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> Politik, Gesellschaft > Die Burg der Nymphen
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Politik, Gesellschaftskritik
Buch Leseprobe Die Burg der Nymphen, Katja Groening
Katja Groening

Die Burg der Nymphen


Starke Frauen

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Ich sehe sie noch genau vor mir und ich kann mich auch noch genau an das Datum erinnern. Es war der vierzehnte April 1971 in der Nähe der Neuen Kirche in Den Haag. Ich war damals neunzehn Jahre alt und im Hubertuspark, in Scheveningen und in Delft auf Beutetour gewesen. Meinen Lebensunterhalt – oder was ich damals dafür hielt – verdiente ich mir mit Diebstählen und Prostitution. Ich hatte in den letzten drei Tagen viel eingenommen und wollte mich eigentlich für eine Woche auf die faule Haut legen. Plötzlich sah ich sie auf mich zukommen. Sie trug einen Kurzmantel, einen Minirock, der mehr offenbarte als verbarg, und weiße hohe Stiefel mit astronomischen Absätzen. Diese Art von jungen Frauen kannte ich: reich, naiv bis zur Schmerzgrenze und verzogen bis zum Gehtnichtmehr. Eine Frau also, die ohne das Geld ihres lieben Papis nicht überlebensfähig war. Solche Opfer hatte ich am liebsten. Wenn ich denen die Handtasche klaute, blieben die völlig erschrocken und verschüchtert stehen, ohne einen Laut von sich zu geben. Diesen Frauen und Mädchen fühlte ich mich in meinen Jeans, Turnschuhen und mit einem Kurzhaarschnitt versehen weit überlegen. Weibisches Gehabe war mir fremd und nur im äußersten Notfall, also bei extremer Kälte, trug ich mal eine Feinstrumpfhose unter der Jeans. BHs besaß ich gar nicht. Mein Busen war nicht sehr groß und unter meinen weiten Pullovern fiel der sowieso nicht auf. So kam es ab und zu vor, dass ich mit einem Jungen verwechselt wurde. Das gab mir Auftrieb und bestätigte mich in meinem Handeln. Nur die Harten kommen durch. Allerdings nutzte ich meine Weiblichkeit ab und zu, um an Geld zu kommen. Ich stellte mich nicht an die Straße, wie die Bordsteinschwalben. Das war mir zu blöd. Da hätte ich mich auch ganz anders kleiden müssen. Dazu hatte ich keine Lust. Ich hatte sehr schnell festgestellt, dass es auch anders ging. Ein Pastor aus einer nahen Kirche stand auf junge Mädchen und machte nicht viel Federlesen. Immer wenn ich mal in Geldnöten war, ging ich zu ihm. Er brauchte nie lange, stellte keine Ansprüche und zahlte relativ gut. Der Stand auf Hundesex und das kam mir sehr entgegen. Ich musste nur die Hose herunterziehen, mich bücken und schon war ich in fünf Minuten wieder draußen. Da sich das herumgesprochen hatte, standen die Straßenmädchen bei ihm Schlange und er konnte wählen. Dreckige, versiffte, bekiffte oder alkoholisierte Mädchen hatten keine Chance, aber das war es auch schon. Nachts oder ganz früh morgens, wenn die Kirche leer war, lehnte er mich auch schon mal mittendrin über eine Kirchenbank. Im Angesicht des Herrgotts machte es ihm besonders viel Spaß. Aber auch in der Sakristei oder oben auf der Orgelbank hatte er keine Hemmungen. Manchmal waren sogar Leute in der Kirche. Da es für mich nur ein Geschäft war und er sehr leise kam, fiel das nicht auf. Es war leicht verdientes Geld und so war mir der Rest völlig egal. Ehe ich in meine kleine Wohnung gehen und endlich mal wieder durchschlafen wollte, hatte ich mir noch eben beim Pastor ein kleines Zusatzeinkommen verschafft. So war es noch sehr früh, als mir Lina über den Weg lief. Ich stellte mich hinter eine