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> Politik, Gesellschaft > Die Macht des Schwertes
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Politik, Gesellschaftskritik
Buch Leseprobe Die Macht des Schwertes, Doris Vogt-Köhler
Doris Vogt-Köhler

Die Macht des Schwertes


Der Stasi entkam niemand

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Der Zug hält mit einem quietschenden Ruck. Marie


balanciert Trittbrett für Trittbrett den Koffer nach sich


ziehend den uralten Eisenbahnwaggon hinunter. An


zwei Holzstangen ist ein Schild befestigt: Kleinzwözen.


Also hier ist sie richtig.


Der Bahnhofsvorsteher steuert bereits auf einen Flachbau


aus roten Klinkern zu, nachdem er einen durch


Mark und Bein gehenden Pfiff aus seiner Trillerpfeife


abgegeben hat. Der Zug rollt so schnöde und nichtssagend


davon, wie er gekommen ist. Aussteigen und


Ankommen im Nichts, in einem verwaschenen Bettlaken


von Grau in Grau. Jetzt lugt der Bahnhofsvorsteher


doch hinter einem zerkratzten, vergitterten Glasfenster


hervor. Er wendet nicht einmal den Blick von


ihr, als sie ihn ebenso anstiert. Die Augen in seinem


Kopf scheinen bewegungsstarr. Nichts deutet darauf


hin, dass er mit ihr Kontakt aufnehmen möchte. Der


Sand unter ihren Füßen gibt nach. Er ist noch regenfeucht.


Einzelne Pfützen zeichnen sich ab.


Genau dem Bahnhofsgebäude gegenüber sitzen drei


alte, dunkel gekleidete Frauen auf einer Bank. Die


Münder von allen Dreien sind fest verschlossen, und


doch scheinen sie sich zu unterhalten. Die Frau rechts


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nickt ab und zu. Die Hände der Frau in der Mitte


schwimmen über ihren Schoß. Die Frau links putzt


unentwegt ihre Nase in ein umhäkeltes Taschentuch.


Die Beine der drei Frauen stehen wie ein schwarzer


Säulengang unter der Bank.


Als Marie genau vor ihnen steht, schaut sie in ihre


Gesichter und sucht da, wo die Augen sind, eine


Regung. Wimpernlos und krallig richten sie ihren


Blick an ihr vorbei in eine verlassene Ferne, in die


am Horizont gerade der Zug eintaucht. Sicher sehen


sie Tag für Tag und Jahr für Jahr diesem 10-Uhr-Zug


nach. Warum sollen sie diese zum Reflex gewordene


Gewohnheit wegen der Gestalt da aufgeben? Im Übrigen


will sie auch gar nichts von den Frauen. Es gibt


sowieso nur diese eine durchlöcherte Teerstraße in


Richtung Kleinzwözen.


Meter um Meter schleppt sie den immer schwerer


werdenden Koffer weiter. Der Koffer mit seinem spärlichen,


von der Stasi genauestens überprüften Inhalt,


ist ihr einziger Besitz. Sie weiß nicht einmal, wer


diesen Koffer gepackt hat. Geramschte Unterwäsche,


aber auch eine fein gestickte Bluse ihrer Oma, die sie


immer für ihre Kleiderentwürfe inspiriert hatte, waren


neben den ausschließlich schwarzen Kleidungsstücken


dabei. Der Koffer ihr rettender Strohhalm? Eine


alte, halbverhungerte Krähe mit abgefledderten Federn


beäugt sie von der Telefonleitung. Nur die Russen


durften so stümperhaft Leitungen verlegen. Sie krächzt..............


 


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