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> Politik, Gesellschaft > Die unanständige Gesellschaft
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Politik, Gesellschaftskritik
Buch Leseprobe Die unanständige Gesellschaft, Helmut Hoppe
Helmut Hoppe

Die unanständige Gesellschaft



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Vorwort ........................7

Kapitel 1:
Die Mauern der Berufsinhaber.....10

Kapitel 2:
Die Ausgeschlossenen als Gegenstand der Umverteilung ................31

Kapitel 3:
Der getäuschte Bürger im Wohlfahrtsstaat..................50

Kapitel 4:
Von der Hauptschule ins Abseits .79

Kapitel 5 :
Es gibt keine Empörung .........115

Kapitel 6:
Gesellschaft ohne Solidarität...131

Kapitel 7 :
Die Zurichtung zum Konkurrenzverhalten............143

Kapitel 8:
Ist politische Bildung ein Weg ? ............165

Kapitel 9:
Eine andere Verteilung der Arbeit ........197

Kapitel 10:
Schlussbemerkungen ............224


Vorwort

Viele Menschen sind von der Arbeitsgesellschaft ausgeschlossen. Sie haben keine Arbeit, mit der ein Leben in Würde gelebt werden kann. Die Ausgeschlossenen werden um ihre Lebensziele betrogen. Politiker geben einfache Erklärungen für die Ursachen der Arbeitslosigkeit ab. Die verschiedenen gesellschaft-lichen Gruppen suchen die Gründe bei jeweils anderen: „ Die Löhne sind zu hoch", „Die Ausländer nehmen uns Arbeitsplätze weg", „Das Arbeitslosengeld ist zu hoch", „Die Gewinne der Unternehmen sind zu niedrig", „ Durch die Globalisier-ung werden Arbeitsplätze ins Ausland verlagert", „ Die Steuern müssen gesenkt werden", „ Die Aus-bildung der Arbeitslosen ist schlecht". Diese Argumente haben die Aufgabe zu verschleiern, weshalb Menschen systematisch aus dem Arbeitsmarkt gedrängt werden.

Es bestehen umzäunte Berufsgruppen und Teilarbeitsmärkte, in denen bis zu einem gewissen Grad die Marktmechanismen von den Arbeits-platzbesitzern mit Erfolg außer Kraft gesetzt werden. Mit Berufszertifikaten versuchen die Gewinner ihre Position zu sichern. Unsere Berufsgesellschaft erzeugt eben Verlierer. Die Bildungs-einrichtungen bereiten junge Menschen gerade auf diese Konkurrenzgesellschaft vor. Die Ausgeschlossenen werden vom Sozialstaat anonym versorgt, um sie milde zu stimmen. Dadurch kann sich unsere Konkurrenzgesellschaft im Gleichgewicht halten. Denn die Privilegierten sind die Gewinner, sie führen ein gutes Leben. Aber wie lange noch? Es könnte Wege geben, um die Ausgestoßenen zu integrieren. Wird der Sozialstaat diese Wege ebnen? Nicht mit Arbeitslosengeld II, sondern mit dem Zurückschneiden liebgewonnener Privilegien. Die Gründe werden dargelegt, weshalb die Verschleier-ung notwendig ist, und wodurch sie so gut funktioniert. Zuletzt werden andere Wege vorgestellt, damit alle Menschen am Erwerbsleben teilhaben können.

Nicht der Ruf nach dem Sozialstaat, sondern eine gesellschaftliche Diskussion über ein verändertes Erwerbsleben der Menschen ist gefordert! Es muss sich etwas ändern in unserer Gesellschaft. Wie können Menschen zufrieden sein, wenn andere unglücklich sind.


Kapitel 1

Die Mauern der Berufsinhaber

Berufe haben im Grunde die Aufgabe Arbeitsmarktchancen durchzusetzen, sowie Status- und Versorgungsan-sprüche zu erhalten. Wenn die Arbeitnehmer ihre Interessen wahr-nehmen, geht es auch um Anerken-nung, die einen familiären Hinter-grund hat. Das heißt, welche Berufe erlernt werden, liegt an der Schichtzugehörigkeit der Eltern.