Mauerecke und wartete bis sie heran war. Kaum war sie an mir vorbei, sprang ich hervor und griff nach ihrer Tasche. Es sollte der letzte Job für heute werden. Sie drehte sich so schnell um, dass ich erschrak. Mich konnte damals eigentlich nichts mehr erschüttern, aber diese schnelle Wendung ließ mich kurz innehalten. Ihre Handkante traf mich seitlich am Hals und schlagartig wurde es Nacht um mich. Als ich die Augen wieder aufschlug, stand eine alte Frau neben mir und eine etwas jüngere beugte sich über mich. Zuerst vernahm ich die Stimme der Jüngeren nur von ganz weit her. Dann war ich wieder klar. Sie fragte mich, ob alles in Ordnung sei. Ich starrte sie nur verwirrt an, sprang auf und rannte davon. Kaum war ich in meiner Wohnung – heute würde ich Dreckloch dazu sagen – angekommen, wurde mir schwindlig und ich legte mich sofort ins Bett. Erst am Abend kam ich wieder zu mir. Nachdem ich meine Gedanken etwas sortiert hatte, dachte ich über das Erlebnis nach. Wie konnte eine solche Frau einen solchen Schlag haben? Sie hatte mich doch wirklich vollkommen überrumpelt. Mich, die schon alles mitgemacht und erlebt hatte, was man sich in seinen kühnsten Horrorträumen nur ausmalen kann. Diese Frau faszinierte mich irgendwie. Eine absolut weibliche Erscheinung gepaart mit einem dermaßen kühlen und überlegten und völlig unaufgeregten Auftreten, war mir noch nie begegnet. Diese Frau musste ich wieder sehen. Diesmal würde ich vorbereitet sein. Diesmal würde ich mir ihre Handtasche unter den Nagel reißen. Diesmal würde ich gewinnen. Gleich am nächsten Morgen machte ich mich auf den Weg zur Kirche. Allerdings traf ich sie nicht an und so ging ich erst mal frühstücken und danach meinen kleinen Geschäften nach. Die Einschlagstelle ihrer Handkante spürte ich noch tagelang und so hatte ich keine Chance, diese Frau zu vergessen. Da ich niemals Lust hatte, meine Sachen zu waschen, stahl ich mir ab und zu neue. Meine Alten verscherbelte ich für ein paar Gulden an die Mädchen vom Bahnhof oder verschenkte sie einfach, wenn ich mal meine Mitleidsphase hatte. Die Mädchen am Bahnhof hatten keinen Stil. Sie warfen sich alles ein, was es gab, oder hingen an der Nadel. Um an Stoff zu kommen, bückten sie sich bei jedem, der auch nur einen Gulden springen ließ. Oft waren die so zu vom Alkohol oder Heroin, dass sie nur apathisch abhingen und nichts mehr mitbekamen. Die waren so weit unten, dass es ihnen völlig egal war, wer gerade mit ihnen rum machte. Da ich sehr vorsichtig war, wechselte ich oft die Stadt. So war ich ein paar Tage in Rotterdam gewesen und davor in Groningen. Jetzt war ich wieder in Den Haag, legte mich früh aufs Ohr und wollte am nächsten Morgen den Pastor aufsuchen. Auf dem Weg zur Kirche fiel mir die Frau mit der Handkante wieder ein. So ging ich nicht direkt zur Kirche, sondern schlich erst einmal in der Umgebung herum. Vielleicht lief die mir ja noch mal über den Weg. Ich suchte die Straßen ab, konnte sie aber nirgends entdecken. Als ich die Kirche betrat, saßen ein paar alte Leute verstreut in den Bänken. Sie nahmen keine Notiz von mir und so schlenderte ich nach vorn zum Altar. Der Pastor hielt keine Andacht. Er lief nur geschäftig hin und her. Als zwei junge Frauen in Miniröcken die Kirche betraten, rannte er ihnen sofort entgegen und verwies sie der Kirche. In seinem Gotteshaus hatte die Unmoral keine Chance. Ich hatte dieses Gebaren schon mehrfach hier erlebt und musste innerlich lachen über diesen Quatsch. Der hatte es gerade