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> Politik, Gesellschaft > Fremd im eigenen Land
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Politik, Gesellschaftskritik
Buch Leseprobe Fremd im eigenen Land , Bernd Staudte
Bernd Staudte

Fremd im eigenen Land


Zwischen STASI und HARTZ 4

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Von einem Vorwort darf der Leser zu recht erwarten, das er in angenehmer Weise vom Inhalt des Buches einen ersten Eindruck über den Autor gewinnen kann. Eine Auswahl von Begebenheiten und Anschauungen, zusam­mengefügt wie die Gedanken der Menschen selbst in aller Buntheit und Vielfalt. Neben Abenteuerlichkeit und Spannung steht die gewonnene Weisheit des Erlebten Pate. Eine schicksalsschwere Kindheit, eine entbehrungsreiche Jugend, als Soldat in einem Raketeninstandsetzungswerk, als Bergmann im Uranbergbau der Wismut, als Fischverarbeiter in orkanaufgewühlter See, gefährliche Abenteuer im Dunkel unzugänglicher Höhlen, Fernstudium und Forschungsarbeit, Patententwicklungen, STASI-Überwachung, Ehescheidung, spirituelle Erlebnisse, Tod gesagt, HARTZ 4 bezogen, Heirat in China und unendliches mehr. Wen würde so ein Lebenslauf nicht interessieren? Aber ist es nicht ebenso wertvoll seine Beobachtungen auf die Veränderungen und Geschehnisse unserer bewegten Zeit zu richten? Den fokussierenden Blick Dingen des Lebens zuzuwenden, die uns zu entgleiten drohen. Auf Menschen im Alter. Auf das entfremdende Leben in den Großstädten dieser Welt. Auf verlorene Träume. Meine Biografie schärft den Blick für die Dinge, die es wert sind gesehen zu werden und sollten meinen Lesern Kurzweil und ein möglichst großes Spektrum an gedanklichen Freiräumen und Konformität in der eigenen Anschauung freisetzen. Ich wurde in eine Zeit hineingeboren, die man mit Recht als nicht beneidenswert bezeichnen darf. Der zweite Weltkrieg tobte noch ein Jahr. Mein Vater war drei Wochen vor meiner Geburt in der Normandie gefallen, meine Mutter riss mich fast jede Nacht aus dem Schlaf und flüchtete mit mir vor den Bomben der Alliierten in den Keller. Zu essen hatten wir kaum etwas, meine Mutter tauschte die Eheringe und die geschenkte Bettwäsche aus der Kriegshochzeit von 1940 gegen Kartoffeln, etwas Wurst, Butter, Eier oder Fleisch beim Bauern. Ich konnte die fette Milch nicht vertragen und erbrach all die „guten Sachen“ wieder. Am besten bekam mir klares Wasser und frisches knuspriges Brot. Das ist mir bis heute geblieben. Nach 1945 suchten uns erst die Russen heim, dann die Amerikaner. Die Amis ordneten an, dass die Bewohner meiner Heimatstadt allen Schmuck, Uhren, Fotoapparate, Radios und eventuelle Waffen auf den Marktplatz zu bringen hatten, wo diese auf einen Haufen geworfen wurden und dann fuhren sie mit einem Panzer darüber. Mein Heimatort lag genau in der Demarkationslinie, die uns später in West- und Ostdeutschland trennte. In Rodewisch standen die Russen und in Plauen die Amerikaner. Als meine Mutter mit mir im Sportwagen und in einem alten Bus nach dem völlig zerstörten Plauen fuhr, um in der zerbombten Stadt nach der Frau ihres Bruders zu suchen, wurde ich beinahe auch ein Opfer. Einer der unerwarteten Bombenangriffe begann aus heiterem Himmel, und als meine Mutter mit den Kinderwagen in einen Hausflur flüchten wollte, da flog ein noch heißer Granatsplitter in meinen stabilen Korbkinderwagen. Zum Glück ohne Schaden für mich. Jedenfalls gab es niemand der unsere traumatischen Erlebnisse später psychologisch behandeln musste und trotzdem ist gerade meine Generation, der Jahrgang 44, besonders kreativ geworden. Aus meiner Jahrgangsklasse wurden alle Schüler ordentliche und fleißige Menschen. Meine Biografie entstand aus dem Grund, meinen von mir getrennten Kindern und vielleicht meinen Enkeln etwas aus meinen Leben, meinen Denken, meinen Fühlen, meinen Problemen und meinen Hoffnungen nahe zu bringen. Dinge zu schreiben, die ich persönlich auszusprechen, keine Gelegenheit hatte. Ich schilderte mein Leben wie es war und wie ich es empfand. Dabei hatte ich stets das Wohl anderer im Auge, denn die Wirklichkeit war noch viel schlimmer, als ich es hier schilderte. Man muss sein Leben annehmen, ob man es will oder nicht. Meine Biografie wurde notgedrungen auch eine Reflexion der inneren und äußeren Bedingungen in Deutschland, in einem Zeitraum von 1944 bis in das Jahr 2010 und es zeigte sich, dass die deutsche Geschichte seit Otto von Bismarck bis Jetzt eine Zeit der Drangsal für uns Deutsche war, und es wohl auch weiterhin noch bleiben wird. Ich wurde in diese Zeit hineingeworfen, und keiner fragte mich ob es mir passte. Ich machte das Beste daraus. Möge Gott entscheiden, was entschuldbar in meinem Leben und entschuldbar an denjenigen Menschen ist, die meinen Lebensweg kreuzten und durchkreuzten. Ich selbst will es auffassen, als ein vorübergehendes Ereignis mit einer Anzahl von Lernlektionen.  Im praktischen Leben zeigt sich der Wahrheitsgehalt, oder die Richtigkeit aller aufgestellten Theorien und sogenannter "Gesetzmäßigkeiten" in aller Deutlichkeit, aber auch die Tatsache, dass diese leider gar nicht gesetzmäßig sind. Wir müssen feststellen, dass es stets anders kommt und anders läuft als angenommen. Das Leben bewegt sich wohl in einer unendlichen Abfolge von Ereignissen, die ein ETWAS in Variationen, Permutationen und Kombinationen mit uns durchspielt. Und dieses gigantische kosmische Programm läuft unabhängig von unserem Willen ab. Wir werden von den Zwängen dieses Willens gelebt, und der formlose Geist, der da sprach: ICH BIN, DER ICH BIN, wird uns wohl noch lange ein Geheimnis, aber auch eine Geisel bleiben. Und nun will ich Sie mitnehmen auf die Reise in mein ungewöhnliches Leben.


 Geschrieben im Jahr 2010


 


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