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Ratgeberbücher
Buch Leseprobe Brevier für Pauline, Michael Fuchs-Gamböck
Michael Fuchs-Gamböck

Brevier für Pauline



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Einstieg


 


Was ist ein Brevier?


Im »Brevier« las früher Hochwürden, wenn er sich


geruhsam im Obstgarten hinter seinem Pfarrhaus


erging. Das Brevier war und ist ein handliches,


kleines Buch, das die Texte für die Stundengebete


enthält. Mehrmals täglich, zu festgelegten


Stunden, sollte der fromme Christ, vor allem die


Kleriker und Mönche, beten und dadurch seinen


Tageslauf gliedern und unter Gottes Schutz stellen.


Die Gebete und Texte für das Stundengebet


sind schon seit frühchristlicher Zeit festgelegt,


und damit der Gläubige nicht ganze Bibeln,


Psalterien und Hymnensammlungen mit sich herumtragen


musste, wurde eine Kurzfassung hergestellt.


»Kurz« heißt auf lateinisch »brevis«, und daher


kommt das Wort »Brevier« (auch das Wort


»Brief«). Man sagt auch »Stundenbuch« dazu, wobei


man bei diesem Wort gern an kostbare, reich


illustrierte Handschriften aus dem späten Mittelalter


denkt.


Später nannte man gelegentlich auch andere


knapp zusammenfassende Bücher »Brevier«. Einerseits


war dieser Titel beliebt für Zitatsammlungen


berühmter Dichter, so gibt es Dostojewski-, Goethe-,


Kant-, Nestroy- oder Nietzsche-»Breviere«. Andererseits


hat man auch Ratgeber so bezeichnet, etwa Breviere


für gesunde Lebensführung, für Frauen und


Jungfrauen. Aber es erschienen auch Lebenskunstund


Atheisten-Breviere. »Vademecum« war bei solchen


Büchern auch ein beliebter Titel, der ausdrücken


sollte, dass dieses Büchlein den Leser begleiten


will, denn »Vademecum« heißt »Komm mit mir!«


Wenn in einem Buchtitel das Wort »Brevier« vorkommt,


schwingt immer mit, dass es sich um eine


knappe, unter einem bestimmten Aspekt zusammengestellte


Sammlung von Texten mit einem gewissen


Anspruch auf Relevanz, aber ohne Anspruch


auf Vollständigkeit handelt.


So ist es auch hier bei den 18 Gedichten, die Michael


Fuchs-Gamböck für seine erwachsen werdende


Tochter geschrieben und zusammengestellt hat.


Behandelt werden die großen Fragen des Lebens,


Liebe und Tod, Gott und Gnade, Freude und Leid,


der Gang der Dinge, die kleine Welt des Selbst und


die große Welt der Mächtigen, das ganz bei sich Sein


und die Freude am Leben, die Wahl der richtigen


Gedanken, aber auch das Abschalten der Gedanken.


Diese Gedichte wollen Mut machen, das Selbstbewusstsein


stärken, bei der Unterscheidung zwischen


wichtig und unwichtig helfen.
Dabei handelt es sich weniger um Verhaltensregeln


als um Lebensmaximen, die teilweise an die


Aussagen der antiken Philosophie erinnern, etwa


an die Selbstbetrachtungen des Marc Aurel, aber


dann auch wieder durch eine alltägliche Sprache relativiert


oder vom Sockel geholt werden (»Quatsch«,


»zack«, »hey«). Man ahnt, dass der Autor in die Zeit


von 1968 hineingeboren wurde, aber seine Maximen


haben doch auch etwas Zeitloses. Es ist nicht von


Drogen oder »social media« die Rede, nicht von Sex


oder »Burn-out«, nicht von Geldgier oder »Hedgefonds


«. Überhaupt fehlen Anglizismen, die deutsche


Sprache wird ernst und beim Wort genommen, in


ihrer ganzen Fülle und Ausdrucksstärke.


Es könnte sein und wäre zu wünschen, dass dieses


Buch jungen Menschen hilft, sich in unserer Welt


besser zurechtzufinden.