Viele traditionelle Berufe sind ausgestorben. Neue Berufe sind entstanden, weil die Arbeitsteilung fortgeschritten ist, und die Arbeitnehmer ihre Positionen neu absichern mussten.

Insgesamt zeigt sich, wie auch im Verlauf der Modernisierung der Arbeitswelt, trotz aller Verände-rungen im Qualifikationsbereich, dass die soziale Ungleichheit der Berufe, ihre Bindungen an ganz bestimmte soziale Milieus und Schichthintergründe, eher verstärkt als gelockert wird. Damit werden aber Berufe zum wesentlichen Werkzeug der Wiederherstellung und Stabilisierung dieser sozialen Ungleichheit. Parallel zur Hierarchie der sozialen Schichten, verläuft die Hierarchie der Berufe, und entspricht so den Erfordernis-sen der innerbetrieblichen Hierarchie der Arbeitsplätze. Berufe entstehen also durch viel-fältige Interessen.

Aus der Sicht der Arbeitnehmer sind Berufe ein Instrument der sozialen und materiellen Absicherung.

Viele Menschen glauben nun, Berufsabgrenzungen wären die Ursache für soziale Ungleichheit. Das ist nicht so, es ist die Folge von sozialer Ungleichheit und ihren Wirkungen. Genauer, Berufe sind ein Mittel zur Erhaltung sozialer Ungleichheit. Dieser Entstehungs-hintergrund hat natürlich erheb-liche Auswirkungen für den Arbeits-markt, dessen Struktur und Funktionsweise.

Es gibt also auf dem Arbeitsmarkt so etwas wie Trennlinien, und zwar parallel zu den in der Gesellschaft vorhandenen sozialen Milieus, innerhalb derer sich ein Austausch von Arbeitnehmer so gut wie gar nicht stattfindet. Also Angehörige bestimmter Schichten und Milieus ihre Arbeitstätigkeiten gleichsam von Generation zu Generation vererben. Damit Arbeitnehmer ihre Existenz sichern können, müssen sie sich beruflich ständig speziali-sieren, bestimmte, gegen andere deutlich abgegrenzte Fertigkeiten erwerben.

Hier besteht die Tendenz den Arbeitsmarkt aufzuspalten und in getrennte Teilmärkte gegeneinander abzuschotten. Dadurch entstehen Teilarbeitsmärkte, in denen ein Austausch nur mit Schwierigkeiten möglich ist. Innerhalb dieser Teil- märkte ist wiederum die Ausbildung, Zuweisung und Entlohnung der Arbeitnehmer mit starken Regelungen und Privilegien verbunden.



Die Aufspaltung des Arbeitsmarktes in berufliche Teilarbeitsmärkte hat natürlich auch eine Reduzierung der Konkurrenz zur Folge, denn Grenz- linien zwischen den Berufen wirken als Trennlinien der Konkurrenz. Diese Räume der Konkurrenzfrei- heit sind umzäunt und verschlossen für andere Berufsinhaber. Sie bewahren die Arbeitenden damit vor einem Bedrohen seiner eigenen sozialen und materiellen Existenzinteressen. Umgekehrt gelingt es den Arbeitsuchenden schwerlich in einen geschlossenen Teilarbeitsmarkt einzudringen.

Niedrigqualifizierte Suchende werden nur im Betriebsrand ausgetauscht. Diese Widersprüche auszubalancieren wird einem Kräftespiel überlassen, wobei das Risiko des Scheiterns die indivi-duellen Berufstätigen tragen. Aus dieser Sicht enthalten berufliche Teilarbeitsmärkte ein stets labiles, ein strategisches Potential im Streit um bessere Pfründe, sichere Einkommen und Ver- meidung fremder Macht.

Kann der Staat diesem Kräftespiel Regeln entgegensetzen, in dem die Ausgeschlossenen die Hürden besser überwinden können?

