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Ratgeberbücher
Buch Leseprobe Das Tor ins Leben, Grit Scholz
Grit Scholz

Das Tor ins Leben


Bildband über die weiblichen Genitalien

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Wie die Yoni-Fotos entstanden...


Aber wie komme ich zu den Yoni-Fotos? ich wollte sie auf jeden Fall selbst machen, das war mir klar. Anfänglich dachte ich, dass es bei den vielen Seminaren, die zu Frauenthemen angeboten werden, eine gute Möglichkeit gäbe, innerhalb solcher Veranstaltungen Fotos zu machen.


Ich hatte auch Kontakt: mit einigen Seminaranbieterinnen, doch stellte sich bald heraus, dass dieser Weg aus verschiedenen Gründen für mich nicht funktionierte. In meiner Vorstellung hatte ich die Klarheit, dass ich ganz viele vielleicht sogar 100 verschiedene Frauen fotografieren möchte, um die Vielfalt zeigen zu können.


Yoni, weibliches Genital, Vagina


Ich stellte mir zum Fotografieren so eine Art Seminarraum und Atmosphäre vor, in dem mehrere Frauen sich mit dem Thema beschäftigen und dann Lust haben, Fotos zu machen.


Aber wie genau das gehen könnte, war mir nicht ganz klar. Dies war ein langer Prozess, der mir gezeigt hat, wie groß meine eigenen Hemmungen, trotz geistiger Klarheit mit diesem Thema, noch waren. Ich traute mir einfach nicht zu, die intimste Steile der Frau einfach so zu fotografieren, ich wusste nicht, wie ich das anstellen sollte, ohne dass es sich übergriffig, obszön, oberflächlich oder sonst wie unangenehm anfühlt.


Es gab dann einige Ereignisse in meinem Leben, die dafür sorgten, dass diese geistige Klarheit sich mit meinem Gefühl verbinden konnte und ich spürte, dass ich diesen Raum zum Fotografieren selber gestalten und anbieten wollte, um Frauen dorthin einladen zu können. Für Frauen, die Lust hatten sich intensiv mit dem Thema zu befassen, bot ich Ganztagsveranstaltungen an, mit Sauna, Tanz, Gesprächsrunden, Körperbemalung, Meditation, Massagen, lekkerem Essen und intensivem Austausch.


Daneben gab es auch Abendveranstaltungen, die nicht ganz so intensiv waren und eher von Frauen besucht wurden, die mit dem Thema sowieso beschäftigt und vertraut sind. Es gab auch einige Frauen, die lieber in Einzelsessions die Fotos machen wollten, weil die Gruppenatmosphäre für sie nicht der geeignete Raum war.


Und so sind dann die Fotos entstanden. Ich habe 5 Monate lang Fotosessions mit Frauen gemacht, Suppe gekocht, Kuchen gebacken, Salate gemacht... Die Frauen kamen zum größten Teil aus dem Fläming-Freundeskreis sowie aus Berlin und dem Umland.



Yoni, weibliches Genital, VaginaEs war eine spannende herausfordernde Arbeit für mich, die ohne das Interesse der Frauen an diesem Thema nicht möglich gewesen wäre. Wir kreierten uns einen experimentellen, weichen und offenen Raum, jedes Mal neu und anders, je nachdem, was für Themen die anwesenden Frauen mitbrachten.


Ein Forschungsthema war zum Beispiel, wie sich das Aussehen der Yoni bei sexueller Erregung verändert. Wir machten also Fotos im „Normalzustand“, schauten dann zehn Minuten einen erotischen Film oder eine Frau gab Yonimassagen und danach fotografierte ich wieder.


Die sichtbaren Veränderungen waren teilweise sehr stark und verblüffend.


Ebenfalls spannend war auch das Thema „Öffnung“, denn wir stellten fest, dass es bei den einzelnen Frauen ganz unterschiedlich ist, wie sichtbar „offen“ oder „zu“ die Yoni ist. In Gesprächsrunden tauschten wir Erfahrungen und Gefühle zu diesen und anderen Themen aus, so dass ein heilsamer, natürlicher Vertrauensraum entstand, in welchem die wunderbareren Fotos auf kreative und teilweise recht ausgelassene Weise entstanden.


Ich danke all den Frauen für ihr Vertrauen und für ihre Offenheit, für ihre Neugierde und die vielen Themen, die wir gemeinsam bewegt und gefühlt haben. Ich habe insgesamt 65 Frauen fotografiert, im Alter zwischen 18 und 75 Jahren, und über 1000 Fotos gemacht. Parallel habe ich Fotos in der Natur gemacht, an Stellen, die mich von Farbe und Form her an Yonis erinnert haben. Einige Naturfotos und Bilder haben Freunde und Bekannte von mir gemacht. Was mich tief berührt und bewegt hat...


