Suchbuch.de

Leseproben online - Schmökern in Büchern

zurück zum Buch

Brevier für Pauline


von Michael Fuchs-Gamböck

ratgeber_buecher
ISBN13-Nummer:
9783943650693
Ausstattung:
Illustriert von Rainer G. Flechsig, 17 s/w Illustrationen, 84 Seiten, Einband Paperback, Breite 108mm, Höhe 170mm, Dicke 7mm, Gewicht 85g
Preis:
9.90 €
Mehr Infos zum Buch:
Website
Verlag:
Pax et Bonum
Kontakt zum Autor oder Verlag:
fuchs-gamboeck@web.de
Rezension
Leseprobe

 

 

Einstieg

 

Was ist ein Brevier?

Im »Brevier« las früher Hochwürden, wenn er sich

geruhsam im Obstgarten hinter seinem Pfarrhaus

erging. Das Brevier war und ist ein handliches,

kleines Buch, das die Texte für die Stundengebete

enthält. Mehrmals täglich, zu festgelegten

Stunden, sollte der fromme Christ, vor allem die

Kleriker und Mönche, beten und dadurch seinen

Tageslauf gliedern und unter Gottes Schutz stellen.

Die Gebete und Texte für das Stundengebet

sind schon seit frühchristlicher Zeit festgelegt,

und damit der Gläubige nicht ganze Bibeln,

Psalterien und Hymnensammlungen mit sich herumtragen

musste, wurde eine Kurzfassung hergestellt.

»Kurz« heißt auf lateinisch »brevis«, und daher

kommt das Wort »Brevier« (auch das Wort

»Brief«). Man sagt auch »Stundenbuch« dazu, wobei

man bei diesem Wort gern an kostbare, reich

illustrierte Handschriften aus dem späten Mittelalter

denkt.

Später nannte man gelegentlich auch andere

knapp zusammenfassende Bücher »Brevier«. Einerseits

war dieser Titel beliebt für Zitatsammlungen

berühmter Dichter, so gibt es Dostojewski-, Goethe-,

Kant-, Nestroy- oder Nietzsche-»Breviere«. Andererseits

hat man auch Ratgeber so bezeichnet, etwa Breviere

für gesunde Lebensführung, für Frauen und

Jungfrauen. Aber es erschienen auch Lebenskunstund

Atheisten-Breviere. »Vademecum« war bei solchen

Büchern auch ein beliebter Titel, der ausdrücken

sollte, dass dieses Büchlein den Leser begleiten

will, denn »Vademecum« heißt »Komm mit mir!«

Wenn in einem Buchtitel das Wort »Brevier« vorkommt,

schwingt immer mit, dass es sich um eine

knappe, unter einem bestimmten Aspekt zusammengestellte

Sammlung von Texten mit einem gewissen

Anspruch auf Relevanz, aber ohne Anspruch

auf Vollständigkeit handelt.

So ist es auch hier bei den 18 Gedichten, die Michael

Fuchs-Gamböck für seine erwachsen werdende

Tochter geschrieben und zusammengestellt hat.

Behandelt werden die großen Fragen des Lebens,

Liebe und Tod, Gott und Gnade, Freude und Leid,

der Gang der Dinge, die kleine Welt des Selbst und

die große Welt der Mächtigen, das ganz bei sich Sein

und die Freude am Leben, die Wahl der richtigen

Gedanken, aber auch das Abschalten der Gedanken.

Diese Gedichte wollen Mut machen, das Selbstbewusstsein

stärken, bei der Unterscheidung zwischen

wichtig und unwichtig helfen.
Dabei handelt es sich weniger um Verhaltensregeln

als um Lebensmaximen, die teilweise an die

Aussagen der antiken Philosophie erinnern, etwa

an die Selbstbetrachtungen des Marc Aurel, aber

dann auch wieder durch eine alltägliche Sprache relativiert

oder vom Sockel geholt werden (»Quatsch«,

»zack«, »hey«). Man ahnt, dass der Autor in die Zeit

von 1968 hineingeboren wurde, aber seine Maximen

haben doch auch etwas Zeitloses. Es ist nicht von

Drogen oder »social media« die Rede, nicht von Sex

oder »Burn-out«, nicht von Geldgier oder »Hedgefonds

«. Überhaupt fehlen Anglizismen, die deutsche

Sprache wird ernst und beim Wort genommen, in

ihrer ganzen Fülle und Ausdrucksstärke.

Es könnte sein und wäre zu wünschen, dass dieses

Buch jungen Menschen hilft, sich in unserer Welt

besser zurechtzufinden.

Thomas Raff

 

 

Diese Liebe

Lass dir

die Liebe

niemals ausreden

– sie ist das Beste

was dir je

passieren kann

Nicht immer einfach

diese Liebe

weil die meisten

Menschen

nicht versteh’n

worum es

eigentlich geht

in der Liebe

diesem Schatz

ohne Geld

Nimm die Liebe

wie sie ist

– vorbehaltlos –

ohne Recht

ohne Wissen

einfach so

Nimm sie

und gib sie

und genieß

 

Die Dinge

Die Dinge

geh’n ja

ihren Gang

unentwegt;

und wir versuchen

sie zu ändern

was völliger

Quatsch ist.