Die Basis für den segmentierten Arbeitsmarkt ist das beruflich gegliederte Ausbildungssystem. Einen eigenen Ausbildungsgang für jeden Beruf ist ein wesentlicher Schritt zur Etablierung eigener Interessen und ein strategisch günstiges Instrument um zukünftige Positionen zu sichern. Auf der anderen Seite ist die durchlaufende Ausbildung in der Jugendphase vorentscheidend für den Eintritt in das Beschäftigungssystem, was schwerlich später korrigiert werden kann. Das ganze wird untermauert durch klar gegeneinander abge-grenzter Bildungsabschlüsse. Mit der Verteilung von Qualifikationen ist zugleich einen Verteilung von Verdienstchancen, Beschäftigungs-sicherheit, Anerkennung und Macht verbunden.

Indem nun die Gliederung des Bildungssystem die Berufsgliederung und -teilungen widerspiegeln, wird auch über Statusansprüche, über Abhängigkeit und Autonomie und soziale Ungleichheit entschieden. Erst durch die Verkopplung von Bildungs- und Berufssystem erhalten Bildungsgänge eine soziale Status-zuweisung. Diese Mehrfach-funktionalität der Bildungsgänge (Qualifizierung, Berufszuweisung, Statuszuweisung ) hat nun wichtige Konsequenzen für die Entstehung und Bewältigung von Ungleichgewichten auf dem Arbeitsmarkt. Jetzt wird deutlich, das Arbeitsmarktun-gleichgewichte weniger auf die fehlende subjektive Beweglichkeit der Arbeitslosen, sonder vorgängig begründet liegt an der Unbeweglich-keit unserer Ausbildungsstrukturen.

Damit soll nicht ausgesagt werden, das Höherqualifizierung der Arbeitslosen gleich die Arbeits-marktprobleme lösen, denn die Arbeitsbesitzer würden in diesem Fall die Hürden für die Ausge-schlossenen höher legen. Nein, der Staat sollte Regeln festlegen und durchsetzen um die Hürden tiefer zu legen. Diese Regeln würden jedoch tief bis in die Bildungssysteme hineingreifen. Er würde allerdings auf erbitterten Widerstand der auf- strebenden Milieus stoßen, die sich um ihre erwarteten Positionen betrogen fühlten. Es muss auch hervorgehoben werden, dass der Suche nach Anerkennung des Menschen von den wirtschaftlichen Markt-bedingungen zugearbeitet wird und eine besondere Wirkung entfalten.



Der Beruf eines Menschen ist das Medium seiner persönlichen Entwicklung. Es werden persönliche Fähigkeiten ebenso wie welche für Erfordernisse des Arbeitsmarktes erworben. Auf jeden Fall werden sie zu einem Mittel, um sich unter Konkurrenzbedingungen eigene Interessen zu sichern. Bei der Aus-bildung sind die wirtschaftlichen Entwicklungen relevant, Fähigkeiten müssen am Markt verwertbar sein, und milieueigene Erwartungen müssen befriedigt sein. Letzteres gilt besonders für berufliche Haltungen und Einstellungen, die bereits in der vorgängigen Sozialisation weit entwickelt wurden, heißt an herkunftsbedingte Fähigkeits-strukturen anknüpfen. Wenn es nämlich so ist, dass unterschied-liche Herkunftsmilieus unter-schiedlich sozialisieren und also dem einzelnen unterschiedliche Grundfähigkeiten vermitteln, dann reproduziert die ökonomisch günstigste Berufsausbildung genau dieses Herkunftsmilieu. Somit wirkt berufliche Sozialisation ungleich-heitsstabilisierend.



Die Menschen begegnen sich nicht mehr primär als Mitbewohner, Nachbar oder Mitmenschen, sondern als Berufsinhaber. Die Frage nach dem Beruf, gibt fürs erste eine ausreichende Sicherheit woran ich mit dem anderen bin und was ich von ihm erwarten kann. Als Berufsin-haber weiß ich wie andere mich behandeln und ansprechen, und wie ich mein Handeln darauf abstimmen muss.

Der Beruf ist ein identitätsstift-endes Medium, und ein wichtiges Vermittlungsglied sozialer Bezieh- ungen. Für den Aufbau der eigenen Identität ist sehr eng die Übernahme der durch wichtige andere Personen zugeschriebenen Identität verknüpft.

