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Politik, Gesellschaftskritik
Buch Leseprobe Wissenschaft und Glauben, Raimund Eich
Raimund Eich

Wissenschaft und Glauben


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Glauben als unverzichtbarer Bestandteil unseres Lebens


 


Ohne Glauben geht es im Leben grundsätzlich nicht, wohlgemerkt bezogen auf den Glauben allgemein. Unser Leben ist grundsätzlich auf bestimmte Ziele hin ausgerichtet, sei es beruflich oder privat. So glau-ben wir zum Beispiel, dass wir den heutigen Tag überstehen werden und dass morgen auch noch ein Tag ist. Wir glauben daran, dass uns schon nichts passieren wird, dass wir unsere Alltagsaufgaben, unsere Sorgen und unsere Probleme irgendwie bewäl-tigen können. Wir glauben daran, bevorstehende Prüfungen meistern zu können, vom Erwerb des Seepferdchen angefangen über den Erwerb einer Fahrerlaubnis bis hin zu einem qualifizierten Hochschulabschluss. Wir glauben daran, dass uns unser Partner treu ist, dass wir uns auf Verwandte, Freunde und Bekannte auch in der Not verlassen können, dass unser Arbeitsplatz sicher ist, dass wir am Ende des Monats unser Geld bekommen werden, dass unser Verein das nächste Spiel gewinnt oder Meister wird oder nicht absteigt, vom Sechser im Lotto ganz zu schweigen. Die Auswahl an Beispielen ist schier unbegrenzt und könnte hier beliebig fortgesetzt werden. Bleiben wir stattdessen doch einfach mal beim Sechser im Lotto. Millionen Menschen tippen regelmäßig und geben dafür eine ganze Menge Geld aus. Für die allermeisten wäre es zweifellos „gewinnbringender“, das Geld für den Tippeinsatz zu sparen oder für andere Zwecke zu verwenden, denn nur den allerwenigstens winkt das Millionenglück. Und dennoch versuchen sie es immer wieder, viele sogar ein Leben lang vergeblich. Die Chance, beim Zahlenlotto den Jackpot zu knacken, liegen, soweit mir bekannt ist, bei rund 1:140 Millionen, ist also verschwindend gering, was auch für andere Glücksspiele in ähnlicher Weise gilt. Warum also lassen sich so viele dennoch immer wieder aufs Neue verführen und sind unerschütterlich in ihrem Glauben an den Hauptgewinn? Ganz einfach, weil mit diesem Glauben die Hoffnung aufs große Glück verbunden ist, darauf, dass sie mit einem Schlag, für immer von allen finanziellen Sorgen befreit, ein Leben in Saus und Braus führen können, ein freies, unbeschwertes und glückliches Leben, nach dem wir uns wohl alle sehnen. So gesehen ist es durchaus verständlich, an seinem Lottoglauben festzuhalten, selbst wenn nie etwas daraus werden sollte. Man erkauft sich damit zumindest dauerhaft die Hoffnung oder Träume auf ein märchenhaftes Glück. Doch ist dieses Glück auch garantiert für denjenigen, für den sich tatsächlich die prall gefüllte Schatzkiste eines Tages öffnet. Keineswegs, wie leider allzu viele Negativbeispiele zeigen. Selbst wer mit dem großen Wurf für immer materiell ausgesorgt hat, weil er mit dem gewonnen Geld sorgsam umzugehen ver-steht, wird über kurz oder lang feststellen, dass man sich damit die wahre Liebe, das dauerhafte Glück oder eine immerwährende Jugend, Schönheit und Gesundheit keineswegs erkaufen kann. Ganz zu schweigen von denen, die im Freudentaumel völlig durchdrehen, ihre Arbeitsstelle kündigen, Frau und Kinder verlassen und das Geld so lange „unter Mithilfe“ zahlloser Freunde verprassen, bis sie am Ende in jeder Beziehung weitaus schlimmer dran sind als vor dem umjubelten Glückstreffer. Wer sein Glück nur im Materiellen zu finden glaubt, hat offenbar noch nicht verstanden, worauf es im Leben wirklich ankommt. Wer hierüber noch et-was mehr erfahren möchte, dem sei ein Blick in die im Kapitel „Weitergehende Literatur zur Thematik“ aufgeführten Bücher empfohlen. Auch die Wissenschaft würde ohne den Glauben an einen permanenten wissenschaftlichen Fortschritt auf der Stelle treten. Nur diejenigen Forscher, die den jeweiligen Stand der Erkenntnis auf einem bestimmten Gebiet noch nicht für der Weisheit letzten Schluss halten, die Zweifel an dessen Richtigkeit oder Voll-ständigkeit haben, oder die glauben, auf anderen Wegen besser und schneller ans Ziel zu kommen, bringen die Wissenschaft weiter voran, von darüber hinaus nicht zu leugnenden Zufallsentdeckungen einmal abgesehen. Ein paar Beispiele im nachfolgenden Kapitel sollen hiervon Zeugnis ablegen.


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