Suchbuch.de

Leseproben online - Schmökern in Büchern

zurück zum Buch

Kapitaler Spot(t)


Politische Lyrik

von Peter Bostelmann

lyrik
ISBN13-Nummer:
9783957162700%20
Ausstattung:
Softcover, 152 Seiten
Preis:
12.90 €
Mehr Infos zum Buch:
Website
Verlag:
Verlag-Kern.de
Leseprobe


Ich kenne ihn
Ich kenne ihn,
den, mit dem aufrechten Gang,
das Alphatier, das über allen thront.
Er bringt die Welt zum Laufen
und läuft dem Geld hinterher.
Hunde laufen nach Stöckchen, als Spiel.
Bienen sammeln gemeinschaftlich Honig.
Ein Füreinander ist ihm suspekt,
lieber sitzt er allein, im Sonnenschein.
Und bei bittersüßen Regeln des Lebens
greift er nach Honig.
Warum den Vögeln gleich in Formation fliegen?
Ich kenne ihn. Hängt irgendwo ein Spiegel,
grüßt er erfreut sein Gesicht.
Dieses putzen oder den Spiegel? Das ist die Frage.
Wer Kapital nutzt, um Maximalprofit zu erzielen,
ist ein Kapitalist.
Das gelingt am besten durch Ausbeutung,
die Menschen frisst.
Vergebung
(Bitte im Beichtstuhl)
Hochwürden, ich habe gegen das Siebte Gebot
verstoßen.
– – – – – – – – – – – – – – – – ?
Teile des Lohnes meiner Angestellten einkassiert.
– – – – – – – – – – – – – – – – ?
Mit dem Tod meines Vaters übernahm ich alles,
ohne Sachkenntnisse.
– – – – – – – – – – – – – – – – ?
Meine Frau übernahm den Papierkram,
später meine Tochter.
Sie schimpfte mit mir, sprach von ausbeutendem
Diebstahl.
– – – – – – – – – – – – – – – – ?
Das betraf den Niedriglohntarif,
unbezahlte Überstunden,
Zeitarbeitseinstellungen,
fehlendes Urlaubs- und Weihnachtsgeld,
auch Arbeitszeitkürzungen bei geringen Aufträgen
und anderes mehr.
– – – – – – – – – – – – – – – – ?
Ich hatte mich damit nicht beschäftigt,
denn rechtlich war alles in Ordnung.
Aber das Wort Ausbeutung fiel
in folgenden Diskussionen …
– – – – – – – – – – – – – – – – ?
Wenn man das Geld zusammenzählt,
kommt in den Jahren einiges zusammen.
– – – – – – – – – – – – – – – – ?
Man trägt manches mit sich herum.
Ich kann nicht mehr schlafen.
– – – – – – – – – – – – – – – – ?
Die Klinik stellte bei mir einen Tumor fest,
inoperabel.
– – – – – – – – – – – – – – – – ?
Besteht trotz der Ausbeutung noch Hoffnung
auf Vergebung?
Vor der Wahl, aufgebauscht zum Riesen,
bin ich das Kreuz, gewichtig.
Nach der Wahl, geschrumpft zum Zwerg,
bin ich ein Nichts. Richtig?
Wahlrede an das deutsche Volk
(St. Hessel als Pate)*
Der Wetterbericht sagt ein vertieftes Hoch voraus,
auch wenn
die Werte des Lebens im Konsum ertrinken,
Gewählte die Armen mit Armut beschenken und
Reichtum belohnen,
Schnüffeldienste deine Handlungen der letzten
Nacht begutachten,
das Vaterland wieder zum Heldentod neigt, –
der Wille des Volkes am Nasenring hängt.
Bei lauwarmen Temperaturen knabbern die Zähne der
Demokratie beim Fernsehen am Hühnerbein:
Schlaft weiter und begnügt euch!

*St. Hessel: (Diplomat UNO, Schriftsteller,
Menschenrechtskonvention)
Die Jagd nach dem Geld verlangt hart und
rücksichtslos auf Pirsch zu gehen, auch wenn
die Angst quält, auf der Strecke zu bleiben.
Chance
Er sitzt vor der Glotze, Tag um Tag,
mit Blick auf den Markt.
Sein Schlips schnürt den Hals,
nur Geld kann befreien.
Verkauf von Hoffnung,
Seifenblasen tanzen,
schweben, steigen mit der Musik,
im Rhythmus seiner Regie.
Taumel der Hype,
die ersten Millionen gefasst,
nicht mehr kleckern, klotzen,
teilhaben am großen Festmahl.
Am Sonntag zur Beichte,
flimmert ein redliches Leben.
Es lebe die Ausbeutung,
die Mehrwerte schafft. Amen!
Der kleine Mann ist immer der Dumme.
Seine Schuld. Warum macht er sich klein?
Sandkorn
(Kleiner Mann, noch kleinere Frau)
Sandkorn,
geachtet und getreten,
trägst du die Urkraft täglichen Seins.
Klein an Gestalt
vollbringst du Großes.
Vergiss nie, ohne dich läuft nichts.
Seit ewigen Zeiten
wirst du als Amboss missbraucht,
um Gold zu schmieden für andere.
Stehe auf gegen alle,
die selbstsüchtig leben,
stehe für alle ein, die Menschenrechte bewahren.

 

Ich kenne ihn
Ich kenne ihn,
den, mit dem aufrechten Gang,
das Alphatier, das über allen thront.
Er bringt die Welt zum Laufen
und läuft dem Geld hinterher.
Hunde laufen nach Stöckchen, als Spiel.
Bienen sammeln gemeinschaftlich Honig.
Ein Füreinander ist ihm suspekt,
lieber sitzt er allein, im Sonnenschein.
Und bei bittersüßen Regeln des Lebens
greift er nach Honig.
Warum den Vögeln gleich in Formation fliegen?
Ich kenne ihn. Hängt irgendwo ein Spiegel,
grüßt er erfreut sein Gesicht.
Dieses putzen oder den Spiegel? Das ist die Frage.

 

Klappentext

Die Welt trägt schwer an Terror und Krieg, den Gegensätzen von steigender Armut und nie erlebtem Reichtum. Von diesen Entwicklungen in der Gesellschaft aushegend, bezieht Peter Bostelmann in seinen Gedichten und Aphorismen Stellung. Er betrachtet nachdenklich, kritisch und zuweilen zornig die Widersprüche zwischen den rechtlichen Bestimmungen und ihre Umsetzung in der gelebten Wirklichkeit. In diesem Spektrum, werden die Fragen des Profitstrebens, des Waffenexportes aufgegriffen und den Menschenrechten gegenüber gestellt, wird der Sog des Reichtums in die Belletagen oder der Niedergang sozialer Gerechtigkeit und Anderes mehr untersucht. Die Verse, Aphorismen, rational und knapp gefasst, treffen bestehende Probleme, spiegeln anklagend, nüchtern oder karikierend die Wirklichkeit wieder und regen an, gesellschaftlich aktiv zu werden.