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Politik, Gesellschaftskritik
Buch Leseprobe Jihad as-saghir. Legitimation und K, Thomas Tartsch
Thomas Tartsch

Jihad as-saghir. Legitimation und K


Ein Beitrag zum Zusammenhang zwischen Religio

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Inhalt


Inhaltsverzeichnis                                                                             5


Anmerkungen zur Umschrift                                                           7


Vorbemerkungen                                                                              9


Definition                                                                                            9


Erster Teil                                                                                           11


1. Einleitung                                                                                       11


2. Islam und Islamismus                                                                14


3. „Islam" und „der Islam"                                                               17


4. Jihad                                                                                               23


5. Qur'ān                                                                                             26


6. Sunna                                                                                             35


Zweiter Teil                                                                                         37


Islamische Kampfdoktrinen und ihre Legitimation                    37


1. Badr und Muğāhid: Der Anfang                                                  37


2. 1300 Jahre nach Badr: Das Erwachen                                    59


 


3. Islamische Kampfdoktrinen im Jihad                                       81


3.1. Alles und jeder kann eine Waffe im reglementierten         81


       bis totalen Jihad sein


3.2. Lüge und Täuschung                                                               89


3.3. Der ewige Kriegszustand zwischen Dār al-Islām und      91


       Dār al-Harb                  


3.4. Jihad als fard al-kifāya oder fard al-ayn                                98


4. Zusammenfassung                                                                     115


5. Counterjihad                                                                                  137


6. 1979 -2009: Das Ende?                                                              159


Anmerkungen und Literatur                                                            163


Anmerkungen                                                                                    163


Literatur                                                                                               173


 


Erster Teil


1. Einleitung


Herfried Münkler schrieb schon 2002 der Politik und dem Militär bezüglich zukünftiger militärischer Konflikte ins Stammbuch:


„Es war eine Illusion zu meinen, mit dem Ende der symmetrischen Kriege sei auch das Zeitalter der Kriege zu Ende gegangen. Sie sind durch asymmetrische Kriege abgelöst worden, und diese werden die Geschichte des 21. Jahrhunderts bestimmen".[i]


Während die westliche Welt seit dem 11.09.2001 einen „Krieg gegen den Terror" offensiv militärisch führt, beschränkt sie sich im psychologischen Bereich auf die Limitierung der islamischen Welt auf die Rolle eines Opfers, was der dort allgemein bestehenden Selbstviktimisierung entgegenkommt, die jede Fehlentwicklung und Rückständigkeit gegenüber dem Westen seit dem 18. Jahrhundert in Form verschwörungstheoretischer Konstrukte und psychosomatischen Selbstmitleides verarbeitet.


Diese Idiosynkrasie unterstützt oder begrüßt als Antwort auf Kreuzzüge und Kolonialismus den „modernen" Jihadismus von Usāma Ibn Muhammad Ibn Awad Ibn Lādin und des hybriden Terrornetzwerkes al-Qā´ida als Kompensation eines aus ökonomischer, militärischer und politischer Ohnmacht gespeisten Minderwertigkeitgefühles gegenüber der westlichen Welt, die diese mit einer zumindest als wohlwollend zu charakterisierenden Selbstgeißelung honoriert.


So unterzeichneten vom 14.09.2001 bis zum 09.10.2001 insgesamt 79 Fachvertreter der Islam- und Orientwissenschaften von Universitäten und anderen wissenschaftlichen Einrichtungen aus ganz Deutschland eine Stellungnahme zu den aktuellen Ereignissen, die jeglichen Zusammenhang zwischen den Attentaten des 11.09.2001 und dem Islam negierte, da angeblich kein religiöser oder kultureller Hintergrund vorlag.[ii]


Diese ahistorische und entkontextualisierende Sichtweise wird nicht nur den realen Gegebenheiten nicht gerecht, sondern sie verhindert eine eingehende Strategiedebatte im Bereich der Sicherheitsbehörden und Streitkräfte, welche sich auch auf den gescheiterten „Dialog der Kulturen" auswirkt, dessen Deutungshoheit heute bei den organisierten islamischen Dachverbänden liegt, die nur für eine Minorität von Muslimen in Deutschland sprechen. Während die nichtmuslimischen Dialogteilnehmer um das goldene Kalb „Religionsfreiheit" tanzen und sich vom muslimischen Gegenpart am Nasenring durch die Arena treiben lassen, werden  im Rahmen der zweiten Islamisierung angebliche islamspezifische Rechte gewährt, die in Fragen des Kopftuches im öffentlichen Dienst oder der Abmeldung vom koedukativen Schulunterricht desintegrativ erscheinen.


