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Buch Leseprobe Dieschwierigste Nebensache der Welt, Ina Lingner
Ina Lingner

Dieschwierigste Nebensache der Welt



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Vor allem aber ist ein absolutes Funktionieren gefragt. Es entspricht dem Zeitgeist, ständig und überall Sex zu haben. Man kann inzwischen offen dazu stehen, dass man schwul ist, lesbisch, devot, dominant, dass man seine Affären pflegt, seine Fetische hat … aber über Lustlosigkeit spricht niemand. In unserer Gesellschaft nimmt man nur das wahr, was funktioniert, was hipp und angesagt ist, was „mithalten kann“. Wer keinen Sex hat, spricht darüber nicht. Nur alte Leute haben keinen Sex, junge Leute hingegen lassen es krachen. Keinen Sex zu haben, ist nicht normal. Es ist schon deswegen nicht normal, weil Sex uns überall und ständig begegnet und weil sich in unserer Gesellschaft irgendwie alles darum zu drehen scheint. Jeder hat Sex, dauernd. Und auch wenn es nicht so ist, so muss zumindest so getan werden als ob.


Wer in diesem Bereich ein Problem hat, hat es schwer genug. Abgesehen von dem Leidensdruck, unter dem ein vom Partner ständig abgewiesener Mensch steht, haben nur wenige das Glück, mit einem verständnisvollen Gesprächspartner darüber reden zu können. Es ist schwer, sich zu öffnen, zuzugeben, dass es im Bett nicht funktioniert. Sexuell aktive Menschen suchen häufig die Schuld bei sich und bekommen sie auch von der Gesellschaft gerne eingeredet. Männer, die stets zurückgewiesen werden, stehen als schlechte Liebhaber da, auf die man eben keinen Bock hat. Frauen, die stets zurückgewiesen werden, suggeriert man, dass sie dem Liebsten vielleicht zu langweilig sind, zu dick oder zu hässlich, dass sie nicht mehr geliebt werden. Man gibt den Menschen erotische Tipps, die sie ohnehin längst alle ausprobiert haben. Beide Geschlechter fragen sich, was mit ihnen nicht stimmt, weil sie nicht begehrt werden. Schließlich hat jeder stets und überall Sex, nur man selbst nicht?


Und dann ist da noch der andere Teil der Gesellschaft, der sich gerne mit höhergeistigen Dingen beschäftigt und „abstempelt“. Sexuell aktive Menschen werden gerne als sexsüchtig verteufelt, sollen sich mit Kompromissen zufriedengeben und sich mehr Mühe geben. Sie sollen bitte nicht so egoistisch sein. Außerdem hat man in unserer Gesellschaft offenbar auch die spirituelle Weisheit mit Löffeln gefressen und verweist gerne auf die bedingungslose Liebe. Und darauf, dass Sex eigentlich nur was Animalisches ist, was der geistig reife Mensch, der die wahre Liebe kennt, überhaupt nicht braucht.


Menschen, die darunter leiden, dass man sie am ausgestreckten Arm verhungern lässt, sind in den Augen der Gesellschaft a) selbst schuld und konzentrieren sich b) auf die falschen Dinge und c) sind sie sexsüchtig und sollten an sich arbeiten. Wer sexuell bei Partner oder Partnerin abblitzt, muss sich eben einfach mehr Mühe geben, schlanker werden, sportlicher werden, sich mehr pflegen, braucht eine neue Frisur oder soll einfach mal fantasievoller sein, dann klappt das schon. Jawohl, so einfach wird das umgedreht. Sex ist außerdem überhaupt nicht wichtig und wer eine Beziehung beendet, weil der Sex zu selten ist, gar nicht stattfindet oder einfach nur schlecht ist, ist eben charakterlich oder spirituell nicht ausgereift, gibt sich keine Mühe und hat es nicht anders verdient.


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