nötig, über Moral zu predigen. Auf dem Rückweg zum Altar kam er an mir vorbei und nickte in Richtung der Sakristei. Während er für alle Anwesenden sichtbar zum Altar ging und seine Bibel richtete, verschwand ich unbemerkt in dem kleinen Nebenraum und trat hinter den roten Vor-hang. Es dauerte nicht lange und ich hörte ihn kommen. Um die Sache zu beschleunigen, zog ich meine Jeans und meine Strumpfhose herunter und bückte mich. Schon spürte ich ihn in mir. Plötzlich hörte ich, wie der Vorhang zur Seite gerissen wurde. Ich erschrak furchtbar und ehe ich reagieren konnte, zog er sich ruckartig zurück. Auch seine Hände spürte ich nicht mehr auf meinen Hüften. Als ich mich umdrehte, war ich allein. Hatte er jemanden kommen hören und sich aus dem Staub gemacht? Ich zog mir die Hosen wieder hoch und trat in die Kirche zurück. Der Pastor lag mit offener Hose auf dem Rücken vor der Sakristeitür und starrte völlig verängstigt auf eine Frau, die mit gespreizten Beinen über ihm stand. Die freie Sicht unter ihren Rock schien ihn nicht im Geringsten zu interessieren. Viel später, als ich mal wieder mit Freude an diese Szene zurückdachte, fiel mir der bekannte Spruch eines berühmten holländischen Showmasters ein. Er hatte immer gerufen: „Das wär Ihr Preis gewesen!“ Sofort kamen einige Kirchenbesucher dazu und starrten neugierig auf die Szene. Einige hatten natürlich gesehen, dass nicht nur die Frau und der Pastor aus der Sakristei gekommen waren, sondern auch ich. So starrten sie zwischen mir, dem Pastor und der Frau hin und her. Der Pastor rührte sich immer noch nicht. Die Angst stand ihm ins Gesicht geschrieben. Für Schamgefühle hatte er offensichtlich in diesem Moment keine Zeit. Die Frau blickte mich traurig an, trat über den Pastor hinweg und kam auf mich zu. Ich drehte mich sofort um und lief weg. Weit kam ich allerdings nicht. Sie hatte mich trotz ihrer hohen Absätze nach wenigen Metern eingeholt und griff mir von hinten in den Nacken. Da ich meistens weiß, wann ich verloren habe, blieb ich sofort stehen. Noch einen Handkantenschlag wollte ich mir nicht einfangen. Sie drehte mich zu sich um, sah mir noch einmal traurig ins Gesicht, ließ mich los und ging davon. Es dauerte einen Moment, bis ich mich wieder gefangen hatte. Ich warf einen letzten Blick zurück und sah, dass der Pastor immer noch reglos am Boden lag. Die Leute standen diskutierend und kopfschüttelnd drum herum. Dann verließ ich die Kirche. Hier würde ich wohl erst mal nichts mehr verdienen können. Draußen wartete die Frau auf mich. Zuerst wollte ich mich an ihr vorbeidrücken, aber ihr Blick sagte mir, dass es besser war, auf sie zuzugehen. Sie gab mir freundlich lächelnd die Hand und fragte mich, wie es mir ginge. Da ich dem Frieden nicht traute, log ich, dass es mir gut ginge. Sie hakte mich unter und zog mich mit sich fort. In einer Seitenstraße betraten wir ein kleines Café und setzten uns an einen Tisch. Sie bestellte Heiße Schokolade und Kuchen für uns. Anschließend erzählte sie mir eine Geschichte, ihre Geschichte: „Ich bin Jüdin und wurde 1942 hier ganz in der Nähe geboren. Meine Familie wurde von einem Geschäftsfreund meines Vaters vor den Nazis versteckt. Wir waren eine reiche Familie, da mein Vater mit Rohstoffen handelte und dabei sehr erfolgreich war. Wir hatten ein großes Haus in der Stadt und einen Landsitz in der Nähe von Delft. Kurz bevor die Nazis kamen, hat mein Vater viel Geld ins Ausland transferiert, um es vor den braunen Verbrechern in Sicherheit zu