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Politik, Gesellschaftskritik
Buch Leseprobe Corona Stilblüten, Rega Kerner
Rega Kerner

Corona Stilblüten


Seltsamkeiten in Virus-Zeiten

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22. März


Freitag kam ein Anruf vom Altersheim: »Ihre Mutter hat keine Zahncreme mehr.«


»Äh, ja, und nun?«


»Sie müssen welche besorgen und vorbeibringen.«


»Das ist jetzt nicht ihr Ernst?«


»Wieso? Doch, sie braucht doch Zahncreme.«


»Okay, aber sie haben doch sicher noch irgendwo eine Tube zum Überbrücken, ich kann doch jetzt nicht ins Altersheim kommen.«


»Warum nicht?«


»Äh, haben Sie nicht mitgekriegt, was im Land los ist?«


»Doch, doch, hab ich.«


»Auch, dass man die Alten schützen soll?«


»Sie können das doch trotzdem eben vorbeibringen.«


»Sie meinen, beim Pförtner abgeben?«


»Nein, wir brauchen das schon auf der Station.«


»Ich soll also Zahncreme kaufen und sie unbedingt persönlich ans Stationsteam übergeben?« (Ich fange an zu kichern, das kann nur ein Witz sein.)


»Ja, natürlich. Oder im Zimmer ihrer Mutter lassen.« (Nee, merke ich am gereizten Ton. Sie meint es ernst.)


»Das halte ich für keine gute Idee. Erstens kann ich nicht wissen, ob ich selbst infiziert bin, zweitens bin ich sowieso normal erkältet, das könnt ihr da auch nicht gebrauchen und drittens verlassen meine Tochter und ich die Wohnung nicht.«


(Jetzt wird sie wütend):»Kann ich doch nicht wissen, dass Sie Ausgehverbot haben!«


(Langsam werde ich auch genervt:) »Ich habe KEIN Ausgehverbot! Aber seit Monaten Erkältung! Vielleicht nicht das neue Corona, aber mindestens zwei andere, darum war ich schon länger nicht da. Und selbst wenn das nicht wäre, würde ich einen Teufel tun, jetzt erst in einen Einkaufsladen, dann in den Bus und dann vor allem noch quer durchs Altersheim in den dritten Stock zu marschieren, mit immer mindestens drei Leuten im Fahrstuhl, dann durch eure gut besuchte Wohnküche und, wenn keiner am Tresen ist, jemand von euch in den Gängen suchen – NUR wegen einer Tube Zahncreme!«


»Sie kommen also nicht?«


»Nein!« »Dann bestellen wir das in der Apotheke und schicken Ihnen die Rechnung.«


»Apotheke? Das kauft man normalerweise in der Drogerie.«


»Das können Sie gerne machen und vorbeibringen.«


Ich starre einen Moment wortlos den Hörer an, wohl zu lange, sie hakt nach: »Bringen Sie jetzt Zahncreme oder sollen wir die bestellen?«


»Entschuldigung, sie können nichts dafür, aber ich muss das doch mal sagen. Jedes Jahr wird saftig erhöht, diesen Januar ›nur‹ um rund 100,- im Monat, wie meist, letztes Jahr sogar um 250,- und wir zahlen jetzt schon deutlich mehr als VOR der sogenannten Pflegereform. Bei allem Respekt vor ihrer Arbeit, denn bei Ihnen kommt davon sicher nix an, aber ist bei den Heimtarifen echt nicht mal im Krisenfall eine Tube Zahnpasta drin? Sie kriegen die auch gern zurück, wenn ich nach der Krise wieder ein Sammelpack bringe.«


»Wir bestellen immer in der Apotheke. Soll ich das jetzt machen, oder kommen sie vorbei?«


Mir fällt nix mehr ein, außer: »Ich hoffe und bitte Sie, jetzt nicht alle Angehörigen nacheinander ins Heim bestellen, nur für Zahnpasta oder Shampoo.«


»Dann bestell ich jetzt und Sie kriegen die Rechnung.«


»Ja.«


Nun bin ich gespannt auf die Rechnung, vermutlich Zahncreme für zwanzig Euro …


 


WICHTIG: Dies soll keine Kritik an der Pflegekraft sein! Sie muss gemäß ihrer Vorgaben handeln und die machen dort tolle Arbeit! Ich fragte mich nach diesem Gespräch aber: Wenn es selbst an sensibler Stelle nur ›nach Vorschrift‹ gehandhabt wird (in Bremen 1 Besuch pro Tag erlaubt) – sogar dazu auffordernd, statt davon abratend – was stimmt dann mit unserer KOMMUNIKATION nicht? UND: Wie können wir von jungen Leuten erwarten, dass sie den Sinn besser verstehen, als eine Pflegerin im Altersheim?


ALSO: Bitte bleibt freundlich zueinander, gerade! bei Unverständnis. Und erklärt es immer, immer, immer wieder:


#CoronaCodex #StayTheFuckHome


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