Das geballte Nichtwissen und die Scheu vor Konflikten und kritischen Stimmen, die mit moralinsauren Leerformeln wie „Islamophobie" kriminalisiert werden, verhindern damit eine angemessene Antwort auf den Jihadismus, der sowohl im Zentrum, als auch an der Peripherie, einen asymmetrischen Krieg führt.


Das verdeutlicht die auf die Befindlichkeiten des deutschen Wählers abgestimmte „Strategie der Abschottung" der deutschen ISAF Kontingente in Afghanistan, die seit Anfang 2009 ins direkte Zielspektrum verschiedener regional und international ausgerichteter jihadistischer Gruppen geraten sind, die mit vermehrten Angriffen auf die eingesetzten Bundeswehrsoldaten die deutsche Innenpolitik beeinflussen wollen.


Dabei befinden wir uns nach dem kurzen Intermezzo einer anscheinenden Friedenszeit des „Endes der Geschichte" vom 11.09.1989 bis zum 11.09.2001 im Jahr 2009 im 30. Jahr eines Konfliktes, dessen Wurzeln sich bis in die Zeit des Propheten Muhammad zurückverfolgen lassen und dessen Ende noch nicht abzusehen ist.


Während 1979 die Besetzung der Großen Moschee in Makka und die schiitische Revolution im Iran weltweite Aufmerksamkeit erlangten, wurde der vom Westen, Saudi-Arabien und Pakistan unterstützte Jihad in Afghanistan als letzter Stellvertreterkrieg der bipolaren Systemauseinandersetzung zur Geburtsstunde einer Ausprägung des Islam, die vor dem Hintergrund islamischer Geschichte nichts Neuartiges darstellt, sondern sich vielmehr den Gegebenheiten anpasste und sich nach wie vor anpasst.


Damit wird die immer beschworene Trennung zwischen „Islam" und dem in der Konnotation der Sicherheitsbehörden „taktischen/militanten Islamismus" im öffentlichen Diskurs obsolet, im Angesicht der Legitimierung des Jihadismus durch die heiligen Quellen des Islam und der Schriften der 'Ulama und der Fiqh (islamische Jurisprudenz) seit dem 8. Jahrhundert.


Heute, acht Jahre nach dem 11. September 2001, ist das Verständnis der Legitimation, der Denkweise und der angewandten Kriegsdoktrinen in Deutschland bei Streitkräften und Sicherheitsbehörden, trotz angeblicher fachlicher Aufrüstung seit 2001, kaum besser.


Das zeigt sich schon in der Dichotomie von „Islam" und „Islamismus".


 


 


Anmerkungen


 


[i] Herfried Münkler (2002): „Die neuen Kriege und das gewandelte Aufgabenfeld der Sicherheitspolitik", Eröffnungsvortrag der 3. Außenpolitischen Jahrestagung der Heinrich-Böll Stiftung, 21.02.2002, unter:


http://www.hamburger-bildungsserver.de/welcome.phtml?unten=/konflikte/neuekriege/tmuenklevortrag.htm.


[ii] Universität Köln (2001): „Stellungnahme zu den aktuellen Ereignissen", unter:


http://www.uni-koeln.de/phil-fak/orient/htm/stellungnahme.htm.


 


1. Badr und Muğāhid: Der Anfang    


[...]        


Muhammad führte die damals üblichen maġāzī, um neben der Entrichtung der religiösen Grundpflicht der Zakah (Läuterungsabgabe) durch die Ghanīma (bewegliche Kriegsbeute) die materielle Festigung und Versorgung der sich etablierenden islamischen Glaubens- und Kampfgemeinschaft zu sichern, was auf der arabischen Halbinsel eine gängige Praxis der Beduinenstämme darstellte.