Ist einmal ein Beruf gewählt, sind auch andere Entwicklungsmöglich-keiten abgewählt. Es stehen keine realen Alternativen mehr offen und die innere Bindung an den unter Opfern erlernten Beruf wachsen. Das bedeutet bei einem Verlust des Arbeitsplatzes ein wanken des berufliche Selbstbildes. Ist die Identifizierung mit dem Beruf die wichtigste Sinnsuche, kommt es nämlich zu Ängsten vor Statusver-lusten bei Arbeitsmarktanpassungen.

Die Folge wird sein, dass sich die Menschen bei Gefahr ihres Arbeitsplatzverlustes noch weiter beruflich einschließen und andere ausschließen.

Auch ist bei den Ausgeschlossenen, das bei Einschnitte des Selbst-bildes durch Statusverlust und Störungen der Lebensplanung, die Sozialisation ihrer Kinder in Gefahr. So wird Freude und Misere an Kinder weitergegeben.



Durch die Einführung neuer Produktionskonzepte in den Unter-nehmen, um auf dem internationalen Markt konkurrenzfähig zu bleiben, wird die Struktur des Lebensberufes immer unbrauchbarer. Die Menschen müssen mit mehrfachen Berufswechsel rechnen. Oder wird es in Zukunft eine Gesellschaft ohne Berufe geben? Wenn die Menschen sich auf ein lebenslanges lernen einrichten müssen, wird es keine Berufs-biographien mehr geben. Entsprechend diesen Beobachtungen ist festzuhalten, dass die Zahl der offiziell registrierten Arbeits-losen bei knapp fünf Millionen liegt, und die Dauerarbeits-losigkeit ständig steigt. Neben diesem Heer von Arbeitslosen gibt es noch Personengruppen die in Überbrückungsmaßnahmen bei Jugendlichen und Warteschleifen bei Schülern stehen. In allen diesen prekären Lebensverhältnissen sind große Probleme der gesellschaft-lichen Integration begründet.

Hier findet eine Entberuflichung von weiten Teilen der Bevölkerung schon statt. Hatte der Beruf bisher eine wichtige Stütze der Abwehr von unliebsamer Konkurrenz und Identifizierung mit dem Habitus des sozialen Umfeldes, entpuppt er sich nun als Bremse im Wandel ökonomischer und technischer Entwicklungen. Weiterhin geschützt bleiben allerdings weitgehend die Staatsbeamten, die sich vom Berufswandel und vom ökonomischen Wandel unserer Gesellschaft abkoppeln konnten. Man hat ihnen zwar Bildschirme von PC's auf die Schreibtische gestellt, aber ihre Einstellungen zum Staat als Arbeitgeber und Versorger haben sich nicht geändert.

Dieser umgrenzte Teilarbeitsmarkt ist für die Ausgeschlossenen schwer zu durchdringen.



Die Herstellung und Prägung einer mehr oder weniger sozial erwünschten Persönlichkeit findet auch im Beruf statt, besonders in der Berufsarbeit des Lehrers. Ganz allgemeine gesellschaftliche Strukturen werden dort Realität.

Das bedeutet auch, dass große gesellschaftliche Probleme, wie hohe Arbeitslosigkeit, Umwelt-verschmutzung, Ressourcenver-schwendung und die Problematik wachsender sozialer Ungleichheit direkt oder indirekt aus der Arbeit verschiedener Berufsgruppen her-vorgeht. Hier wird erkennbar, dass in Berufen nicht nur gesell-schaftliche Probleme bearbeitet und gelöst, sondern erzeugt und reproduziert werden.

Es stellt sich auch die Frage, warum Berufstätige in ihrer Arbeit ihnen zuwachsende gesellschaftlich-politische Funktionen nicht bewusst wahrnehmen. In Wahrheit sind es natürlich Eigeninteressen (Lohn, Karriere, Ansehen und Freizeit ) der Lohn- und Gehaltsabhängigen. Welche gesellschaftlichen Prozesse da in Gang gesetzt werden ist eher belanglos. Um noch mal den Beruf des Lehrers zu sehen, so unterrichtet er nicht einfach nur Kinder, sondern er hat in seiner alltäglichen Verrichtung faktisch die gesellschaftliche Funktion der Sozialisation der nachwachsenden Generation.



