gymnastische Übun-gen und das Gießen und Anlegen von Fangopackungen kennen und schmierte mich mehr als einmal mit Naturmoor und Heilerde voll. Da ich von Haus aus keine große Unterstützung zu er-warten hatte, arbeitete ich oft nachts in einer Fabrik, am Wochenende als Waldarbeiter und abends als Disc-Jockey, um Geld zu verdienen. Ich wollte diese Ausbildung erfolgreich zu Ende führen, koste es was es wolle. Anschließend ging ich ins Praktikum und stellte fest, dass der größte Teil meiner Arbeit häufig nur aus klassischer Massage bestand, die zwar die eine oder andere Verspannung lösen, aber nicht wirklich nachhaltig heilen konnte. Allerdings guckte ich mir viel bei älteren Kollegen ab und entwickelte nach und nach meine eigene Massagemethode. Da ich mich richtig reingehängt hatte, war ich bereits im Alter von zwanzig Jahren in der Lage, die komplette Abteilung für Physikalische Therapie in einem Kneipp-Sanatorium zu leiten. Der Badearzt im Haus hatte großes Vertrauen zu mir und keine Bedenken, mir diese verantwortungsvolle Position zu überlassen. Eines Tages stieß ich auf ein Buch, das mich sofort in seinen Bann schlug. Es handelte von Akupressur. Ich kaufte es sofort und ackerte es von vorn bis hinten durch. Obwohl ich von dem Zeitpunkt an von einigen Kollegen und Ärzten aus der Nachbarschaft als Spinner bezeichnet wurde, hielt „mein“ Badearzt zu mir. Nach und nach und immer häufiger wandte ich die Akupressur an und konnte damit schon nach kurzer Zeit Heilerfolge erzielen, von denen ich früher noch nicht mal geträumt hätte. Dieser erste Kontakt mit ostasiatischer Heilkunde führte dazu, dass ich von dem Zeitpunkt an immer auf der Suche war. Leider gab es damals noch sehr wenige Abhandlungen zu diesem Thema. Im Alter von zweiundzwanzig Jahren bekam ich die Chance, in eine große Praxis zu wechseln und dort den Posten des stellvertretenden Chefs zu übernehmen. Al-lerdings hielten sich meine administrativen Tätigkeiten in Grenzen, da der Chef nur ein Ziel hatte, nämlich Geld zu verdienen. Das Arbeitsklima war katastrophal und ich hatte, neben meiner Tätigkeit als Masseur, alle Hän-de voll zutun, um die Kolleginnen und Kollegen bei der Stange zu halten. Mehr als einmal musste ich miterleben, wie der Chef jemanden aus nichtigen Gründen fristlos entließ oder Kollegen nach „dem Zigaretten holen“ ein-fach nicht mehr wiederkamen. In dieser Zeit kam ich zum ersten Mal wissentlich mit lesbischen Frauen in Kontakt. Sie nahmen den Grünschnabel vom Lande unter ihre Fittiche. Dadurch hatte ich die Möglichkeit in eine Welt einzutauchen, die mir bis dahin völlig fremd gewesen war. Diese Frauen leb-ten, von der Außenwelt ausgegrenzt und ausgelacht, glücklich miteinander. Eines Tages machten sie mich mit einigen Transsexuellen bekannt. Und wieder öffnete sich mir eine neue Welt. Leider musste ich feststellen, dass diese Menschen sehr unter ihrer Neigung zu leiden hatten. Dass Homo- und Transsexualität angeboren sind, wusste ich damals noch nicht. Ich wusste nicht, warum es Lesben, Schwule und Transen gibt, hatte aber kein Problem damit, diese Men-schen so zu akzeptieren, wie sie nun einmal waren. Nach und nach erkannte ich, dass diese psychische Belastung, ausgelöst durch Diskriminierung und Ausgrenzung in verschiedenen Fassetten, auch körperliche Störungen nach sich ziehen konnte. Oft reichte ein Gespräch aus, um Migräne oder Magenschmerzen zu lindern. Da mir dieses Problem keine Ruhe ließ, befasste ich mich intensiv mit der Materie. Ich las, was mir in die Finger kam, stellte allerdings schnell fest, dass mir die Aussagen der Psycho-Päpste zu realitätsfern erschienen. Ich war mehr der Pragmatiker, der mit wenig Aufwand schnellstmöglich helfen wollte. Oft reichten ehrliches Interesse, eine halbe