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Ratgeberbücher
Buch Leseprobe Endlich Frau!, Hans Georg van Herste
Hans Georg van Herste

Endlich Frau!


Drei Transsexuelle erzählen ihre Geschichten.

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Aufgrund der Informationsdefizite in der Bevölkerung und in den Medien, habe ich mich entschlossen, ein Buch zum Thema Transsexualität zu schreiben. Maria, zweiundfünfzig, Elke, vierundfünfzig, und Johanna, dreiundzwanzig, alle drei transsexuell, und Johannas Mutter waren sofort dabei. Wie man leicht aus dem Inhalt der Geschichten herauslesen kann, hat sich in den letzten Jahren einiges zum Guten gewandelt. Leider reicht das noch lange nicht aus, um TS ein vorurteilsfreies und sorgenfreies Leben zu ermöglichen. Ich hätte es gern, wenn es auch offiziell ein drittes Geschlecht geben würde. Dann hätte jeder die Chance, so zu leben, wie es ihm gefällt, und endlich glücklich zu werden. Ich will mit diesem Buch dazu beitragen, dass nach wie vor bestehende Vorurteile aus¬geräumt werden. Informationen über Gesetzesänderungen oder Operationsmethoden können jederzeit im Internet abgerufen werden. Ich möchte, nur zum Verständnis, ein paar Anmerkungen machen. Transsexualität ist, wie die Homosexualität auch, angeboren wie z. B. die Haarfarbe, kann also nicht etwa durch falsche Erziehung ausgelöst werden. Schon bei der Zeugung wird festgelegt, welcher Körper sich aus Ei und Samenzelle entwickelt, welchem Geschlecht der werdende Mensch sich zugehörig fühlen wird, zu welchem Geschlecht es ihn hinzieht. Alle TS, die sich im Laufe von über dreißig Jahren an mich wandten, erklärten mir einhellig, dass sie ihr „Anderssein“ schon in der frühesten Kindheit gespürt hätten. Betroffenen fällt das also nicht mal eben so im Alter von dreißig oder vierzig Jahren ein. Sie waren schon immer so. Allerdings bemerkten die Betroffenen sehr schnell, dass sie sich in ihre, dem eigenen Körper entsprechende, Geschlechterrolle einfügen mussten, um sich nicht Hohn, Spott, Ausgrenzungen oder sogar Schlägen aussetzen zu müssen. Ich bekam und bekomme Briefe, in denen betroffene Jugendliche von solchen Exzessen berichten. Ich werde dadurch manchmal an Berichte aus dem Mittelalter erinnert. Damals wurden z. B. Frauen wegen ihrer roten Haare, die ihnen einfach so gewachsen waren, auf dem Scheiterhaufen verbrannt. TS stehen also von Kindesbeinen an unter einem enormen Druck. Sie lernen schon im Alter von zwei oder drei Jahren, sich zu verstellen, sich anzupassen. Sollte die Transsexualität nicht irgendwann ausgelebt werden, können psychische Störungen entstehen, die sehr an das Borderline-Syndrom erinnern. Selbstverstümmelung, Selbsthass, Minderwertigkeitsgefühle, Antriebslosigkeit, Beziehungsunfähigkeit und sogar Selbstmord kommen gehäuft vor. Ich kann den Betroffenen nur dringend ans Herz legen, sich Beistand zu holen, sich fachkundig beraten zu lassen und niemals eigenmächtig zu handeln. Unkontrollierter Einsatz von Hormonen kann zu dauerhaften Schäden der Leber oder zu Hautausschlägen führen, die man sehr schwer wieder in den Griff bekommt. Auch von Selbstoperationen ist dringend abzuraten, da akute Lebensgefahr, z. B. durch Verbluten, besteht. Ich lehne geschlechtsangleichende Operationen nicht generell ab. Natürlich kann ich verstehen, dass TS, so schnell wie möglich, ihren Körper dem Wunschgeschlecht angleichen wollen. Aber, es gibt da ein paar wesentliche Dinge, mit denen man sich im Vorfeld unbedingt beschäftigen sollte. Eine OP löst nicht automatisch alle Probleme. Die höchste Selbstmordrate bei TS findet man nicht vor, sondern nach der OP. Deshalb ist es, meiner Erfahrung nach, besser, die Behandlung mit Hemmern der männlichen Pubertät und den Einsatz von weiblichen Hormonen zur Einleitung der weiblichen Pubertät, so früh wie möglich zu beginnen. So können Bartwuchs und tiefe Stimme erst gar nicht entstehen. Auch der Penis bleibt relativ klein und muss nicht unbedingt operiert werden. Eine Schwangerschaft ist ohnehin nicht möglich und einige haben sich damit gut arrangiert. Leider musste ich in der Vergangenheit häufig feststellen, dass TS ihren Penis dermaßen hassen, dass sie ihn sehr stiefmütterlich behandeln. Er wird mit Gewalt nach unten gedrückt, um ihn unsichtbar zu machen. Dabei können Gefäße abgeklemmt werden. Die Empfindlichkeit ist massiv gestört und kann zum Orgasmusverlust führen. Außerdem gebe ich zu bedenken, dass Teile des Penis später bei einer OP für die Vagina und die Klitoris gebraucht werden. Es ist im Nachhinein oft schwierig, einen sexuellen Höhepunkt zu erleben, wenn das vor der OP schon nicht funktionierte oder mit Absicht vermieden wurde. Auch der beste Operateur kann nur auf das zurückgreifen, was vorhanden ist.


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