Mit der aus einem Karawanenüberfall von Muhammad endenden siegreichen Schlacht von Badr (ġazwatu Badr) am 17.03.624 n.Chr. gegen die makkanischen Quraiš (deren Streitmacht den Muslimen cirka 3:1 überlegen war) findet das gewalttätige expansive Element der Ausbreitung mittels Gewalt durch direkte Billigung Allahs Eingang in die Religion, wovon der größte Teil der achten Sure des Qur'ān berichtet, die kurz nach der Schlacht geoffenbart wurde.[i] Die Schlacht von Badr wurde gewonnen, weil Allah die Engel beauftragte, den Kampfesmut der Muslime zu stärken. So die Verse 12 und 13 der 8. Sure:


 


„Als dein Herr den Engeln eingab: »Ich bin mit euch. Festigt diejenigen, die glauben. Ich werde den Herzen derer, die ungläubig sind, Schrecken einjagen. So schlagt auf die Nacken und schlagt auf jeden Finger von ihnen«." [nach Khoury]


 


„Dies dafür, daß sie sich Gott und seinem Gesandten widersetzten. Und wenn jemand sich Gott und seinem Gesandten widersetzt, so verhängt Gott eine harte Strafe." [nach Khoury]


Dieses Ereignis kann als Initialzündung für den expansiv-imperial ausgelegten und gewaltsamen Jihad angesehen werden, der durch den überraschenden Sieg, aufgrund der Unterlegenheit, als Sieg der überlegenen Religion gedeutet wurde, da entweder Allah direkt oder der Prophet als sein Gesandter die Muslime zum Sieg führte, womit die Wendung „Gott und sein Gesandter" in den später empfangenen Suren immer wiederkehrt.[ii]


 


[i] Cook (2005), S.7.


[ii] Ausführlich zur Schlacht von Badr: Akbar (2003), S.8f..


 


Nach dem Tod des Propheten zerbrach die, durch seine, nach der Herrschaftslehre Max Webers, als charismatisch zu bezeichnende Herrschaft, zusammengehaltene Umma in den Kämpfen um seine Nachfolge. Damit wurde der innerislamische Bürgerkrieg, seit der Kamelschlacht bei Basra 656 n.Chr. zwischen dem vierten rechtsgeleiteten Kalifen 'Alī Ibn Abī Ṭālib (ermordet 661 n.Chr.) und seinen Gegnern, zu denen auch Muhammads Lieblingsfrau Ā'iša bint Abū Bakr gehörte, neben den expansiven Jihad gegen die Ungläubigen, zu einer normalen Erscheinung islamischer Historie. Bis heute sind viele Konflikte in der islamischen Welt Nachwehen dieser Ereignisse, seit der Zersplitterung der madinensischen Ur-Umma, an denen der Westen keine Mitschuld trägt, da schon in keinem islamischen Land neben einem säkularen Staat eine nennenswerte säkulare Zivilgesellschaft existiert, die in der Lage wäre, diese religiös-politischen Konflikte zu lösen und die Gesellschaften zu transformieren.


Mit den ersten arabischen Eroberungszügen von Ṭāriq ibn Ziyād 711 n.Chr. bis zur zweiten osmanischen Belagerung vor Wien 1683 wurde der Jihad zur zeitweisen elementaren Bedrohung des Abendlandes, der selbst im immer gelobten „Cordoba Islam" ausgeübt wurde, was die Plünderung von Toldeo 713 n.Chr. bis zum erbittert geführten Jihad der Berberdynastien der al-Murābiṭūn (Almoraviden = Grenzkämpfer) und der al-Muwahhidun (Almohaden = Bekenner der Einheit Allahs) vom 11. bis 13. Jahrhundert verdeutlicht, deren Jihad sich sowohl gegen Muslime, als auch gegen Nichtmuslime richtete.[i] Allein am 30.12.1066 wurden in Granada 4.000 Juden durch einen muslimischen Mob getötet. Mehr als bei den Rheinlandprogromen der Kreuzfahrer Mitte des 12. Jahrhunderts.[ii]


Das immer gerühmte Toleranzmodell Al-Andalus repräsentierte vielmehr das Land des Jihad, wo jedes Jahr Ġazawāt (Razzien) in das spanische Königreich, das Baskenland, Frankreich und das Rhonetal ausgeübt wurden, um Sklaven und Beute zu erlangen. Von Al-Andalus aus wurden Sizilien und Italien angegriffen, um tausende von christlichen Sklaven und insbesondere christliche Sklavinnen für den ḥarām (Harem) aus dem ganzen christlichen Europa nach Al-Andalus zu deportieren.[iii] Auf der anderen Seite wurden etwa 1126 n.Chr. mehrere tausend Christen von Al-Andalus nach Marokko gesandt, um dort als Sklaven dienen zu müssen.[iv]


Die Zeiten der Toleranz des Cordoba Islam waren nicht von der Religion bestimmt, sondern durch die jeweiligen Umstände und Nützlichkeitserwägungen des jeweiligen Herrschers, womit die Realpolitik wie bei nichtislamischen Herrschern die Handlungsweise bestimmte, womit sich die Verklärung von Al-Andalus als transformierter idyllischer Multikulturalismus des Wunschdenkens und biederer Romantizismus relativiert.