Thomas Raff


 


 


Diese Liebe


Lass dir


die Liebe


niemals ausreden


– sie ist das Beste


was dir je


passieren kann


Nicht immer einfach


diese Liebe


weil die meisten


Menschen


nicht versteh’n


worum es


eigentlich geht


in der Liebe


diesem Schatz


ohne Geld


Nimm die Liebe


wie sie ist


– vorbehaltlos –


ohne Recht


ohne Wissen


einfach so


Nimm sie


und gib sie


und genieß


 


Die Dinge


Die Dinge


geh’n ja


ihren Gang


unentwegt;


und wir versuchen


sie zu ändern


was völliger


Quatsch ist.


Die Dinge


geh’n ja


ihren Gang


weil sie sonst


nichts zu tun haben


Also geh’


einfach mit


und dann geht es


dir gut


 


Meine Welt


Sie ist so schön


diese Welt


meine Welt


diese kleine Welt


– ganz anders


als diese andere Welt


diese große Welt


unheimlich


und schwer


und so gar nicht so


wie die Welt


sein soll


Die kleine Welt


zeigt dir sofort


ohne Aufhebens


wo es lang geht


– immer munter


drauf los


keinen Fehler machen


der Weg ist klar;


klar


wie das Wasser


das fließt


dorthin


wo es richtig ist


 


Vom richtigen Gedanken


So viele Gedanken


in uns drin


pausenlos


die auf uns einströmen


unentwegt


– zack, da ist er schon


der nächste Gedanke


und zack,


hier wieder einer


und weißt du noch


was du grade


gedacht hast?


Selbst die Nacht


lässt uns niemals


in Ruh’


– ständig


pulsiert


das Gehirn


Aber:


Woll’n wir das


tatsächlich?


Woll’n wir


diese Flut


die ewig fließt?


Und es gibt sie ja


die richtigen Gedanken


– diejenigen,


die uns sagen


wer wir sind


Klingt so einfach


ist aber


grässlich schwer


– erzählt dir ja


jeder was anderes


von wegen


was richtig ist


und was nicht


Aber hey


ist doch dein Leben


sind doch deine Gedanken


– oder nicht?


Schau dich um


in der Welt


schau ganz genau


hin


– und dann:


Urteile


und handle


und sei dabei


stets du selbst


Denn dann


kann nichts schief gehen


niemals


– die Saat


deines Körpers


ist gut


von Anfang an;


du bist hier


weil du hier


sein wolltest


genau hier


gezeugt von den Eltern


die du wolltest


genau die


Das Schicksal


ist nicht immer


leicht zu versteh’n


– deine Eltern


mögen Fehler


gemacht haben


eine Menge davon


Aber jetzt


bist du hier


keiner weiß


warum


– also mach’s


einfach besser


das ist


gar nicht so schwer


Danke


fürs Hiersein


danke


für dich;


und schnapp’ sie dir


die Gedanken


die richtig sind


– und ansonsten


schalt’ die Gedanken


einfach ab


manchmal


 


Pass auf!


Pass auf


Kind


dass dir niemand


je einredet


dass Liebe


was mit Macht zu tun hat


Lass’ dir nie erklären


dass die Welt


nicht geändert werden kann


– stimmt ja nicht:


Du


kannst sie ändern


Pass auf


Kind


dass dir niemals verborgen bleibt


wenn eine Pflanze


neu gewachsen ist


über Nacht;


dass dir niemals


verborgen bleibt


wenn ein Tier leidet


und du stets


die Chance hast


es zu heilen


– pass bitte auf


Pass auf


Kind


wenn die andern


dir erzählen wollen


was richtig ist


weil ihre Meinung


die Meinung


der Mehrheit ist


– ihre Meinung


ist richtig


aber nur deshalb


weil es die Meinung


der anderen ist


nicht die deine


Pass auf


Kind


dass du aufpasst


– Aufmerksamkeit


für sich


und für die wenigen


ist die größte Stärke


die es gibt


die wir besitzen


ganz tief


in uns drin


 


Freude


Hör’ Musik


und lache


und tanze


und sprich’


mit jedem


der dir zuhört


– oder auch nicht


Du hast doch


was zu sagen


also sprich es


auch aus


sprich laut


damit jeder


dich versteh’n kann


damit jeder


dich hört


Denn wenn du


was zu sagen hast


dann wird es


auch gehört


immer


– dann schenkst du Freude


dir


mir


uns und der Welt


 


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