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Buch Leseprobe Der Geist ist willig ..., Jolanta Gatzanis (Hrsg.)
Jolanta Gatzanis (Hrsg.)

Der Geist ist willig ...


... doch das Fleisch macht schlapp!

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Kapitel 10 Kopf und Körper


 


Merkwürdigerweise leben wir ganz offensichtlich in einer recht unsinnlichen Zeit. Daran ändert auch alle gegenteilige Propaganda nichts, die vielleicht die Anzahl nackter Busen auf den Zeitungen mit Sinnlichkeit gleichsetzen mag. Schauen wir uns zum Beispiel eines jener berühmten barocken Stillleben an. Alles ist ungeheuer prall und lebensvoll, kurz: einfach prächtig. Doch wir sehen gleich: Dies ist nicht die makellose Pracht, die uns in Werbespots und auf Plakaten präsentiert wird. Auf unserem Barockbild ist das ganze Leben versammelt: Blüte, Reife und Verfall und auch der Tod ist nicht ausgespart. Fische sind dort nicht zu harmlosen Fischstäbchen verfremdet, sondern prächtige Leiber, die eben noch lebten. Genauso sind Früchte nicht jene blankpolierten Normerzeugnisse in Klarsichthülle, sondern unregelmäßig, fleckig, wie sie gewachsen sind und auch ein Wurm hat seine Berechtigung. Was wir damit sagen wollen, ist dies: Wir sind heute von einer Sucht nach Makellosigkeit infiziert, die unsere Gefühle blockiert. Unsere Köpfe sind bis zum Rand vollgestopft mit geschönten Bildern. Und diese Bilder engen unsere Wahrnehmung ein. Wir sind mehr und mehr auf Highlights fixiert und werden unruhig, wenn wir uns einem Prozess aussetzen sollen. Das fängt schon beim Wetter an. Viele von uns akzeptieren nur noch Sonnenschein und nutzen die erstbeste Gelegenheit, um in den Süden zu entfliehen, mit der Folge, dass wir das Jahr und seine Jahreszeiten nicht mehr als notwendigen und folgerichtigen Zyklus wahrnehmen, sondern nur noch als gutes oder schlechtes Wetter. Und schlechtes Wetter? Das ist schlichtweg widerlich und unakzeptabel! Sehr ähnlich verhält es sich mit der Einstellung zum Alter. Auch das Leben ist ein Zyklus, in dem alles seinen sinnvollen Platz hat, oder wollten Sie im Ernst ewig zwanzig sein? Eben! Trotzdem will die Werbung, zumindest die für Frauen, genau das als erstrebenswert verkaufen. Und die Arbeit? Die soll ja auch hauptsächlich Spaß machen. Wie überhaupt der Spaß und das Vergnügen einen überproportionalen und unangemessenen Stellenwert eingenommen haben. Animationen allerorten: Erlebnisurlaub, Erlebnisgastronomie usw. Jubel, Trubel, Heiterkeit rund um die Uhr. Nur noch Rosinen und das ohne Pause. Bloß keine stille Stunde, bloß nicht mit sich allein, bloß keine Frustration. Keine Höhen und Tiefen, keine Einsamkeit, keine Enttäuschung! – Und dabei sind genau diese Dinge die Voraussetzung dafür, dass wir Menschen Glück als Glück, Erfolg als Erfolg und Zuneigung als Zuneigung empfinden und begreifen können. So, das ist jetzt fast ein Wort zum Sonntag geworden. Na, dann mal schnell runter von der Kanzel und wieder mitten rein ins Thema. Denn es betrifft auch die Sexualität. Wir meinen damit allerdings nicht jenen mechanischen Zyklus von Vorspiel, Hauptvorstellung und Nachspiel diverser Aufklärungsbücher, sondern ein Gespür für die eigenen Bedürfnisse, die Lust am eigenen Körper und dem des anderen. Ein Gefühl dafür, dass alles seine Zeit braucht und seine Umstände. Letztlich ziehen wir uns ja für das sexuelle Zusammensein nicht deswegen ganz nackt aus, um nur den Schniedel in das weibliche Gegenstück zu stecken. Das ginge auch durch den Hosenstall.


 


 


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