Stunde Zeit und gesunder Menschenverstand völlig aus, um die größten „Seelenqualen“ zu lindern. Ich musste mich nicht in aufwändigen und oft schwer durchschaubaren philosophischen Konstruktionen versteigen, um ein wenig Trost zu spenden. Eins plus eins ergab immer zwei. Und ein Auto blieb immer ein Auto, von welcher Seite aus man es auch betrachtete. Das führte dazu, dass immer mehr Betroffene meine Nähe suchten und sich nach und nach die ersten Selbsthilfegruppen um mich herum bildeten. Mein Chef war zwar sehr entzückt über den Zulauf, hatte aber dann doch Angst um den Ruf seiner Praxis. Als meine Stammpatientenliste immer länger wurde und die Liste des Chefs übertraf, wurde auch ich aus fadenscheinigen Gründen entlassen. Meine Schlingpflanzen-therapie, wie er es nannte, wollte er in seiner Praxis nicht haben. Dass ich damit den Patienten nachhaltig helfen konnte, war ihm egal. Nach verschiedenen Kurzanstellungen, bekam ich die Möglichkeit, mich selbstständig zu machen, und griff sofort zu. Jetzt war ich zwar mit meinen erst vierundzwanzig Jahren für alles selbst verantwortlich, was ich fabrizierte, erlebte aber nach den ersten Schreckensmonaten das Paradies auf Erden. Endlich hatte ich die Möglichkeit, all mein Wissen an den Patienten zu bringen. Natürlich stieß ich schnell an meine Grenzen. Ich arbeitete mehr oder weniger meine Patienten ab. Meine Illusion vom ausschließlich helfen wollen, zerplatzte sehr bald. Die Konten wollten beobachtet werden. Die Abrechnung musste stimmen. Die Rezepte hatten vollständig ausgefüllt zu sein. Jede einzelne Behandlung musste dokumentiert werden, um von der Krankenkasse eine Bezahlung erhalten zu können. Bürokratie über Bürokratie bis zum Abwinken. Um meinen immensen Verpflichtungen nachkommen zu können – ich musste schließlich meine Schulden abbezahlen, da es weder Praxisräume noch Inventar umsonst gibt –, konnte ich mich nicht ewig mit einem Patienten aufhalten. Ich gab mein Bestes, aber ich musste sehr schnell feststellen, dass ich mit meinen Behandlungslängen nicht weit kam. Ich musste schneller werden, ohne den Patienten zu vernachlässigen. So bastelte ich an meiner Akupressur herum, las weitere Bücher darüber und konnte dadurch meine Behandlungszeiten verkürzen. Eines Tages lief im Fernsehen eine Dokumentation über Südkorea. In einer kurzen Sequenz wurde die Koreanische Massagetechnik vorgestellt. Die Masseurin erklärte, dass mit dieser Methode auch hartnäckigste Muskelverklebungen gelöst werden könnten. Ich war sofort Feuer und Flamme, erkundigte mich beim Sender über die Redakteurin, die diese Dokumentation gedreht hatte und nahm mit deren Hilfe Kontakt zur Massageschule in Seoul auf. Obwohl die Cheflehrerin keine Europäer ausbilden wollte, konnte ich sie zu einer Ausnahme überreden. Ich flog dorthin und erlernte die Koreanische Massagetechnik. Ich wandte die Technik natürlich sofort an. Das führte dazu, dass anschließend einige Patienten wegblieben, da ihnen diese Art der Massage als zu hart erschien. Dafür kamen andere dazu, die nicht nur begeistert waren, son-dern mich sogar weiterempfahlen. Als mein Sohn geboren wurde, musste ich mit ansehen, wie sehr sich Frauen quälen müssen, um ein Kind zur Welt zu bringen. Als ich dann – wieder durch eine Fern-sehsendung – erfuhr, dass es in Südafrika Hebammen gibt, die es den Frauen ermöglichen, zumindest schmerzarm zu gebären, war ich erneut sehr angetan. Wieder erkundigte ich mich beim Sender und reiste an-schließend nach Namibia und erlernte die Geburtsmethode der zwei Bäume. Obwohl ich meine Patienten darüber informierte, wollte keine Frau diese Methode in Anspruch nehmen. Alle hatten Angst vor der Reaktion der Ärzte und Hebammen. „Eine Frau muss Schmerzen haben. Das war schon immer so