 


 


[i] Ausführlich zur Afrikanisierung von Al-Andalus durch die Berberdynastien siehe Bossong (2007), S.43ff.


[ii] Spencer (2007), S.132.


[iii] Bostom (2008), S.57.


[iv] Spencer 2003, S.192.


 


1300 Jahre nach Badr: Das Erwachen                                   


[...]


Dabei nimmt Faraj eine globale Perspektive ein, da im Zeitablauf auch der Jihad gegen die Ungläubigen bis zum vollständigen Sieg geführt werden muss, wobei auf Sure 9, Vers 29 Bezug genommen wird:


 „In einem anderen Hadith sagte der Gesandte Allahs (s):


,Der Islam wird überall dort hinkommen, wo auch Tag und Nacht ankommen. Allah wird nicht zulassen, dass ein Haus übrig bleibt, in das der Islam nicht einkehrt. In einigen der Häuser wird der Islam ehrenvoll einkehren, weil er durch jene eintritt, die ihn freiwillig annehmen, und in andere wird er mit Gewalt eintreten."


(Dies deckt sich auf den ersten Blick nicht mit der Ayat aus dem Qur'an, in der es heißt, dass es keinen Zwang im Glauben gibt. Vielmehr liegt die Bedeutung des Hadith darin, daß der Islam die Welt beherrschen wird und dass selbst derjenige, der ihn nicht freiwillig annimmt, sich seinem Gesetz dennoch unterwerfen muß. Ein Beispiel dafür ist die geregelte Zahlung der Gisia - eine den Christen auferlegte Steuer zum Nutzen des islamischen Staates, und die Muslime garantieren im Gegenzug den Schutz ihrer Religion, ihres Eigentums und ihrer Ehre.)


„Diejenigen, die den Islam annehmen, werden geehrt, doch diejenigen, die ihn ablehnen, werden erniedrigt." Überliefert von Ahmed und Tabarani. Und Haisam sagte: „Der Überlieferer des Hadith sind zuverlässig."


Während Qutb eher als Theoretiker eingestuft werden kann, verdeutlicht Faraj den Typus des Aktivisten mit der neuen Idee des Jihads als Weg zur Errichtung eines islamischen Staates, während die klassischen Jihadkonzepte die Existenz einer Autorität voraussetzten, die den Jihad ausrief.[i] Dagegen sieht Faraj, gestützt auf den Schriften des Damaszener 'Alim Ibn Taimīya (gest. 1328 n.Chr.) zur Erlaubnis des Jihad gegen die Mongolen, das Recht von Muslimen als individuelle Pflicht an, einen Herrscher, der nicht die Šaria als Recht in seinem Land einführt, als Apostaten anzusehen, den man exekutieren darf.[ii] Nach seiner Argumentation, die auf der Auswertung klassischer Texte beruht, haben Sure 9, Vers 5 und Sure 2, Vers 216 alle anderen Textstellen abrogiert, die sich mit dem Verhältnis zu den Ungläubigen befassen.[iii]


Da er aber kein 'Alim war, konnte er sich durch eine fatwā (Rechtsgutachten) legitimieren, die durch den in extremistischen Kreisen bekannten blinden Shaikh  'Umar 'Abd ar-Raḥmān (der in den Vereinigten Staaten eine lebenslange Haftstrafe verbüßt) herausgegeben wurde, in der der Mord an as-Sādāt gebilligt und die Vorgehensweise der Gruppe dadurch für legal erklärt wurde.[iv]


Die Muslimbruderschaft stellt aktuell trotz ihrer terroristischen Abspaltungen das Musterbeispiel einer islamischen Reformbewegung mit hierarchischer Struktur und breiter Massenbasis mittels karitativer Infrastruktur und legalistischer Strategie dar, während deren terroristische Abspaltungen den Bürgerkrieg mit dem ägyptischen Staat Mitte - Ende der 1990er Jahre verloren haben. Sie verfolgt weiterhin durch den eingeschlagenen „Marsch durch die Institutionen" langfristig das Ziel der „Islamisierung von unten" bis zur Partizipation an der politischen Macht, um im Zeitablauf primär eine „Islamisierung von oben" durchzuführen, wenn die Gegebenheiten nach dem Ende der Herrschaft des letzten Raïs Muḥammad Ḥusnī Mubārak dies zulassen.


