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Die Nonne


Gedichte, Kurzgeschichten und Märchen für ...

von Jürgen Augst

lyrik
ISBN13-Nummer:
9783844239126
Ausstattung:
44 Seiten, 3 Seiten farbig
Preis:
15.80 €
Mehr Infos zum Buch:
Website
Kontakt zum Autor oder Verlag:
juergen.augst@googlemail.com
Leseprobe

Wundertiere

 

Ob Wundertiere traurig weinend Flügel weglegen?

Wundertiere weinen viel, sind nicht von Fesseln frei,

verzehren sich im Liebeswahn, streben der Sonne entgegen.

Wundertiere fabeln Hoffnung - ihr Lebenselixier -

Ein Gemisch aus Mond, Sternen und dem Licht,

frieren im Morgenwind, glühen im Herzen,

träumen den Tagtraum und finden die Liebe nicht.

 

Wundertiere sitzen oft im Trauerwartesaal,

vergehen vor Sehnsucht, die sich nicht erfüllt.

Was nützt ihnen Wissen, was geheim,

wissen alles ums Leben, Götter, Glück

sind sie doch mit all ihrer Liebe so oft so allein.

 

Wundertiere geben niemals auf,

sind Kämpfer, mutig, verbissen und bereit,

zu leiden, lieben und werden ihn finden,

den Regenbaum.

Wundertiere lassen wissen, dass der Tod ein Anfang ist.

Wundertiere, sensible Seelen, leben ihren Traum.

 

 

Die Nonne

Der Sommer neigte sich seinem Ende entgegen und der erste Vorbote des herannahenden Herbstes tanzte an diesem Tage besonders aktiv.
Im Licht der aufgehenden Sonne trugen die Blätter der Bäume ihr schönstes Farbenkleid. Der vergehende Nebelschweif des Morgens und das Perlenmeer aus Tau, spielten die Ouvertüre zur Jahreszeit. Sein wichtigster Gehilfe tobte in den Kronen der drei Pappeln, die wie Wächter vor dem Kloster aufgereiht standen.
Das Auf und Nieder der Wipfel war das einzige Lebenszeichen, für die sonst so stumm daliegende Landschaft. Sieben Glockentöne vermischten sich mit dem Geheul des Windes und riefen zur Morgenandacht. In den Gängen des alten Gemäuers huschten aufgeregt dunkle Schatten hin und her, verschwanden für Sekunden hinter dicken Säulen, um kurze Zeit später wieder aufzutauchen.

Schwester Maria war in Eile, sie hatte wieder einmal verschlafen.
Der Grund lag in der Begegnung mit dem jungen Kapuzinermönch. Er kam seit einer Woche regelmäßig zur Morgenandacht. Auf dem Weg zur Kapelle waren sie ihm begegnet. Maria fand keine Antwort, warum gerade er einen bleibenden Eindruck bei ihr hinterließ. Sie hatte nicht daran geglaubt, dass ihr das jemals passieren könnte. Zu sicher war sie sich, dass sie nur Gott im Herzen trug. Und nun das. Ein neues und aufregendes Gefühl. War sie so schwach, dass ein Moment ausreichte ihre Grundsätze zu erschüttern? Sie brauchte Klarheit, wollte herausfinden, wem ihr Herz gehört. Dem aufregenden Unbekannten oder Gott? Sie beschloss ihn heimlich zu treffen.
Doch wie anstellen? Hilfe musste her. Sie bat Vanessa darum.
"Ich werde sehen, was ich für dich tun kann".
Schwester Maria raffte ihr Gewand, um schneller vorwärts zu kommen. Nach einigen Metern erreichte sie ihr Ziel. Hinter ihr fiel eine schwere Eichentür ins Schloss. Sich bekreuzigend und in demütigender Haltung, ging sie zu den Ordensschwestern auf der rechten Seite. Der Platz neben Vanessa war noch frei.
Gegenüber zur linken, saßen die Mönche. Dazwischen, in einem circa drei Meter breiten Gang, lag eine Novizin. Das Gesicht und den Körper auf dem kalten Steinboden gedrückt und die Arme weit von sich gestreckt. Maria interessierte das nicht, sondern sie suchte den jungen Mönch auf der anderen Seite. Sie entdeckte ihn in der zweiten Reihe. Und da war es wieder, das neue unbekannte und süße Gefühl. Die Predigt des Abtes vernahm sie nur als Rauschen aus weiter Ferne.
Ihre innere Stimme dagegen, sprach laut und deutlich zu ihr.
In ihr Zwiegespräch vertieft, fand sie erst nach einigen Remplern durch Vanessa, in die Realität zurück. Maria erschrak und drehte ihr den Kopf zu. Sie erkannte ein kleines Stück Papier in Vanessas Hand.
"Nun nimm schon".
Aufgeregt nahm sie das Papier entgegen und vergrub es schnell unter ihrem Gewand. Sie schaute Vanessa an. Die schien nun teilnahmslos. Tat so, als wüsste sie nicht, um was es gehe. Das Schmunzeln auf ihren Lippen verriet das Gegenteil.

Die Sonne war längst untergegangen. Zeit, aufzubrechen. Vanessa lief einige Meter vor ihr. Niemand sollte etwas von Marias Abwesenheit mitbekommen.

"Die Luft ist rein."

Sie winkte Maria zu sich.
"Toi, toi, toi," flüsterte Vanessa und nahm sie in die Arme.

"Vergiss nicht vor Sonnenaufgang wieder hier zu sein."
Maria nickte und verschwand im Dunkeln der Nacht.

Klappentext
Rezension