und wird auch immer so bleiben. Deinen neumodischen Kram kannst du dir an den Hut stecken“, war der Kommentar einer Hebamme. Sie gab mir noch nicht einmal die Möglichkeit, diese Methode vorzustellen. Um auch der vielen Schwellungen Herr zu werden, belegte ich einen Intensivlehrgang in Manueller Lymphdrainage. Als ich zum ersten Mal im Hörsaal der Schule saß, wunderte ich mich über die Methode, die mir hier präsentiert wurde. Ich hatte bis dahin nicht viel Ahnung von der Materie gehabt, wusste aber, dass diese Metho-de von der mir Bekannten in vielen Punkten erheblich abwich. Als ich den Schulleiter darauf ansprach, erklärte er mir, dass die von ihm gelehrte Methode auf Effektivität getrimmt sei. Er und seine Ausbilder wollten dem Patienten so schnell wie möglich helfen und hatten daher ineffektive Griffe der alten Methode weggelassen und neue Griffe, die schneller eine Wirkung zeigten, dazu genommen. Ich feilte weiter an meiner Therapie herum, um schneller und besser zu werden. Allerdings reichte es mir nie so richtig. Es musste doch Möglichkeiten geben, um noch besser zu werden. Eines Tages besuchte mich ein Vertreter, der mir Fango, Massageöl etc. verkaufen wollte. Wir kamen ins Gespräch und er berichtete mir von einem Arzt, der alte mit neuen Methoden verknüpfen und damit durchschlagende Erfolge erzielen würde. Man könne als Branchenangehöriger seine Seminare besuchen und schon nach kurzer Zeit sehr gute Erfolge am Patienten für sich verbuchen. Ich war anfangs sehr skeptisch. Der konnte mir viel erzählen. Vielleicht handelte es sich nur um eine Verkaufsveranstaltung. Als ich aber irgendwie nicht weiterkam, rief ich den Arzt an und buchte ein Seminar. In einem kleinen Hotel sollte der Wochenendlehrgang stattfinden. Ich weiß noch ganz genau, dass es an dem Tag wie aus Kübeln schüttete und der Wind mich und mein Motorrad fast von der Straße geweht hätte. Die Welten, die uns der Arzt eröffnete, waren uns bislang völlig unbekannt gewesen. Er verknüpfte gekonnt altes Wissen, z. B. die chinesische Akupunktur, mit modernster Technik, wie z. B. dem piezzo-elektrischen Impuls. Wir stachen also keine Nadeln in die Haut des Patienten, sondern bearbeiteten die Akupunktur-Punkte mit Licht oder mit Stromimpulsen. Wir erpendelten Störfelder oder suchten mit der Wünschelrute nach Energiebahnen, die nicht richtig funktionierten. Diese Vorgehensweise steigerte meine Erfolgsquote spürbar. Die Methoden, die uns der Arzt an die Hand gab, ließen allerdings das eine oder andere Krankheitsbild immer noch außer Acht. Auch waren viele Schmerzlinderungen nicht nachhaltig genug. Ich konnte den Patienten zwar schnell von seinen schlimmsten Schmerzen befreien, allerdings blieb oft ein Restschmerz und es konnte ohne weiteres passieren, dass auch der akute Schmerz nach ein paar Tagen wieder da war. Irgendwann stellte uns der Arzt einen Mann vor, der Energiebahnen im Körper entdeckt hatte. Dr Calligaris, ein Psychiater, der Ende des neunzehnten und Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts in Italien gelebt hatte, verknüpfte Körper, Geist und Psyche miteinander und stellte fest, dass wenn man bestimmte Punkte – er nannte sie Plaques – auf der Haut manipulierte – er nannte es laden –, körperliche und psychische Veränderungen hervorrufen konnte. Da unser Arzt allerdings nur über ein paar wenige Grundkenntnisse verfügte und nach und nach die Dollar-Zeichen in die Augen bekam, versuchte ich, so viel wie möglich über diesen Dr. Calligaris in Erfahrung zu bringen. Eine Seminarteilnehmerin erzählte mir, dass sie vor einigen Monaten auf einen Mann gestoßen sei, der sich mit den Methoden des Dr. Calligaris sehr gut auskennen würde. Sie gab mir seine Telefonnummer. Als ich diesen Calligaris-Experten zum