bringen. Allerdings war er der irrigen Auffassung gewesen, dass die uns selbst nicht anrühren würden, da er meinte, sich und uns freikaufen zu können. Anfangs gingen die Nazis noch darauf ein. Er stellte ihnen unser Stadthaus zur Verfügung und gab ihnen viel Geld. Eines Tages bekam er einen Tipp von einem Freund. Der erzählte ihm, dass man vorhabe, uns zu verhaften. Er hätte das von einem Nazi gehört. So versuchte mein Vater alles, um das Land mit uns verlassen zu können. Leider war es zu spät. Wir kamen nicht mehr raus und eine geheime Flucht war ihm zu gefährlich. Er bat mehrere ehemalige Freunde um Beistand, aber keiner wollte uns helfen. Was er für diese Leute getan hatte, wie oft er ihnen geholfen hatte, zählte nun nicht mehr. Ich denke sogar, dass sich einige Menschen die Hände rieben, als bekannt wurde, dass mein Vater Angst vor dem KZ hatte. Der ganze Neid kam nun ans Tageslicht. Nur einer seiner Freunde erklärte sich bereit, uns im Keller einer seiner Häuser zu verstecken. Nachts schlichen meine Eltern mit meinen beiden Schwestern zum Versteck. Der Freund hatte in dem alten Gemäuer einen geheimen Raum, der von außen nicht ersichtlich war. In den zog meine Familie ein. Der Freund entpuppte sich allerdings schnell als falscher Freund. Er verlangte hohe Summen für Miete und Verpflegung. Er hätte schließlich das enorme Risiko zu tragen und würde selbst mit einem Bein im Knast stehen. Meine Mutter war mit mir schwanger und so tat mein Vater alles, um es ihr und seinen Töchtern so bequem wie möglich zu machen. Leider ging ihm irgendwann das Geld aus. Vom Geld, das er im Ausland gebunkert hatte, erzählte er dem Vermieter nichts. Das hätte nichts gebracht, da er sowieso nicht dran gekommen wäre. Als alles Geld verbraucht war, stellte er meinen Vater vor die Wahl, entweder Auszug oder Naturalien. Das hieß, er wollte von einem weiblichen Wesen verwöhnt werden. Meine Mutter bot sich sofort an, wurde aber wegen ihrer Schwangerschaft von ihm abgelehnt. So musste meine älteste Schwester herhalten. Sie war da-mals erst neun Jahre alt und meine Mutter machte einen großen Aufstand und weigerte sich, ihre Tochter für eine solche Bezahlung zur Verfügung zu stellen. Allerdings war nichts zu machen. Der Vermieter ließ sich nicht umstimmen und so musste meine Schwester mit ihm gehen. Meine Mutter nahm das dermaßen mit, dass die Wehen plötzlich einsetzten und ich etwas zu früh zur Welt kam. Eine Hebamme wurde zwar geholt, aber die durfte nur kurz nach dem Rechten sehen und musste unser Verlies schnell wieder verlassen. Gut, dass meine Mutter eine Krankenschwersternausbildung gemacht und schon zwei Kinder bekommen hatte. Andernfalls wäre die Geburt wohl nicht so glimpflich abgelaufen. Da unser Vermieter die Hebamme bezahlt hatte, wurde nun auch meine andere Schwester zum Naturaliendienst herangezogen. Meine Mutter war zu schwach, um sich dagegen aufzulehnen und mein Vater war einfach nur pragmatisch. Was hätte er auch tun sollen? Durch ein Radio, dass uns der Vermieter zur Verfügung gestellt hatte, wussten wir, was draußen los war und auch der Vermieter brachte das eine oder andere Gerücht mit in den Keller. Natürlich wollte er meinen Eltern Angst einjagen, um sie gefügig zu halten. Als ich etwa zwei Jahre alt war, wurde auch ich zum ersten Mal herangezogen. Ich kann mich nur noch dunkel erinnern, aber es war bestialisch. Da ich dem Vermieter wohl zu laut schrie, kam ich sehr selten an die Reihe. Meine größeren Schwestern mussten wesentlich