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ZERFALL


Lyrik zwischen Mythos, Wahn und Grabeskälte

von J. Mertens

lyrik
ISBN13-Nummer:
B00ABNVZXM
Ausstattung:
135 Seiten, E-Book
Preis:
2.68 €
Mehr Infos zum Buch:
Website
Verlag:
Mobilus Moonworks
Kontakt zum Autor oder Verlag:
j.mertens@mobilus-moonworks.de
Leseprobe

MEIN SPIEGELBILD

 

Mein Spiegelbild, es grinst mich an
Ich blicke auf einen diabolischen Mann
Und wie ich mich drehe, wie ich mich auch stelle
Gegenüber von mir steht ein Mordgeselle


Er verfolgt mich bis in die nächtlichen Daunen
Scheint mir verächtliche Dinge zu raunen
Begleitet den Traum auf Schritt und Tritt
Und selbst in die Gebete kommt er mit


Stets wird er da sein, ewiglich
Denn ich bin er, und er ist ich
Eine Trennung lohnt sich nicht zu wagen
Alle Spiegel kann ich nicht zerschlagen


Und doch kommt fremd er oft mir vor
Wie ein Kunstobjekt aus Satans Labor
Er sieht mir ähnlich im Gesicht
Doch boshaft, nein, das bin ich nicht


Doch manchmal, ohne es zu wollen
Da tausch ich doch mit ihm die Rollen
Und wenn ich getan, was er befahl
Hab ich die Reue, er den Gral


Da steht er wieder und starrt mich an
Bis ich mich nicht mehr wehren kann
Und wieder ziehe ich für ihn hinaus
Verlasse messerwetzend das Haus


Die Ärzte sprechen von Hysterie
Den wahren Schuldigen kriegen sie nie
Der nichts als Glas benutzt zum Schild
Den Mörder, den Drack – mein Spiegelbild

Klappentext

Wenn es dem Teufel allein nicht gelingt, uns in den Wahnsinn zu treiben, so nimmt er den Dichter in die Pflicht ...

Zu diesem Schluss könnte der Leser nach Genuss dieses lyrischen Bandes kommen. Der Horrorautor J. Mertens, ansonsten bekannt für kompromisslose Darstellungen unübertreffbaren Grauens, liefert mit dieser Sammlung von Gedichten und Kurzprosa eine treffsichere Ergänzung für sein bisheriges Werk. Klassische Themen um Liebe und Tod driften hier in Gehirnregionen ab, die noch kein Seelenkundler erforschen konnte. Schonungslose Abrechnungen mit modernen Gegebenheiten stoßen die gesellschaftlichen Systeme in einen Sumpf der Abscheulichkeit. Die Psychonautik in diesem Werk führt uns in ein selbst geschaffenes Inferno, dessen Grenzen zu der vertrauten Welt nicht mehr fassbar sind und lässt uns entsetzt feststellen, dass der Teufel, den es zu meiden gilt, längst tief in nicht hinterfragten Alltäglichkeiten ansässig ist.

Erlöser oder Kerkermeister? Der Leser entscheidet für sich, ob er in den Zeilen Wahrheiten erkennt oder sich angewidert abwendet. Er wird sich auf das Abenteuer einlassen oder empört das Buch zur Seite legen. Der Autor scheut keinen Tabubruch und keine Provokation, und depressiv veranlagte Zeitgenossen seien vor der Lektüre gewarnt.

Und es wird die Frage nach dem wahren Ursprung der Bösartigkeit bis zuletzt bleiben. Klar umrissen werden lediglich die zwei größten Geheimnisse der Menschheit: das Leben und der Tod - zwei Unbekannte, die genug Spielraum bieten für mancherlei Gräuel.

Lautlos fällt der Vorhang nieder
Ein gierig schwarzes Leichenhemd
Auf ewig - öffnet nimmer wieder
Dies Stück - vertraut und doch so fremd