[...]


So unterhielt der als „Mufti von Jerusalem" bekannte Muḥammad Amīn al-Ḥusainī (gest. 1974 n.Chr.), der mit dem Dritten Reich kooperierte, seit 1935 Kontakte zur Muslimbruderschaft durch einen Bruder von Ḥasan al-Bannā. Bis 1947 unterstanden ihm etwa 25 Zweigstellen der Muslimbrüder in Palästina.[i] Während der Kriegsjahre hielt er sich nicht nur in Berlin auf, sondern er rekrutierte für die 13. Waffen-Gebirgs-Division der SS „Handschar" (kroatische Nr. 1) muslimische Freiwillige und wollte nach einem Sieg des Nationalsozialismus im 2. Weltkrieg die Shoa auch in der arabischen Welt vollziehen, wozu er in der Nähe von Nablus ein Vernichtungslager nach dem Vorbild von Auschwitz errichten wollte.


 


[i] Engelleder (2002), S.26.


 


[i] Gerges (2005), S.10.


[ii] Kelsay (2005), S.101f..


[iii] Peters (2005), S.165; Sure 2, Vers 216 lautet: „Vorgeschrieben ist euch der Kampf, obwohl er euch zuwider ist. Aber vielleicht ist euch etwas zuwider, während es gut für euch ist. Und vielleicht liebt ihr etwas, während es schlecht für euch ist. Und Gott weiß, ihr aber wißt nicht Bescheid." [nach Khoury].


[iv] Steinberg (2005a), S.118.


 


Der ewige Kriegszustand zwischen Dār al-Islām und Dār al-Harb


[...]


Seit dem 8. Jahrhundert gilt durch 'Ulama wie Abu l-Hasan al-Māwardī (gest. 1058 n.Chr) die manichäische Zweiteilung der Welt in das Dār al-Islām (Haus des Islam, auch: Dār as-Salām = Haus des Friedens), wo die Šaria gilt, und die übrigen Gebiete des Dār al-Harb (Haus des Krieges), die nicht dem islamischen Recht unterworfen sind.[i] Nach dem einflussreichen 'Alim Yūsuf al-Qaraḍāwiy geht dieses Konzept (welches sich nicht in den heiligen Quellen findet), auf Abū Ḥanīfa (gest. 767 n.Chr.), dem Begründer der hanafitischen maḏhab zurück.[ii]


Grundsätzlich besteht für Muslime die Pflicht zur Führung des defensiven Jihad, wenn das Dār al-Islām  angegriffen wird. So Sure 22, Verse 39-40:


 


„Erlaubnis (zum Kampf) ist denen gegeben, die bekämpft werden, weil ihnen ja Unrecht getan wurde - und Gott hat gewiß die Macht, sie zu unterstützen -," [nach Koury]


 


„(ihnen), die zu Unrecht aus ihren Wohnstätten vertrieben wurden, nur weil sie sagen: Unser Herr ist Gott. Und hätte Gott nicht die einen Menschen durch die anderen abgewehrt, so wären gewiß Mönchsklausen, Kirchen, Gebetsstätten und Moscheen zerstört worden, in denen des Namens Gottes viel gedacht wird. - Und Gott wird bestimmt die unterstützen, die Ihn unterstützen. Gott ist stark und mächtig." [nach Khoury]


 


Die Lehre der manichäischen Zweiteilung der Welt geht darüber hinaus, da sie behauptet, dass das Dār al-Islām sich immer in einem Zustand der Feindschaft gegenüber der Welt der Ungläubigen befindet und, wo und wann immer möglich, den Jihad führen muss, bis alles Territorium der Ungläubigen unter islamische Herrschaft gebracht worden ist, was mit der āyat as-saif durch Allah zur Pflicht bis zum jüngsten Tag erklärt wird. Denn die islamische Rechtstheorie geht nur von der temporären Existenz souveräner Staaten im „Dār al-Harb" aus. Dazu muss man wissen, dass es nach islamischer Lehre keine Territorialstaaten gibt, sondern sich die Umma als Gemeinschaft mit dem Rest der Welt der Ungläubigen im Kriegszustand befindet.[iii]


Dementsprechend verdeutlicht die Bezeichnung des nichtislamischen Bereiches als „Kriegsgebiet" das Grundcharakteristikum der Außenbeziehungen des Islamgebiets im System der Syiar: Der Krieg wird zur rechtlichen Normalsituation.[iv]


 


 


[i] Bostom (2008), S.29.