Berufsarbeit kann zum Hebel gesellschaftlicher Veränderungen werden, falls die Einsicht, dass gesellschaftliche Verhältnisse nicht anders verändert werden können als in der Veränderung jener subjektiven Praxis, in der sie auch hergestellt und reproduziert wird.

Von verschiedenen gesellschaft-lichen Gruppen wird oft der Markt, Kapitalismus oder die Globalisier-ung als eine übergeordnete Macht dargestellt. Es ist ein Ablenkungs-manöver, um eigene Interessen zu wahren. Wie kommt es nun eigent-lich, dass jene politischen Funktionen in der Berufsarbeit in der beschriebenen Weise von den Arbeitenden meistens nicht erkannt werden? Der Berufstätige kommt in eine konflikthaltige Situation, sollte er einerseits gesellschaft-liche Probleme bearbeiten und anderseits die Logik des interessenbezogenes Handeln verfolgen. So kann sich ein Sozialarbeiter nicht an seinem soziologischen Wissen über gesellschaftliche Entstehungs-zusammenhänge der Armut orientieren, sondern muss einmal von Amts wegen handeln und seine eigenen Interessen wahren. In dieser Lage wird er sein Handeln wohl eher nach schicksalhaften und individualistischen Deutungen ausrichten.

Ähnlich ist es wohl bei Menschen, die in der Rüstungsindustrie, in der Pharmabranche oder als Steuerberater arbeiten. Das bedeutet, dass gesellschaftliche Problembearbeitung in Form von Berufen zum Vehikel der Verfolgung privater Zwecke des arbeitenden Menschen wird. Der lohnabhängige Berufstätige ist also aus Gründen seine Existenzsicherung und Aner-

kennungswünschen gezwungen, seine Arbeitskraft auch nach Zeit-gesichtspunkten zu entwickeln und einzusetzen.

Es kommt sogar zu verschärften Abschottungstendenzen gegenüber anderen, wenn durch Spezial-kompetenzen, Wissen für sich behalten und Arbeitszeiten voll ausschöpfen, Konkurrenz fern-gehalten wird. Wenn es zusätzlich zu Ungleichgewichten durch Konjunkturabschwünge kommt, können sich natürlich die Beschäftige mit hohen sozialen und kulturellen Kapital am sichersten der Arbeits-losigkeit entziehen. Es sollten Regeln gefunden werden, um Ausge-schlossene in den Arbeitsmarkt wieder einzubinden. Neben der Förderung von sozial benachteilig-ten Kinder in den Bildungsein-richtungen, um die soziale Ungleichheit in der Gesellschaft nicht dort zu zementieren, muss auch über eine Arbeitszeitver-kürzung nachgedacht werden.

Durch den technischen Wandel in der Produktion, also durch Produktivitätssteigerungen werden immer weniger Menschen gebraucht. Hier ist zu überlegen, ob eben alle Arbeitssuchende an der vorhandenen Arbeit teilhaben sollen. Also der Abbau von Abstellgleisen im dreigliedrigen Schulsystem und im Beschäftigungssystem ist der rechte Weg in die Zukunft. Denn es ist ja nicht richtig, dass zwei Drittel der Erwerbstätigen 40 Stunden und der Rest nicht oder nur wenig in der Woche arbeitet.

Eine Arbeitszeitverkürzung kommt so oder so, entweder durch eine 30- Std. Woche oder durch noch höhere Arbeitslosigkeit und ein Anstieg der geringfügigen Beschäftigung.

Eine Arbeitszeitverkürzungspolitik, die menschliche Zukunft zum Ziel hat, ist unabdingbar geknüpft nicht nur an der gerechteren Verteilung vorhandener Arbeitsplätze, sondern an einer tief greifenden Neu-organisation des ganzen Systems gesellschaftlicher Arbeit. Wer dagegen die jetzige Ordnung in ihrer Substanz für unantastbar hält, wie es die Wachstumspropheten tun, wird langfristig diese Ideologie nicht durchhalten können, weil immer mehr Ausgestoßene verarmen und leiden.

Es gab schon einmal eine Zeit der Arbeitszeitverkürzung, so recht mag sich niemand erinnern.

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