Suchbuch.de

Leseproben online - Schmökern in Büchern


Kategorien
> Politik, Gesellschaft > Euroland 3
Belletristik
Bücher Erotik
Esoterik Bücher
Fantasy Bücher
Kinderbücher
Krimis & Thriller
Kultur Bücher
Lyrikbücher
Magazine
Politik, Gesellschaftskritik
Ratgeberbücher
regionale Bücher
Reiseberichte
Bücher Satire
Science Fiction
Technikbücher
Tierbücher
Wirtschaftbücher
Bücher Zeitzeugen

Login
Login

Newsletter
Name
eMail

Politik, Gesellschaftskritik
Buch Leseprobe Euroland 3, Cornelia und Franz von Soisses
Cornelia und Franz von Soisses

Euroland 3


Der Deutschen Weg

Bewertung:
(184)Gefällt mir
Kommentare ansehen und verfassen

Aufrufe:
1159
Dieses Buch jetzt kaufen bei:

oder bei:
erhältlich bei Amazon
Drucken Empfehlen

Die Vereinigten Staaten von Europa sollen es werden, aber nach welchem Vorbild denn? So etwas wie die Vereinigten Staaten Amerikas wird aus Europa nicht werden, obwohl es wohl diese sind, die in dieser Schimäre von einer Idee beinhaltet sein sollen. Aus deutscher Sicht ist ein Blick auf die Wiedervereinigung hilfreich, um Idee von Realität zu unterscheiden. Was als Wiedervereinigung bekannt ist, war tatsächlich der Beitritt der fünf neuen Länder in den Einzugsbereich des Grundgesetzes. Untermalt mit der politischen Metapher: "Es wächst zusammen, was zusammengehört." Der Gedanke ist nicht sonderlich falsch, nur wuchs in den bisherigen 22 Jahren nichts zusammen. Ost- und Westdeutsche sind sich so fremd wie seit Bestehen der Mauer vorher auch. Wie auch nicht, bei unterschiedlichen Biografien, Erinnerungen und Lebensumständen. Es macht ja nichts ungeschehen, nur weil die Währung eine andere ist, oder statt eines Generalsekretärs nun ein Kanzler an der Macht sitzt. Die damals 20-Jährigen sind nun 40-Jährige mit enttäuschten Erwartungen über die Versprechen der Wiedervereinigung. Sei es im Westen über den Soli, jene Zusatzsteuer, die seit der Wiedervereinigung erhoben wird, seien es die Ostdeutschen über den weiterhin bestehenden Einkommensunterschied für die gleiche Arbeit. Oder sei es die Arroganz der Westdeutschen, die den Ostdeutschen befremdlich ist, wie umgekehrt den Westdeutschen die Ostalgie der Ostdeutschen unverständlich ist. Die damals 40-Jährigen sind heute 60-Jährige oder älter mit trüber Aussicht auf die Altersrente, die nachhaltig durch die Agenda 2010 der SPD und der Politik der CDU immer geringer wird. Das einstmalige Wohlstandsversprechen wurde für ungültig erklärt, man habe über seine Verhältnisse gelebt. Da wundern sich die Ostdeutschen - wir Ex-DDRler können eher nicht gemeint sein - und die Westdeutschen staunen - wir zahlen den Soli und jetzt gibt es auch noch weniger Rente dafür? Hätten wir das vorher gewusst, dann stünde die Mauer noch, so würden die Westdeutschen und die Ostdeutschen antworten, aber 5 Meter höher, als sie gewesen ist und mit Glasbausteinen, dass ihr herüberschauen könntet, wie gut es uns geht. Die damals 60-Jährigen sind seither Rentner und Kummer gewohnt, sie haben immerhin den Hitler gehen sehen und den Honecker auch, an Kohls "blühende Landschaften" hat man ohnehin nie geglaubt und bis heute hat die auch noch niemand gesehen. Eine Wiedervereinigung gibt es nicht - im Sinne von zusammenwachsen, was zusammengehöre. Da braucht man vor einer Vereinigung Europas keine Angst zu haben, die zeichnet sich noch lange nicht ab. Wer sollte denn da mit wem zusammenwachsen, in welcher Erinnerungsgemeinsamkeit oder erwartungsvoller Hoffnung? In gemeinsamer Verarmung? Nö, lasst mal gut sein, so war die Sache ganz bestimmt nicht gedacht, noch je gewollt. Wir haben in Deutschland noch genügend zu tun mit der Wiedervereinigung, nämlich diese zu verdauen, vom Schaffen sollte man da besser nicht reden. Vielleicht glauben jene Jahrgänge daran, die damals erst geboren wurden und von den alten Zeiten nichts kennen, nichts wissen und vermutlich auch nichts wissen wollen. Vielleicht, darauf verlassen sollte man sich eher nicht, denn diese Generation sind die heute 20-25-Jährigen mit geringen Einkommen, prekären Arbeitsverhältnissen und ungewissen Perspektiven - sozialen Sicherungen, Rentenanwartschaften, Arbeitsplätzen. Da fehlt noch viel Zukunft im eigenen Land, geschweige denn eine Zukunft in Europa - im Angesicht von Griechenland und Portugal. In vielleicht noch einmal 20 Jahren wird Deutschland sich eingewöhnt haben in seine Wiedervereinigung, aber zusammengewachsen wohl eher noch nicht, so schnell verblassen die Erinnerungen nicht und werden Biografien nicht ausgeheilt. Wir schreiben dann das Jahr 2032, die Republik wird gealtert sein, mehr deren Einwohner, weil sie sich mehrheitlich in Rente befinden, falls die Politik nicht doch noch die Rente mit 75 erfindet.


Für den Inhalt dieser Seite ist der jeweilige Inserent verantwortlich! Missbrauch melden



© 2008 - 2019 suchbuch.de - Leseproben online kostenlos!


ExecutionTime: 3 secs