ersten Mal an der Strippe hatte, wollte sich kein gutes Gefühl bei mir einstellen. Irgendwie war mir der Mann suspekt. Da ich aber auf der anderen Seite so viel wie möglich über die Methode des Dr. Calligaris erfahren wollte, buchte ich ein Seminar bei diesem Mann. In der Zwischenzeit erzählten mir ein paar Patienten ab und zu von so genannten Knochenbrechern. Zu denen konnte man gehen und sich „richten“ lassen. Aufgrund dieser Aussagen befasste ich mich mit dem Thema Chiropraktik und nahm auch einmal an einem Schnupperkurs teil. Allerdings sagte mir diese Methode absolut nicht zu. Da wurde an den Patienten teilweise mit roher Gewalt herum gebrochen und gebogen, dass es nur so knackte und knallte. Allerdings nahm ich eine für mich Bahn brechende Erkenntnis mit nach Haus. Mir war klar geworden, dass beide Gelenkhälften immer regelrecht aufeinander stehen müssen, um einen normalen und schmerzfreien Bewegungsablauf zu garantieren. Stehen die Gelenkhälften nicht regelrecht, kommt es zur Knorpelabschilferung, zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Dann fuhr ich nach Wien, um den Calligaris-Lehrgang zu absolvieren. Anfangs wurden wir von unserem Trainer über den Werdegang und die Erkenntnisse des Dr. Calligaris aufgeklärt. Danach wurden wir in Zweier-Gruppen eingeteilt und mussten gegenseitig unsere Plaques mithilfe verschieden großer Metall-Zylinder „laden“. Unser Trainer hatte uns erklärt, man könne anschließend aurasichtig werden, Krankheiten erkennen oder Hellsichtigkeit auslösen. Da ich ja bereits von Geburt an die eine oder andere Fähigkeit mit auf den Weg bekommen hatte, stellte ich meine eigene Aurasichtigkeit ab. Wie hätte ich sonst die Aurasichtigkeit nach Dr. Calligaris lernen sollen? Leider stellte sich sehr schnell heraus, dass unser Trainer mehr vorgab zu können, als er tatsächlich drauf hatte. Er war nicht in der Lage, uns und unsere Sichtigkeiten zu kontrollieren. Während wir luden und einige meiner Mitstreiter in grauenhafte Inkarnationen, also frühere Leben, abtauchten, saß der gute Mann vor uns und las Zeitung. Ich klinkte mich mehrfach aus, um zwei meiner Mitstreiter wieder ins Hier und Jetzt zu holen. Ich absolvierte noch mehrere Seminare bei unserem Trainer, musste aber leider auch bei ihm einen gewissen Hang zur Bereicherung feststellen, der im Laufe der Zeit sehr ungesunde Formen annahm. Durch ihn lernte ich einen Inder kennen, der mir anfangs sehr suspekt war. Er las mir aus seiner Palmblattbibliothek vor und erstaunte mich jedes Mal, da er Dinge preisgab, die er eigentlich nicht hätte wissen können. Dieser Inder lud mich nach Indien ein, um dem echten Ayur Veda begegnen zu können. Dieses Ur-Ayur-Veda hat nichts mit dem Wellness-Ayurveda der Ölmassagen und heißen Steine zutun, das hier an jeder zweiten Straßenecke angeboten wird. Lakshmi und Shakti, zwei Damen um die achtzig, führ-ten mir Heilmethoden vor, die mein Können locker in den Schatten stellten. Ich hatte zwar inzwischen meine Ausbildung zum DGNS-Schmerztherapeuten abgeschlossen, war also nicht ganz unwissend, aber diese beiden Frauen ließen mich ganz alt aussehen. Sie erklärten mir die Chakren. Anschließend musste ich eine Selbstanalyse durchlaufen, die einiges ans Tageslicht beförderte, das ich lieber verdrängt hätte. Meine Fehler, meine Schwächen, mein Selbstbetrug wurden gnadenlos aufgedeckt und auseinander genommen. Ich lernte viel über mich selbst, lernte, wie ich Fehleinschätzungen etc. vermeiden konnte. Ich lernte, wie simpel das Ur-Ayur-Veda aufgebaut ist, wie ich mit minimalem Aufwand wirklich etwas bewe-gen konnte. Ich lernte, dass die Logik die entscheidende Rolle spielt, dass schon Wahrhaftigkeit zum Erfolg führen kann.


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