Die Arbeit an dem Buch hat auch in meinem Leben einige „Wellen“ gemacht, denn es fiel mir beispielsweise nicht leicht, meinen Eltern zu erzählen, an was für einem Projekt ich gerade arbeite. Anfangs stieß ich auf großes Unverständnis, gepaart mit liebevoller Toleranz. Doch ich konnte spüren, wie peinlich, unangenehm dieses Thema „Yoni“ für meine Eltern war. Mir wurde plötzlich bewusst, in was für einer vertrackten Situation ich steckte. Denn mein größter Wunsch, dass Dieses Buch eine breite Öffentlichkeit erreicht, würde meinen Eltern ganz großes Unbehagen bereiten. Diese Vorstellung hat mich sehr belastet, und ich habe mich gefragt, ob ich ihnen das überhaupt antun kann. Um so mehr hat es mich berührt und bewegt, als mir meine Mutter, nach einiger Zeit und vielen offenen Gesprächen, erlaubt hat, auch mein „Tor ins Leben“, ihre Yoni, zu fotografieren. In diesem Zusammenhang möchte ich mich auch bei meiner Tante Eise bedanken, die nach einem Familientreffen, bei dem ich meiner Verwandtschaft von meiner Arbeit erzählte, den Mut und die Klarheit hatte, ihre Yoni auch für das Buch fotografieren zu lassen. Das war für mich ein richtiges Geschenk, deren ich weiß, dass in der Generation der heute 70-jährigen dieses Thema noch viel mehr tabuisiert wurde und bewundere sie dafür, wie unkompliziert und direkt sie damit umgehen konnte.


Nachdem mein Vater den Prolog zum ersten Mal gelesen hatte, war auch seine Ablehnung diesem Thema gegenüber einem gewissen Verständnis gewichen, was mich und auch meine Mutter sichtlich erleichtert hat. Eine Frau aus Berlin hat mich mit ihrer Lebensgeschichte ganz besonders berührt, denn sie wurde in einem Männerkörper geboren und hat sich mit 22 Jahren zu einer chirurgischen Geschlechtsumwandlung entschlossen, da ihr sonst ein Leben als Frau in unserer Gesellschaft nicht möglich gewesen wäre. Obwohl ihre Yoni ein künstliches „Produkt' ist, habe ich beschlossen, dass sie auch in diesem Buch ihren Platz findet. Denn ich habe selten eine Frau gesehen, die so stolz und glücklich mit ihrer Yoni war und so einer? bewussten, liebevollen Kontakt zu ihr hatte.


Yoni, weibliches Genital, Vagina


Was ich bei meiner Arbeit beobachtete... Während meiner Arbeit erlebte ich immer wieder, dass das Thema des Buches bei Frauen und auch bei Männern, die damit konfrontiert wurden, starke innere Prozesse ausgelöst hat. Von Empörung bis hin zu Begeisterung, von Verunsicherung, Sprachlosigkeit, Scham und Unwohlsein bis hin zu Gefühlen der Befreiung.


Bei vielen Menschen hat sich das Fühlen und Denken zum Thema „weibliche Genitalien“ völlig verändert, weil sie erstmalig die Möglichkeit hatten, sich auf eine ganz andere Weise damit auseinander zu setzen. Interessanterweise gab es kaum Menschen, die diese fokussierten Photos als erotisch empfunden haben. Bei den meisten war es eine Mischung aus Erstaunen, Scham, Erschrecken und Neugierde. Den wenigsten Männern ist es gelungen, aus drei bis vier Yoni- Bildern verschiedener Frauen die Yoni ihrer Frau zu erkennen. Auch die Frauen hatten Schwierigkeiten, ihre eigene Yoni unter verschiedenen Bildern wieder zu finden. Was ganz verständlich ist, denn unser Blick, ist nicht der Gleiche, wie der durch das Teleobjektiv einer Karnera.


Diese Erfahrungen haben mir gezeigt, dass es Frauen wie Männern, die sich bisher noch nicht näher mit dem Thema befasst haben, oft schwer fällt, sich die Großaufnahmen von Yonis entspannt anzuschauen. Es tauchen dabei ganz verschiedene Reaktionen auf und mir wurde klar, dass es schwierig ist, Menschen dazu einzuladen, sich solche Art konkreter Fotos liebevoll und neugierig zu betrachten. Deshalb habe ich entschieden, dass die ersten Seiten des Buches mit Fotomontagen den Betrachter und sein Auge sowie auch seinen Geist und seine Seele auf ganz vorsichtige, kreative, witzige und charmante Art an den Anblick einer Yoni gewöhnen sollen, bevor die ganz konkreten und klarer Aufnahmen folgen. Das Buch berührt mit diesem Thema so viele Ebenen, dass es nur eine Einladung sein kann, den ersten Schritt zu tun, anders hinzuschauen; Was für Emotionen und Gedanken, beim einzelnen Menschen ausgelöst werden, wird sehr vielfältig und unterschiedlich sein, je nach kultureller, religiöser und familiärer Prägung.


Ich wünsche mir, dass das Buch der Betrachterin und dem Betrachter die Möglichkeit gibt, jenseits der vorhandenen Prägungen und Sichtweisen, einen natürlichen, verbundenen und liebevollen Umgang mit den weiblichen Genitalien, den Yonis, zu finden.
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Yoni, weibliches Genital, Vagina


Yoni, weibliches Genital, Vagina


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