Suchbuch.de

Leseproben online - Schmökern in Büchern



Kategorien
> Ratgeber > Das 1x1 der Möbelantiquitäten
Belletristik
Bücher Erotik
Esoterik Bücher
Fantasy Bücher
Kinderbücher
Krimis & Thriller
Kultur Bücher
Lyrikbücher
Magazine
Politik, Gesellschaftskritik
Ratgeberbücher
regionale Bücher
Reiseberichte
Bücher Satire
Science Fiction
Technikbücher
Tierbücher
Wirtschaftbücher
Bücher Zeitzeugen

Login
Login

Newsletter
Name
eMail

Ratgeberbücher
Buch Leseprobe Das 1x1 der Möbelantiquitäten, Bernhard Valta
Bernhard Valta

Das 1x1 der Möbelantiquitäten


Stilkunde-Lexikon-Der Tischler-Galerie-Pflege

Bewertung:
(358)Gefällt mir
Kommentare ansehen und verfassen

Aufrufe:
3279
Dieses Buch jetzt kaufen bei:

oder bei:
bei allen Buchhandlungen, novumVerlag,
Drucken Empfehlen

Biedermeier


 


Das Biedermeier wird als Bezeichnung für die bürgerliche Wohnkultur beschrieben. Es umfasst die Zeit der Restauration zwischen dem Wiener Kongress von 1815 und der Revolution von 1848. Die Formen dieser Möbel sind klar und eindeutig. Biedermeier gilt als Inbegriff zeitloser Eleganz und harmonischer Perfektion. Als kunsthistorische Bezeichnung kam der Begriff erst um 1900 auf.


Biedermeier leitet sich ab von den- vom späteren Malerpoeten  Josef Victor v. Scheffel


veröffentlichten- Gedichten in den „Fliegenden Blättern" (ein Wochenblatt) mit den Titeln „Biedermanns Abendgemütlichkeit"  und „ Bummelmaiers Klage".


Ludwig Eichrodt und Adolf Kussmaul  persiflierten Gedichte des naiven Dorfschulmeisters Samuel F. Sauter, in denen sie „gemütliche Biederkeit" sahen, unter dem Pseudonym „Gottlieb Biedermaier", noch mit „ai" geschrieben.


 


Die Fortbildung des französischen Empirestiles ergab den zwischen 1810 und 1848 geltenden Biedermeierstil, der vor allem in Deutschland und Österreich für die bürgerliche Innenausstattung in der Zeit nach den Freiheitskriegen steht.


Das Mobiliar diente weniger repräsentativen Zwecken, als vielmehr der von den  Zeitgenossen geschätzten Gemütlichkeit. Es war in erster Linie funktionell.


Werkgerechtigkeit- Mobilität und Funktionalität- im Biedermeier findet zum ersten Mal in einer vorsichtigen Weise der Dreiklang statt, der seit der Jugendstilzeit bis in unsere Tage immer wieder eingefordert wird.


 


Die Möbel glänzen durch erstaunliche Details sowie durch die Wirkung der Maserung des politierten Holzes - die neu entwickelte Schellackpolitur macht dies möglich. Die Zusammensetzung des Deckfurniers, Kirsch- und Nussbaumholz, daneben auch Flammbirke und Eschenknollenmaserholz steht im Vordergrund.  Beschläge werden äußerst zurückhaltend eingesetzt. Für Möbel im Stil der Restauration wird gerne helles, feines Ahornfurnier verwendet mit zarten Einlagen.


Der Unterschied zum Empire: Nicht mehr Architekten, sondern die in Zeichenschulen- der neu gegründeten polytechnischen Vereine- am Entwurf geübten Tischler selbst, geben dem Möbel die Form. Basierend auf bekannte Vorlagenstiche, fügen sich eigene Vorstellungen und handwerkliche Voraussetzungen zusammen.


 


Wichtige Möbel sind der Tisch, rund oder oval, auf einem oder drei Mittelfüssen, das Sofa, sowie Sessel in unzähligen Varianten. Nicht zu vergessen- das Nähtischchen für die tüchtige Dame des Hauses.


 


Neueste Erkenntnisse ergeben nun ein geändertes Bild. 2007 zeigt die Wiener Albertina in einer umfassenden Biedermeierausstellung, (die zuerst in Milwaukee- USA, Wien, dann Berlin und in Paris gastiert) deren Leihgaben zu 80 % aus Österreich stammen- Möbel, Glas, Malerei, Porzellan, bis hin zur Mode.


Erzherzog Karl ließ 1810 die im Louis- seize Stil erbaute Albertina im bürgerlichen Stil total umbauen. Josef Danhauser modernisierte mit seiner Werkstätte das gesamte Palais: Möbel, Fußböden, Intarsien sowie die übrige Ausstattung. Die aktuellen Ergebnisse der Forschung sagen nun: Biedermeier war zuerst ein hocharistokratischer Stil und erst später einer des vermögenden Bürgertums. Der Beginn dieser Epoche muss damit um einige Jahre auf etwa 1800 vorverlegt werden! 


 


Das Biedermeier in Norddeutschland entwickelt sich hier aus dem Zopfstil und ist stark von England beeinflusst, mit dem enge Beziehungen bestehen. Dies ermöglicht den Zugang zu seltenen Holzarten wie Mahagoni. Für die Möbel wird daneben oftmals Birkenholz-Furnier verwendet, (Maser und Wurzelfurnier) selten Nuss oder Kirsch. Sie sind kubisch ähnlich gestaltet wie anderswo auch, haben aber einen architektonisch gestalteten Aufsatz noch darüber. (Treppenabschluss). In Berlin gab es 1816 mehr als 1300 Meister und Gesellen.


Die Wiener Möbeltischler fanden bereits in der Empire- Zeit zu einem eigenen Stil, der sich durch gefälligere Formen und mehr Fantasie von den französischen, wie auch den übrigen europäischen Erzeugnissen abheben konnte. Man zählte im Jahre 1816 in Wien 875 selbstständige Tischlermeister, im Jahre 1823 waren es schon 951. Die wohl wichtigste Möbelfabrik betrieb Josef Danhauser, die im Jahre 1808 mehr als 100 Arbeiter hatte. Mit seinen Entwürfen beeinflusste er den Wiener Möbelstil des Biedermeier.


Es gibt viele Neuerungen bei den Werkzeugen: Fuchsschwanz, bessere Hobel, Maschinen zum Hobeln, Bohren, Schlitzen oder Furnierschneiden - aber nicht in jeder Werkstatt, viele Betriebe behalten ihre traditionelle Arbeitsweise bei, die bürgerlichen Kunden legen keinen Wert auf Modernität.


1906 schrieb über die Biedermeierzeit ein gewisser J.A Lux: "Es ist zu beachten, dass das gesamte Mobiliar reines Tischlererzeugnis ist und den einzigen und natürlichen Schmuck in der sauberen und soliden Mache suchte."


Für den Inhalt dieser Seite ist der jeweilige Inserent verantwortlich! Missbrauch melden



© 2008 - 2022 suchbuch.de - Leseproben online kostenlos!


ExecutionTime: 10 secs