Die Dinge

geh’n ja

ihren Gang

weil sie sonst

nichts zu tun haben

Also geh’

einfach mit

und dann geht es

dir gut

 

Meine Welt

Sie ist so schön

diese Welt

meine Welt

diese kleine Welt

– ganz anders

als diese andere Welt

diese große Welt

unheimlich

und schwer

und so gar nicht so

wie die Welt

sein soll

Die kleine Welt

zeigt dir sofort

ohne Aufhebens

wo es lang geht

– immer munter

drauf los

keinen Fehler machen

der Weg ist klar;

klar

wie das Wasser

das fließt

dorthin

wo es richtig ist

 

Vom richtigen Gedanken

So viele Gedanken

in uns drin

pausenlos

die auf uns einströmen

unentwegt

– zack, da ist er schon

der nächste Gedanke

und zack,

hier wieder einer

und weißt du noch

was du grade

gedacht hast?

Selbst die Nacht

lässt uns niemals

in Ruh’

– ständig

pulsiert

das Gehirn

Aber:

Woll’n wir das

tatsächlich?

Woll’n wir

diese Flut

die ewig fließt?

Und es gibt sie ja

die richtigen Gedanken

– diejenigen,

die uns sagen

wer wir sind

Klingt so einfach

ist aber

grässlich schwer

– erzählt dir ja

jeder was anderes

von wegen

was richtig ist

und was nicht

Aber hey

ist doch dein Leben

sind doch deine Gedanken

– oder nicht?

Schau dich um

in der Welt

schau ganz genau

hin

– und dann:

Urteile

und handle

und sei dabei

stets du selbst

Denn dann

kann nichts schief gehen

niemals

– die Saat

deines Körpers

ist gut

von Anfang an;

du bist hier

weil du hier

sein wolltest

genau hier

gezeugt von den Eltern

die du wolltest

genau die

Das Schicksal

ist nicht immer

leicht zu versteh’n

– deine Eltern

mögen Fehler

gemacht haben

eine Menge davon

Aber jetzt

bist du hier

keiner weiß

warum

– also mach’s

einfach besser

das ist

gar nicht so schwer

Danke

fürs Hiersein

danke

für dich;

und schnapp’ sie dir

die Gedanken

die richtig sind

– und ansonsten

schalt’ die Gedanken

einfach ab

manchmal

 

Pass auf!

Pass auf

Kind

dass dir niemand

je einredet

dass Liebe

was mit Macht zu tun hat

Lass’ dir nie erklären

dass die Welt

nicht geändert werden kann

– stimmt ja nicht:

Du

kannst sie ändern

Pass auf

Kind

dass dir niemals verborgen bleibt

wenn eine Pflanze

neu gewachsen ist

über Nacht;

dass dir niemals

verborgen bleibt

wenn ein Tier leidet

und du stets

die Chance hast

es zu heilen

– pass bitte auf

Pass auf

Kind

wenn die andern

dir erzählen wollen

was richtig ist

weil ihre Meinung

die Meinung

der Mehrheit ist

– ihre Meinung

ist richtig

aber nur deshalb

weil es die Meinung

der anderen ist

nicht die deine

Pass auf

Kind

dass du aufpasst

– Aufmerksamkeit

für sich

und für die wenigen

ist die größte Stärke

die es gibt

die wir besitzen

ganz tief

in uns drin

 

Freude

Hör’ Musik

und lache

und tanze

und sprich’

mit jedem

der dir zuhört

– oder auch nicht

Du hast doch

was zu sagen

also sprich es

auch aus

sprich laut

damit jeder

dich versteh’n kann

damit jeder

dich hört

Denn wenn du

was zu sagen hast

dann wird es

auch gehört

immer

– dann schenkst du Freude

dir

mir

uns und der Welt

 

Klappentext

»Ich liebe meine Tochter Pauline. Ich möchte ein guter Vater sein. Es ist meine tiefe Überzeugung, dass Kinder da sind, um ihren Erzeugern die eigene Unzulänglichkeit beizubringen. Das tun Kinder auf die charmanteste, weil naivste Art und Weise überhaupt.« Michael Fuchs-Gamböck möchte seiner Tochter, die mit Erreichen der Volljährigkeit an der Schwelle zum Erwachsensein steht, ein paar Eckpfeiler des Lebens mit auf den Weg geben – so wie es Väter seit Menschengedenken tun. Er bedient sich dazu eines schon lange aus der Mode gekommenen Mittels, seine Gedanken, Gefühle, Sorgen und Wünsche ohne erhobenen Zeigefinger zu vermitteln: Er schreibt ein Brevier – und gibt damit auch anderen Vätern Ideen an die Hand, wie sie den Spagat zwischen Festhalten und Loslassen ihres geliebten Kindes mit Erfolg absolvieren können.