öfter herhalten. Eines Tages hörten wir, dass die deutschen Truppen immer weiter zurückgedrängt wurden. Der Vermieter kam in den Keller und bat meinen Vater, ein gutes Wort für ihn einzulegen, wenn die Deutschen weg wären. Er hätte uns ja immerhin das Leben gerettet. Die Zustimmung meines Vaters kam wohl nicht ehrlich genug rüber und es war klar, dass der Vermieter, der ja einmal der Freund meines Vaters gewesen war, ihm nicht glaubte. Ein paar Tage später, es muss kurz vor dem Ende der Kämpfe gewesen sein, kam der Vermieter zu uns in den Keller. Er hatte zwei Männer bei sich, die Pistolen trugen. Der Vermieter ließ uns allein. Kaum hatte er die letzte Treppenstufe erreicht, zogen die Männer ihre Pistolen und feuerten auf uns. Ich wurde von meiner tödlich getroffenen Mutter umgerissen und unter ihrem Körper begraben. Erst als die Männer weg waren, traute ich mich unter meiner Mutter hervor. Die lauten Schüsse hatten mich fast taub gemacht. In der hintersten Ecke stand ein alter Kleiderschrank. In dem stapelten sich unsere Sachen. Ich stieg hinein und versteckte mich unter Hosen, Kleidern und Pullovern. Da ich die Tür von innen zugezogen hatte, konnte ich von außen nicht gesehen werden. Ich hatte aber die Möglichkeit, durch den Türspalt nach draußen in den Raum zu spähen. Da ich in dem Alter noch kein richtiges Zeitgefühl hatte und wir in dem Kellerraum auch niemals Tageslicht gesehen hatten, weiß ich heute nicht mehr, wie lange ich mich dort im Schrank versteckt habe. Die Leichen meiner Familie lagen noch lange draußen im Raum verstreut auf dem Fußboden. Erst nach vielen – ich nehme mal an – Tagen kamen Leute die Treppe herunter. Sie sahen sich um. Ein Mann rannte würgend nach oben. Zwei andere Männer besahen sich die Toten. „Selbstmord“, hörte ich einen der Männer sagen. Er bückte sich und hielt plötzlich eine Pistole in der Hand. Diese Pistole erschreckte mich dermaßen, dass ich mich noch tiefer in den Sachen vergrub. Die Männer gingen im Raum hin und her und betrachteten alle Sachen. Dann kam der eine auf den Schrank zu, öffnete ihn, spähte kurz hinein und verschloss ihn wieder. Ich hörte, wie der Schlüssel im Schloss gedreht wurde und mir wurde klar, dass ich nun im Schrank gefangen war. Jetzt konnte ich auch nichts mehr sehen. Es war stockdunkel um mich herum. Nur von ganz weit her konnte ich hören, dass die Männer sich unterhielten. Ich lauschte gespannt, konnte aber kaum etwas verstehen. Als die Stimmen verstummt waren, wartete ich noch eine ganze Weile, ehe ich mich unter den Sachen hervortraute. Dann drückte ich vorsichtig von innen gegen die Schranktür, aber die gab nicht nach. Ich drückte fester, aber nichts rührte sich. Erst als ich mit all meinen Kräften gegen die Tür drückte, bemerkte ich, dass sie etwas nachgab. Ich nahm einen Schritt Anlauf und sprang gegen die Tür. Ein leises Knacken war zu hören und ich schöpfte Hoffnung. Wieder sprang ich gegen die Tür und wieder knackte es leise. Ich weiß heute nicht mehr, wie oft ich gegen die Tür gesprungen bin, aber beim letzten Sprung knackte es lauter und ich konnte sie anschließend etwas aufdrücken. Vorsichtig schaute ich durch den Spalt und sah, dass die Toten nicht mehr da waren. Da keine Menschenseele im Raum war, drückte ich fest gegen die Tür und sie gab nach. Das von meinen Sprüngen angeknackste Holz gab nun endgültig auf und zersplitterte vollends. Jetzt konnte ich die Tür aufdrücken und ins Freie krabbeln.


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