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Ratgeberbücher
Buch Leseprobe Das zeitlose Selbst, Detlef B. Bartel
Detlef B. Bartel

Das zeitlose Selbst



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Die Energie eines Kindes scheint unerschöpflich zu sein. Kinder benötigen ihren normalen Schlaf und schon sind sie wieder fit. Woher nehmen sie diese Energie? Man könnte meinen, sie hätten eine Energiequelle, die uns Erwachsenen nicht mehr zugänglich ist. Das ist ein Irrtum. Tatsächlich haben wir alle die gleiche Quelle, Kinder können sie nur besser nutzen.

Diese innere Energiequelle geht nie verloren. Um das zu verstehen, müssen wir uns selbst kennen lernen. Unser Ego, das sich als der Macher aufspielt, ist nicht die allein entscheidende Instanz. Es befindet sich in ständiger Abhängigkeit von anderen innerseelischen Kräften - dem Selbst, dem Ich und dem Mental.

Wir werden mit unserem Selbst, dem innersten Bewusstsein, geboren. Zu Beginn des Lebens fühlten wir uns nicht als Einzelwesen. Das unreife Gehirn war zu dieser Zeit noch nicht in der Lage zwischen innen und außen zu unterscheiden. So lebten wir in Einheit mit der Mutter und unserer ganzen kleinen Welt. Sigmund Freud sprach von dem ozeanischen Lebensgefühl des Säuglings. Diese einmal erfahrene, danach nie wieder erreichte Harmonie der ersten Lebenstage, Wochen und Monate bleibt als unbewusste Erinnerung zeitlebens bestehen. Sie ist der eigentliche Ursprung aller späteren Wünsche nach Gemeinschaft und ebenso aller sozialen Bestrebungen des erwachsenen Menschen.

Die frühe Einheitserfahrung gerät mit der einsetzenden Ich-Entwicklung allmählich in Vergessenheit: „So wie sich das junge Ich in der Folgezeit allmählich entwickelt, wird die zuvor im Selbst erlebte Welt - die gelebte Einheit - mehr und mehr in Vergessenheit geraten. Aber sie verschwindet nie spurlos, sie wird ein Leben lang als eine uns nicht mehr bewusste Kraft im Hintergrund wirksam bleiben und unser Verhalten mitbestimmen. Und so ist der Lebensweg des Kindes schon vorgeschrieben: auf der einen Seite gilt es, das Ich weiter zu entwickeln und auf der anderen Seite wirkt diese vergessene paradiesische Welt in dem unbewussten Wunsch fort die verlorengegangene Einheit wiederzuerlangen. Das Spannungsfeld zwischen diesen beiden Polen ist die Basis, auf der sich später alle Lebensprobleme des erwachsenen Menschen abspielen werden."

Wie schon erwähnt hat das Baby noch kein Ich. Es lebt ausschließlich in seinem einheitlichen Selbst. Das Selbst ist nicht unterscheidend. Es kennt keine Gegensätze, kein Ja oder Nein, kein Gut oder Böse, kein Vorher oder Nachher. Es ist das eigenschaftslose zeitlose Selbst, die Basis unseres menschlichen Seins. Einheit und Zeitlosigkeit sind somit keine bloßen gedanklichen Konstruktionen, sondern von jedem einmal erlebte Wirklichkeiten. Den meisten erwachsenen Menschen ist die Existenz ihres Selbst gar nicht oder nur sehr schwach bewusst. Sie identifizieren sich mit ihrem unbeständigen Ich, nicht mit ihrem stabilen Selbst: „..das Selbst ist die Basis des Ich. Es gibt dem Ich Sicherheit und den erforderlichen Halt. Es ist aber auch die eigentliche Quelle unseres angeborenen - wie man sagt - Gottvertrauens, eines unbefangenen Vertrauens in die Zukunft: „Es wird schon gut gehen", sind die Worte, mit denen wir uns Mut machen. Diese Sicherheit kommt vom Selbst, nicht vom Ich, welches unentschieden hin und her schwankt zwischen den vielen Möglichkeiten."

Da wir heutzutage gewohnt sind, Sachverhalte analysierend zu zergliedern, ist uns der Einheitsgedanke fremd geworden. Einheit und Zeitlosigkeit existieren aber nicht nur als philosophische Begriffe, sie sind auch als physikalische Phänomene bekannt. Einen Monat vor seinem Tod schrieb Albert Einstein, dass er als Physiker davon überzeugt sei „der Unterschied zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sei nur eine, wenn auch hartnäckige Illusion". Diese auf den ersten Blick befremdlich wirkende Bemerkung wird anhand der Relativitätstheorie für jeden verständlich erklärt. Sie entspricht letztlich der Sichtweise des Selbst.

Für alle interessierten Leser enthält das Buch eine praktische und einfache Anleitung zum Selbst-Training.

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