[ii] Ausführlich hierzu: Ahmed Kalil (ohne Jahresangabe): „Dar Al-Islam And Dar Al-Harb: Its Definition and Significance", unter:


http://english.islamway.com/bindex.php?section=article&id=211.


[iii] Bostom (2008), S.337.


[iv] Pohl (1988), S.65.


 


4. Zusammenfassung   


[...]


Damit folgen „Islamisten" und gläubige Muslime dem Beispiel des unerreichbaren Vorbildes des Propheten, dessen Allzuständigkeit, in Form des von ihm übermittelten Qur'ān und der auf ihn zurückführenden Sunna, die Hoffnung auf den Eintritt in das metaphysische Ǧanna bei kritikloser Nachahmung der Ge- und Verbote und völliger Hingabe vergrößert. Dabei wird der Einsatz des eigenen Lebens im Jihad als größte Anstrengung und verdienstvollster Ausdruck der „wahren" Religiosität und Rechtsleitung propagiert, die sich vollkommen von der Ratio der Reflexion über die Wirkungen der eigenen Handlungen losgelöst hat.


Muhammad wird damit zum Garanten der irdischen kulturell-religiösen Existenz jedes gläubigen Muslim in der Dreidimensionalität von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, da der gläubige Muslim, wenn er seinem Vorbild folgt, zum Repräsentanten der wahren Heilswirksamkeit wird, die den Islam als einzige dem Menschen zugedachte Daseinsform auszeichnet, die sich durch die Auseinandersetzung des Propheten mit den beiden anderen monotheistischen Buchreligionen herausgebildet hat. Gerade Ibrāhīm (Abraham) wird durch den Propheten zum Stammvater des Monotheismus der Hanīfiyya, der ursprünglichen Religion Abrahams, die sich nicht nur vom damals herrschenden Polytheismus der Makkaner, sondern explizit auch vom Juden- und Christentum abgrenzt. So Sure 2, Vers 135:


 


„Und sie sagen: »Werdet Juden oder Christen, so folgt ihr der Rechtleitung.« Sprich: Nein, (wir folgen) der Glaubensrichtung Abrahams, als Anhänger des reinen Glaubens; und er gehörte nicht zu den Polytheisten." [nach Khoury]


 


Das gilt auch für Jesus, der durch Sure 9, Vers 30 zum Zeugen wider dem Christentum erhoben wird, da er nicht Gottes Sohn, sondern ein Prophet und Diener Allahs ist:


 


„Er sagte: »Ich bin der Diener Gottes. Er ließ mir das Buch   zukommen und machte mich zu einem Propheten." [nach Khoury]


 


5. Counterjihad


[...]


Gerade Konvertiten, die einen quantitativ steigenden Anteil des homegrown terorrism ausmachen, finden in der (oft vereinfacht gesehenen) Religion in einer Zeit von Verlusten oder Biographiebrüchen einen seelischen Halt und eine neue soziale Identität. So kann der Jihadismus mit historischen Gestalten, wie Bilāl Ibn Rabāḥ, Aspiranten für den Jihad anwerben. Ibn Rabāḥ war ein freigekaufter Sklave aus Afrika, Konvertit und einer der Gefährten des Propheten in Makka, der in Madina zum ersten mu'adhdhin (Muezzin) wurde. Dieses Amt gab er unter dem zweiten Kalifen 'Umar auf, um sich am Jihad zu beteiligen. Er ist bis heute eine legendäre und hoch angesehene Gestalt des Islam.


Diese Entwicklungen fordern neue Ansätze vernetzter Sicherheit, die im Grundgerüst der „LINE" Strategie zusammengefasst werden. Diese Strategie beinhaltet auszufüllende Eckpunkte und ist als ein grobes Anleitungsmuster anzusehen:


 


•            Lokalisierung der Strukturen


•            Infiltration, wenn möglich


•            Neutralisierung der Agitations- und operativen Möglichkeiten


•            Eliminierung, wenn notwendig


 


 


 


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